BUCHTIPPS

Todesströmung

Autor: Gordon Tyrie
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-30650-5
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (August 2018)

Die Hebriden-Inseln bei Schottland sind abgelegen und unwirtlich - also ein idealer Ort, um sich zu verstecken. Das ist auch nötig, wenn einem ein Auftragsmord in Glasgow misslungen ist und man selbst zum Gejagten wird …
Genau das ist Hynch und seinem Team von Berufsmördern passiert. Etwas ging schief in Glasgow, doch was war eigentlich für das Scheitern des Schusses auf einen Politiker verantwortlich? Hynch und seine Leute wollen, als Outdoor-Touristen getarnt, die Zeit auf der Hebrideninsel Jura nutzen, um das herauszufinden und sich erst einmal unsichtbar für ihre Verfolger zu machen.
Aber die Hebriden sind klein und dünn besiedelt, Fremde fallen auf. Und so dauert es nicht lange, bis ihre Tarnung auffliegt. Für ihr Schweigen fordern die Insulaner eine Gegenleistung: Hynch soll Jura von einem ungeliebten und landzerstörenden Investor befreien. Und so muss er, bedrängt von allen Seiten, für sich, sein Team und die Insel eine Lösung finden …
Spannend, atmosphärisch dicht, glaubwürdige Protagonisten, spannender Showdown: ideale Sommerlektüre!

Montpelier Parade

Autor: Karl Geary
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-498-02534-2
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (August 2018)







Frühling in Dublin: Sonny ist ein Teenager aus einfachsten Verhältnissen, es fehlt in seiner Familie an Geld, Glück und einem Minimum an Liebe. Neben der Schule jobbt er bei einem Metzger, außerdem hilft er seinem Vater, der sein Geld mit Handwerksarbeiten in Häusern reicher Leute verdient (und gleich wieder verspielt). Bei einem dieser Jobs lernt Sonny Vera Hatton kennen, eine spröde, irgendwie verletzt wirkende Engländerin mittleren Alters, die ganz allein in einer vornehmen Villa an der Montpelier Parade wohnt. Auf den ersten Blick schon ist er fasziniert von ihr. Vera besitzt Unmengen an Büchern, und so freundlich sie zu ihm ist, die Kluft zwischen ihren Welten scheint unüberwindbar. So steht Sonny abends manchmal heimlich in ihrem Garten. Schaut ihr durchs Fenster zu. Und wird - als Zeuge eines Selbstmordversuchs - ihr Lebensretter.

Zu Hause und in der Schule türmen sich derweil die Probleme, und eines Tages klingelt Sonny betrunken und schmutzig an Veras Haustür. Sie lässt ihm ein Bad ein, bereitet ein Bett auf der Couch, aber am Ende liegt er in ihrem. Eine ganz und gar verbotene Beziehung nimmt ihren Lauf. Vera sagt, es kann nicht gut enden. Und irgendwann erzählt sie Sonny eine erschütternde Geschichte ...

Dumplin'

Autor: Julie Murphy
Verlag: Fischer FJB
ISBN: 978-3-8414-2242-2
Preis: 18,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (August 2018)

Willowdean entspricht nicht dem gängigen Schönheitsideal; da braucht es eine gehörige Portion Selbstbewusstsein, um sich halbwegs unbeeindruckt von Blicken und Kommentaren durch die Welt zu bewegen. Überall wo sie hingeht ist sie „die Dicke“, bisher war ihr das herzlich egal, doch in diesem Sommer ist alles anders.
Es ist der erste Sommer ohne ihre Tante Lucy, die für Will eine Art Seelenverwandte war und sie in allem was sie tat bestärkte. Doch nun ist Lucy tot. Und Will ist allein mit ihrer Mutter. Ihrer Mutter, die sie „Dumplin“ - Knödel - nennt und die als junge Frau zur „Miss Teen Blue Bonnet“, der Königin des örtlichen Schönheitswettbewerbs, gewählt wurde. Inzwischen ist sie selbst die Organisatorin des wichtigsten Events des Jahres. Und dieses steht nun wieder kurz bevor. Wie immer geht Willowdeans Mutter voll in den Vorbereitungen auf - sowie auch alle anderen Bewohner der kleinen Stadt. Für die meisten gibt es kein anderes Gesprächsthema mehr.
Will, inzwischen selbst alt genug, um sich für die Teilnahme zu bewerben, hängt der ganze Zirkus zum Hals heraus.
Sie hat besseres zu tun, als über dieses Schaulaufen genormter Schönheiten nachzudenken. Schließlich ist sie schwer verknallt. Bo ist sportlich, attraktiv und zu allem Überfluss ist er sehr nett. Als er Willowdean unverhofft küsst, ist es um sie geschehen. Doch gleichzeitig ist ihr sonst so verlässliches Selbstbewusstsein wie weggeblasen, ihre Gedanken spielen verrückt - vielleicht ist sie ja doch zu dick? Zum ersten mal kann sie nicht bei Lucy um Rat fragen. Und auch ihre beste Freundin Elle steht ihr nicht wie sonst zur Seite. Genervt von ihrem Gefühlschaos und dem oberflächlichen Gehabe um sie herum beschließt sie, am „Miss Teen Blue Bonnet“-Schönheitswettbewerb teilzunehmen und sich und allen anderen zu beweisen, dass nicht bloß eine schlanke Taille über das Glück bestimmt.




Der Schatten

Autor: Melanie Raabe
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-75752-7
Preis: 16,00 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (August 2018)

Gerade ist Norah, frisch getrennt von ihrem langjährigen Partner, von Berlin nach Wien gezogen. Hier versucht die junge Journalistin einen Neuanfang. Ihren neuen Job kann sie schon in zwei Wochen antreten und sie freut sich auf ihre drei guten Freunde, die ebenfalls in Wien leben. So ganz kann sie allerdings die Schatten der Vergangenheit nicht abschütteln, Wien zeigt ihr die kalte Schulter und Norah fühlt sich trotz ihrer Freunde einsam. Als sie durch die winterkalte Fußgängerzone Wiens schlendert, steht plötzlich, wie aus dem Nichts, eine alte Bettlerin vor ihr und spricht sie persönlich an. „Du bringst den Tod. Am 11. Februar wirst du am Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten. Mit gutem Grund und aus freien Stücken“. Danach verschwindet die Bettlerin wieder und eine verwirrte Norah bleibt zurück. Sie kennt keinen Arthur Grimm, warum sollte sie überhaupt irgendjemanden nach dem Leben trachten. Kurz darauf taucht Arthur Grimm in ihrem Leben auf...

Melanie Raabe gelingt es in kürzester Zeit, eine unheimliche Spannung aufzubauen. Der Satz "mit gutem Grund und aus freien Stücken" beschäftigt Norah und den Leser bis zum Finale. Was steckt dahinter, was ist wirklich schon vor Jahren in der Nacht vom 11. Februar geschehen? Der Leser tappt wie Norah im Dunkeln, ist irritiert und weiß teilweise nicht mehr, was Realität und was Einbildung ist. Mit viel Empathie beschreibt Melanie Raabe die Gefühle Norahs, wie verloren sie sich fühlt und welche Ängste sie plagen. Für den Leser stellt sich vordergründig immer wieder die Frage: Wird Norah am 11. Februar Arthur Grimm töten?





Totenweg

Autor: Romy Fölck
Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3-7857-2622-8
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Juli 2018)

Bjarne Haverkorn ist seit 20 Jahren Kriminalpolizist in Itzehoe. Es verfolgt ihn, dass er den ersten Fall seiner Laufbahn, den Mord an einer jungen Frau in der Elbmarsch, niemals klären konnte.
Frida Paulsen ist ebenfalls Polizistin, allerdings noch im Streifendienst in Hamburg; sie arbeitet aber an ihrer Versetzung zur Kripo.
Da wird Fridas Vater überfallen, ein Obstbauer in der Elbmarsch, und liegt im Koma. Frida fährt nach Hause, um ihre Mutter bei der Rettung des Hofes zu unterstützen. Hat dieser Überfall Bezug zu Haverkorns ungelöstem Fall – Frida war damals die beste Freundin der Toten?
Haverkorn und Paulsen, beides eigensinnige Charaktere, müssen sich zusammentun, um beide Fälle lösen zu können: nicht ohne gegenseitiges Misstrauen, nicht ohne alte Wunden aufzureißen, nicht ohne über ihre Schatten springen zu müssen. Und gleichzeitig muss Frida die Existenz des Hofes sichern, der wirtschaftlich in Not ist …
Ein dichter, atmosphärisch gelungener Kriminalroman mit besonderen Protagonisten und einem überzeugenden Ende – zum Glück ist der zweite Teil der Romane um Haverkorn und Paulsen in Arbeit und erscheint im September!

High Dive

Autor: Jonathan Lee
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-75631-5
Preis: 16,00 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Juli 2018)

Südengland, 1984: Die konservative Partei um Regierungschefin Margaret Thatcher plant, ihr jährliches Kabinettstreffen im Grand Hotel in Brighton abzuhalten. Moose, ein ehemaliger Spitzensportler, der seine besten Zeiten allerdings längst hinter sich hat und nun als Hotelmanager im 'Grand' arbeitet, kann sein Glück kaum fassen. Ein reibungsloser Verlauf dieser Tagung wird seine Chancen auf die erwartete Beförderung erhöhen. Schließlich bleiben ihm 24 Tage, um die Organisation dieser wichtigen Tagung zu perfektionieren.
Was er allerdings nicht ahnt: Unter dem Namen Roy Walsh hat ein Mitglied der IRA in Zimmer 629 eingecheckt und eine Bombe versteckt, die in genau 24 Tagen detonieren soll...

"High Dive" ist kein Krimi, kein Thriller. Gleichwohl hat es das Sprengstoffattentat auf die Thatcher-Administration in Brighton gegeben. 1984 starben fünf Parteimitglieder, etliche wurden verwundet, Thatcher blieb unverletzt. Jonathan Lee rückt dieses Ereignis in den Mittelpunkt seines Romans, drapiert allerdings fiktive Figuren um diese Binnenhandlung. Da ist zuerst der allein lebende, von seiner Frau verlassene Hotelmanager Moose, der immer noch von einer erfüllenden Beziehung träumt. Da ist seine fast erwachsene Tochter Freya, die nach ihrem Schulabschluss im 'Grand' an der Rezeption arbeitet und mal wieder unglücklich verliebt ist. Und da ist schließlich Dan, Bombenbauer und -leger der IRA aus Belfast, der schon in früher Kindheit in den protestantisch-katholischen Konflikt hereingezogen wurde...
Jonathan Lee verwebt Fakten und Fiktion zu einem eindringlichen Roman um Gewalt, Gewissen und Loyalität.

Ein anderes Leben als dieses

Autor: Virginia Reeves
Verlag: DuMont
ISBN: 978-3-8321-9869-5
Preis: 23,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Juli 2018)

Roscoe T. Martin ist Elektriker und das aus Überzeugung. Von ganzem Herzen glaubt er an den Nutzen der Elektrizität. Im Alabama der 1920er steht er damit allerdings recht allein da, für seine Frau Marie und die meisten anderen Menschen ist es nichts als eine gefährliche Spinnerei. Als Maries Vater stirbt, drängt diese Roscoe seine Arbeit aufzugeben und mit ihr gemeinsam den väterlichen Hof zu übernehmen. Von da an besteht das Leben aus harter körperlicher Arbeit und vielen Entbehrungen. Es bleibt kaum genug übrig, um die beiden und den gemeinsamen Sohn zu versorgen, und schon bald ist auch von der einst großen Liebe nicht mehr viel übrig.
Als in der Umgebung erste Stromleitungen verlegt werden, schöpft Roscoe Hoffnung. Gemeinsam mit seinem Hilfsarbeiter Wilson zapft er heimlich das staatliche Stromnetz an, um damit den Hof zu versorgen. Von da an blüht das gemeinsame Leben wieder auf. Die schweren Arbeiten gehen mit elektrischer Unterstützung leichter und schneller von der Hand und auch für ihr privates Glück findet die kleine Familie so endlich wieder Zeit.
Doch dieses neue Glück findet schon bald ein jähes Ende, als durch einen Unfall das kleine Vergehen der beiden Männer zu einem großen Verbrechen wird. Roscoe und Wilson werden wegen Mordes verhaftet.
Roscoe muss für zwanzig Jahre ins Gefängnis und trägt von nun an alle Schuld auf seinen Schultern. Nicht nur für sich und seine Familie, die er allein auf der Farm zurücklassen muss, sondern auch für seinen Freund Wilson, der aufgrund seiner Hautfarbe an eine Kohlemine verkauft und sozusagen versklavt wird.
Virginia Reeves erzählt in ihrem Debütroman von einem entbehrungsreichen Leben, voller Vorurteile, Rassismus und Härte. Dennoch bleibt immer ein letztes Quäntchen Hoffnung, dass die Menschen am Leben hält. „Ein anderes Leben als dieses“ überzeugt als Gefängnisroman genauso wie als eindrückliche Familiengeschichte.

Das Mädchen, das in der Metro las

Autor: Christine Féret-Fleury
Verlag: DuMont
ISBN: 978-3-8321-9886-2
Preis: 18,00 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Juli 2018)

Für Juliette gibt es nichts Schöneres als in die Welt der Bücher zu versinken. Morgens in der Metro schlägt sie nicht sehr oft ihr eigenes Buch auf, viel lieber beobachtet sie die Mitreisenden beim Lesen ihrer Lektüren. Da waren die alte Dame, der immer auf Seite 247 eine Träne die Wange herunterkullerte und die ältere Frau, die stets im selben Kochbuch blätterte. Nur zu gerne denkt sich Juliette Geschichten zu diesen Menschen aus. Aus einer Laune heraus steigt Juliette an diesem Morgen früher aus, ein kleiner Fußmarsch bis zu ihrem Arbeitsplatz im Maklerbüro würde ihr guttun. Dabei kommt sie an einem verrosteten Metalltor vorbei, das von einem Buch offengehalten wird.

Juliette lernt Soliman, der inmitten unzähliger Bücher lebt, und seine zehnjährige Tochter kennen. Soliman betreibt ein Art Bookcrossing. Doch seine Agenten legen nicht einfach die Bücher an einem x-beliebigen Ort ab, sondern suchen die passende Person für jedes Buch. Juliette soll nun ebenfalls als Botin fungieren. Dafür muss sie nach einem geeigneten Leser ausschauhalten, ihn beschatten, fühlen was er braucht, um dann das richtige Buch weiterzugeben.

Ein Roman für alle, die gerne lesen um des Lesens willen. Die ein Buch in die Hand nehmen und sich auf die Geschichte freuen, die sich ihnen erschließen wird. Ein leises und charmantes Buch, das kein Herzrasen auslöst, aber eine wohlige Wärme verströmt. Eine rundum schöne Geschichte.












Wir sind dann wohl die Angehörigen

Autor: Johann Scheerer
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05909-1
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Juni 2018)

Vor mehr als 20 Jahren wurde Jan Philipp Reemtsma entführt. Erst nach 33 Tagen kam er nach Zahlung eines sehr hohen Lösegeldes durch seine Familie frei.
Reemtsma selbst hat seine Sicht auf die Entführung in seinem beeindruckenden Bericht „Im Keller“ beschrieben und verarbeitet. Nun gibt es eine weiteres Buch über die 33 Tage aus einer ganz anderen Sichtweise: der des Sohnes.
Johann Scheerer war 13, als die Entführung geschah. Noch am Tag der Entführung hatte sein Vater mit ihm Latein geübt, und sein erster Gedanke, als seine Mutter ihn morgens mit der schlimmen Nachricht weckt, ist, dass er diese Arbeit nun nicht schreiben müsse. Der Gedanke dauert nur einen Moment, die Beschämung darüber hält bis heute an.
Johann schreibt über die entsetzlich langen Tage aus der Perspektive des 13-jährigen Jungen: Beobachtend und fast staunend verfolgt er die Bemühungen und Fehlschläge der Polizei; der Anwalt, der die Verhandlungen führen soll, zieht bei ihnen ein – und muss nach einem Nervenzusammenbruch aufgeben; mehrere Geldübergaben scheitern; er selbst soll Texte der „Ärzte“ auf verborgene Botschaften durchforsten – und je länger das Ganze dauert, desto mehr sind Sohn und Mutter auf sich gestellt, bis sie beschließen, ohne Polizei zu handeln.
Eigentlich geht Johann davon aus, den Vater nicht wiederzusehen, und umso bewegender ist die distanzierte Liebeserklärung des Sohnes an ihn, den buchbesessenen Intellektuellen, der doch nachts um 2 aufstehen kann, um mit seinem Sohn Boxkämpfe anzuschauen.
Wie stark diese Entführung ins Leben aller Beteiligten eingegriffen hat, ist besonders am Ende des Buches zu erkennen, wenn Scheerer zeigt, wie die erfolgreich verdrängten Erlebnisse in kurzen Momenten wieder an die Oberfläche kommen können.
Ein wie ein guter Roman zu lesendes Sachbuch, das mich – wie schon „Im Keller“ – noch lange beschäftigen wird.

Girl Unknown

Autor: Karen Perry
Verlag: Fischer Scherz
ISBN: 978-3-651-02551-6
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Juni 2018)

David Connolly ist Professor für Geschichte an der Universität in Dublin. Zusammen mit seiner Frau Caroline und den Kindern Robbie und Holly führt er ein harmonisches, wenn auch unaufgeregtes Leben: Vorlesungen, Vorträge und die Betreuung von Erstsemestern und Examenskandidaten bestimmen seinen beruflichen Alltag, zuhause sorgen die 11- bzw. 15jährigen Kinder bisweilen für Stress. Alles nichts, was aus dem Rahmen fällt. Das Haus wurde gerade um einen Wintergarten vergrößert, die Küche modernisiert... Den Connollys geht es gut.
Dann steht eines Tages Zoe Barry vor der Tür von Davids Büro und behauptet, seine Tochter zu sein. David ist wie vor den Kopf geschlagen, traut seinen Ohren nicht. Ist Zoe das Resultat seiner Beziehung mit Linda, als er damals in Belfast studierte und Caroline noch gar nicht kannte? Warum hat Linda ihm nichts gesagt?
Nach dem ersten Schock stellt er Zoe seiner Frau und seinen Kindern vor. Allmählich wird sie Teil der Familie, zieht sogar bei den Connollys ein. Doch während sie in Davids Gegenwart schüchtern und verletzlich wirkt, verhält sie sich Caroline gegenüber ganz anders - kühl, berechnend, fast verschlagen. Caroline kommen Zweifel: Ist Zoe die, die sie vorgibt zu sein? Ist sie Tochter? Schwester? Oder eine völlig Fremde, die darauf aus ist, ihrer aller Leben zu zerstören?

Das irische Autorenpaar Karen Gillece und Paul Perry hat mit "Girl Unknown" seinen dritten Psychothriller veröffentlicht. Erneut lotet es gekonnt die emotionalen Untiefen unserer Existenz aus. Und liefert wieder den Beweis, dass Thriller auch ohne Action und ständiges Blutvergießen verdammt spannend sein können!

Eine Insel zwischen Himmel und Meer

Autor: Lauren Wolk
Verlag: DTV
ISBN: 978-3-423-64035-0
Preis: 14,95 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Juni 2018)

Ein winziges Eiland vor der Küste von Massachusetts. Hier gibt es nur zwei Bewohner: Crow, die als Säugling in einem kleinen Boot an den Strand der Insel gespült wurde und Osh, der sie dort vor elf Jahren gefunden und bei sich aufgenommen hat. Nie hat jemand nach Crow gesucht, niemand wusste wo sie herkam. Darum hat es sich Osh, mit Hilfe von Inselnachbarin Miss Maggie, zur Aufgabe gemacht, sich um das kleine Mädchen zu kümmern. So wurde aus den drei einsamen Figuren so etwas wie eine Familie. Wenn es nach Osh ginge, bräuchte es nicht mehr um glücklich zu sein und alles könnte genau so bleiben. Crow hingegen hat noch viele Fragen - Warum meiden die Menschen der benachbarten Inseln sie? Wo kommt sie eigentlich her? Und was für einen Grund kann es geben, ein wenige Stunden altes Kind in ein Boot zu legen und ganz allein aufs Meer hinaus treiben zu lassen? Als Crow eines Nachts ein Feuer auf einer eigentlich verlassenen Nachbarinsel entdeckt, ist ihre Neugier geweckt und all die unbeantworteten Fragen brennen ihr plötzlich umso mehr auf der Seele. Was hat es mit der Insel auf sich? Crow beginnt mit ihren Nachforschungen und bringt dabei so einiges ins Rollen, nicht ahnend, dass dabei nicht nur ihr eigenes Leben gehörig durcheinander gerät.
Lauren Wolk hat hier ein paar Charaktere erschaffen, die mir schon auf den ersten Seiten gleich ans Herz gewachsen sind. „Eine Insel zwischen Himmel und Meer“ ist eine wunderbare Geschichte über Familie und Zusammenhalt, über Vorurteile und die Suche nach der eigenen Identität. Die Times und New York Times ziehen sogar erste Vergleiche mit Harper Lee. Und mit Crow hat Lauren Wolk wirklich eine kleine Heldin geschaffen, die mit ihren elf Jahren, ähnlich wie Scout in „Wer die Nachtigall stört“, oft deutlich weiser in die Welt schaut, als die Erwachsenen um sie herum. Eine wunderschöne, stellenweise tieftraurige, aber schlussendlich sehr positive Geschichte für alle großen und kleinen Leser von elf bis unendlich.

Nicht ein Wort

Autor: Brad Parks
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-29780-1
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Juni 2018)

Es dürfte für alle Eltern der schlimmste Alptraum sein, wenn die eigenen Kinder spurlos verschwinden. Für Alison und Scott Sampson wird dieser Alptraum zur Realität, als ihre sechsjährigen Zwillinge entführt werden. Scott ist Bundesrichter; in den USA werden Bundesrichter auf Lebenszeit ernannt und haben eine enorme Macht, da sie keine Chefs über sich haben. Dies wissen natürlich auch die Entführer, als sie damit drohen, die Kinder zu beseitigen, wenn Scott in einem Gerichtsverfahren nicht das von ihnen geforderte Urteil in einem Drogenfall spricht. Sollte er die Behörden einschalten oder nicht so weitermachen wie bisher, setzt er das Leben seiner Kinder aufs Spiel. Kein Sterbenswort und nichts unternehmen, die Forderungen der Entführer sind klar definiert. Den Eltern stehen schreckliche Stunden bevor. Man spürt ihre Machtlosigkeit und die unerträgliche Anspannung, die den Scotts den Schlaf raubt und zur Verzweiflung bringt. Die Anspannung steigt noch, als Scott den geforderten Freispruch, entgegen seiner eigenen Überzeugung, spricht und sein Sohn freigelassen wird, jedoch die Zwillingsschwester in der Gewalt der Entführer bleibt. Denn dies war erst ein Probedurchlauf, das nächste anvisierte Gerichtsverfahren hat einen weitaus höheren Stellenwert und kommt im Normalfall erst in einigen Monaten zur Verhandlung. Auch hier soll er wieder ein für ihn nicht zu vertretenes Urteil sprechen.

Für den Richter ein enorme Belastung und für den Leser Spannung pur. Wem kann Scott überhaupt noch vertrauen und wer sind die Hintermänner in diesem makabrem Spiel? Der Thriller nimmt immer mehr an Fahrt auf, Eltern die zu allem bereit sind, innerlich brodeln und nach außen eine Fassade aufrecht erhalten müssen. Für mich war bis zum Ende unklar, wie dieses Drama enden wird. In der Haut der Eltern wollte ich auf jeden Fall nicht stecken. Drei große Preise hat Brad Parks bereits für seine vorherigen Krimis erhalten, ein vielversprechender Autor, von dem man hoffentlich noch mehr lesen darf.









Das Kaff

Autor: Jan Böttcher
Verlag: Aufbau
ISBN: 978-3-351-03716-1
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Mai 2018)

Heimat als Begriff ist ja gerade schwer in Mode gekommen, ganze Ministerien werden mit dem Thema betraut und Ministerinnen lassen sich als Ausdruck ihrer Heimatverbundenheit Heino-Platten schenken. Na ja …
Auch der Architekt Michael Schürtz geht in die Heimat zurück: Aus Berlin, wo er lebt und arbeitet, muss er zurück in seine Heimatstadt, um eine Bauleitung zu übernehmen. Fest entschlossen, Distanz zu halten, nimmt ihn die Kleinstadt doch immer mehr gefangen. Aus der Jugend vertraute Gestalten, Geschwister, alte Freunde tauchen auf und ziehen ihn in den Alltag hinein. Und plötzlich trainiert er eine Fußball-Jugendmannschaft, verliebt sich in die Mutter eines seiner Spieler … Und Berlin ist plötzlich weit weg.
Und doch gibt es dort, wo er wieder hinzog, keine Idylle: Manches bleibt eng, viel Gerede gibt es, und zu locker darf er mit seinen Fußballjungs auch nicht sein, dafür sorgen schon die Helikoptereltern!
Halt normal, so wie im Leben auch hier bei uns, und das macht den Roman lesenswert – nicht nur, aber auch für die, die nach dem Studium zurückgekommen sind und ihr „Kaff“ neu erleben. Ein schöner, lakonischer und leichter Sommerroman, angenehm geerdet.

Die Lichter unter uns

Autor: Verena Carl
Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-10-397363-1
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Mai 2018)

'"Ist irgendwas?" fragte er, als sie sich begegneten.
"Nichts", sagte sie. "Was soll sein?"
Und sie ließ ihr Kinn auf Judiths Schulter sinken und lächelte ihr seltsames Lächeln, von dem er sich wünschte, dass es ihm galt.'

Anna und Jo kehren mit ihren Kindern für einige Urlaubstage an den Ort zurück, an dem sie ihre Hochzeitsreise verbracht haben: Taormina auf Sizilien. Die Feriensaison ist fast zu Ende, über Orten und Landschaften liegt ein Hauch von Herbst, von Abschied. Die Schwerelosigkeit von damals mag sich bei Anna nicht einstellen, die vor Jahren so romantisch scheinenden Ruinen kommen ihr nun düster und bedrohlich vor. Was ist mit ihr passiert? Warum geraten hier ihre Vorstellungen von Glück, von Familienglück ins Wanken?
Am Strand begegnet sie Alexander, unterwegs mit erwachsenem Sohn und junger Freundin. Sein Leben scheint aufregender und aufgrund des Fehlens jeglicher finanzieller Zwänge auch sorgloser als ihres. Könnte sie sich ein Leben an seiner Seite vorstellen? Und was ist mit Alexander? Beneidet er sie um ihre vermeintliche Familienidylle?
Annas Zweifel am eigenen Leben wird übermächtig, plötzlich steht alles auf dem Spiel.
Sieben Tage können alles verändern ...

Höllenjazz in New Orleans

Autor: Ray Celestin
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-06086-8
Preis: 16,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Mai 2018)

1919 in New Orleans hält der Axeman die Stadt in Atem. Aus dem Nichts überfällt er seine Opfer, mitten in der Nacht in ihren Häusern, und erschlägt sie brutalst mit der Axt. Als in der Zeitung ein Brief des ominösen Mörders veröffentlicht wird, in dem er ein weiteres, grausiges Verbrechen ankündigt, gerät Detektive Michael Tabot endgültig unter Druck. Nicht, dass er vorher hätte entspannt zur Arbeit gehen können. Auf dem Revier hat man ihn schon lange äußerst kritisch beäugt. Spätestens seit er vor einigen Jahren seinen Partner, wegen krummer Machenschaften mit der Mafia, verpfiffen und hinter Gitter gebracht hat, wird er von den Kollegen verachtet. Und nun auch noch die Axeman Morde, für die Michael der zuständige Ermittler ist und bisher weitestgehend im Dunkeln tappt. Zu allem Übel wird genau jetzt sein damals verhafteter Kollege entlassen. Und der ermittelt sogleich, aus ganz eigenem Interesse, am selben Fall. Damit sind die beiden nicht die Einzigen. Ida, eine junge Angestellte der Pinkerton, sucht nach einer größeren Bestimmung, als Akten zu sortieren und Kaffee zu kochen. Genau dafür hat sie sich ebenfalls die gruselige Mordserie ausgeguckt. Dabei immer an ihrer Seite ihr bester Freund Luis Armstrong.
Aus immer wieder wechselnder Perspektive nähert sich Autor Ray Celestin Stück für Stück dem Geheimnis um den Axeman. Dabei gelingt es ihm, Wahrheit und Fiktion gekonnt zu verweben. Denn die Axeman-Morde wurden damals tatsächlich begangen. Und auch ein ausführlicher Einblick in die Geschichte New Orleans bleibt dabei glücklicherweise nicht aus. Von seinem brodelnden Zentrum, über die von verschiedenen Kulturen geprägten Stadtteile, bis hin in die Aussengebiete und mystisch verklärten Sumpflandschaften, folgen wir den Figuren quer durch diese aufregende Stadt. Immer dem Axeman auf der Spur.

Das Meer

Autor: Wolfram Fleischhauer
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-19855-1
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Mai 2018)

Die Fischereibeobachterin und Biologin Teresa verschwindet während einer Überwachung zur Einhaltung der Fischfangquoten auf hoher See. Natürlich sind ihre Kollegen und Angehörige schockiert und verzweifelt. Die eingeleitete Suche auf dem Meer bleibt erwartungsgemäß erfolglos und langsam macht sich die Gewissheit breit, dass man Teresa für immer verloren hat. Genauso betroffen ist eine Gruppe radikaler Umweltaktivisten, zu der Teresa, ohne Wissen ihres Freundes, engen Kontakt hatte und in deren Aktionen sie sehr stark eingebunden war. Kurz darauf werden erste Meldungen von Fischvergiftungen in der Bevölkerung bekannt. Es stellt sich heraus, dass die verzehrten Fische mit einem Toxin aus Algen belastet sind. Noch ist nicht geklärt, ob es mit der Auswirkung der Meereserwärmung zusammenhängt, oder ob es vielleicht ein Anschlag von Umweltaktivisten war. Sicher ist, dass viele Akteure an vielen Fäden ziehen, um ihre Interessen durchzusetzen. Teresa und auch ihre Freundin und Umweltaktivistin Ragna spüren am eigenen Leib, wie gefährlich ihr Einsatz im Kampf gegen eine skrupellose Fischereimafia werden kann.

Man braucht nicht viel Fantasie, um sich diesen Thriller in der Realität vorzustellen. Es geht um Überfischung und illegale Fischerei. Nach diesem Umweltkrimi wird man wahrscheinlich etwas kritischer in die Fischtheke schauen und vielleicht hoffentlich bewusster dem Fischkonsum gegenüber stehen. Wolfram Fleischhauer hat aber nicht nur einen spannenden Thriller geschrieben, sondern nebenbei auch eine kleine Liebesgeschichte einfließen lassen. Drei Männer machen sich auf die Suche, um die beiden Frauen zu finden. So lässt Fleischhauer den Leser doch hoffen, dass es für Teresa und Ragna noch einen Ausweg aus ihrer bedrohlichen Lage gibt und es noch Hoffnung zur Erhaltung der Weltmeere besteht.









Der große Plan

Autor: Wolfgang Schorlau
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04667-0
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (April 2018)

Privatdetektiv Georg Dengler scheint endlich oben angekommen zu sein, denn das Berliner Außenministerium beauftragt ihn mit der Suche nach der verschwundenen und vielleicht entführten Anna Hartmann. Der Auftrag ist so lukrativ, dass Dengler eine Mitarbeiterin einstellen kann, aber zur Lösung des Falles kann das zunächst wenig beitragen. Im Gegenteil, alle Zeugen des Verschwindens von Anna Hartmann werden ermordet, sobald Dengler ihnen auf die Spur kommt.
Hat der Fall etwa politische Hintergründe, denn Anna Hartmann war Beraterin der Troika, die maßgeblich die „Griechenlandrettung“ verantwortet? Oder hat ihr Verschwinden private Gründe?
Je tiefer Dengler und sein kleines Team graben, desto undurch-sichtiger wird dieser Fall, desto mehr Spuren scheinen sogar in die Vergangenheit der Besetzung Griechenlands im 2. Weltkrieg zu weisen.
Wolfgang Schorlau ist auch in seinem 9. Roman um den ehemaligen BKA-Zielfahnder und jetzigen Privatdetektiv Dengler ein Meister des politischen Kriminalromans. Und so schafft er es, die spannende Handlung interessant mit den aktuellen und historischen Hintergründen der Griechenland-Tragödie zu verbinden.

Der Abfall der Herzen

Autor: Thorsten Nagelschmidt
Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-10-397347-1
Preis: 22,00 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (April 2018)

Sommer 1999 in Rheine: Nagel ist Anfang Zwanzig, lebt in einer WG, macht Musik und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Mit Freunden abhängen, Punkkonzerte besuchen, in den Tag hineinleben - an seine Zukunft verschwendet er keinen Gedanken. Plötzlich und unvorhergesehen ändert sich alles, innerhalb weniger Monate verwandelt sich seine Welt in einen Scherbenhaufen. Da gibt es Vorkommnisse, die seinen Freundeskreis auseinderdriften lassen. Das scheinbar so beschauliche Rheine ist nicht mehr Mittelpunkt der Welt.
16 Jahre später lebt Nagel in Berlin. Und erinnert sich. Oder besser: versucht, sich an den letzten Sommer in seiner Heimatstadt zu erinnern. An Liebe, Freundschaft und Verrat. Doch da sind nur viele Bruchstücke in seinem Kopf, die kein zufriedenstellendes Ganzes ergeben. Und so fährt er los und trifft seine ehemaligen Freunde und Bekannten, um sie zu ihrer Version jenes Sommers zu befragen. Aber je mehr er erfährt, desto chaotischer wird das Puzzle aus Legenden, Geschichten und Halbwahrheiten.

"Abfall der Herzen" ist der erste autobiografische Roman des Musikers und Schriftstellers Thorsten Nagelschmidt. Eine spannend und klug erzählte Spurensuche, die die 90er Jahre lebendig werden lässt.

Die letzten Meter bis zum Friedhof

Autor: Antti Tuomainen
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-498-06552-2
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (April 2018)

Seit Wochen geht es Jaako schlecht. Übelkeit, Kurzatmigkeit und etliche weitere Beschwerden haben ihn dazu veranlasst, einen Arzt aufzusuchen. Als dieser ihm eröffnet, dass er nicht etwa an einer Grippe oder unter zu viel Stress leidet, sondern die Symptome viel mehr auf eine sehr langsame aber umso tödlichere Vergiftung hinweisen, fällt Jaako aus allen Wolken. Wer kann es nur auf ihn abgesehen haben? Führt er doch ein völlig unaufregendes, normales Leben und ist sich keinerlei Konflikte oder Streitigkeiten bewusst. Er ist glücklich verheiratet und leitet mit seiner Frau Taina eine kleine, gut gehende Firma, die auf den Export von Speisepilzen spezialisiert ist. Seine Angestellten behandelt er gut, der sonstige Bekanntenkreis ist äußerst übersichtlich und weil seine Frau so gut kocht, hat er in den sieben gemeinsam Jahren gute zwanzig Kilo zugenommen. So langweilig, wie gewöhnlich. Also, wer kann seinen Tod wollen? Jaako beschließt auf eigene Faust zu ermitteln.
Aber als hätte er mit seinem recht kurzfristig bevorstehenden Lebensende und der Klärung seiner eigenen Ermordung nicht schon genug zu tun, häufen sich die Probleme plötzlich: Als er Taina die tragische Nachricht seines bevorstehenden Todes überbringen will, wird er unvermittelt Zeuge davon, wie sich diese mit einem ihrer Angestellten auf der Sonnenliege vergnügt.
Und zu allem Überfluss stehen kurz darauf drei gefährlich wirkende Kerle vor ihm, die ihm eröffnen, die neue Konkurrenz auf dem Pilzmarkt zu sein und ihm aus unerfindlichen Gründen nach dem Leben trachten. Ist es da verwunderlich, dass Jaako mit der Zeit etwas den Überblick verliert, wer ihn eigentlich umbringen will?
„Die letzten Meter bis zum Friedhof“ ist ein gleichermaßen spannender wie unterhaltsamer und außergewöhnlicher Krimi - streckenweise ein fast klassisches Whodunit, in dem der Mord allerdings, normalerweise die Ausgangssituation, noch bevorsteht und das dazugehörige Mordopfer sich selbst an die Aufklärung macht.
Antti Tuomainen ist einer der erfolgreichsten finnischen Schriftsteller. Leider sind seine ins Deutsche übersetzten Bücher bisher aber ziemlich an mir vorbeigegangen. Schade, denn inzwischen sind alle Romane hier höchstens noch als eBook lieferbar. Hoffen wir, dass er mit „Die letzten Meter bis zum Friedhof“ endlich etwas mehr Aufmerksamkeit bekommt und auch hierzulande wenigstens annähernd so erfolgreich wird wie in seiner finnischen Heimat.

Kühn hat Ärger

Autor: Jan Weiler
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05757-8
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (April 2018)

So richtig belastbar ist der Münchener Kommissar Martin Kühn nach seinem Burnout und der nachfolgenden Reha noch nicht.
Seine Frau und seine Kinder sind ihm fremd geworden, bei seiner Frau vermutet er sogar einen Nebenbuhler. Die Situation in der heimischen Neubausiedlung ist immer noch angespannt, Ausdünstungen und üble Gerüche in den Kellern vergiften die Räume und die Stimmung ihrer Bewohner. Auch ein Mordfall macht Kühn Kopfzerbrechen. Ein Jugendlicher wurde nachts im Münchener Nobelviertel Grünwald brutal erschlagen. Er pflegte einen engen Kontakt zu der wohlhabenden Familie van Hauten und dessen Tochter, obwohl er sich selbst eher im kriminellen Milieu Münchens bewegt hatte. Die Ermittlungen führen Kühn in die scheinbar heile Welt der Reichen, welche er zuvor nicht kannte.
Wieder einmal stellt Kühn sich dabei selbst in Frage. Er findet Gefallen an dieser perfekten Familie van Hauten und deren gepflegten Manieren, diese Familie ist so ganz anders als er vermutet hat. Aber auch diese Familie hat so ihre Macken.

Auch dieser zweite Kriminalroman um den Kommissar Kühn ist spannend und hält so manche Überraschung bereit. Jan Weiler behält den genauen Blick auf die Gesellschaft und schreibt unterhaltsam über Alltägliches. Er schreibt so überzeugend, dass man Kühn all seine kleinen Fehler verzeiht und diese eher amüsant empfindet. Man fühlt quasi mit Kühn, versteht seinen Ängste und Sorgen. So ganz nebenbei ist man dabei, wie Kühn wieder einmal einen Mörder überführt.

Olga

Autor: Bernhard Schlink
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-07015-6
Preis: 24.00 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (März 2018)

In seinem neuen Roman erzählt Bernhard Schlink von einer beeindruckenden Frau: Olga Rinke. Geboren im ausklingenden 19. Jahrhundert in ärmlichen Verhältnissen, die ihr bestenfalls ein Leben als Magd vorbestimmt haben, nimmt sie ihr Schicksal selbst in die Hand. Sie erkämpft sich den Besuch von höherer Schule und die Ausbildung zur Lehrerin. Noch zu Schulzeiten beginnt ihre ungewöhnliche Freundschaft zu Herbert König, dem Sohn des Gutsherrn, aus der später eine ebenso einzigartige Beziehung wird. Herbert ist Abenteurer, geht mit der kaiserlichen Armee nach Deutsch-Südwest, erforscht alleine mit Hund Karelien und versucht sich schließlich an einer Expedition in die Arktis.
Olga nimmt an Herberts Leben teil, ohne bestimmen zu können. Abgelehnt von der großbürgerlichen Familie Herberts wird sie in den letzten Reichswinkel hinter Tilsit verbannt, ohne dass das ihren Willen brechen und die Beziehung zu Herbert verhindern könnte. Nach dem Scheitern von Herberts Expedition und seinem Tod ist sie ganz auf sich gestellt. Durch eine Krankheit taub geworden, verliert sie in der Nazizeit ihre Stelle als Lehrerin, schlägt sich als Näherin durch. Nach dem Krieg flieht sie in den Westen, wo sie in der Familie des Erzählers arbeitet. Sie stirbt hochbetagt bei einem Anschlag auf ein Bismarckdenkmal.
In drei Teile gliedert Bernhard Schlink seinen Roman: der erste Teil schildert eher sachlich Olgas Leben. Im zweiten Teil wechselt die Perspektive zu der des Erzählers, der sie als Kleinkind kennenlernt und bis in sein Erwachsenleben von ihr liebevoll distanziert begleitet wird. Der dritte Teil besteht aus Briefen Olgas, die der Erzähler in Norwegen entdeckt, und die schließlich ihre gesamte Persönlichkeit erschließen helfen.
Olga ist klarsichtig. Früh erkennt sie, dass das Streben nach „Größe“ ins Verderben führt: Deutschland will zu groß sein, was in die Weltkriege führt. Herbert will Großes, was ihn selber ins Verderben stürzt und ihr gemeinsames Glück verhindert. Und doch kann auch eine starke Frau wie Olga beides nicht verhindern. Beeindruckend, wie sie trotzdem ihr eigenes, willensstarkes Leben lebt, ihre Werte versucht weiterzugeben und zu lernen. Und bewegend, wie sie in ihren Briefen an den vermissten Herbert reflektiert, menschlich hin- und hergerissen zwischen Gefühlen der Liebe, Wut, Verlust und Hoffnung gleichermaßen.
Ein beeindruckendes Portrait einer Frau, stellvertretend für viele ihrer Generation, die ihr Leben unter ihren Möglichkeiten führen mussten. Absolut lesenswert!

Summer Girls

Autor: Jobien Berkouwer
Verlag: Penguin
ISBN: 978-3-328-10222-9
Preis: 13,00 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (März 2018)

Lot van Dijk ist Profilerin bei der niederländischen Polizei. Nach ihrer Ausbildung und ersten Einsätzen in Amsterdam wird sie allerdings in die Provinz versetzt, in die Großgemeinde Regiotwente unweit der Grenze zu Deutschland. Losser und Denekamp, weiter östlich dann Gronau und Ahaus, in diesen Städtchen pulsiert ganz bestimmt nicht das Leben. Im Gegenteil. Die Polizeiarbeit besteht im Einfangen von ausgebrochenen Pferden und der Bekämpfung von Kleinstkriminellen. Zudem wird Lot von manchen ihrer männlichen Kollegen nicht wirklich akzeptiert. Eine Frau bei der Polizei, und dann noch als Profilerin? Was ist das für ein neumodischer Kram?
Dann wird nach einem heftigen Sommersturm eine Leiche gefunden. In einer einsam gelegenden Waldhütte. Eine junge Frau, erst erschlagen und später an einem Deckenbalken aufgehängt. Lot sieht ihre Chance, sich zu behaupten, erstellt ein Täterprofil. Es weist eindeutig auf einen Serienmörder hin, doch sie wird nur müde belächelt. Ein Mehrfachkiller, hier bei uns?
Bis im Wald ein zweites Mädchen gefunden wird ...

Jobien Berkouwer arbeitete über fünfzehn Jahre in verschiedenen Abteilungen der niederländischen Polizei, unter anderem im Rang einer Hauptkommissarin. Heute ist sie als Profilerin tätig und berät außerdem Firmen und Privatpersonen im Umgang mit Stalkern und Erpressungen.
Mit "Summer Girls" hat sie einen hochspannenden Thriller vorgelegt. Ja, die Provinz lebt! Und mordet!

Von dieser Welt

Autor: James Baldwin
Verlag: DTV
ISBN: 978-3-423-28153-9
Preis: 22,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (März 2018)

Schon zu Lebzeiten mit literarischen Schwergewichten wie J.D. Salinger, Norman Mailer oder Truman Capote auf eine Stufe gestellt, gehört James Baldwin (1924-1987) zu den ganz Großen der amerikanischen Literatur. Sein erster Roman „Go tell it on the mountain“ wurde vor etlichen Jahren unter die 100 besten englischsprachigen Romanen des 20. Jahrhunderts gewählt.
Baldwin kämpfte stetig für Gleichberechtigung der Rassen, der Geschlechter, der Herkunft und war schon früh Teil der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung.
Über die letzten Jahre ist er nahezu in Vergessenheit geraten, lange Zeit war keines seiner Werke mehr in deutscher Übersetzung erhältlich.
Doch durch die weiter anhaltende Rassismusdebatte in den USA und die oscarnominierte Dokumentation „I’m not your negro“ im letzten Jahr sind Baldwin und seine Texte wieder aktuell wie lange nicht.
Nun erscheint bei dtv unter dem Titel „Von dieser Welt“ besagter erster Roman in neuer Übersetzung. Er erzählt von John Grimes, einem 14-jährigen Jungen, seiner Familie und dem Leben innerhalb einer kleinen Pfingstgemeinde. Dem Vater, einem fanatischer Hilfsprediger, ist der sensible John ein Dorn im Auge, was er diesen unentwegt spüren lässt. Der Rest der Gemeinde sagt dem Jungen allerdings ein göttliches Schicksal voraus. John selbst, hin und hergerissen zwischen Glaubenseifer, Ablehnung des ihm vorbestimmten Lebens und verwirrt durch erste sexuelle Gefühle, sucht nach seinem eigenen Weg. Doch Baldwins stark autobiographisch geprägter Roman lässt nicht nur John im Fokus stehen. Eingefasst in nur einen einzigen Handlungstag erfahren wir vieles aus dem Leben aller Beteiligter. Welche Leben haben sie geführt? Welche Schicksale ertragen? Was macht sie zu den Menschen, die sie sind? Ein beeindruckender Roman, ein Stück Zeitgeschichte und hoffentlich nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe James-Baldwin-Wiederveröffentlichungen.

Das Böse - Es bleibt

Autor: Luca D'Andrea
Verlag: DVA
ISBN: 978-3-421-04806-6
Preis: 15,00 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (März 2018)

Auf der Flucht vor ihrem Mann verunglückt Marlene in einem Schneesturm in den Südtiroler Alpen. Bewusstlos wird sie von einem sonderbaren, alten Bauern aus ihrem schrottreifen Wagen geborgen und zu einer weit abgelegenen Berghütte gebracht. Hier ist Marlene erst einmal sicher. Inzwischen hat ihr Mann, Kopf einer skrupellosen Erpresserbande, entdeckt, dass Marlene sämtliche Saphire aus dem Tresor entwendet hat und daraufhin bereits einen Killer auf sie angesetzt. Denn mit dem Diebstahl hat sie nicht nur den Hass ihres Ehemannes auf sich gezogen, sondern auch das Konsortium mehr als nur verärgert. Für Marlene gibt es kein Zurück mehr, das Konsortium wird nicht eher ruhen, bis es die Steine wieder in seinen Händen hält.

Auch der zweite Roman von Luca D´Andrea spielt wieder in seiner Heimat Südtirol. Mit der Bergkulisse und den einsamen Tälern schafft er in seinen Thrillern eine fast gruselige Atmosphäre. In Italien erschien >Das Böse, es bleibt< unter dem Titel „Lissy“. Sehr passend, denn schon bald erfährt man ein paar wichtige Hintergründe aus dem Leben des verschrobenen Einsiedlers. Unter anderem auch, dass er in seinem Keller Schweine hält und die größte Sau, wie auch mehrere vorherige Schweine, den Namen seiner toten Schwester Lissy trägt. Wenn man dann noch erfährt, was sich auf dem Hof vor etlichen Jahren ereignet hat, kann man erahnen, in welcher Gefahr sich Marlene befindet und was „Lissy“ für eine Rolle spielt.

Mit vielen Komponenten baut D´Andrea Spannung bis zur letzten Seite auf und schnell hat man sich in die Charaktere der Protagonisten eingelesen. Die wichtigen Vorgeschichten einzelner Hauptfiguren lässt der Autor geschickt in die Story einfließen. Auch wenn mir persönlich der Einsiedler zwischendurch etwas suspekt war, hat mich der Thriller bis zum Schluss durchgehend fesseln können.

Illegal

Autor: Max Annas
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-498-00101-8
Preis: 19.95 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Februar 2018)

Kodjo kommt ursprünglich aus Ghana, lebt jetzt in Berlin. Keiner, der der Armut in seiner Heimat entfliehen musste – sein Vater ist reich. Aber in Berlin ist er illegal. Kommt hier gut zurecht, arbeitet in einem Lokal, hat Freunde und Menschen, die ihm helfen. Trotzdem: er hat keine Aufenthaltsberechtigung. Und das bedeutet, nicht aufzufallen, Adressen zu wechseln, der Polizei aus dem Weg zu gehen …
Doch dann beobachtet er aus dem Fenster in einem Abrisshaus einen Mord an einer Prostituierten. Was tun? Er kann nichts unternehmen, sondern nur hoffen, dass der Mörder gefasst wird. Doch dieser hat ihn gesehen, und auf einmal ist Kodjo nicht nur auf der Flucht vor der Polizei, die ihn als Täter verdächtigt. Vielmehr ist auch der wahre Mörder hinter ihm her, und mit ihm seine skrupellosen Helfer …
Weit mehr als ein Kriminalroman, auch ein politisches Buch, glaubwürdig, lakonisch und extrem spannend:

Eddie muss weg

Autor: Katinka Buddenkotte
Verlag: Satyr
ISBN: 978-3-944035-96-3
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Februar 2018)

Britta und Stan - sie versucht, sich mit kleinen Schauspieljobs und als Sprechstimme für Parfümwerbung über Wasser zu halten, er hat sein Medizinstudium mehrmals abgebrochen und teilzeitarbeitet jetzt mit Kindern in einer sozialen Einrichtung. Als Paar ergänzen sie sich nahezu perfekt. Stan sorgt dafür, dass Britta trotz ihrer unbefriedigenden finanziellen Situation nicht den Lebensmut verliert. Britta aber verheimlicht ihm, wie ausweglos die Lage tatsächlich ist, denn sie hat nicht nur Geldsorgen.
Als die gemeinsame Wohnung von Stans liebeskummergeplagtem Freund 'besetzt' wird, steigen die beiden kurzerhand in ihren alten Volvo und starten durch Richtung Belgien. Der Wochendtrip führt sie nach Brügge. Doch so spontan wie Stan vermutet ist die Reise gar nicht. Britta verfolgt schon einen Plan. Doch dann treffen sie in einer üblen Touristenkneipe in der Brügger Altstadt auf Eddie, einen sehr mysteriösen Fremden in Hermelinmantel und mit einer Urne im Gepäck ...

"Eddie muss weg" - ein Roman über eine Beziehung und ein tragisches Unglück in der Vergangenheit, erzählt aus zwei Perspektiven. Eine Geschichte von zwei Leben, von denen eines bald enden wird.
Katinka Buddenkotte schafft es, über die letzten Fragen des Lebens mit Tiefgang und Klugheit zu schreiben und dabei durchgehend schreiend komisch zu bleiben.

Alte Freunde

Autor: John Niven
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-26944-6
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Februar 2018)

Als Alan seinem alten Freund nach Jahren zufällig auf der Straße begegnet, erkennt er Craig kaum wieder. Was ist bloß aus dem coolen Typen von damals geworden? Craig, dem immer alles leichter als anderen fiel. Von allen umschwärmt und von Alan insgeheim beneidet, besonders um seinen steilen Aufstieg zum gefeierten Rockstar.
Doch der Erfolg von damals scheint verflogen. Craig ist auf der Straße gelandet. Obdach- und zahnlos bettelt er sich in London durch den Tag. Alan hingegen, der kleine Loser von einst, ist inzwischen ein bekannter Restaurantkritiker, hat glücklich in Adelskreise geheiratet und ist Vater dreier wohlgeratener Kinder. Überrumpelt von dem unerwarteten Wiedersehen bietet er dem gebeutelten Freund an, für einige Tage bei ihm und seiner Familie unterzukommen. Besagte Familie ist zunächst etwas geschockt über den überraschenden Besuch aus Alans Vergangenheit. Doch schon nach kurzer Zeit finden alle Gefallen an dem unkonventionellen Gast und für Craig zeichnet sich sogar ein richtiger Hoffnungsschimmer am Horizont ab. Nur für Alan sieht es plötzlich gar nicht mehr so rosig aus …
John Niven arbeitete lange Zeit für diverse große Plattenfirmen und ist bekannt für seine bitterbösen Satiren über das Musikbusiness und falsche Freunde, sowie für schräge Toilettenszenen. So gesehen ist „Alte Freunde“ wieder ein ganz klassischer Niven.

Lied der Weite

Autor: Kent Haruf
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-07017-0
Preis: 24,00 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Februar 2018)

Die fiktive Kleinstadt Holt in Colorado ist Tummelplatz zweier parallel verlaufender Geschichten. In einem klaren und sanften Stil erzählt Haruf zum einen die Geschichte von Guthrie und seinen Söhnen Ike und Bobby. Die beiden neun und zehn Jahre alten Brüder müssen miterleben, wie sich ihre depressive Mutter immer weiter aus ihrem Umfeld zurückzieht, bis sie schließlich die Familie verlässt und zu ihrer Schwester zieht. Daran wie Ike und Bobby die Situation meistern, lässt spüren, wie einfühlsam Haruf zu schreiben vermag.

Schnell habe ich auch die siebzehnjährige Victoria ins Herz geschlossen. Als ihre Mutter von deren Schwangerschaft erfährt, setzt sie ihre Tochter kurzerhand vor die Tür. Erst einmal findet Victoria Unterschlupf bei ihrer Lehrerin Maggie Jones, dort kann sie allerdings nicht lange bleiben. Maggie kann die beiden betagten Brüder und Viehzüchter McPheron überreden, das Mädchen aufzunehmen. Für Victoria sind die beiden wortkargen und zurückgezogen lebenden Männer Segen und Herausforderung zugleich.

Dadurch das Maggie zu allen Beteiligten Berührungspunkte hat, verbindet Haruf deren Geschichte zu einem großen Ganzen. Jede erwähnte Person bekommt ihre ganz individuelle Persönlichkeit. Schnell hat man durch seinen einnehmenden Stil die Menschen in Holt ins Herz geschlossen. Ein spannender Roman, außer Atem möchte man erfahren, wie es weiter geht. Doch dann geht man ein paar Zeilen zurück, um noch einmal einen kleinen Absatz langsam zu lesen. Bei seinem fast leisen und ruhigen Stil, der nie langweilig wird, wollte ich keine Feinheiten in der Eile verpassen. Trotz der vielleicht zu vermutenden dramatischen Stellen in diesem Roman hatte ich immer das Gefühl, mich in einer lebensfrohen Gemeinschaft aufzuhalten. Eines der wenigen Bücher, die ich am Ende mit voller Zufriedenheit geschlossen habe.

Siri und die Eismeerpiraten

Autor: Frida Nilsson
Verlag: Gerstenberg
ISBN: 978-3-8369-5920-9
Preis: 14,95 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Januar 2018)

Ab und zu findet man Bücher, die sich einer eindeutigen Kategorisierung wie Roman, Krimi oder Jugendbuch verweigern. Ein Beispiel dafür ist Frida Nilssons „Siri und die Eismeerpiraten“.
Siri ist ein zehnjähriges Mädchen und lebt mit Vater und Schwester auf einer Insel im Eismeer. Die Menschen dort sind großenteils Fischer und leben ein einfaches und beschwerliches Leben. Zusätzliche Gefahr droht den Familien durch den Piraten Weißhaupt, der auf seinen Raubzügen mit der „Schneerabe“ Kinder entführt, die er dann in seinem Bergwerk für sich arbeiten lässt.
So geschieht es, dass beim Beerenpflücken Siris Schwester Miki von Weißhaupt und seinen Männern geraubt wird. Und weil Siris Vater alt und schwach ist, macht sich Siri auf, ihre Schwester wiederzubekommen. Doch das hat es noch nie gegeben, dass Weißhaupts Gefangene zurückkommen. Und so ist es eine höchst gefährliche Unternehmung, die Siri startet. Und sie erfährt keineswegs nur Unterstützung, denn die Angst vor den Piraten ist groß im Eismeer. Nur wenige Menschen helfen ihr, doch deren Unterstützung benötigt Siri auch, denn ihre Tapferkeit allein kann nichts bewirken.
Und so kommt sie der abenteuerlichen, gefährlichen und schließlich glücklichen Rettung Mikis Stück für Stück näher. Und der Leser erfährt mit ihr, dass eigentlich alle Menschen sowohl Täter als auch Opfer sind, dass man Böses auch wieder zum Guten wenden kann, dass Gier ins Verderben führt – und all das macht dieses Buch zu weit mehr als einem Jugendbuch. Die Spannung gleicht dabei einem Krimi, obwohl immer begründete Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang besteht …

Zusammen sind wir Helden

Autor: Jeff Zentner
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-55685-1
Preis: 17,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Januar 2018)

Lydia, Travis, Dill - drei Jugendliche in ihrem letzten Highschooljahr, irgendwo in einem kleinen langweiligen Städtchen im Süden der USA. Nashville liegt nur eine Autostunde entfernt, und Nashville bietet einen kleinen verlockenden Ausblick auf das, was außerhalb der Enge ihres Heimatortes möglich sein könnte.
Nur Lydia hat einen Plan für das Leben nach ihrem Schulabschluss, sie möchte in New York studieren und als Modebloggerin aktiv sein. Travis, der halb in seiner geliebten Fantasy-Serie lebt und neben der Schule in einer Holzhandlung jobbt, hat noch gar keine Ideen für seine Zukunft. Und Dill weiß ebenso wenig, wie er seinem trostlosen Leben entkommen kann. Sein Vater sitzt im Gefängnis und nach dem Plan seiner frustrierten Mutter soll Dill nach der Schule im Supermarkt arbeiten, um die von seinen Eltern angehäuften Schulden abzuzahlen.
Lydia ist die selbstbewußte, treibende Kraft, sie versucht ihre Freunde zu motivieren: Macht was aus Eurem Leben, seid hungrig nach Neuem! Zusammen, glaubt sie, können sie alles schaffen.

Jeff Zentner ist ein amerikanischer Singer-Songwriter und Gitarrist und hat bereits mit Iggy Pop, Nick Cave und Debbie Harry zusammengearbeitet. Ein Projekt mit jungen Musikern in Tennessee inspirierte ihn zu seinem ersten Roman "Zusammen sind wir Helden". Ein sehr mitreißendes, authentisches, bisweilen tieftrauriges Buch über drei Jugendliche, die erwachsen werden (müssen).

Ich mag mich irren, aber ich finde dich fabelhaft

Autor: Dorothy Baker
Verlag: DTV
ISBN: 978-3-423-28135-5
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Januar 2018)

Dorothy Baker gehört, wie John Williams oder Lucinda Berlin, zu den großen Wiederentdeckungen der letzten Jahre. Mit „Zwei Schwestern“ wurde sie vor zwei Jahren auch in Deutschland bekannt. Nun ist auch ihr Debüt „The man with the Horn“ zum ersten mal auf deutsch erschienen. Erzählt wird die Geschichte eines jungen, talentierten Mannes, der sein ganzes Leben dem Jazz widmet. Geboren in den Anfängen des 20. Jahrhunderts, wächst er unter widrigen Umständen - seine Mutter stirbt kurz nach der Geburt, der Vater lässt ihn bei Onkel und Tante zurück- in einem der ärmsten Viertel von Los Angeles auf. Der kleine Rick ist von Anfang an weitestgehend auf sich allein gestellt. Die Schule besucht er so wenig wie möglich. Lieber verzieht er sich auf sein Zimmer und liest wahllos alles, was er in der Leihbücherei ergattern kann.
Bis er eines Tages zum ersten mal an einem Klavier sitzt. Von nun an spielt er täglich, die Liebe zur Musik ist geweckt. Durch Zufall trifft er auf die Mitglieder einer bekannten Jazzcombo, die sein Talent erkennen und ihn unter ihre Fittiche nehmen. Schon bald ist er so gut, dass man auf ihn aufmerksam wird. Und so spielt er nur kurze Zeit später in den Clubs mit den ganz Großen seines Fachs.

Doch die Autorin lässt von vornherein keine Zweifel daran, dass die Geschichte für Rick nicht gut ausgehen wird und so liest sich das Leben des Rick Martin durchgehend mit einer gewissen Melancholie. Dank ihres wunderbaren Sprachwitzes, einem durchweg fast heiteren Ton, kommt jedoch keine Traurigkeit auf. Vielmehr erkennt man an jeder Stelle die Schönheit des Moments, der Freundschaft und des Lebens. „Ich mag mich irren, aber ich finde dich fabelhaft“ ist ein toller Roman, ein Abbild seiner Zeit und sehr lesenswert.

Angstmörder

Autor: Lorenz Stassen
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-43879-8
Preis: 12,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Januar 2018)

Lorenz Stassen wuchs in Solingen auf und lebt heute in Köln. Hier spielt auch sein erster Thriller um den erfolglosen Anwalt Nicholas Meller und die junge Referendarin Nina Vonhoegen. Mellers Büro befindet sich in einem heruntergekommenen Altbau in Köln-Ehrenfeld, die Ermittlungen gehen aber über die Grenzen Kölns hinaus, es geht auch nach Solingen und Umgebung.

Bisher gehören osteuropäische Autoschieber zu Mellers Hauptklientel. Seine Kanzlei besteht nur aus ihm selbst, bis sich Nina bei ihm als Referendarin bewirbt und das eigentlich nur, weil seine Kanzlei bequeme vier Bahnstationen von ihrer Wohnung entfernt liegt. Trotz ihrer Behinderung, der rechte Arm ist zurückgebildet, bekommt sie die Stelle und legt einen bewundernswerten Kampfgeist an den Tag. Den braucht sie auch, denn überraschenderweise möchte man Meller als Pflichtverteidiger in einem Mordfall bestellen. Mellers erster Mordfall, ein Pferdewirt soll seine Ehefrau ermordet haben. Meller hatte ihn zuvor schon einmal vertreten, da war dem Angeklagten die Faust ausgerutscht, dies hatte seiner Frau zwei Zähne gekostet. Seine Frau hatte nach dieser Attacke die Scheidung eingereicht, jetzt ist sie tot.

Der Pferdewirt hat wahrscheinlich, mit ziemlicher Sicherheit, nicht seine Frau ermordet, denn gleich zu Anfang wird dem Leser ein gestörter Mann vorgestellt, der in seinem Keller die Schlacht um die Brücke von Arnheim nachgebaut hat. Auch das nächste Opfer ist schon aufgrund der Modellansicht zu erahnen. Das passt nicht zu unserem Pferdewirt oder ist nur eine falsche Fährte, die Lorenz Stassen für den Leser legt. Auch baut er einige Sackgassen ein, Anwalt und Referendarin müssen sich ganz schön ins Zeug legen.



Mad Boy, Lord Berners, meine Großmutter und ich

Autor: Sofka Zinovieff
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28136-2
Preis: 28,00 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Dezember 2017)

Engländern aus der Oberschicht wird ja landläufig eine gewisse Skurrilität bescheinigt, und sie ist oft treffend in Romanen, z. B. von P. G. Wodehouse oder Evelyn Waugh, beschrieben worden. Wie nah diese Beschreibungen der Realität manchmal sind, erfährt man aus dem ebenso interessanten wie amüsanten Buch „Mad Boy, Lord Berners, meine Großmutter und ich“ von Sofka Zinovieff. Sie ist – zumindest offiziell – die Enkelin des „Mad Boy“ Robert Heber Percy, dem Geliebten und Hausverwalter des feinsinnigen Komponisten und Autors Lord Berners. Mit beiden lebte Sofkas Großmutter zeitweise in einer nicht sehr glücklichen „menage a trois“ auf Faringdon House, dem Domizil Lord Berners.
Um die Geschichte dieses Hauses und seiner Bewohner geht es in diesem Buch, um die große Zeit des Empire vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum 2. Weltkrieg. Lord Berners, ein Kosmopolit, hatte sich mit Faringdon House sein Heim genau seinen Wünschen entsprechend geschaffen, und dort war zeitweise die halbe intellektuelle Elite Englands und Europas zu Gast – so tauchen im Gästebuch beispielsweise die Mitford-Schwestern, Evelyn Waugh, Gertrude Stein, Igor Stavinsky und Salvador Dali auf. Pikant, dass mit Robert Heber Percy im homophoben England dieser Zeit sein Geliebter mit unter seinem Dach lebte. Zofia rekonstruiert aus Tagebuchaufzeichnungen und Fotoalben die Verbindungen, Zerwürfnisse, Freund- und Liebschaften jener Zeit, offen und diskret zugleich, und so entsteht aus der Geschichte eines Hauses zugleich eine liebevoll illustrierte Gesellschaftsgeschichte des Englands jener verlorenen Zeit.
(Nicht nur) für Liebhaber Englands, seiner Literatur und Kultur ein wunderschönes und interessantes Buch – auch als Geschenk bestens geeignet!

Kometenjahre

Autor: Daniel Schönpflug
Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-10-002439-8
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Dezember 2017)

Der Untertitel von "Kometenjahre" lautet "1918 - Die Welt am Abgrund" und stellt klar, dass Daniel Schönpflug (Professor für Geschichte an der FU Berlin) keinen Roman, sondern ein -sehr lesenswertes - Sachbuch verfasst hat: Der 11. November 1918 ist mehr als nur der letzte Tag des 1. Weltkriegs, der die alte Weltordnung in den Abgrund gerissen hat. Er steht auch für neu aufkommende Hoffnungen auf ein besseres Leben. Die Menschen in Europa haben wieder Träume, neue Möglichkeiten leuchten auf und ziehen wie ein Komet einen Schweif von Visionen hinter sich her.
An zahlreichen Schicksalen lässt Daniel Schönpflug diesen einzigartigen historischen Moment und die folgenden Monate lebendig werden: Käthe Kollwitz, Walter Gropius, Virginia Woolf, Rudolf Höß, Harry S. Truman, Arnold Schönberg ... - wie haben diese Menschen jene Zeit erlebt? Sie haben fast alle leidenschaftlich für ihre Ziele gekämpft, und doch: Für sie und viele andere sollten die Träume von einer besseren Welt allzu schnell verglühen und sich in rauchende Trümmer verwandeln.
Virtuos schildert Daniel Schönpflug diesen einmaligen Moment und die Jahre, die folgten, aus der Perspektive von Menschen, die sie erfahren und geprägt haben. "Kometenjahre" ist ein glänzend geschriebenes Panorama einer einzigartigen Zeit zwischen Enthusiasmus und Enttäuschung, zwischen Zukunftstrunkenheit und Zerstörung. Und es ist sowohl lehrreich als auch spannend!

Illuminae. Die Illuminae - Akten

Autor: Arnie Kaufman/Jay Kristoff
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-76183-3
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Dezember 2017)

Nachdem sich seine Freundin Kades von ihm getrennt hat, hatte Ezra geglaubt, dass der Tag nicht mehr schlimmer werden könnte. Mir nichts, dir nichts hat sie ihm das Herz gebrochen. Doch als sein Heimatplanet nur kurze Zeit später von feindlichen Kriegsschiffen angegriffen und weitestgehend zerstört wird, gerät das bisschen Gefühlschaos zunächst deutlich in den Hintergrund. Plötzlich muss jeder Mensch auf dem Planeten um sein Leben rennen. Ein Teil kann sich auf drei zu Hilfe eilende Raumschiffe flüchten. Hier scheint man fürs Erste in Sicherheit zu sein, doch an Bord der Schiffe beginnt für die Geretteten erst der wahre Kampf ums Überleben. Die Angreifer nehmen die Verfolgung auf, Passagiere und Crew sind weiter auf der Flucht. Außerdem breitet sich auf einem der Schiffe eine Epidemie aus, die immer mehr Passagiere befällt. Und zu allem Überfluss wurde AIDAN, eine künstliche Intelligenz, die für die Koordination des Schiffes zuständig ist, stark beschädigt und benimmt sich äußerst merkwürdig.
Kades erkennt, dass mehr hinter der Sache steckt und nimmt den Kampf ums Überleben auf. Um sich und die Passagiere zu retten benötigt sie Erzas Hilfe. Der ist allerdings auf einem der anderen Schiffe gelandet...

Für „Illuminae“ haben sich zwei bekannte Namen der fantastischen Literatur zusammen getan: Jay Kristoff hat fast zeitgleich mit „Illuminae“ den Auftakt zu seiner Nevernight-Reihe auf den deutschen Markt gebracht. Und Amie Kaufman hat sich hierzulande in den letzten Jahren mit der „These Broken Stars“ Trilogie einen Namen gemacht.
Die Kooperation hat sich absolut gelohnt. Denn nicht nur die Story überzeugt hier - eine Kombination aus Action, SciFi und Teenieromanze - sondern vor allem die Aufmachung ist bemerkenswert.
Illuminae wird nicht auf klassische Weise erzählt. Kein gewöhnlicher Textverlauf, keine simple Erzählstruktur. Der Leser findet stattdessen Dokumente vor, Akten, Gesprächsaufzeichnungen, Chats und verschiedene Computeraufzeichnungen. Zwischendurch gibt es Blaupausen der verschiedenen Schiffe und einige grafische Spielereien, aus der sich dann alles Geschehen zusammensetzt und die dieses Buch zu einem absolut einzigartigen Erlebnis machen.

Der Wunderling

Autor: Mira Bartók
Verlag: Aladin
ISBN: 978-3-8489-2085-3
Preis: 16,95 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Dezember 2017)

In Miss Carbunkles Waisenheim für widerspenstige und missratene Geschöpfe lebt der kleine Fuchs-Erdling Nummer Dreizehn. An seinen richtigen Namen kann sich Nummer Dreizehn nicht mehr erinnern und außer einem Schlüssel sowie einem Stück Babydecke, in der er gefunden wurde, besitzt er nichts. Tagtäglich müssen die Erdlinge, sie sind alle eine Mischung aus Tier und Mensch, für die Heimleiterin Miss Carbunkle kleine Käfer herstellen und bekommen dafür nur Haferbrei und trockenes Brot zu essen. Zusätzlich wird Nummer Dreizehn, weil er nur ein Ohr hat, furchtbar gepiesackt. Doch mit dem einem Ohr kann er die Sprache der Mäuse verstehen und Geräusche hören, die für andere nicht wahrnehmbar sind.
Dann lernt er das Vogelmädchen Trixi kennen, sie hat zwar keine Flügel, aber ist sie ungeheuer geschickt mit ihrem Schnabel. Trixi ist es auch die ihm den Namen Arthur gibt, nach dem berühmten und tapferen Ritter der Tafelrunde. Zusammen gelingt ihnen die Flucht aus dem Heim und sie begeben sich auf die Suche nach Arthurs Herkunft. Miss Carbunkles Gefolgsleute sind ihnen dicht auf den Fersen und in der Stadt Lichterburg gerät Arthur immer mehr in Schwierigkeiten. Doch zunehmend spürt er bewusst seine Bestimmung und die Erinnerung an ein Wiegenlied gibt ihm den nötigen Willen, um Miss Carbunkles teuflischen Plan zu vereiteln. Denn er ist der Wunderling.

Als mitfühlend, gutmütig und mutig wird der kleine Wunderling beschrieben, was er und seine Freunde im Buch auch so widerspiegeln. Das Gute besiegt am Ende das Böse und macht die Geschichte dadurch natürlich auch zu so einer herzerwärmende Geschichte. Dazu kommt noch ein wunderschönes Cover und das Gesamtpaket ist perfekt. Ein rundum zauberhaftes Buch.
Hollywood hat sich bereits die Filmrechte gesichert! Als Regisseur konnte Stephen Daldry ( Billy Eliott / Der Vorleser ) verpflichtet werden.
Allein die Vorstellung, wie der kleine Arthur in der Verfilmung aussehen wird, macht mich neugierig. Aber da muss man sich noch etwas in gedulden, wann und ob der Regisseur Stephen Daldry bereits mit den Dreharbeiten begonnen hat, konnte ich noch nicht herausfinden.

Fiona - Als ich tot war

Autor: Harry Bingham
Verlag: Wunderlich
ISBN: 978-3-8052-0016-5
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (November 2017)

Fiona Griffiths ist Polizeibeamtin in einem ganz normalen Revier, gleichzeitig absolviert sie aber eine Ausbildung für Undercover-Einsätze. Und schon bald werden ihre Talente gefragt sein. Denn ein zunächst langweiliger Lohnabrechnungsbetrug in einem Möbelhaus entpuppt sich als ein Fall mit Spuren zur organisierten Kriminalität. Plötzlich gibt es auch Tote und es wird klar: es geht um Geld, sehr viel Geld.
Fiona wird als Putzfrau in das System eingeschleust. Ihre besonderen Begabungen sind auf einmal nicht nur für die Polizei wertvoll, auch die skrupellosen Verbrecher erkennen ihre Fähigkeiten und versuchen sie zu nutzen. Fiona, selbst mit einem Ex-Kriminellen als Vater und damit mit besonderen Verbindungen ausgestattet, muss ihren Weg allein auf sich gestellt finden …
Spannend, temporeich, mit einer ganz besonderen Protagonistin: ein toller Beginn einer Reihe um Fiona Griffiths, der Lust auf die weiteren Folgen macht!

Der Nebelmann

Autor: Donato Carrisi
Verlag: Atrium
ISBN: 978-3-85535-016-2
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (November 2017)

In einer eisigen Februarnacht irrt der römische Sonderermittler Vogel mit blutbeflecktem Hemd durch die nebelverhangenen Wälder am Rand eines Dorfes in den italienischen Alpen. Vogel war zur Weihnachtszeit angereist, um der örtlichen Polizeibehörde bei der Suche nach einem vermissten Mädchen zu helfen: Anna Lou, ein Teenager aus einer streng katholischen Familie, hatte am späten Nachmittag das Elternhaus verlassen, um zu einem Treffen in der Dorfkirche zu gehen, war aber nie dort angekommen.
Dreißig Jahre zuvor waren mehrere Mädchen in den umliegenden Wäldern verschwunden, und in der Bevölkerung wächst der Verdacht, dass der Mörder von damals - im Dorf nur "Der Nebelmann" genannt - wieder aktiv geworden ist. Denn keines der Verbrechen konnte je aufgeklärt werden.
Als Vogel nun von der Polizei aufgegriffen wird, gibt er an, aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse einen Unfall mit seinem Auto gehabt zu haben, doch das Blut an seinem Hemd stammt nicht von ihm. Ein Psychiater wird gerufen, um ihn zu befragen. Schließlich beginnt Vogel zu erzählen,und sein Bericht ist ungeheuerlich ...

Mit Donato Carrisi - in Apulien geboren, Jurist, spezialisiert auf Kriminologie und Verhaltensforschung - habe ich einen weiteren italienischen Autor entdeckt, der es versteht, in seinen Kriminalromanen die menschlichen Abgründe bloßzustellen und in eine extrem spannende Handlung einzubetten.

Borne

Autor: Jeff VanderMeer
Verlag: Antje Kunstmann
ISBN: 978-3-95614-197-3
Preis: 22,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (November 2017)

Oft geht es mir beim Lesen so, dass ich schon nach einigen Seiten einschätzen kann, in welche Richtung eine Geschichte steuert. Welchem Genre sie zuzuordnen ist und wem ich das Buch später weiterempfehlen kann. Auch wenn es am Ende der Story noch einen überraschenden Kniff, eine unerwartete Wendung gibt, ich weiß trotzdem in welches Regal ich es später einsortieren kann.
Manchmal ist das vielleicht zu eindeutig, die Geschichte zu durchschaubar, aber oft ist es auch gut, eine Idee zu haben, womit man die nächsten, Stunden und Tage lesend seine Zeit verbringen wird. Und dann gibt es Bücher wie die von Jeff Vandermeer, dessen neuestes Werk „Borne“ jetzt im Antje Kunstmann Verlag erschienen ist. Ich bin begeistert und weiß gar nicht so recht, warum und wie er das gemacht hat. Vandermeer erschafft Welten, die man nie ganz fassen kann. Er verrät zunächst wenig und serviert auch keine einfachen Erklärungen. Die Geschehnisse sind für den Leser genauso unvorhersehbar wie für die Protagonisten. Erst Stück für Stück erschließt sich eine Welt, die so atemberaubend ist, dass sie den Leser bis zum Ende nicht wieder loslassen wird.
Die Handlung kurz und knapp zusammen zu fassen ist fast unmöglich und klingt vermutlich so hanebüchen, dass ich es am liebsten umgehen würde, um mit einer simplen Inhaltsangabe niemanden abzuschrecken.
Wir befinden uns in einer Welt, die die unsere sein könnte, viele Jahre in der Zukunft. Die Zivilisation ist annähernd ausgelöscht und es gibt schon lange kaum noch Wasser und Nahrung. Die Menschen sind lange Zeit von Land zu Land, Insel zu Insel geflüchtet und schließlich sind einige wenige in einer völlig zerstörten Stadt gestrandet. Eine große Fabrik am Stadtrand hat der Katastrophe ihr übriges hinzugefügt und durch wahnsinnige Experimente Lebensformen erschaffen, die sich unkontrollierbar über die Stadt verteilen. Eine davon ist ein riesiger, schwebender Bär, der die Stadt terrorisiert und die verbliebenen Menschen in Angst und Schrecken versetzt. In dieser lebensfeindlichen Welt lebt Rachel. Sie streift jeden Tag durch die Ruinen, um Verwertbares zu finden. Auf einem ihrer Streifzüge entdeckt sie eine undefinierbare Lebensform, die sie mit in ihr Versteck nimmt und bald „Borne“ tauft. Borne verändert ständig sein Aussehen, beginnt bald zu wachsen und entwickelt eine Art menschlichen Verstand. Es bringt Rachels ohnehin wackeliges Alltagsgerüst völlig aus dem Gleichgewicht und konfrontiert sie mit der Frage, was uns zu dem macht, was wir sind, und was uns überhaupt als Menschen definiert.
Jeff Vandermeer erzählt hier nicht nur ein verrücktes Zukunftsmärchen, vielmehr ist es eine kluge Geschichte, mit philosophischen, sinnsuchenden Ansätzen. Aber natürlich ist es auch ein großes, dystopisches Science-Ficition Abenteuer, das mir sehr viel Freude bereitet hat.
Jeff Vandermeers zuvor erschienene, ebenfalls sehr lesenswerte und nicht minder verrückte „Southern Reach“-Trilogie wurde übrigens vor kurzem in Hollywood verfilmt und kommt Anfang 2018 ins Kino. Es gibt also noch ein paar weitere Leser, die Herr Vandermeer überzeugt hat.

SOG

Autor: Yrsa Sigurdardóttir
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-75664-3
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (November 2017)

So hat sich Kommissar Huldar seinen Aufgabenbereich nicht vorgestellt. Während seine Kollegen Nachforschungen zum Fund zweier abgetrennter Hände anstellen, muss Huldar langwierige, unspektakuläre Arbeiten am Schreibtisch verrichten. Durch die Hebung einer Zeitkapsel ist ein mysteriöser Brief zum Vorschein gekommen. Schüler hatten in einem Aufsatz beschrieben, wie sie sich Island in zehn Jahren vorstellen. Darunter befindet sich auch eine Liste mit den Initialen zukünftiger Mordopfer. Ob dies nur ein Schülerstreich oder eine ernstgemeinte Ankündigung ist, soll Kommissar Huldar herausfinden. Als kurz darauf ein ziemlich perfider Mord passiert, ist es Huldar, der einen Zusammenhang zwischen der Liste aus der Zeitkapsel und diesem Mord sowie einem weiteren Mord an einem kleinem Mädchen vor zwölf Jahren sieht. Die Recherche zu den Briefen aus der Zeitkapsel lässt einige Schlüsse zu, auch die Psychologin Freyja, die zur Mithilfe bei der Befragung der Briefschreiber hinzugezogen wird, stößt auf ein paar Auffälligkeiten. Der Druck der Ermittler steigt sichtbar, als ein Toter mit passenden Initialen gefunden wird.

SOG ist nach DNA der zweite spannende Thriller der Isländerin Yrsa Sigurdardóttir um die Psychologin Freyja und Kommissar Huldar von der Kripo Reykjavik. Auch diesmal bekam ich beim Lesen eine Gänsehaut. Bei den Worten abgehackte Hände und Kettensäge setzte sofort mein Kopfkino ein. Dabei ist es keineswegs Yrsa die eine grausame Tat bis ins Detail beschreibt, sie schafft es nur mit Leichtigkeit, beim Leser ein schockierendes Bild hervorzurufen. Neben einem fesselnden Krimi kann der Leser zusätzlich verfolgen, wie Kommissar Huldar um Anerkennung bei seinen Teamkollegen und insbesondere bei Freyja bemüht ist. Auch ohne Vorkenntnisse aus ihrem ersten Thriller DNA ist man relativ schnell auf dem aktuellen Stand. Auch diesmal konnte man nicht ahnen, wer hinter den Morden steckt, so konnte ich nur dem Ende entgegen fiebern und voller Spannung den Thriller bis zur letzten Seite verschlingen.









Oxen - Das erste Opfer

Autor: Jens Henrik Jensen
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3-423-26158-6
Preis: 16,90 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Oktober 2017)

Niels Oxen war dänischer Elitesoldat und mit höchsten Auszeichnungen für seine Einsätze in Afghanistan bedacht. Doch die Erlebnisse dort haben ihn zu einem psychischen Wrack gemacht, und so hat er sich von den Menschen abgeschottet und lebt mit seinem Hund Mr. White in einem Zelt in den dänischen Wäldern.
Doch plötzlich wird er zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall. In einem Schloss in der Nähe seiner Behausung wurde der ehemalige Botschafter und politische Strippenzieher Hans- Otto Corfitzen zu Tode gefoltert, und schnell gilt Oxen als möglicher Täter. Auch für den dänischen Geheimdienst, doch dessen kluge Mitarbeiterin Margrethe Franck hat da so ihre Zweifel. Zu undurchsichtig sind ihr nämlich das Wirken Corfitzens und seine Verbindung zu einem dänischen Geheimbund, dem „Danehof“; zu offensichtlich, dass Oxen das Bauernopfer sein soll.
Oxen und Franck müssen sich zusammentun und auf eigene Faust ermitteln, gegen einen mächtigen Apparat und die Verbindungen des „Danehof“ …
Ein wirklich fesselnder Thriller mit starken Figuren, temporeich, mit unerwarteten Wendungen: der erste Teil einer Trilogie macht neugierig auf die folgenden Bände. Leider muss der Leser bis zum zweiten Fall ein halbes Jahr Geduld aufbringen …

Cambridge 5 - Zeit der Verräter

Autor: Hannah Coler
Verlag: Limes
ISBN: 978-3-8090-2682-2
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Oktober 2017)

Bis heute ist die Universität von Cambridge ein Ort der Geheimdienste. Tatsächlich wurden die berühmtesten Spione des 20. Jahrhunderts von den Sowjets bzw. von den Russen in Cambridge rekrutiert. In den 1930er Jahren konnten die Studenten Kim Philby, Anthony Blunt, Donald Maclean, Guy Burgess und John Cairncross den Anwerbeversuchen der kommunistischen "Unterhändler" nicht widerstehen. Offiziell arbeiteten sie für den britischen Geheimdienst, tatsächlich verrieten sie alle geplanten Operationen nach Moskau. Sie wurden die legendären 'Cambridge Five'. Ihr Verrat ist ein immer noch schwelendes Trauma der britischen Gesellschaft. Sie lieferten auch die Blaupause für den zentralen Plot unzähliger Spionageromane – die Suche nach dem sogenannten Maulwurf – wie er sich seit John le Carré's Smiley-Romanen etabliert hat.
Über siebzig Jahre später: Der Geschichtsprofessor Hunt kennt die Machenschaften der Fünf nur zu gut, vielleicht deshalb interessiert er sich so für die Promotion der deutschen Studentin Wera, die fasziniert ist von der ehemaligen Spionagegruppe und die Person Kim Philby in den Mittelpunkt ihrer Abschlussarbeit stellen will. Dann wird Hunt in einen Mordfall verwickelt. Hat er etwas zu verbergen? Und welche Rolle spielt Wera wirklich? ...

Hannah Coler ist das Pseudonym einer deutschen Historikerin. Sie hat in Cambridge Geschichte studiert und später an zahlreichen Dokumentarsendungen des ZDF und der BBC mitgewirkt. "Cambridge 5" ist ihr erster Roman, in dem sie geschickt Wahrheit und Fiktion mischt und zu einem äußerst spannenden Plot verarbeitet.

Swing Time

Autor: Zadie Smith
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04947-3
Preis: 24,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Oktober 2017)

Erneut war Zadie Smith in diesem Jahr auf der Longlist des Man Booker Prizes zu finden. Grund genug, endlich eines ihrer Werke zu lesen. „Swing Time“ ist vor kurzem in deutscher Übersetzung erschienen und erzählt zunächst von der Freundschaft zweier Mädchen, die auf den ersten Blick einige Gemeinsamkeiten haben: „Wir hatten beide den identischen Braunton, als hätte man ein Stück hellbraunen Stoff durchgeschnitten, um uns beide daraus zu machen, …“. Tracey hat eine weiße Mutter und einen schwarzen Vater. Bei der Ich-Erzählerin ist es genau umgekehrt. Beide kommen aus einfachen Verhältnissen, leben in benachbarten Sozialsiedlungen. Die zwei kleinen Mädchen begegnen sich zum ersten Mal im Ballettunterricht der Kirchengemeinde, lassen sich von da an nicht mehr aus den Augen und verbringen jede freie Minute miteinander. Beide verbindet die Liebe zum Tanz. Nach der Schule schauen sie stundenlang alte Tanzfilme, prägen sich jeden Schritt und jede Drehung ein.
Ganz zum Leidwesen der Mutter der namenlosen Ich-Erzählerin. Sie ist ehrgeizig, politisch interessiert, studiert und ambitioniert, dass sie und ihre Tochter es mit Bildung raus aus der Arbeiterklasse in die Mittelschicht schaffen. Da ist die kleine Tracey mit ihrer prolligen Mutter und dem kleinkriminellen Vater ein potentieller Stolperstein.
Zunächst lassen sich die Mädchen davon kaum irritieren. Doch mit den Jahren wird der Kontakt weniger. Tracey, immer schon die talentiertere der beiden, wird tatsächlich professionelle Tänzerin. Ihre Freundin hingegen reist als persönliche Assistentin einer berühmten Sängerin durch die Welt.

Aber „Swing Time“ ist nur auf den ersten Blick die schlichte Geschichte einer Freundschaft.
Zugleich ist es eine Geschichte des Tanzes. Von der Erfindung des Stepptanzes, über die Glanzzeit des Tanzfilmes und schließlich bis zu Michael Jacksons spektakulären Choreographien in seinen Musikvideos, lassen wir uns von der Begeisterung der Mädchen mitreissen.
Und “Swing Time“ ist auch ein moderner Bildungsroman. Zadie Smith erzählt leichtfüßig vom Leben und Erwachsenwerden der Mädchen und gleichzeitig seziert sie die Welt um uns herum. Philosophiert was Herkunft bedeutet, ob es so etwas wie Chancengleichheit gibt und ob die Zeit die Dinge ändert. Niemals gibt sie sich dabei mit einfachen Antworten zufrieden. Ihr kommt es immer auf den Blickwinkel an „Ich will aufzeigen, wie es aussieht, alle Gedanken an Bord zu nehmen, die Meinung des anderen nicht nur zu respektieren, sondern aufrichtig zu überdenken, ihren möglichen Wert zu überprüfen.“ (Zitat spiegel.de)

Den Man Booker Prize hat sie nicht gewonnen. Aber dafür einen neuen Fan.


Acht Berge

Autor: Paolo Cognetti
Verlag: DVA
ISBN: 978-3-421-04778-6
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Oktober 2017)

„Acht Berge“ enthält viel Autobiografisches. Unter anderem zieht es Paolo Cognetti tatsächlich immer wieder in das Aostatal in seine Hütte auf 2000 Metern. In seinem Roman sind es die beiden Jungen Bruno und Pietro, die dieser Geschichte Leben einhauchen. Mit elf Jahren reist Pietro zum ersten Mal mit seinen Eltern nach Grana ins Aostatal. Während sein Vater die Berge besteigt, bleibt Pietro bei seiner Mutter im Dorf. Dabei lernt er Bruno kennen, das einzige Kind im Dorf. Nach anfänglicher Schüchternheit werden sie Freunde und streifen durch die Berge, bis sie irgendwann anfangen, Pietros Vater auf seinen Bergtouren zu begleiten. Über Jahre hinweg verbringt Bruno seine Sommerferien im Aostatal, doch nach seinem Studium sucht er im Ausland seine Bestimmung, immer auf der Suche nach sich selbst. Bruno dagegen ist geprägt vom Leben in den Bergen, sie sind seine Heimat und hier sind seine Wurzeln. Bruno wählt den härteren Weg und wird Bergbauer. Erst Jahre später, nachdem Pietros Vater verstorben ist, treffen die beiden Freunde wieder aufeinander und ihre alte Freundschaft lebt wieder auf.

Acht Berge ist ein Roman, der sich langsam entwickelt. Leise und still erzählt Cognetti über eine Jugendfreundschaft zweier ganz unterschiedlichen Jungen. Über drei Jahrzehnte verfolgen wir die Entwicklungen im Leben der Freunde und wie die Berge sich auf ihr Leben auswirken. Auch Pietros Vater spielt dabei eine tragende Rolle. Denn es ist auch eine Geschichte über den Schmerz des Vaters und die späte Erkenntnis eines Sohnes, der seinen Vater lange verkannt hat. Die Berge sind es, ihre Verbundenheit zu den Protagonisten und deren Gefühle, die sich quasi in den Bergen spiegeln, die zum Nachdenken anregen und diesen Roman so lange nachhallen lassen.








Corruption

Autor: Don Winslow
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-28168-0
Preis: 22,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (September 2017)

Denny Malone ist Cop in New York. Irischer Abstammung hatte er die Wahl zwischen Cop, Feuerwehrmann und Gangster – und irgendwie ist er etwas von allem. Er führt als Detective eine Spezialeinheit, die erbarmungslos Kriminelle jagt, aber selber Heroin unterschlägt und sogar vor Mord nicht zurückschreckt. Eine Rechtfertigung gibt es immer und für alles, und sei es, dass man Rücklagen für die Ausbildung der Kinder braucht.
Faszinierend zu sehen, wie Malone immer mehr in das System der Korruption abgleitet. Vom geschenkten Brötchen beim Bäcker am Anfang, als er noch Streife fuhr, bis hin zum letzten Coup, bei dem weder das sichergestellte Geld noch das beschlagnahmte Heroin vollständig in der Asservatenkammer landet. Und das hat Folgen, Malone wird zum Gejagten, und schließlich fliegt er auf. Hat nur noch die Wahl, selber einzufahren oder zur Ratte zu werden, also Andere mit zu belasten.
Und doch sind es nicht nur die Cops, das ganze System ist mehr oder weniger korrupt, und jeder zeigt mit dem Finger auf den Nächsten. Und das ganze Ausmaß wird in einem atemberaubenden Schluss-Showdown deutlich …
Ein toller Thriller, der den Leser von der ersten Seite an packt und nicht wieder loslässt und seine Protagonisten vielschichtig zeichnet, weder nur gut noch nur böse – bloß sehr korrupt.

Aquila

Autor: Ursula Poznanski
Verlag: Loewe
ISBN: 978-3-7855-8613-6
Preis: 16,95 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (September 2017)

"METALL war das erste Wort, das Nika in den Sinn kam, noch im Halbschlaf. Der Geschmack in ihrem Mund. Als hätte sich dort eine Münze aufgelöst. Sie schluckte. Nein, das fühlte sich nicht gut an. Ihr Kopf, ihr Magen... war es so wild hergegangen letzte Nacht?"

Nika absolviert seit einigen Wochen ein Auslandssemester in Siena. Hat gerade begonnen, trotz sprachlicher Barrieren das Leben in der toskanischen Stadt zu genießen. Zusammen mit Jenny, einer weiteren Deutschen, teilt sie sich eine kleine Wohnung unweit der Universität. Allmählich findet sie Freunde unter den Mitstudenten, geht auf Parties, lernt das italienische Flair zu lieben.
Und dann dieser Sonntagmorgen. Nika erwacht. Ihr ist übel, Kopf und Glieder schmerzen, sie hat keine Erinnerung an den vergangenen Tag. Als sie in den Badezimmerspiegel schaut, steht dort eine Nachricht: "Letzte Chance!" Was soll das? Wer hat das geschrieben? Und wo ist ihre Mitbewohnerin? Wieso kann sie ihr Handy und ihre Hausschlüssel nicht finden? Erst durch die Nachrichten im Fernsehen erfährt Nika, dass heute gar nicht Sonntag ist, sondern Dienstag. Ihr fehlen also zwei Tage, in denen etwas Seltsames passiert sein muss...

"Aquila" ist eigentlich ein Thriller für Jugendliche. Doch nicht erst seit "Erebos" - ebenfalls von Ursula Poznanski - weiß ich, dass solche 'Jugendbücher' auch für Erwachsene verdammt lesbar sein können. "Aquila" jedenfalls fand ich so spannend, dass ich keine Ruhe hatte, bevor ich am Ende angelangt war. Und das passiert mir auch nicht alle Tage.

Love oder Meine schönsten Beerdigungen

Autor: Jason Reynolds
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-65026-7
Preis: 14,95 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (September 2017)

Nach dem Tod seiner Mutter ist es für Matt und seinen Vater nicht leicht, zum Alltag zurückzukehren. Der Vater hat vor Verzweiflung wieder begonnen zu trinken. Matt selbst fühlt sich dadurch gleich doppelt allein gelassen und weiß nicht, was er tun soll. Dass er plötzlich in der Schule und auch sonst überall entweder mit Samthandschuhen angefasst, komisch beäugt oder gar ganz ignoriert wird, macht die Sache nicht leichter. Da kommt ihm dieser besondere Nebenjob sehr gelegen: Mädchen für alles im Beerdigungsinstitut von Mr Ray. Ein eigenartiger Job für einen Teenager, aber hier findet er nicht nur die nötige Ablenkung, sondern auch erstmals eine Möglichkeit um den Verlust seiner Mutter zu verarbeiten. Zunächst ist Matt etwas unsicher, doch mit wachsender Routine wächst auch sein Interesse an all den verschiedenen Beerdigungen und so setzt er sich immer häufiger als stiller Beobachter in die letzte Reihe dazu. Er will herausfinden, wie alle anderen mit dem Tod umgehen und merkt bald, dass er nicht allein mit seiner Trauer ist.
Bei einer dieser Feiern entdeckt er Love - ein Mädchen, dass ganz allein die Trauerrede für ihre verstorbene Großmutter hält. Ihre Stärke, Ausgeglichenheit, aber auch ihre herzliche und lockere Art beeindrucken Matt. Wenn ihm jemand zeigen kann, wie er mit all dem Mist klar kommen soll, dann ist es sicher Love.

Jason Reynolds schafft es mit seinem lockeren Erzählstil, auch ernste Themen so zu verpacken, dass sie nicht zu schwermütig und dramatisch daher kommen. Mit seinem Ideenreichtum und seiner Beobachtungsgabe erschafft er nicht nur tolle Charaktere - von Matt, mit dem sich wahrscheinlich jeder Jugendliche irgendwie identifizieren kann, über Love, die einfach bewundernswert ist, bis zu besonderen Randfiguren wie Mr Ray oder Matts Vater. Er schafft auch eine absolut glaubwürdige Kulisse, so dass dieses grandiose Jugendbuch, an manchen Stellen glatt zur spannenden Sozialstudie gerät. Und er zeigt, dass Leben, Tod, Freude, Liebe, Trauer und viel Humor immer ganz nah beieinander liegen und alles zusammengehört.

Saufen nur in Zimmerlautstärke

Autor: Hans Rath
Verlag: Kindler
ISBN: 978-3-463-40696-1
Preis: 16,95 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (September 2017)

Adam arbeitet in der renommierten Berliner Anwaltskanzlei seines Schwiegervaters und hat eine erwachsene Tochter. Es könnte ihm blendend gehen, aber Frau und Herz rebellieren heftig. Abhilfe soll eine Woche auf dem bereits hochsommerlichen 14 Grad warmen Island schaffen. Doch auch dort ist Adam hoffnungslos überfordert und sein Leben wird immer komplizierter, da seine Ex-Geliebte aus dem Nichts auftaucht, seine Frau die Scheidung will und sein Schwiegervater ihn aus der Firma drängen möchte. Dem nicht genug zieht ihm im Sturm auch noch ein Windstoß die Beine weg und Adam fegt über die Klippe. Nur dem isländischen Troll Magnus verdankt er seine Rettung und steht daher tief in seiner Schuld. Doch aufgepasst, bei einem Troll muss man ganz genau auf seine Wortwahl achten, weil der Troll einiges zu wörtlich nimmt. Bei seiner Ausreise muss Adam ein Formular unterschreiben, das ihn verpflichtet für den Lebensunterhalt von Magnus aufzukommen. Gemeinsam fliegen sie nach Berlin, dort hilft Magnus wie er nur kann, leider nicht mit ganz legalen Mitteln.

Hans Rath verbindet Island, Trolle und Chaos mit viel Humor und Fantasie. Herausgekommen ist ein leichter, amüsanter Roman. Mir gefällt die Art, wie er, zwar vielleicht auch etwas übertrieben, die Protagonisten in den Wahnsinn treibt. So nett formulierter Irrsinn macht einfach Spaß, einfach mal sich herzlich berieseln und die guten alten Trolle ihr Ding machen lassen. Auch so kann man einen schönen Abend verbringen.

Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne ...

Autor: Bernhard Blöchl
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-06075-2
Preis: 14,00 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (August 2017)

Knoppke ist ein wortkarger Zeitgenosse Anfang Vierzig. Er wäre fast mal Profifußballer geworden, beim Wuppertaler SV, aber dann kam ein Kreuzbandriss dazwischen. Inzwischen hat es ihn nach München verschlagen, dort hat er immer noch mit Fußball zu tun, und zwar als Security Steward (in seinen Worten „Zuschauerzuschauer“). Dort ist er fest liiert mit Silvi, doch nach einem Bayern-Spiel erwischt er sie mit ihrem Tanztrainer in flagranti. Das ist nun doch etwas viel, und um sein seelisches Gleichgewicht wieder zu finden, macht er sich in seinem alten Ford Transit auf nach Schottland. In den Highlands kann man ja gar nicht anders als zur Ruhe kommen.
Doch diese Rechnung hat er ohne die Anhalterin Sam gemacht, die ohne sein Zutun plötzlich in seinem Auto sitzt und ihn – auch gegen seine Absicht – begleitet. Und das ist der Beginn einer wunderbaren Roadnovel, beide Protagonisten auf der Suche nach sich selbst, einem Stück vom Glück, verfolgt von Silvi und anderen Plagen …
Wie das dann alles schließlich in Wuppertal-Vohwinkel endet, diese Geschichte ist amüsant erzählt, lakonisch und dröge wie Knoppke selber, mitunter sogar philosophisch. Und wer statt des Transit einen VW-Bus lieber hätte – der kommt auch drin vor!
Beste Sommerunterhaltung!

Schwesterherz

Autor: Kristina Ohlsson
Verlag: Limes
ISBN: 978-3-8090-2663-1
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (August 2017)

Martin Benner ist Rechtsanwalt in Stockholm. Es gibt in diesen Sommertagen wenig Aufträge für die Kanzlei, die Urlaubsreise nach Frankreich zusammen mit seiner Partnerin Lucy ist bereits gebucht. Doch dann steht ein merkwürdiger Mandant mit einem sehr prekären Anliegen vor Benners Schreibtisch: Bobby Tells Schwester Sara - eine geständige fünffache Mörderin, die sich noch vor der Verfahrenseröffnung während eines Freigangs das Leben nahm - soll unschuldig gewesen sein. Tell erwartet nun, dass Benner posthum einen Freispruch erwirkt. Vor Gericht hätte die Beweislage damals nicht mal ausgereicht, um Sara zu verurteilen, doch unbegreiflicherweise legte sie ein umfassendes Geständnis ab und konnte sogar die Verstecke der Tatwaffen präzise benennen. Ebenso nicht entgültig aufgeklärt werden konnte bislang das spurlose Verschwinden von Saras kleinem Sohn. Hat sie ihn mit in den Tod gerissen, als sie sich von der Brücke stürzte? Benners Neugier ist geweckt, und er nimmt das Mandat an...

War Sara tatsächlich eine kaltblütige Serienmörderin oder doch unschuldiges Opfer? Kristina Ohlsson legt mit "Schwesterherz" einen atemberaubend temporeichen Thriller vor. Kontrastierende Schauplätze, das verregnete Stockholm und die Schärenküste, das überheiße Texas, rasante Dialoge, kaputte Protagonisten, korrupte Polizisten ... Und das Ende ist nur ein teilweises Ende, denn in dem gerade erschienenen Nachfolger "Bruderlüge" muss Martin Benner notgedrungen weiterermitteln.

Was man von hier aus sehen kann

Autor: Mariana Leky
Verlag: DuMont
ISBN: 978-3-8321-9839-8
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (August 2017)

„Als Selma sagte, sie habe von einem Okapi geträumt, waren wir sicher, dass einer von uns sterben musste, und zwar innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden.“
Luises Großmutter Selma war bisher dreimal ein Okapi im Traum erschienen und jedesmal war in dessen Folge einer der Bewohner des kleinen Dorfs im Westerwald ums Leben gekommen.

Selma, die genau wie Rudi Carrell aussieht, und eine besondere Vorliebe für Mon Cheri hat, ist Luises Fels in der Brandung. Denn Luises Vater ist auf Rat seines Psychoanalytikers auf Reisen in der ganzen Welt unterwegs. Und auch die Mutter ist nicht allzu oft anwesend.
So verbringen Luise und ihr bester Freund Martin die meiste Zeit in Selmas morschem Haus.
Martin will später Gewichtheber werden, täglich trainiert er, in dem er Luise hochhebt.
An Selmas Seite ist meist auch der Optiker, der seit langem in die alte Dame verliebt ist. Nur wagt er nicht es ihr zu sagen. Die vier sind ein gutes Team, die beiden Kinder lernen von Selma und dem Optiker wie man Schleifen bindet, schwimmen und lesen. „Ihr müsst dringend mal ein bisschen mehr Welt hereinlassen“ pflegt Luises Vater zu sagen, wenn sie mal wieder so beieinander hocken. Aber die vier sind sich meistens selbst genug.
Dann erfüllt sich Selmas Vorsehung.

So skurril sich diese Konstellation anhört, so herzerwärmend ist die Geschichte auch. Mariana Leky erzählt mit Wortwitz und Beobachtungsgabe von einem Dorf und seinen Bewohnern. Von Heimat und Fernweh. Vom Schmerz, der größer als ein Wolfshund ist, von Freundschaft und von buddhistischen Mönchen im Westerwald.



Ein Mann der Tat

Autor: Richard Russo
Verlag: DuMont
ISBN: 978-3-8321-9842-8
Preis: 26,00 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (August 2017)

In der amerikanischen Kleinstadt North Bath passiert normalerweise nicht viel Außergewöhnliches. Die Einwohner gehen ihrem Tagwerk nach und belohnen sich abends mit ein paar Bier in der Kneipe. Jedoch am Memorial-Day-Wochenende versinkt die Stadt quasi im Chaos.

Der Leiter der Polizeidirektion, Douglas Raymer, ist frustriert und überfordert. Glaubt er doch endlich das Beweisstück in der Hand zu halten, mit welchem er den Liebhaber seiner verstorbenen Frau entlarven kann, als er während einer Beerdigung ins ausgehobene Grab fällt und den Gegenstand verliert. Und die dramatischen und irrwitzigen Vorfälle setzen sich fort. Ruth versucht zwischenzeitlich ihre Tochter vor ihrem gewalttätigen Exliebhaber Roy zu beschützen, was ihr selbst aber mehr als nur ein paar blaue Flecken einbringt. Inzwischen stürzt noch die Wand eines Gebäudes ein, die der impotente Bauunternehmer Carl errichtet hat. Zu guter Letzt entwischt noch eine illegale gehaltene Giftschlange. Alle weiteren Vorkommnisse aufzuzählen würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Chief Raymer schreitet zur Tat, versucht es jedenfalls.

Auf den ersten Seiten glaubt man noch Richard Russo erzählt etwas ausschweifend und langatmig. Doch eh man sich versieht, steckt man mitten im Kleinstadtchaos und ist der Story hilflos ausgeliefert. Bei den zwischenmenschlichen Beziehungen, wirtschaftliche Krisen und Alltagsdramen mangelt es nicht an Situationskomik, die Russo sehr brillant zu erzählen vermag. Da schneidet z.B. Rub einen Ast so ungeschickt ab, dass er anschließend nicht mehr ohne fremde Hilfe mehr vom Baum steigen kann. Längst will man wissen, ob und wie noch eine Wende für das kleine Städtchen und dessen skurrile Bewohner zustande kommt. Absolut unterhaltend, ausgeklügelt und ideenreich gibt Russo jeder Figur einen schlüssigen Platz in der Geschichte, keine der ca. 700 Seiten möchte man mehr missen und eigentlich noch mehr über die sogenannte Kleinstadtidylle lesen.





Das geheime Leben des Monsieur Pick

Autor: David Foenkinos
Verlag: DVA
ISBN: 978-3-421-04760-1
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Juli 2017)

Dieser Roman spielt am Ende der Welt, im Finistere, der äußersten Ecke der Bretagne. Dort gibt es eine ziemlich verrückte Sammlung in der Bücherei der kleinen Stadt Crozon, nämlich die „Bibliothek der abgelehnten Manuskripte“. Hier können glücklose Autoren ihre oftmals vielfach von Verlagen abgelehnten Werke abgeben, wo sie gemeinsam mit den Texten ihrer Leidensgenossen auf Leser warten.
In dieser Bibliothek stößt eines Tages eine junge ehrgeizige Lektorin im Heimaturlaub auf das Manuskript „Die letzten Stunden einer großen Liebe“, einen wirklich anrührenden Roman. Verfasst hat ihn der verstorbene Pizzabäcker des Ortes, Monsieur Pick – aber stimmt das? Seine Frau und seine Tochter jedenfalls können sich das nicht vorstellen, war der gute Mann doch weder romantisch noch las er etwas außer der Fernsehzeitung. Gleichwohl veröffentlicht die Lektorin den Roman und er wird, bei dieser Vorgeschichte nicht anders zu erwarten, ein großer Erfolg. Die verrückte Geschichte bewegt die Menschen, verändert ihre Leben: Paare trennen sich, Liebende finden unerwartet zueinander, nicht nur im Roman ist manches nicht so, wie es scheint …
Doch nicht nur Madame Pick hat ihre Zweifel an der Autorenschaft ihres Mannes, auch ein abgehalfterter Pariser Journalist macht sich daran, die wahre Geschichte zu recherchieren und den vielleicht richtigen Autor zu suchen …
Eine kurzweilige, augenzwinkernde Geschichte über den Literaturbetrieb, man sieht sie förmlich als französischen Film schon auf der Leinwand. Beste Sommerunterhaltung!

Das Scherbenhaus

Autor: Susanne Kliem
Verlag: carl's books
ISBN: 978-3-570-58566-5
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Juli 2017)

Carla ist Köchin. Sie lebt in Stade an der Elbe, fühlt sich eigentlich sehr wohl dort, in ihrer alten Bauernkate und an ihrem Arbeitsplatz, einem einfachen, guten Restaurant. Eigentlich. Denn da ist dieser unbekannte Stalker, der sich Sven nennt und ihr Fotos schickt. Auf denen menschliche Haut zu sehen ist, Messer, und Wunden. Die Polizei ist nicht in der Lage, erfolgreich zu ermitteln.
Da kommt der Anruf ihrer Halbschwester Ellen aus Berlin gerade recht. Die bittet Carla um einen Besuch. Und in deren perfekt geschütztem Wohnhaus 'Safe Heaven' und seiner engen Hausgemeinschaft wähnt sich Carla in Sicherheit. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft verschwindet Ellen spurlos, ihre Leiche wird Tage später aus einem Kanal geborgen. War das ein Unfall? Oder wissen die anderen Hausbewohner, die so freundlich und hilfsbereit wirken, mehr als sie sagen? Carla kommen Zweifel, sie bleibt in Ellens Wohnung und sucht nach der Wahrheit. Dabei merkt sie schon bald, dass im Safe Heaven ganz eigene Regeln und Gesetze herrschen. Gesetze, deren Wirkungskraft bis in ihre Heimatstadt Stade strahlt ...

"Das Scherbenhaus" ist ein raffiniert komponierter Psychothriller. Sehen Sie zu, dass Sie Zeit haben, wenn Sie diesen neuen Roman von Susanne Kliem in die Hand nehmen. Sie werden das Buch nicht aus der Hand legen wollen, bevor die letzte Seite erreicht ist.

Der Freund der Toten

Autor: Jess Kidd
Verlag: DuMont Buchverlag
ISBN: 978-3-8321-9836-7
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Juli 2017)

Als Mahony, jung, gut aussehend, leicht verlottert, in Mulderrig auftaucht, ist das Gerede groß. In dem kleinen irischen Dorf sind Fremde nicht gern gesehen.
So wird der Neuankömmling äußerst skeptisch von allen Seiten beäugt. Außerdem ist da etwas an ihm, vielleicht ein Zwinkern oder sein Gang, etwas, das in den Menschen von Mulderrig ungute Erinnerungen auslöst. Nicht gleich greifbar, aber es ist da.
Und in der Tat ist der junge Mann nicht zufällig von Dublin aus in diesem kleinen Kaff gestrandet. Er will herausfinden, was hier vor 26 Jahren mit seiner Mutter geschah. Ein gewagtes Unterfangen. Zunächst stößt er weitestgehend auf Ablehnung. Die blutjunge Orla war ein Störenfried. Dreckig, frech und vorlaut, sorgte sie stets für Unfrieden. Als sie verschwand, waren sie hier alle glücklich. Sie nahm den Zug nach Dublin, davon sind sie überzeugt. Niemand glaubt an ein Gewaltverbrechen.
Doch Mahony will es genau wissen. Ein Glück, dass er auf die schrullige Mrs Cauley trifft, eine alternde Schauspielerin, die sich vor vielen Jahren in der Bibliothek des Gästehauses, in dem auch Mahony wohnt, häuslich eingerichtet hat. Von dort schikaniert sie mit Freude die Menschen um sich herum. Doch den jungen Neuankömmling schließt sie gleich in ihr Herz. Auch sie zweifelt an dem freiwilligen Verschwinden von Mahonys Mutter. So beteiligt sie sich mit viel Einsatz und großer Lust am Unruhestiften an den Ermittlungen. Die leidenschaftlich unangepasste Diva und der junge Herumtreiber haben allerdings noch mehr Gemeinsamkeiten als das Interesse am Aufdecken eines Verbrechens. Dass Mahony Tote sehen kann, erkennt Mrs Cauley sofort.

Ein Buch wie dieses habe ich lang nicht mehr gelesen. Alles beginnt völlig normal, wie in einem klassischen Krimi - ein Dorf, ein Fremder, lang gehütete Geheimnisse, vermutlich ein vertuschtes Verbrechen. Doch dann läuft auch schon ein toter Hund durch den Pub und plötzlich merkt man, dass etwas anders ist. Das Herrliche an „Der Freund der Toten“ ist, dass die Geschichte weite Strecken lang auch völlig ohne diese fantastischen Elemente auskommen könnte. Jess Kidd muss in ihrem Romandebut nicht auf Übersinnliches zurückgreifen, um den Fall zu lösen oder eine spannende Handlung aufzubauen. Vielmehr bereichern diese skurrilen Momente die Geschichte sehr und machen sie ziemlich einzigartig. Ein guter Plot, viele spezielle Charaktere, liebens- oder hassenswert, ein paar übersinnliche Phänomene - ein absolut lesenswertes Buch.

Post Mortem - Tage des Zorns

Autor: Mark Roderick
Verlag: Fischer Taschenbuch
ISBN: 978-3-596-29707-8
Preis: 12,00 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Juli 2017)

Auch wenn man als Interpol-Agentin ein Päckchen mit einem abgeschnittenen Ohr erhält, vermutet man nicht zwangsläufig, es könnte sich um ein Körperteil der eigenen Tochter handeln. Doch nach der Videobotschaft ihrer Tochter Becky muss sich Emilia Ness den grausigen Tatsachen stellen. Zeitgleich wird der Profikiller Avram Kuyper in eine perfide Falle gelockt und auch seine Nichte wird entführt. Jemand will Emilia und Avram leiden sehen und benutzt dazu die beiden Kinder. Um diese lebend wiederzufinden müssen die Interpol-Agentin und der Profikiller zusammenarbeiten. Dafür muss die sonst so gesetzestreue Emilia unkonventionelle Wege einschlagen. Die Sache heiligt die Mittel und so wagt Emilia die Herausforderung ohne ihre Kollegen.

Abwechselnd wird der Thriller aus der Sicht von Emilia und Avram erzählt, das verleiht der Spannung noch einen zusätzlichen Kick. Allzu zartbesaitet darf man allerdings nicht sein, einige Szenen werden recht grausam beschrieben und die krankhaften Seiten mancher skrupelloser Kriminellen sind nicht für jedes Kopfkino geeignet. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite, mit einigen Überraschungen und einem gelungenem Finale.

"Tage des Zorns" ist bereits der 3. Band aus der Post Mortem-Reihe. Falls nötig, gibt es einen kurzen Rückblick auf die früheren Ereignisse, so ist ein etwaiger Quereinstieg völlig problemlos. Allerdings fand ich die ersten beiden Bände genauso spannend, man sollte sich die Thriller also nicht entgehen lassen.

Mark Roderick veröffentlicht seit zwanzig Jahren unter verschiedenen Namen, die Reihe Post Mortem ist seine erste Arbeit als „Mark Roderick“, für Band 4 - "Schatten der Vergangenheit" hat er bereits die ersten Seiten geschrieben. Wir dürfen uns daher auf eine Fortsetzung freuen.

Das Gedächtnis der Insel

Autor: Christian Buder
Verlag: Blessing
ISBN: 978-3-89667-591-0
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Juni 2017)

Yann Schneider muss zur Beerdigung seines Vaters für zwei Tage auf jene Insel vor der bretonischen Küste zurück, auf der er aufgewachsen ist. Der Tod seines Vaters und dessen Begleitumstände haben ihn irritiert, umso mehr, als sein Vater nach langer begegnungsloser Zeit versucht hatte, wieder Kontakt aufzunehmen.
Yann hat die Insel nicht lange nach dem ebenfalls merkwürdigen Unfalltod seiner Mutter für immer verlassen, und nun scheinen beide Fälle auf unheimliche Weise miteinander zu tun zu haben. Während draußen über dem Meer ein Jahrhundertsturm aufzieht, der die ganze Insel bedroht, macht sich Yann zusammen mit der ermittelnden Gendarmin Gwenn, seiner Jugendliebe, auf Spurensuche.
Je näher sie dem Geheimnis von Yanns Mutter kommen, desto gefährlicher wird es für sie, denn die kleine Inselgemeinschaft verteidigt sich mit allen Mitteln. Bis es schließlich zum Showdown in einer wüsten Sturmnacht kommt, nach der im wahrsten Sinne des Wortes kein Stein mehr auf dem anderen steht …
Ein dichter, atmosphärischer Roman, weit mehr als ein Kriminalroman.

Ist Fat Bob schon tot?

Autor: Stephen Dobyns
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 978-3-570-10230-5
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Juni 2017)

New London, Connecticut: eine einst idyllische Kleinstadt an der Ostküste der USA, jetzt ein 25 000 Einwohner-Flecken ohne touristische Attraktionen. Hier wohnt die Langeweile, denn hier passiert nie was. Dieser Zustand ändert sich allerdings abrupt, als auf der Hauptstraße ein Motorradfahrer mit seiner schweren Harley ungebremst gegen einen rangierenden Lastwagen prallt. Die Identifizierung gestaltet sich schwierig, sind die Überreste des Bikers doch aufgrund der Wucht des Aufpralls weiträumig verteilt. Ist der Tote tatsächlich Robert "Fat Bob" Rossi, wie alle Zeugen des makabren Geschehens annehmen? Und war es wirklich ein tragischer Unfall?
Connor Raposo hält sich während des schreckliches Ereignisses in einem Schuhmacherladen auf der Main Street auf. Er ist erst seit wenigen Tagen in der Stadt, arbeitet für eine nicht ganz so legale Wohlfahrtsorganisation, die den Einwohnern per Telefon Geld abschwatzt für dubiose Hilfefonds, etwa "Rettet Beagles vor der Nikotinsucht". Der Krach des Aufpralls treibt ihn nach draußen. Direkt an der Unfallstelle glaubt Connor einen Casinobuchhalter aus San Diego wiederzuerkennen, der hier in New London eigentlich gar nichts verloren hat.
Kurz darauf gerät die Stadt vollends in Aufruhr: Leute verschwinden, Morde geschehen, das FBI taucht auf. Und mitten drin im Geschehen immer wieder Connor, der ahnungslos von einer aberwitzigen Situation in die nächste stolpert. Bis ihm klar wird, dass man auch hinter ihm her ist...

Stephen Dobyns hat einen rasanten, spannenden, aber auch extrem komischen Krimi verfasst. Voller schräger Typen, aberwitziger Dialoge und mit einem sehr raffinierten Plot.
Haben Sie ein Faible für schwarzen Humor? Dann ist "Ist Fat Bob schon tot?" genau das Richtige für Sie!

Das geträumte Land

Autor: Imbolo Mbue
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04796-7
Preis: 22,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Juni 2017)

Als er die Anstellung als Chauffeur bei einem reichen Investmentbanker ergattert, liegen Jahre voller Entbehrungen hinter Jende. Frau und Kind musste er für lange Zeit in der kameruneschen Heimat zurücklassen, um im Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit schlecht bezahlten Jobs eine Zukunft für sich und seine kleine Familie aufzubauen. Jetzt, wo seine Frau Neni und der kleine Liomi ihm endlich nach New York folgen konnten und er feste Arbeit gefunden hat, ist die Erfüllung des Amerikanischen Traums zum Greifen nah.
Familie Edwards, Jendes Arbeitgeber, stellt für ihn zunächst genau das da, was er erreichen möchte. Clark Edwards arbeitet viel, um seiner schönen Frau und den beiden Söhnen ein sorgenfreies Leben in Luxus, mit Chauffeur, Hausangestellten und Sommern in den Hamptons, ermöglichen zu können. Nach außen scheint alles perfekt. Doch Jende und Neni stellen schon bald fest, dass es auch in der Welt der Schönen und Reichen Probleme gibt, die Geld nicht lösen kann. Es ist das Jahr 2008 und Clark ist leitender Manager bei Lehmann Brothers. Als die Finanzkrise über das ganze Land hereinbricht, droht das Glück beider Familien zu zerbrechen.

Imbolo Mbue kommt selbst aus genau dem Dorf in Kamerun, dass sie auch zu Jende und Nenis Heimatdorf gemacht hat. Sie lebt inzwischen seit vielen Jahren in den USA, wo sie studierte und nun ihren ersten, lang ersehnten Roman veröffentlicht hat. Schon vor Erscheinen von „Das geträumte Land“ galt Mbue als neues Wunderkind der amerikanischen Literatur. Ihr Erstling wird den Erwartungen gerecht - spiegelt er doch das Schicksal einer ganzen Generation wider. Anhand des Beispiels zweier völlig unterschiedliche Familien, die zwar durch das selbe Ereignis der jüngeren amerikanischen Geschichte ins Straucheln geraten, doch auf ihre ganze eigene Art versuchen, sich zu behaupten.

Dark Matter - Der Zeitenläufer

Autor: Blake Crouch
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-20512-7
Preis: 16,00 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Juni 2017)

Hat sich nicht schon jeder einmal gefragt, was geschehen wäre, wenn er sich damals anders entschieden hätte? Diese Frage muss sich auch Jason Dessen stellen. Bisher lebte er glücklich mit seiner Frau und seinem Sohn in Chicago. Er unterrichtet Physik mit Schwerpunkt Quantenmechanik an einem College. Seine Karriere hat er voller Überzeugung seiner Familie geopfert. Auch seine Frau musste zurückstecken, sie war ein aufgehender Stern in der Kunstszene, jetzt gibt sie Schüler der Unterstufe Kunstunterricht. Doch wie wäre sein Leben verlaufen, wenn er sich ganz der Forschung gewidmet hätte?

Für Jason und seine Frau beginnt ein ganz normaler harmonischer Abend, sie trinken noch ein Glas Wein zusammen und Jason verlässt noch einmal kurz das Haus, um mit einen alten Freund auf dessen Erfolg anzustoßen. Auf dem Nachhauseweg wird Jason von einem maskierten Mann überwältigt, dieser verabreicht ihm eine Spritze und Jason erwacht in einer völlig fremden Welt. Doch jeder in dieser Welt scheint ihn zu kennen und ihn zu bewundern. Allerdings hat er in dieser Welt seine Frau niemals geheiratet und nie einen Sohn bekommen. Jason will auf jeden Fall in sein altes Leben zurück, aber das hat schon ein anderer Jason in Beschlag genommen...

Eine ungewöhnliche, unglaubliche Geschichte , die uns Blake Crouch zum Besten gibt und versucht, sie mit der Theorie von Schrödingers Katze zu festigen. Doch so unwirklich wie sie uns erscheint, ist sie vielleicht gar nicht. Vielleicht gibt es diese Parallelwelten ja doch. Auch wenn ich die Quantentheorie immer noch nicht so ganz verstanden habe, auf jeden Fall bin ich sehr gut unterhalten worden und habe mit Jason bis zum Schluss auf ein Happy End gehofft. Die Filmrechte sind bereits verkauft und ich glaube, man kann mit einem spannenden Filmabend rechnen. Bis es soweit ist, einfach das in der Regel bessere Buch lesen.

Bullenbrüder

Autor: Rath & Rai
Verlag: Wunderlich
ISBN: 978-3-8052-5104-4
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Mai 2017)

Unterschiedlicher könnten diese zwei Brüder kaum sein: Der eine, Holger Brinks, ist Kriminalhauptkommissar bei der Berliner Mordkommission, der andere, Charlie, schlägt sich als Gelegenheits-Privatdetektiv durch. Der eine hat einen Assistenten, der ihn fährt, Frau und Familie, der andere ist gerade bei einer seiner Teilzeit-Lebensgefährtinnen rausgeflogen.
Deshalb muss Charlie Unterschlupf bei Holger suchen, der ihn allerdings nur bis ins Gartenhaus lässt. Doch die neue Nähe entpuppt sich als durchaus hilfreich, hat doch der aktuelle Fall von Holger durchaus pikante Verbindungen zu Charlie. Die Brüder müssen sich wohl oder übel aufeinander einlassen; der korrekte Holger auf die etwas unorthodoxen Ermittlungsmethoden von Charlie, und Charlie auf die Hilfe seines Bruders, der ihm hilft, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen …
Gut konstruierter Fall, lebendige Protagonisten – spannendes Lesevergnügen, das Lust auf mehr macht!

Jürgen

Autor: Heinz Strunk
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-498-03574-7
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Mai 2017)

Endlich ist er da - der neue Roman von Heinz Strunk! Und dieses Mal wieder ganz in der Tradition von "Fleisch ist mein Gemüse", dem genial-komischen Erstlingswerk des Autors. Auch "Jürgen" ist eine Art Hymne an all die kleinen Loser dieser Welt, die so große Erwartungen ans Leben haben und doch nur enttäuscht werden:
Jürgen Dose lebt in Harburg. Er hat es bisher nicht immer leicht gehabt im Leben, sein Job im Parkhaus verlangt ihm viel ab, und damit fängt es erst an. Trotzdem ist für Jürgen das Glas immer halbvoll, er glaubt daran, dass wer wagt, gewinnt und er es im Leben eigentlich ganz gut getroffen hat. Doch eigentlich ist Jürgen ein ganz armer Willi, nur weiß er das nicht. Das liegt unter anderem daran, dass er, abgesehen von seiner bettlägrigen Mutter und Schwester Petra vom Pflegedienst, regelmäßigen Kontakt nur zu seinem alten Freund Bernie Würmer pflegt, der im Rollstuhl sitzt und sich ununterbrochen mit ihm zankt. Beide müssen so einiges im Leben entbehren, am schmerzlichsten die Liebe einer Frau. Diesen armseligen Zustand des Immer-alleine-Seins wollen sie nun ändern.
Verheerende Erfahrungen beim Speed-Dating und mit der Lektüre von Fachwerken zum Thema Frauenaufreißen entmutigen die beiden Kavaliere nicht. Da muss man eben den Einsatz erhöhen! Eine Reise nach Polen mit der Firma "Eurolove" kostet allerdings ganz schön. Aber heiratswütig sind die da! Schönheitskönige wollen die auch nicht. So sitzen Jürgen und Bernie bald im Bus nach Breslau, zusammen mit anderen Liebessuchern. Ob das wohl gut geht?

Mein Freund Pax

Autor: Sara Pennypacker
Verlag: Sauerländer
ISBN: 978-3-7373-5230-7
Preis: 16,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Mai 2017)

Peter lebt allein mit seinem Vater in einer nicht näher beschriebenen Gegend, in einem kleinen Haus nahe dem Wald gelegen. Als Krieg ausbricht, geht der Vater zur Armee und bringt den zwölfjährigen Sohn zum Großvater, der einige hundert Kilometer entfernt lebt.
Schlimmer als die Trennung vom Vater wiegt für Peter allerdings die Trennung von seinem Freund Pax, einem Fuchs, den der Junge als Welpen gefunden und aufgezogen hatte. Nun muss er ihn mit einem Trick im Wald aussetzen und ihn zurücklassen. Kaum dort angekommen wird Peter bewusst, was er getan hat: Er hat seinen besten Freund verraten und ihn dem sicheren Tod überlassen. Denn Pax hat nie gelernt, sich selbst zu versorgen. Er weiß nicht wie man jagt und in der Wildnis überlebt. Peter beschließt, heimlich, ohne die Erlaubnis des Großvaters, zurückzukehren, um seinen Freund zu retten. Und so packt er das Nötigste zusammen, schaut noch einmal auf die Karte, welche Richtung er einschlagen soll und bricht auf.
Und auch Pax, der Fuchs, glaubt seinen Jungen wiederfinden zu müssen. Er ist sicher, dass Peter zu ihm zurückkehren wird und beschließt auf den besten Freund zu warten.
Beide sind zum ersten Mal auf sich allein gestellt, müssen viele Gefahren durchstehen und über sich hinauswachsen. Und sie werden neue Gefährten finden, die ihnen helfen, dieses große Abenteuer zu überstehen und zueinander zurückzufinden.
Sara Pennypacker, die Erfinderin der absolut großartigen Clementine-Kinderbuchreihe, erzählt in ihrem neuen Buch von einer großen Freundschaft. Eine Geschichte vollgepackt mit all den großen Themen, die das Leben so bietet, und so erzählt, dass Kinder sich voll damit identifizieren können. Die wunderbaren Illustrationen von Jon Klassen runden das Ganze perfekt ab. Eine klare Leseempfehlung für Kinder (ab 10) und Erwachsene.

Und jetzt lass uns tanzen

Autor: Karine Lambert
Verlag: Diana
ISBN: 978-3-453-29191-1
Preis: 17,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Mai 2017)

"Das müssen Sie entscheiden Madame." Diesen Satz wird Marguerite jetzt öfter hören. Nach 55 Ehejahren verliert sie ihren Mann, nun muss und darf sie endlich eigene Entscheidungen treffen. In all den Jahren haben sie sich gesiezt und Marguerite hat sich für ihrem Mann verbogen, sich untergeordnet. Endlich könnte sie ihr Leben führen, wenn jetzt nicht ihr Sohn Frederic versuchen würde, ihren Lebensabend zu bestimmen. Er hält seine Mutter für alt und nicht entscheidungsfähig. Als Sohn sieht er sich als Beschützer der Mutter und duldet keine Abweichungen in ihrem Umfeld.

Marcel hatte seine Jugendliebe geheiratet und sie nun mit 73 Jahren, unmittelbar vor ihrer Rubinhochzeit, bei einem schrecklichen Unfall verloren. Sie führten gemeinsam eine glückliche und harmonische Ehe. Umso schwerer trifft Marcel ihr plötzlicher Tod.

Durch einen Zufall lernen sich Marguerite und Marcel bei einer Kur in einem Thermalbad kennen. Gemeinsam lachen sie über die gleichen Dinge und spüren eine ungewohnte Vertrautheit und Zuneigung. Zuerst noch zaghaft, lassen sie sich auf dieses neue Gefühl ein, aber schon bald möchten sie gerne mehr Zeit miteinander verbringen. Doch aus Unverständnis werden den Beiden Steine in den Weg gelegt. Es wird in ihrem Umfeld über ihre Liebe in ihrem Alter die Nase gerümpft und abwertend geredet.

Die Liebe älterer Menschen ist zur Zeit ein Trendthema in der Unterhaltungsliteratur. Mit viel Fingerspitzengefühl und Wärme greift Karina Lambert dieses Thema auf und schreibt über die beiden Senioren eine herzerwärmende Geschichte. Nach diesem Roman kann man älteren Menschen nur noch wünschen, die Liebe auch noch im Alter zu finden und zu erfahren. Marguerite und Marcel zeigen, das Freude, Glück und Liebe keine Frage des Alters ist und wie die Lebenslust den Mutigen einen Weg ebnen kann.

Ein Tag im Herbst

Autor: Anne Ameri-Siemens
Verlag: Rowohlt Berlin
ISBN: 978-3-87134-834-1
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (April 2017)

Nicht erst seit dem Anschlag des internationalen Terrorismus in London oder seit der Drohung eines Anschlags auf das Einkaufszentrum Hofgarten selbst in unserem kleinen Solingen ist klar, dass unsere Gesellschaft und Lebensweise insgesamt das Ziel der Schreckensverbreiter sind. Um so wichtiger, das die Zivilgesellschaft Vertrauen in sich selber hat und sich nicht bereit zeigt, sich von Angst regieren zu lassen.
2017 jähren sich die Ereignisse des „Deutschen Herbstes“ von 1977. Höhepunkte des von der RAF geführten Terrorkrieges gegen den Staat waren die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ und die brutale Entführung und Ermordung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer. Und wer sich noch erinnert, der weiß, dass damals die persönlichen Einschränkungen – Personen- und Fahrzeugkontrollen überall – für viele Menschen deutlicher spürbar waren als im heutigen Bedrohungsszenario. Die heutige Gelassenheit ist also vielleicht auch Lehre aus den Erfahrungen jener Zeit.
Wie diese Zeit im Herbst 1977 von den unmittelbar Beteiligten erlebt wurde, erfahren wir durch den klugen Band von Anne Ameri-Siemens „Ein Tag im Herbst“. In vielen Interviews ganz unterschiedlicher Zeitzeugen entwirft sie, was die furchtbare Alternative ‚Tod der Geisel Schleyer gegen die Freilassung politischer Verbrecher und die dann vermuteten Folgen‘ für die Handelnden und die Betroffenen bedeutet hat. Zu Wort kommen Angehörige und verantwortliche Politiker, aber auch Justizbeamte aus Stammheim, Journalisten, ebenso der ebenfalls als Geisel genommene Jan Philipp Reemtsma. Und aus der Gesamtschau mag jeder zu unterschiedlichen Beurteilungen kommen, wichtig ist aber für mich, welche Stärke das gemeinsame Ringen selbst in Nachhinein für die Gesellschaft bedeutet hat.
Ein kluges, nachdenkliches und auch bewegendes Buch, das eine 40 Jahre zurückliegende Zeit spannend lebendig werden lässt.

Die Mississippi-Bande

Autor: Davide Morosinotto
Verlag: Thienemann
ISBN: 978-3-522-18455-7
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (April 2017)

Eine Bemerkung vorneweg:"Die Mississippi-Bande" ist ein Kinderbuch. Für Jungs und Mädchen so ab 11 Jahren, die Spaß an spannenden Abenteuergeschichten haben. Aber auch Erwachsene - wenn Sie sich denn auf dieses 'Genre' einlassen - können von Davide Morosinotto richtig gut unterhalten werden. Mark Twains 'Tom Sawyer' lässt grüßen...
"Die Mississippi-Bande" erzählt die haarsträubende Geschichte von vier Kindern in Louisiana. Es ist das Jahr 1904, und alles beginnt mit dem Mord an Mr. Darsley. Oder vielleicht doch einige Wochen früher. An dem Nachmittag, an dem die vier durch die Sümpfe des Bayou paddeln, um Fische zu fangen. Doch statt Fischen ziehen sie eine verbeulte Blechdose aus dem schlammigen Wasser. Darin liegen drei Dollar. Eine ordentliche Menge Geld für die damalige Zeit, das man für alle möglichen Dinge ausgeben kann. Zum Beispiel für eine echte Pistole... Vorausgesetzt, die Eltern erfahren nichts davon. Die Vier ahnen nicht, dass sie mit ihrer Bestellung bei einem Versandhaus das größte Abenteuer ihres Lebens auslösen...
Wilde Verfolgungsjagden durch die Sümpfe, eine Fahrt als blinde Passagiere auf einem Schaufelraddampfer Richtung Saint Louis, als Hobos im Viehtransporter der Union Stock Yard Railway weiter nach Norden - sie geraten von einem Abenteuer ins nächste. Bis zum spannenden Finale bei den Gepäckschließfächern im Bahnhof von Chicago.

Unsere Seelen bei Nacht

Autor: Kent Haruf
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06986-0
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (April 2017)

„Und dann kam der Tag, an dem Addie Moore bei Louis Waters klingelte.“ Die 70jährige Addie und ihr etwa eben so alter Nachbar wohnen seit vielen Jahren nur einige Häuser von einander entfernt. Man kennt sich nicht gut, aber doch schon sehr lange. An diesem Tag nun unterbreitet die alte Dame Louis ein Angebot, das ihn zunächst sprachlos macht. Sie fühle sich, seit ihr Mann gestorben sei, viel zu oft allein. Und sie vermutet, dass es Louis, ebenfalls verwitwet, sicher ähnlich gehe. Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten wolle? „Es geht nicht um Sex. Es geht darum, die Nacht zu überstehen.“ stellt Addie direkt klar. Zu seiner eigenen Überraschung willigt der leicht überrumpelte Louis kurzentschlossen ein. Von da an treffen die beiden sich regelmäßig bei Addie zu Hause, verbringen Nacht für Nacht nebeneinander und helfen sich gegenseitig durch die dunklen Stunden. Doch bleibt ihr neues, spätes Glück nicht lange unbeachtet. Die nächtlichen Treffen wecken Argwohn bei ihren Familien. Und in der Nachbarschaft der kleinen amerikanischen Ortschaft machen schon bald diverse Gerüchte die Runde. Addie und Louis müssen Rückgrat beweisen und für ihre Wünsche und Überzeugung einstehen. In einem Alter, in dem man glauben könnte, sich nicht mehr rechtfertigen zu müssen, beginnt ihr Umfeld, genau aus diesem Grund an ihrem Willen und klaren Verstand zu zweifeln. „Unsere Seelen bei Nacht“ ist ein schmales Buch, eine kleine, berührende Geschichte, die aber so unaufgeregt und schön von existenziellen Themen wie Mut, Neubeginn und Selbstbestimmung erzählt, dass sie noch lange nachwirkt. Es ist der letzte Roman des 2014 verstorbenen Kent Haruf.
Wie alle vier vorherigen Romane spielt auch dieser in der fiktiven Kleinstadt Holt und ich freue mich schon jetzt auf die geplante Verfilmung mit Robert Redford und Jane Fonda.

Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands

Autor: Salvatore Basile
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7645-0600-1
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (April 2017)

Als Michele gerade mal sieben Jahre alt ist steigt seine Mutter in Miniera de Mare allein in den Zug. Sein Tagebuch trägt sie bei sich. Da sie versprochen hat, es nicht zu lesen und es ihm später zurückzugeben, hat Michele es ihr überlassen.
Noch kann er die entstandene Situation nicht begreifen, wohin will seine Mutter und wann wird sie zurückkehren?

Heute ist Michele ein erwachsener Mann von 30 Jahren. Längst hat er die Hoffnung auf die Rückkehr seiner Mutter begraben. Da sein Vater vor einigen Jahren verstarb, konnte Michele seinen Posten auf dem kleinen Bahnhof in Mineira de Mare übernehmen.
Nur ein einziger Zug rollt morgens aus dem Bahnhof und kehrt am Abend wieder zurück. Täglich sammelt Michele die liegengebliebenen Gegenstände aus dem Zug und hortet sie in seinem kleinen Bahnhofshäuschen. Seit Jahren hat er den Bahnhof nicht mehr verlassen, bis plötzlich Elena auf der Suche nach ihrer Puppe in sein Bahnhofshäuschen eindringt und sein Leben auf den Kopf stellt. Als Michele kurz darauf sein altes Tagebuch in dem Zug findet, ist es Elena, die ihn ermutigt, endlich selbst mit dem Zug auf die Reise zu gehen und seine Mutter zu suchen.

So beginnt eine wundersame Reise durch Italien, gespickt mit Erinnerungen aus Micheles Kindheit und Abschnitten aus seinem Tagebuch. Was wie eine tragische und traurige Geschichte beginnt, entwickelt sich zu einem hoffnungsvollen und mutigen Roman. Mit Freude kann der Leser die Entwicklung von Lena und Michele miterleben, natürlich ist ihr Weg auch mit Höhen und Tiefen gepflastert. Ein Roman, der berührt, er wird sicherlich alle Leser ansprechen, die auch an Rachel Joyce Roman "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" Gefallen fanden.

Ein Monat auf dem Land

Autor: J.L. Carr
Verlag: DuMont
ISBN: 978-3-8321-9835-0
Preis: 18,00 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (März 2017)

Nordengland, 1920. Der Krieg ist vorbei, aber die Wunden, die er in Körper und Seelen der Menschen gerissen hat, sind noch lange nicht verheilt. Auch nicht die von Tom Birkin, den es in das kleine Dorf Oxgodby verschlägt. Er soll in der Dorfkirche ein mittelalterliches Fresko freilegen und hofft, bei dieser Arbeit seinen Seelenfrieden zu finden; das Trauma des Krieges und die Erinnerung an seine Frau, die ihn verlassen hat, hinter sich zu lassen.
Und tatsächlich: Je mehr er in diesem untypisch warmen Sommer von dem verborgenen Kunstwerk freilegt, je mehr er sich dem Dorf und seinen Mitmenschen zuwendet, desto mehr kommt er zu sich selbst. Liebevoll beschriebene Figuren bevölkern das Dorf, jede für sich besonders, und aus den Begegnungen mit ihnen gewinnt der erschöpfte Tom Birkin neuen Lebensmut. Typisch englische Skurrilität durchzieht den Roman, keine Seite ohne zurückhaltenden britischen Humor. Ach ja: eine zarte Liebesgeschichte weht natürlich auch durch diesen Sommer …
Eine wunderschöne Erzählung zum Innehalten, zu lesen an einem Nachmittag in Vorfreude auf einen Sommer voll Hoffnung.

Monteperdido - Dorf der verschwundenen Mädchen

Autor: Agustín Martínez
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-03658-5
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (März 2017)

Monteperdido: ein Dorf in den spanischen Hochpyrenäen, inmitten zweier Naturparks, lediglich durch eine Passstraße mit der übrigen Welt verbunden. Wenn die Sommertouristen verschwunden sind, wird es für den Rest des Jahres erst recht einsam und still in dem Ort. Die Bewohner sind eng miteinander verbunden. Verwandt, verschwägert, als Taufpaten, Schulfreunde, Mitglieder der Bruderschaft Santa Maria. Gemeinsam trotzen sie der Natur mit ihren langen Wintern, hocken in den Kneipen beim Brett- und Kartenspiel und gehen in den Bergen auf Treibjagd. Sie lassen niemanden in ihre verschworene Gemeinschaft eindringen.
Vor fünf Jahren geschah dann das Unfassbare: zwei Freundinnen verschwanden auf dem Heimweg von der Schule. Niemand hat jemals auch nur eine Spur von ihnen gefunden. Die Polizei stellte ihre Ermittlungen nach Monaten ein, die Dorfbewohner ihre zusätzliche Suche. Zu den von den Eltern der Mädchen abgehaltenen Mahnwachen erschienen immer weniger Teilnehmer...
Und plötzlich taucht eines der Mädchen wieder auf, die jetzt sechzehnjährige Ana Montrell - traumatisiert, nicht ansprechbar. Wo ist ihre Freundin? Ist Lucía noch am Leben? Die aus Madrid angereiste Kommissarin Sara Campos muss mit der lokalen Polizei zusammenarbeiten - ein schwieriges Unterfangen, denn die Ordnungshüter sind so schweigsam wie der Rest des Dorfes. Monteperdido funktioniert schließlich nach seinen eigenen Regeln...

Das Buch der Spiegel

Autor: E.O. Chirovici
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-31449-2
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (März 2017)

E.O. Chirovicis „Das Buch der Spiegel“ wird wohl in den nächsten Wochen die Bestsellerlisten erklimmen - nicht nur weil Denis Scheck in 'Druckfrisch' davon schwärmt - sondern vor allem, weil es eine umwerfend gute Geschichte erzählt.

Als Peter Katz ein Manuskript von einem gewissen Richard Flynn erhält, ist es zunächst eines unter vielen. Als Literaturagent erhält er ständig unverlangt eingesandte Texte.
Doch diesmal ist etwas anders. Schon Flynns Anschreiben zieht Peter in seinen Bann. Er verspricht in seinem Roman einen viele Jahre zurückliegenden Mordfall aufzuklären. Einen Mordfall, in den der Autor selbst verwickelt zu sein scheint. Literaturagent Katz ist begeistert. Doch das Manuskript endet, bevor die Tat aufgeklärt wird. Peter ist Feuer und Flamme, er sieht in der Story einen potentiellen Bestseller, aber vor allem will er wissen, wie die Geschichte endet. Als er versucht den Autor zu kontaktieren, muss er feststellen, dass Richard Flynn schwer krank ist und schon kurze Zeit später stirbt. Eine Katastrophe. Peter beginnt wie wild zu recherchieren. Er kontaktiert Personen aus dem Umfeld von Richard Flynn und des Mordopfers, dabei trifft er unter anderem eine Frau, die auf merkwürdige Art und Weise in die Geschehnisse von damals verstrickt ist.
Als er mit seinen Ermittlungen nicht weiter kommt, beschließt er einen Kollegen mit den weiteren Recherchen zu beauftragen. Aber auch dieser wird nicht der letzte sein, den der mysteriöse Fall in seinen Bann zieht.
Chirovici hat eine besondere Art gefunden seine Geschichte zu erzählen. Mit jedem neu auftretenden Ermittler wechselt auch die Erzählperspektive und wir als Leser kommen der Lösung des Verbrechens somit Stück für Stück näher.

Perfect Girl

Autor: Gilly MacMillan
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-52056-7
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (März 2016)

Zoe Maisey und Lucas Kennedy laden zu einem “Musikalischen Sommerabend“ in der Holy Trinity Church Kirche in Bristrol ein. Es soll ein perfekter Auftritt werden, ein weiterer und entscheidender Schritt in Zoes neuem Leben. Vor drei Jahren verschuldete die damals 15jährige Zoe den Tod dreier Teenager und wurde zu drei Jahren Jugendarrest verurteilt. Niemals sollte jemand aus ihrem Umfeld davon erfahren, schon gar nicht ihr Stiefvater. Welch ein Schicksalsschlag, dass ausgerechnet an diesem wichtigen Konzert der Vater eines der verstorbenen Mädchen auftaucht und sie während ihres Auftrittes als Mörderin beschimpft. Langsam beginnt das wacklige Kartenhaus über Zoe und ihrer Familie zusammen zu stürzen und noch am selben Abend, um Mitternacht, wird Zoes Mutter tot aufgefunden.

Zoe ist nicht die einzige mit Geheimnissen, schleichend erfährt der Leser mehr aus Zoes Vergangenheit. Indem die Autorin abwechselnd die betroffenen Protagonisten aus ihrer Sicht erzählen lässt, entwickelt sich nach und nach ein ganz neues Gesamtbild. Gefühle, Beweggründe und die unterschiedlichen Charaktere der Erzähler sorgen für die nötige Spannung in diesem Thriller. Was geschah wirklich in der Nacht vor drei Jahren und was geschah am heutigen Abend, warum musste Zoes Mutter sterben? Bis zum Schluss habe ich gebannt den Verlauf der Story verfolgt. Stück für Stück offenbart sich ein Familiendrama vor den Augen des Lesers, eine Familientragödie mit unabsehbaren Folgen für alle Beteiligten.

Ob es sich jetzt nur um eine Tragödie oder auch um einen Thriller handelt, dürfen Sie selbst entscheiden. Ich hab mich auf jeden Fall ziemlich schnell festgelesen und dem Ende entgegengefiebert, für mich war es ein Lesevergnügen!















Elefant

Autor: Martin Suter
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06970-9
Preis: 24,00 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Februar 2017)

Gibt es so was? Einen spielzeugkleinen, selbst leuchtenden rosaroten echten Elefanten? Noch wohl nicht, aber im neuen Roman von Martin Suter ist die Gentechnik – in Gestalt des Forschers Roux -schon weiter. Und so steht solch ein Geschöpf plötzlich in der Züricher Höhle, in der der Obdachlose Fritz Schoch lebt.
Dieses kleine Wesen verzaubert alle, die mit ihm direkt zu tun haben. Und muss gleichzeitig von ihnen beschützt werden, denn es ist das Ergebnis eines Projekts aus der Genforschung. Deshalb bemüht sich sein Schöpfer Roux, aber bald auch eine chinesische Genmafia, an den „unterschlagenen“ Sabu – so heißt der Elefant – zu kommen. Denn er verheißt Millionengewinne und glänzende Perspektiven für Genforschungs-Unternehmen.
Und so beginnt eine Mischung aus Krimi, Science-Fiction und Märchen, in der die Entstehung Sabus, seine Geburt, die Geschichte seines Lebens zwischen Beschützern und Häschern am Leser temporeich vorübereilen. Es ist einfach großartig, wie Suter seine Figuren – den ehemaligen Investmentbanker und jetzt Obdachlosen Fritz Schoch, die Tierärztin Valerie, den Elefantenpfleger Kaung - zu zeichnen vermag und mit ihnen gleichzeitig über Schöpfung und Evolution zu philosophieren!
Tolle Thematik, toller Roman – absolut empfehlenswert!

Blaue Nacht

Autor: Simone Buchholz
Verlag: Suhrkamp Nova
ISBN: 978-3-518-46662-9
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Februar 2017)

Chastity Riley lebt in St. Pauli. Sie ist Staatsanwältin - pardon, sie war Staatsanwältin, denn nachdem sie einen Vorgesetzten der Korruption überführt und einen Gangster niedergeschossen hat (allerdings ohne im Besitz eines Waffenscheins zu sein) machte ihre Karriere einen empfindlichen Abwärtsknick. Jetzt arbeitet sie als Opferschutzbeauftragte - nicht gerade die spannendste Tätigkeit in der Hamburger Justizbehörde. Welch ein Glück für Chastity, dass zu jedem Opfer ein Täter gehört. Da kann sie doch in Ruhe ein wenig ermitteln, privat sozusagen:
Das Opfer ist ein Mann ohne Namen, der übel zugerichtet in die Notaufnahme eines Krankenhauses eingeliefert wird. Da haben Profis eine Warnung erteilt, Finger und Rippen gezielt gebrochen. Chastity gewinnt allmählich sein Vertrauen. Nach einigen gemeinsamen Bieren auf der Krankenstation nennt er ihr einen Namen. Nicht seinen, aber es ist eine Spur, die nach Leipzig führt und weiter an die tschechische Grenze, zu den Drogenlabors, in denen das ganz dreckige synthetische Krok zusammengekocht wird. Das per Container nach Hamburg geschafft und von dort nach Westeuropa weiterverteilt werden soll. Da ist es dann mit der Ruhe für Chastity schnell vorbei...

Wow, was für ein grandioser Krimi ist mir da in die Hände geraten! Der Kiez als geografischer Mittelpunkt, sehr coole Figuren als seine Bewohner, und eine gute Packung Spannung obendrauf. Und das alles in einer dichten Sprache, da ist kein Wort zuviel.
Im Sommer erscheint der nächste Band. Darauf ein Astra!

Bei den Wölfen

Autor: Sarah Hall
Verlag: Knaus
ISBN: 978-3-8135-0679-2
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Februar 2017)

Zehn Jahre ist es her, dass Rachel Caine ihre Heimat England hinter sich gelassen hat, um im Chief-Joseph-Reservat in Idaho als Wolfsexpertin zu arbeiten. Hier lebt sie in relativer Abgeschiedenheit von der Zivilisation, nur in Kontakt mit ihren wenigen Arbeitskollegen. Ganz auf die Natur und die Wölfe fokussiert, denen sie sich meist deutlich verbundener fühlt als ihrer eigenen Spezies, hat sie sich in diesem Leben gut eingerichtet. Familiäre und sonstige soziale Konflikte hat sie hinter sich gelassen oder versucht sie so gut es geht zu umgehen.
Aber, wie so oft, holt ihre Vergangenheit sie auch in dieser selbstgewählten Einsamkeit irgendwann ein. Ein exzentrischer Engländer macht Rachel ein spannendes Jobangebot, für das sie in ihre Heimat zurückkehren müsste. Nach langem Überlegen will sie die Teilnahme an dem Projekt ablehnen. Die Idee scheint ihr zu ungeeignet und die potentielle Arbeitsstelle zu nah an ihrer Familie, der sie einst den Rücken kehrte.
Zwei einschneidende Ereignisse bewegen Rachel aber schließlich doch dazu, das Angebot anzunehmen: Eine einzige Nacht mit einem Arbeitskollegen hat mehr Nachwirkungen als Rachel lieb ist. Und als kurz darauf ihre Mutter stirbt, gibt es einen Grund weniger, sich von England fernzuhalten. Zurück in der alten Welt stellt sie schließlich fest, dass eine Auseinandersetzung mit ihrem früheren Leben und die Arbeit an diesem speziellen Projekt ihr gut tun. Nach anfänglichen Konflikten mit dem exzentrischen Lord und ihren neuen Kollegen kommt sie hier endlich zur Ruhe und scheint sich sogar mit ihrem Bruder zu versöhnen.
Bis ein unvorhersehbares Ereignis und dessen Folgen das Projekt und auch ihr neues Leben bedrohen.

Sarah Hall versteht es meisterlich, durch eine eigentlich recht karge aber nuancierte Sprache sowohl die unprätentiöse Art ihrer Protagonistin als auch die raue und zugleich zerbrechliche Schönheit der Natur widerzuspiegeln. Rachel gleicht in ihrer Art, die Menschen zu lesen, oft den Wölfen, um die sie sich so leidenschaftlich kümmert.
Ein beeindruckender Roman über Mensch und Natur, Politik und eine starke Frau, die zu sich selbst finden muss.

Nora Webster

Autor: Colm Tóibín
Verlag: Hanser
ISBN: 978-3-446-25063-5
Preis: 26,00 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Februar 2017)

Nora Websters Mann Maurice war sehr beliebt in der irischen Kleinstadt. Für Nora war er die Liebe ihres Lebens, ihr Mittelpunkt und ihr Halt. Als er nach langer schwerer Krankheit stirbt ist sie wie gelähmt. Nach schier endlosen Wochen lässt der Strom der kondolierenden Nachbarn und Bekannten endlich nach und für Nora beginnt die Umgewöhnungszeit. Langsam muss sich die Witwe der neuen Situation stellen. Einfach ist es nicht im ländlichen, katholischen Irland der 60er Jahre. Doch ihrer vier Kinder zuliebe kehrt sie schrittweise ins Leben zurück. Beide Töchter Noras wohnen nicht mehr im Elternhaus und kommen gut zurecht. Anders verhält es sich mit ihren Söhnen Conor und Donal, hier ist Noras ganze Kraft, sind ihr Mitgefühl und Geschick gefordert, denn für beide ist der Verlust des Vaters nur schwer zu tragen. Dennoch findet eine Art Entfremdung zwischen ihr und den Söhnen statt.

Mit Nora Webster hat Colm Tóibín eine starke Frau geschaffen, die am Rande politischer Unruhen in Irland lernt ihr Leben zu bestimmen. Mit Empathie für Nora lässt er sie einen neuen Weg einschlagen. Sie lässt sich die Haare färben, entdeckt ihre Liebe zur klassischen Musik und nimmt Gesangstunden, fast wirkt sie schon ein wenig rebellisch. Aus der einfachen Nora Webster wird eine selbstsichere Frau, die, um sich selbst zu finden, auch schon mal die Belange ihrer Kinder übergeht, dann aber auch wieder rigoros für sie eintritt. Eine Geschichte, die mich gleich fesselte und deren Entwicklung ich mit Spannung verfolgte.

Die Geschichte der Baltimores

Autor: Joel Dicker
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05764-6
Preis: 24,00 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Januar 2017)

Es gibt zwei Zweige der Goldman-Familie, deren Geschichte Marcus Goldman in „Die Geschichte der Baltimores“ erzählt: die einen, zu denen Marcus selber zählt, sind eine Mittelstandfamilie aus Montclair bei New Jersey; die anderen wohnen in Baltimore. Und diese sind alles, was Marcus auch gerne wäre: angesehen, erfolgreich, wohlhabend, sozial. Und dabei in Marcus‘ Augen völlig natürlich geblieben.
Die Sommerferien über darf er die Baltimores immer besuchen, seinen hochbegabten Cousin Hillel und seinen Adoptivbruder Woodrow, den die Familie aus ärmlichen Verhältnissen zu sich genommen hat und vor dem jetzt eine strahlende Zukunft als Sportler liegt. Die beiden sind seine besten Freunde, und als Trio sind sie jeden Sommer unschlagbar.
Schwierig wird es, als sich die drei gleichzeitig in Alexandra verlieben. Die Freundschaft bekommt Risse, ohne jedoch zu zerbrechen. Das passiert erst durch die „Katastrophe“, die Marcus acht Jahre nach den eigentlichen Ereignissen beginnt aufzuschreiben – und durch die die Goldmans aus Baltimore zerbrechen …
Toll, wie Joel Dicker in dieser Familiengeschichte die Kreise um den Kern der Geschichte – und der „Katastrophe“ - immer enger zieht, den Leser immer näher kommen lässt, die Auflösung jedoch weit hinausschiebt, bis ins temporeiche, überraschende Finale!

Und tschüs (Nicht weggeschmissene Briefe III)

Autor: Harry Rowohlt
Verlag: Kein & Aber
ISBN: 978-3-0369-5739-5
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Januar 2017)

"Und tschüs" ist kein Roman. Keine Autobiografie. Noch nicht mal ein Band mit Kurzgeschichten. "Und tschüs" ist eine Sammlung von Briefen. Was ist denn da so spannend und lesenswert dran? werden Sie vielleicht fragen. Ganz einfach: Briefe von Harry Rowohlt sind (leider müssen wir inzwischen sagen: waren) IMMER lesenswert und äußerst unterhaltsam!
Nach den ersten beiden Bänden der nicht weggeschmissenen Briefe "Der Kampf geht weiter" (2005) und "Gottes Segen und Rot Front" (2009) steht nun der letzte, posthum erschienene und von Anna Mikula herausgegebene Band in den Regalen. Er enthält Briefe aus den Jahren 2010 bis 2014, adressiert an Autoren, Verleger, Buchhändler, Autogrammjäger, Politiker, Freunde... Harry Rowohlt - Autor, Übersetzer, Vortragskünstler - war stets ein sehr geradliniger Mensch. Wenn ihm etwas nicht in den Kram passte, tat er das in seinen Briefen kund, mal witzig, mal tadelnd, mal schmähend, aber stets höchst eloquent. Und da spielte es keine Rolle, ob der Adressat ein unbekannter nörgelnder Bittsteller oder der Bundespräsident war.

Das Schlußwort hat die Herausgeberin Anna Mikula: " Ich finde die (meisten) Briefe von Harry Rowohlt toll und einzigartig, nicht nur weil sie komisch und originell und im Stil immer elegant sind, sondern auch, weil sie beweisen, dass im Twitter-Zeitalter noch Nuancen möglich sind. Und weil sie für eine unbedingte, hellwache Zeitgenossenschaft stehen, die ihresgleichen sucht."

Als wir Waisen waren

Autor: Kazuo Ishiguro
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-42155-4
Preis: 9,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Januar 2017)

England in den 1930er Jahren. Christopher Banks hat sich seinen sehnlichsten Wunsch aus Kindertagen erfüllt. Einige erfolgreich abgeschlossene Fälle haben ihm in Londons höheren Kreisen einen ausgezeichneten Ruf als Meisterdetektiv eingebracht. Es gibt nur einen Fall, den er bisher nicht lösen konnte: Das Verschwinden seiner Eltern vor vielen Jahren, in Shanghai, als Christopher noch ein Junge war.
Damals lebte die Familie im International Settlement in Shanghai, wo Christophers Vater bei einem großen Unternehmen angestellt war. Beide Eltern hatten sich als entschiedene Gegner des Opiumhandels mächtige Feinde gemacht. Unternehmungen zur Klärung ihres Verschwindens verliefen schon bald im Sande.
Christopher musste, plötzlich zur Waise geworden, allein nach England, in die ihm unbekannte Heimat seiner Eltern, zurückkehren.
Auch heute, viele Jahre später und tausende Kilometer von dort entfernt, verfolgen ihn die Erinnerungen der Kindheit und quälen ihn Fragen nach den Gründen für jene Geschehnisse von damals.
Schließlich begibt er sich zurück nach Shanghai, um seine Eltern zu finden. Es sind die dreißiger Jahre, in Shanghai tobt der Chinesisch-Japanische Krieg. So führen ihn seine Ermittlungen nicht nur quer durch alle Schichten der Gesellschaft, sondern auch mitten ins Kriegsgeschehen und konfrontieren ihn direkt mit den Erinnerungen seiner Kindheit. Als er schließlich einer wichtigen Person von damals begegnet, scheint sich der Nebel der Vergangenheit langsam zu lichten und Christopher Banks der Lösung seines größten Falls immer näher zu kommen.

Das Marillenmädchen

Autor: Beate Teresa Hanika
Verlag: BTB
ISBN: 978-3-442-75705-3
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Januar 2017)

Erinnerungen können manchmal auch sehr schmerzhaft sein! Sie hinterlassen Wunden, welche die Zeit nicht immer schließen kann. Als alte Frau erinnert sich Elisabetta wieder an ihre Kindheit und an ihr Leben als Jüdin im Zweiten Weltkrieg.

Schon vor Elisabettas Geburt pflanzte ihr Vater den Marillenbaum in den heimischen Garten. Heute geht Elisabetta zu ihrem Baum, wenn sie nachts nicht schlafen kann. Ihm kann sie alles erzählen, dann tauchen auch die Geister ihrer Geschwister Rachel und Judith auf. Während Judith die sanftere der Geschwister ist, wird Elisabetta von der älteren und ernsthafteren Rachel meist zurechtgewiesen und getadelt. Auch heute wieder, weil sie die junge deutsche Tänzerin Pola in ihrem Haus duldet. Alte Wunden reißen wieder auf, da Elisabetta und auch Pola ihre Erinnerungen und Erlebnisse noch nicht verarbeiten konnten.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Marillenbaum. Jahrelang hat Elisabetta von seinen Früchten Marmelade gekocht, ein Ritual, das ihr Halt und Trost gab. Mit jedem Öffnen eines Glases erzählt sie ein Stück aus ihrem Leben. Wenn der Finger in die bittersüße Marmelade eintaucht, kommen auch die Erinnerungen mit voller Wucht wieder an die Oberfläche. Dann erzählt Elisabetta von ihrer großen Liebe, aber auch, wie sie als Jüdin den Krieg erlebt hat. "Das Marillenmädchen" ist ein leises Buch, eine Geschichte die man vielleicht zweimal lesen muss, um wirklich alles zu verstehen und in seiner vollen Tragweite zu erfassen.

The Chemist - Die Spezialistin

Autor: Stephenie Meyer
Verlag: Scherz
ISBN: 978-3-651-02550-9
Preis: 22,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Januar 2017)

Ursprünglich war sie Juliana, dann hieß sie Casey und nun lautet ihr Name Alex.
Einst war Alex eine Spezialistin auf ihrem Gebiet – sie konnte jeden Befragten mit Hilfe von Chemikalien zum Reden bringen. Sie hat bei einer Abteilung der amerikanischen Regierung gearbeitet, die so geheim war, dass sie noch nicht mal einen Namen hatte.
Seit Jahren ist Alex auf der Flucht, denn sie weiß zu viel. Doch plötzlich spürt ihr einstiger Vorgesetzter sie auf und unterbreitet ihr ein Angebot, welches Alex sich nicht entgehen lassen kann: Wenn sie ein letztes Mal einen Verdächtigen für die Regierung befragt, wird man die Jagd nach ihr einstellen und sie kann endlich ein sorgenfreies Leben führen.
Von dieser Nachricht aus dem Versteck gelockt, begibt sich Alex auf die Suche nach der Zielperson und beginnt ihr Verhör.
Allerdings läuft es anders als geplant und schon bald befindet Alex sich wieder in Gefahr. Diesmal mit einem Menschen an ihrer Seite, der von einem Befragten zu der Person wurde, für den sie ihr Leben lassen würde…
Bereits vor zehn Jahren veröffentlichte Stephenie Meyer den ersten Teil der Biss-Reihe – zum Glück hat sie ihren packenden Schreibstil nicht verloren. Fesselnd führt Meyer den Leser durch die Geschichte der Chemieexpertin Alex und überzeugt mit einer guten Kombination aus Thriller und Liebesgeschichte.
Stephenie-Meyer-Fans werden mit „The Chemist – Die Spezialistin“ nicht enttäuscht!

Asphaltseele

Autor: Gregor Weber
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-27020-6
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Dezember 2016)

Ruben Rubeck ist Großstadtbulle in Frankfurt, 47 Jahre alt, sieht aus wie 57 und fühlt sich manchmal wie 87. Ein einsamer Wolf, desillusioniert, Privatleben kaputt oder nicht vorhanden. Vor der Polizei war er bei der Bundeswehr, inklusive Auslandseinsätzen im Kosovo.
Diese Zeit holt ihn ein, als er eines Nachts in eine Schießerei im Frankfurter Bahnhofsviertel gerät. Ein Toter und ein Schwerverletzter sind die Bilanz, und wie Rubeck feststellen muss , war der Tote der Bodyguard eines kosovarischen Mafioso. Diese Leute kennt Rubeck nur zu gut und weiß, dass er selber handeln muss, um nicht unter die Räder zu kommen.
Aber wem kann er bei seinen abenteuerlichen Ermittlungen trauen? Reicht der Arm der Mafia bis in LKA?
Gregor Weber ist der Autor dieses Action-Krimis, und der Mann hat ein bewegtes Leben. Bekannt als Schauspieler z. B. aus dem früheren Saarbrücker Tatort, hat er auch eine Kochlehre beim Spitzenkoch Kolja Kleeberg in Berlin hinter sich und war auch Presseoffizier bei der Bundeswehr. In diesem temporeichen Roman mit einem „hard boiled“-Helden zeigt er, dass er auch dieses Metier beherrscht …

Schmiergeld

Autor: Nausicaa Marbe
Verlag: Eichborn
ISBN: 978-3-8479-0613-1
Preis: 22,00 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Dezember 2016)

Job ist leitender Architekt im Stadtplanungsamt Haarlem und führt ein äußerst angenehmes Leben. Zusammen mit seiner Frau und den beiden pubertierenden Kindern bewohnt er ein schickes Haus am Grüngürtel der Stadt, er bereist die Welt, ist in der hohen Gesellschaft angesehen, seine Meinung ist gefragt. Dann kommt die völlig unerwartete Kündigung. Ein kleiner Kreis von einflußreichen Stadtpolitikern drängt ihn unter Verleumdungen aus seinem Amt. Und plötzlich ist das luxuriöse Leben vorbei. Job wird beruflich kaltgestellt, Freunde und Bekannte wenden sich ab, die finanziellen Rücklagen reichen nicht aus, um den bisherigen status quo lange aufrechterhalten zu können. Schon bald ist die Familie gezwungen, jeden Cent umzudrehen.
In dieser Situation kommt die neue Nachbarin Judith gerade recht, die mit Jobs Frau Gaby eine enge Freundschaft aufbaut und finanziell aushilft. Allerdings spielt Judith ein undurchsichtiges Spiel. Für Gaby ist sie zunächst eine Unbekannte, Job hingegen hatte mit ihr vor Jahren eine Affäre...

Der Niederländerin Nausicaa Marbe ist ein kluger Gesellschaftsroman gelungen: "Schmiergeld" balanciert zwischen Liebe und Untreue, Ehrlichkeit und Korruption, Eheleben und Karriere. Und stellt die Frage, ob man alles tun darf, um seinen Ruf und seine Familie zu retten.

Das ist mein Hof

Autor: Chris de Stoop
Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-10-002545-6
Preis: 23,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Dezember 2016)

Als der Journalist Chris de Stoop nach Jahren der lediglich sporadischen Besuche wieder auf den elterlichen Hof zurückkehrt, plant er erneut, nur für kurze Zeit zu bleiben. Seine über achtzigjährige Mutter ist beim Versorgen der Kühe gestürzt, ihr steht ein langwieriger Aufenthalt im Krankenhaus bevor und so fällt sie für die tägliche Arbeit auf dem Hof aus.
Chris will in dieser Zeit seinem älteren Bruder, der den Hof vom Vater übernommen hat, beistehen und ihn unterstützen. Doch was als kurzfristiges Aushelfen beginnt, entwickelt sich zu einer Lebensaufgabe. Umso länger er bleibt und sich wieder mit dem täglichen Hofleben vertraut macht, desto klarer wird ihm, wie sehr ihn das Großwerden auf dem Land geprägt hat. In nostalgischen Momenten erinnert er sich an das Toben über die Polder, an den meterhohen Misthaufen, den Stolz eines jeden Bauern oder auch nur an die endlosen Landschaften und den Geruch in den Ställen.
Konfrontiert mit der Realität im Hier und Jetzt wird er aber bald ernüchtert. Verschiedene Maßnahmen von Politik und Wirtschaft machen das Leben als Bauer fast unmöglich. Der Ausbau des Antwerpener Hafens erfordert immer wieder das Suchen von Ausgleichsflächen. Und so droht den Bauern unter dem Deckmantel von Umweltschutz und Renaturisierungsmaßnahmen die Enteignung.

Chris de Stoop nutzt seinen Beruf als Journalist, um auf eine Tragödie aufmerksam zu machen, bei der ein ganzer Teil der Kultur des Landes zu verschwinden droht.
Aber es ist nicht nur eine Anklage, sondern auch ein sehnsuchtsvoller Blick auf ein Leben in und mit der Natur, autark und selbstbestimmt.

Das Nest

Autor: Cynthia D'Aprix Sweeney
Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-98000-4
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Dezember 2016)

"Das Nest" ist nicht, wie vielleicht vermutet, das kuschelige, Geborgenheit bietende Heim, sondern für die vier New Yorker Geschwister Plumb das heiß ersehnte und versprochene Erbe ihres Vaters. Irgendwann haben die vier Plumbs angefangen, ihr Erbe das Nest zu nennen. Das Nest sollte ihre Rettung sein, denn alle Vier haben in den letzten Jahren weit über ihre Verhältnisse gelebt. Melody sind die Kosten für das kleine Vorstadthäuschen und die bald fälligen Collegegebühren ihrer Zwillinge über den Kopf gewachsen. Bea ist die erfolglose Schriftstellerin und Jack hat sogar das Sommerhaus seines Ehemannes verpfändet. Leo ist der Partylöwe der Familie und dazu ein mieser Egomane.
Es ist Leo, der seinen Geschwistern den Boden unter den Füßen wegreißt. Nur wenige Monate vor der Auszahlung muss Mutter Plumb das heiß ersehnte Erbe verwenden, um Leo damit aus der Patsche zu helfen und einen noch größeren Schaden abzuwenden. Fassungslos stehen die Geschwister Plumb ihrer neuen katastrophalen Situation gegenüber. Schnell sind sich die Geschwister einig, Leo muss für den Schaden aufkommen und Geld auftreiben. Nur was geschieht, wenn Leo dazu nicht fähig oder willens ist?

Cynthia D´Aprix Sweeney ist selbst als älteste von vier Geschwistern aufgewachsen. Geschwisterdynamiken fand sie schon immer spannend und hat sie in ihrem Roman mit Bravour umgesetzt. Sweeney erzählt mal böse über die niederträchtigen Seiten der Geschwister, mal humorvoll über ihre Marotten und behält dabei die Balance zwischen Komik und Mitgefühl. Jeder der Geschwister darf einmal sein Leid klagen und dem Leser immer wieder neue Denkanstöße geben. Am Ende jagen sie alle Leo, aber auch in dieser Situation hält Sweeney noch eine Überraschung bereit.





Eierlikörtage

Autor: Hendrik Groen
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05808-7
Preis: 22,00 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Dezember 2016)

Hendrik Groen mag zwar auf dem Papier alt sein, doch das ist noch lange kein Grund, am Ende seines Lebens einfach nur herum zu sitzen und Kaffee zu trinken. Hendrik möchte noch etwas erleben. Lange genug hat er nur ja und amen gesagt. Damit soll nun Schluss sein: ein Jahr lang wird er in seinem Tagebuch ungeschönt und ehrlich erzählen, was er wirklich denkt.
Mit seinem Freund Evert mischt Hendrik das Altenheim in Amsterdam Nord auf. Sie gründen den „Alanito-Verein“, eine Abkürzung für „Alt aber nicht tot“!
Die insgesamt sechs Vereinsmitglieder planen z.B. eine Reihe von Ausflügen oder verfüttern den trockenen Kuchen der Nachbarin an die Fische und sind nicht nur deshalb der Direktorin und den anderen Heimbewohnern ein Dorn im Auge. Denn eines soll es in der anständigen Institution nun wirklich nicht mehr geben: Spaß! Doch da wurde der Plan ohne die sechs rüstigen Senioren gemacht...

Hendrik Groen ist ein Pseudonym, dessen Identität in den Niederlanden seit zwei Jahren umstritten ist – genauso lange befindet sich das Tagebuch dort auf den Bestsellerlisten. Witzig und mitreißend beschreibt der Autor das Leben im Altenheim, so dass man es sich auch tatsächlich vorstellen kann. Und vor allen Dingen zeigt er uns eines: wie erfrischend und wundervoll auch das Ende unseres Lebensweges sein kann.

Geister

Autor: Nathan Hill
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05737-0
Preis: 25,00 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (November 2016)

2011: Samuel Anderson-Andresen ist ein junger Englisch-Dozent an einer Uni, und er kommt mit seinem Leben nicht klar. Viel lieber als sich mit unmotivierten StudentInnen herumzuärgern jagt er Orks im Internet-Computerspiel „World of Elfscape“ , und in dieser Scheinwelt kommt er offenbar weit besser zurecht als in der Realität.
Da bekommt er die Nachricht, dass seine Mutter ein Attentat auf den Präsidentschaftskandidaten Packer begangen soll. Sie hat zwar nur einen Kieselstein geworfen, naja, aber es gelten die 9/11-Antiterrorgesetze, und deshalb wird der Steinwurf aus großer Distanz immer mehr zu einem versuchten Attentat.
Samuels Mutter Faye hat ihn und seinen Vater ohne ein erklärendes Wort verlassen, als er 9 Jahre alt war, und Samuel hat durch diesen Angriff zum ersten Mal wieder Kontakt mit ihr. Nicht nur das: er soll – statt eines Jahrhundertromans, für den er bereits einen dicken Vorschuss erhalten und verbraucht, mit dem er aber noch nicht einmal begonnen hat – die wahre Geschichte seiner Mutter, der Packer-Attackerin, schreiben, möglichst viel Schmutz inklusive.
Doch er begreift, dass das nicht gehen kann: Er muss seine Mutter verstehen, um Zugang zu sich selber und sein Leben in den Griff zu bekommen.
Ein 860-Seiten-Epos, das nicht so einfach zu beschreiben ist in seiner Vielschichtigkeit, Originalität, Spannung. Und in dessen Verlauf Samuel lernt, dass er Entscheidungen treffen muss und der Leser erfährt, dass – im Roman wie im Leben – vieles nicht so ist, wie es scheint.
Ein Roman, für den es sich absolut lohnt, mehr als einen November-Abend im Sessel zu verbringen!

Gangsterland

Autor: Tod Goldberg
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 978-3-570-10300-5
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (November 2016)

Sal Cupertine arbeitet seit vielen Jahren als Profikiller für die Chicagoer Mafia. Skrupellos, fehlerlos, effizient. Doch dieses Mal hat er seinen Auftrag vermasselt: Durch Verquickung unglücklicher Umstände hat er drei FBI-Beamte getötet - und das war ein böser Fehler. Was soll er nun tun? Frau und Kind allein lassen und in einen anderen Bundesstaat fliehen? Die Polizei wird ihn jagen, seine Organisation ihn kaltblütig ermorden. Denkt er jedenfalls, als er sich nach der Tat in einem Auto der "Familie" wiederfindet, das abseits eines Highways in Richtung Niemandsland unterwegs ist.
Und dann kommt alles ganz anders: Statt von seinem Boss oder dessen Handlangern ins Jenseits befördert zu werden, landet Sal nach diversen Gesichtsoperationen und entsprechendem Intensivstudium als Rabbi David Cohen in einer jüdischen Gemeinde in Las Vegas. Welche Ziele verfolgt sein Boss mit dieser aberwitzigen Aktion? Sal merkt schnell, dass die Mafia - die 'Kosher Nostra' - auch in dieser reichen Gemeinde ganz dick ihre Finger im Spiel hat. Und so geht Rabbi Cohen bald nicht nur wieder seinem alten Gewerbe nach, sondern entdeckt weitere lukrative Betätigungsfelder, die sich mit seiner neuen Rolle als Seelsorger aufs Beste vereinen lassen. Kann das gut gehen? Zumal es ein ehrgeiziger FBI-Beamter geschafft hat, sich irgendwie an seine Fersen zu heften...

Tod Goldberg inszeniert in seinen ersten Roman ein klug durchdachtes Katz-und-Maus-Spiel, in dem das organisierte Verbrechen eine höchst explosive Verbindung mit Tora und Talmud eingeht. Sehr originell und sehr spannend!

Familie der geflügelten Tiger

Autor: Paula Fürstenberg
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04875-9
Preis: 18,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (November 2016)

Eigentlich hatte Johanna sich eben erst halbwegs in ihrem Erwachsenenleben eingerichtet: Sie ist aus der Uckermark nach Berlin umgezogen, hat sich zum Ärger ihrer Mutter gegen ein Studium und für eine Ausbildung zur Straßenbahnfahrerin entschieden und eine Affäre mit ihrem Kollegen begonnen. Alles recht schön und unspektakulär.
Aber plötzlich ist da diese Stimme auf dem Anrufbeantworter - „Ich rufe an, sagte die Stimme, vielleicht wegen dem Blick aus meinem Fenster. Ich schaue auf die Mauer“ - und Johanna weiß nicht mehr was sie tun soll. Nicht was sie denken und fühlen soll. Denn die Stimme gehört zu Jens, ihrem Vater. Kurz vor dem Mauerfall hatte er sich aus dem Staub gemacht und nie wieder von sich hören lassen. Johanna und ihre Mutter blieben ohne eine Nachricht zurück. Johanna blieb nichts anderes übrig als sich irgendeinen Reim daraus zu machen, den Vater zu verfluchen und zu hassen und sowieso nichts mehr von ihm wissen zu wollen.

Aber Jens ist nicht nur wieder da. Er ist auch sterbenskrank. Und einen Sterbenden kann man nicht einfach hassen, aber verzeihen ist auch nicht leichter.
So beginnt sie nachzuforschen - warum ist Jens damals verschwunden? Was wenn gar nicht ihr Vater Schuld hat, sondern die Geschichte - DDR und Stasi? Dinge, von denen sie so gut wie gar nichts weiß. Kaum älter als das wiedervereinigte Land, weiß sie erst wo die Mauer gestanden hat, seit sie täglich mit der Straßenbahn die Strecke entlangfährt.
Entsprechend schwer tut sie sich bei ihren Recherchen und bringt ihren sorgsam arrangierten Alltag, das Leben ihrer Mutter sowie das ihrer Kollegen und Freunde gehörig ins Wanken.

In ihrem Debütroman „Familie der geflügelten Tiger“ erzählt Paula Fürstenberg mit feinem Sinn für Humor von der Suche nach dem eigenen Platz im Leben. Davon, was es heißt eine Familie zu sein und von allen damit verbundenen Komplikationen. Und davon, wie Geschichte, auch wenn wir selbst keine Ahnung von ihr haben, unser Leben prägt.

DNA

Autor: Yrsa Sigurdardóttir
Verlag: BTB
ISBN: 978-3-442-75656-8
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (November 2016)

Bisher war mir Yrsa Sigurdardóttir nur aus ihrer isländischen Krimireihe mit der Hauptfigur Dóra Gudmundsdóttir bekannt. 'DNA' ist der Start einer neuen Serie um die Psychologin Freya und Kommissar Huldar. Sehr sehr spannend, aber nicht gerade zimperlich in der Beschreibung des Todesherganges und, was für mich wichtig ist, der Täter erschloss sich mir erst im letzten Kapitel, vorher tappte ich völlig im Dunkeln.

Die junge Mutter dreier Kinder wird brutal ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden. Die einzige Zeugin ist ihre siebenjährige Tochter Elisa, die sich während der grausamen Tat unter dem Bett versteckt hatte. Vorsichtig versucht der leitende Kommissar Huldar in Zusammenarbeit mit seinen Kollegen und mit Hilfe der Psychologin Freya das traumatisierte Mädchen zu befragen. Nicht zuträglich für die Ermittlungen ist es, dass sich Huldar und Freya schon kürzlich unter anderen Umständen kennen gelernt haben. Nach einer Kneipentour verbrachten sie die Nacht intim miteinander. Was natürlich weiter kein Problem gewesen wäre, wenn er sich nicht als Tischler ausgegeben hätte.

Wenig später wird eine zweite Frau unter ähnlichen Umständen ermordet. Die kleine Elisa ist nur bedingt eine Hilfe und Kommissar Huldar gerät immer mehr unter Druck. Als ein junger Amateurfunker merkwürdige Zahlencodes empfängt, sieht die Polizei keinen Zusammenhang zu den Morden, im Gegensatz zu dem Amateurfunker. Für ihn ist sicher, es besteht eine Verbindung zu den ermordeten Frauen und mit Sicherheit auch zu ihm, daher beginnt er eigenständig zu ermitteln...


Ich freue mich schon auf den nächsten Krimi mit Huldar und Freya.

Demon Road -Hölle und Highway

Autor: Derek Landy
Verlag: Loewe
ISBN: 978-3-7855-8508-5
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (November 2016)

Amber war schon immer klar, dass sie kein normales Teenagerleben führt. Ihre Eltern verhalten sich ihr gegenüber gefühlskalt und generell scheinen alle auf Amber herab zu blicken.
Doch mit ihrem 16. Geburtstag ändert sich alles. Amber wird in einer dunklen Seitenstraße angegriffen und schafft es in letzter Sekunde zu fliehen. Doch nicht ohne Folgen, denn plötzlich findet sie sich selbst als Monster wieder – mit roter Haut und zwei Hörnern auf dem Kopf, jedoch auch größer, schlanker, hübscher. Amber ist geschockt. Als sie ihren Eltern davon erzählt, sind diese nicht wie erwartet ebenfalls geschockt, nein, sie freuen sich sogar.
Denn sie sind Dämonen und nun, da ihre Tochter ebenfalls zum Dämon geworden ist, wollen sie Amber verspeisen. Vor Jahren haben sie einen Pakt mit dem leuchtenden Dämon geschlossen und nur durch das Verspeisen ihres Kindes kann der Pakt fortbestehen und ihre Stärke weiter wachsen.
Amber muss fliehen. Gemeinsam mit Milo, ihrem geheimnisvollen Chauffeur, begibt sie sich auf einen Roadtrip auf der Demon Road, einer Straße der Unterwelt. Nicht nur Ambers Eltern sind ihnen auf den Fersen, sondern auch allerlei andere Geschöpfe der dunklen Seite.

Ganz anders als „Skulduggery Pleasant“, aber nicht minder spannend, schafft Derek Landy mit „Demon Road“ ein neues Werk im Horrorbuch-Genre. Der Autor kombiniert eine Vielzahl von Fantasyelementen zu einem blutigen, aber auch skurrilen und humorvollem Ganzen. Spannend bis zum Schluss, gelingt Derek Landy mit Ambers Geschichte der Auftakt für eine neue, viel versprechende Jugendbuchreihe.

Seltene Affären

Autor: Thommie Bayer
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05611-3
Preis: 18,00 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Oktober 2016)

Peter und Paul Vorden sind Zwillinge und als solche eng miteinander verbunden. Der wohlhabende Peter ist Teilhaber eines Feinschmecker-Restaurants in Frankreich. Dort führt er von Montag bis Donnerstag die Geschäfte, um sich für das Wochenende in seine deutsche Wohnung zurückzuziehen. Paul dagegen ist Schriftsteller, mäßig erfolgreich, und das bedeutet, dass er mitunter auch termingebunden schreiben muss. Und dafür nützt Peter seine Wochenenden: dem Bruder Kurzgeschichten zu schreiben, die dieser dann als seine eigenen veröffentlicht – Zwillinge verfügen ja manchmal über ähnliche Begabungen …
Nicht nur das verbindet Peter und Paul, vielmehr hat Paul ausgerechnet die Frau geheiratet, die für Peter immer Ziel seiner Träume war und doch – fast – unerreichbar bleibt …
Ein melancholisch-ruhiger Roman, in dem Traum und Wirklichkeit sich abwechseln; ein Buch über Zufriedenheit mit dem eigenen Leben, auch wenn es anders läuft als geplant; über Freundschaft – ein typischer Thommie Bayer eben!

Hochland

Autor: Steinar Bragi
Verlag: DVA
ISBN: 978-3-421-04697-0
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Oktober 2016)

Vier junge Leute sind mit ihrem Jeep von Reykjavik aus unterwegs in die Einsamkeit des isländischen Hochlands. Ein verlängertes Wochenende fernab der Hektik ihres Alltagslebens, Campen, Wandern, Entschleunigen - das ist der Plan. Doch als sie im immer dichter werdenden Nebel von der schmalen Schotterpiste abkommen und ein abgelegenes Haus rammen, ist ihre Fahrt gestoppt. An ein Weiterkommen mit dem ramponierten Jeep ist nicht zu denken, immerhin bieten ihnen die beiden Bewohner des Hauses für die Nacht Unterkunft.
Doch was sind ihre Gastgeber für ein seltsames altes Paar? Warum verhalten sie sich so merkwürdig abweisend? Wieso verriegeln sie ihr Haus bei Anbruch der Dunkelheit, obwohl außer ihnen keine Menschenseele in dieser verlassenen Geröllwüste haust? Warum verbieten sie den Städtern, nachts das Haus zu verlassen? Die bisher eher gelassene Stimmung unter den jungen Leuten verändert sich, das Unbehagen wächst...
Aus einer Nacht in dieser unwirklichen Einöde werden viele Tage. Alle Versuche, den Weg zurück in die Zivilisation zu finden, scheinen zum Scheitern verurteilt. Ihr vermeintlicher Zufluchtsort ist längst zu einem Gefängnis geworden...

"Hochland": Was für ein Thriller! Atemberaubende Spannung, mit einer gut dosierten Portion Horror versehen, eine dichte, bisweilen äußerst beklemmende Atmosphäre... DAS Buch für nebelige Herbstregentage. Aber Vorsicht: Nach der Lektüre werden Sie nicht unbedingt Ihren nächsten Urlaub in Island verbringen wollen! - Oder jetzt erst recht?

Giants

Autor: Sylvain Neuvel
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-31690-4
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Oktober 2016)

Als Rose elf Jahre alt ist entdeckt sie durch Zufall eine riesengroße, metallene Hand, die Jahrtausende im Erdboden vergraben war und plötzlich, scheinbar ohne konkreten Auslöser, an die Oberfläche getreten ist. Das Militär ist sofort zur Stelle und sperrt die Umgebung ab, noch bevor Rose und ihre Familie sich Gedanken über diese unglaubliche Erscheinung machen können. Über die Zeit gerät die Entdeckung in Vergessenheit und die damit verbundenen Forschungen werden eingestellt.

Siebzehn Jahre später taucht ein zweites, dazu passendes Körperteil auf und Dr Rose Franklin, inzwischen leitende Wissenschaftlerin an einem durch die NSA unterstützten Forschungsprojekt, nimmt sich dessen an. Woher kommen diese Gebilde? Welche Kultur konnte es zu Stande bringen, eine so große Menge des seltenen Materials zusammenzutragen und einen Gegenstand von diesem gigantischen Ausmaß zu schaffen? Rose hat mittlerweile jede jemals existierende irdische Kultur als potentiellen Erbauer abgehakt und sich anderen Sphären zugewandt. Ist es möglich, dass die Artefakte absichtlich vor tausenden Jahren auf der Erde zurückgelassen wurden, um den Erdbewohnern einen Hinweis auf außerirdisches Leben zu hinterlassen? Will man der Menschheit eine Botschaft übermitteln? Rose und ihr Team stehen vor einem Rätsel.

Science Fiction, Außerirdische, Militär - das gehört beim Lesen alles eher nicht zu meinem Spezialgebiet. Diese Geschichten begegnen mir meistens nur im guten, leichten, amerikanischen Popcornfilm. Umso erwähnenswerter, dass Sylvain Neuvels mich mit seinem Debüt „Giants“ absolut gefesselt hat. Dazu trägt, neben der guten Story, vor allem die spezielle Erzählstruktur bei. Der Roman besteht aus Tagebucheinträgen, Aufzeichnungen von Funkverkehr und hauptsächlich Interviews, geführt von einem weitestgehend mysteriösen, übergeordneten Leiter des Projekts. Dadurch kommen fast alle Protagonisten zu Wort, was der ganzen Geschichte einen kurzweiligen und abwechslungsreichen Stil verleiht. Literarisch sicher kein Meilenstein, aber gut gemacht, spannend und sehr unterhaltsam.

Eine gute Gelegenheit für die, die sich an dieses Genre bisher noch nicht rangetraut haben - ruhig mal was Neues ausprobieren! Und für alle, die sich in diesem Gebiet etwas besser auskennen, ist „Giants“ auf Grund von vielen kleinen Anspielungen und Querverweisen sowieso empfehlenswert.

Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westen

Autor: J. Ryan Stradal
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-86297-3
Preis: 24,00 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Oktober 2016)

Es geht um die Leidenschaft fürs Kochen und fürs Essen, es geht um die Künstler in der Küche. Am Anfang ist es Lars Thorvald. Mit seiner außergewöhnlichen Liebe zum Kochen entwickelt er sich zu einem genialen Koch. Seine Leidenschaft will er auch an seine Tochter Eva weitergeben. Dass sie gerade erst das Licht der Welt erblickt hat stört ihn wenig. Wenn sie auch noch nicht an seinem Essen teilhaben darf, so soll sie wenigstens von den Düften umgeben sein. Schon an dieser Stelle dürfte es für den Leser wie auch für Eva eine Freude sein, Lars bei seinen Besuchen auf dem Wochenmarkt zu begleiten. Den Duft von spätgeernteten Soßentomaten zu riechen und an seiner Begeisterung fürs weltbeste Tomatenmark teilzuhaben.

Evas Mutter Cynthia sucht schon früh in der Ferne ihr Glück, sie fühlt sich eher zum Weinhandel hingezogen. Evas Vater Lars kann die Lücke, die ihre Mutter hinterlässt, nur kurz schließen, er wird von seinem Herzen im Stich gelassen.
Jahre später: Eva Thorvald ist ihren eigenen Weg gegangen, jetzt ist sie die Künstlerin in der Küche. Sie entwickelt einen unübertreffbaren Geschmackssinn, kann die schärfesten Chilischoten essen und wird die gefragteste Köchin Nordamerikas. Doch Eva ist ruhelos, sie will einzigartig sein, verführen, begeistern und geliebt werden. Für ihre Pop-up-Dinner nimmt Eva utopische Preise, hat jahrelange Wartezeiten und ellenlange Wartelisten, jedoch hat sich ihre Mutter noch nie eintragen lassen.

Es geht um das Tochtersein und das Muttersein, darum, dass das Leben immer wieder Überraschungen bereit hält. Über Freunde, die einen ein ganzes Leben lang begleiten und Menschen, die uns nur am Rande streifen. Ein besondere und ungewöhnliche Story über eine Frau mit extravaganter Persönlichkeit. Ein Vergnügen auch für die Leser, die Spaß an der guten Küche haben, sich auch mal kulinarisch verführen lassen wollen und ein Vergnügen für diejenigen, die offen sind für neue Ideen. Für sie hat J. Ryan Stradal eine originelle Geschichte geschrieben.









Die Wahrheit

Autor: Melanie Raabe
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-75492-2
Preis: 16,00 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Oktober 2016)

Sieben Jahre lang lebte Sarah Petersen als allein erziehende Mutter mit dem Gedanken, dass ihr wohlhabender Mann Philipp auf einer Südamerikareise verschwunden und womöglich längst tot sei. Es gab weder ein Lebenszeichen von ihm noch eine Lösegeldforderung, bis Sarah vom auswärtigen Amt mitgeteilt wird, dass Philipp am Leben ist und schon am morgigen Tag zurückkehren wird.
Sarahs Leben wird auf den Kopf gestellt, denn am Flughafen wartet nicht etwa ihr geliebter Mann, den sie so viele Jahre schmerzlich vermisst hat, sondern ein vollkommen Fremder. Der Unbekannte, der sich als Philipp ausgibt und alles über ihr gemeinsames Leben weiß, zwingt Sarah zum Mitspielen, indem er die kleine Familie bedroht. Dass es etwas gibt, womit er ihr Leben zerstören kann, wird ihr relativ schnell klar, denn auf ihrer Vergangenheit lastet ein dunkles Geheimnis, welches Sarah davon abhält zur Polizei zu gehen. Aber der Fremde verlangt immer wieder die Wahrheit von ihr. Doch die Wahrheit worüber? Will er womöglich nur Philipps Geld?

Melanie Raabe überzeugt in ihrem zweiten Thriller wieder einmal mit ihrem eindrucksvollen Schreibstil. Rasant und mit überraschenden Wendungen führt die Autorin durch Sarahs Geschichte und man erhält abwechselnd einen Einblick in Sarahs Gedankenwelt und in die des Unbekannten. Hat man als Leser doch sonst das Gefühl, als allwissender Mitläufer das Geschehen zu erleben, setzt sie diese Tatsache außer Kraft. Als Leser fragt man sich: was ist die Wahrheit und wer kennt sie wirklich?

Die Schande der Lebenden

Autor: Mark Billingham
Verlag: Atrium
ISBN: 978-3-85535-010-0
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (September 2016)

Jede Woche treffen sich fünf höchst unterschiedliche Menschen bei dem Therapeuten Tony de Silva, um ihr ebenfalls höchst unterschiedliches Suchtverhalten zu bewältigen. In dieser vertrauten Umgebung können sie über alles reden, nur eine Regel ist unumstößlich: Nichts von den Dingen, die dort besprochen werden, darf nach außen dringen.
Diese Regel wird zum Problem, als eine Teilnehmerin der Therapiegruppe ermordet wird. Denn es wird für die ermittelnden Polizeibeamten schnell klar, dass der Tod von Heather etwas mit den wöchentlichen Treffen zu tun hat. Doch keiner der Teilnehmer gibt mehr als nötig preis … Und doch wird immer klarer: der Mörder kommt aus ihren Reihen.
Stück für Stück werden in Rückblenden die einzelnen Schicksale aufgearbeitet: ein klassisches whodunit-Prinzip, und dazu enorm spannend aufbereitet. Der Mörder (oder die Mörderin?) bleibt bis zum Ende des Romans verborgen und ist dann doch so klar …
Ein absolut empfehlenswerter, klassisch englischer Krimi vom Autor des ebenso lesenswerten Romans „Die Lügen der Anderen“.

Die Mühle

Autor: Elisabeth Herrmann
Verlag: cbt
ISBN: 978-3-570-16423-5
Preis: 17,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (September 2016)

"Er drehte sich um und warf einen Blick auf das dunkle Haus mit den gewaltigen Mühlenflügeln. Glücklicherweise wehte kein Lüftchen. Ich wollte nicht wissen, was da oben auf dem Mahlboden alles knirschen und ächzen konnte."

Die Mühle steht an einem kleinen See inmitten einer bergigen, schwer zugänglichen Waldlandschaft unweit der Stadt Karlsbad in Tschechien. Und dorthin wird sie für ein Wochenende eingeladen: DIE Clique ehemaliger Abiturienten aus einer hessischen Kleinstadt. Zu Schulzeiten waren sie die Megacoolen, Unerreichbaren, sieben Personen, Jungen und Mädchen, zu denen alle ehrfurchtsvoll aufblickten. Jetzt studieren sie an unterschiedlichen deutschen Universitäten und haben nur noch wenig Kontakt untereinander.
Die Einladung kommt per Post und anonym. Trotz großer Verwunderung siegt schließlich die Neugier. Alle nutzen das beigelegte Bahnticket und machen sich auf nach Karlsbad - bis auf einen Jungen, der eine ehemalige Mitschülerin schickt: Lana. Ausgerechnet Lana, die gar nicht zu jenem erlauchten Kreis gehörte. Die Clique ist bei ihrer Ankunft wenig begeistert. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse: Die Mühle liegt zwar abgeschnitten von der Welt in der Wildnis, trotzdem hat jemand die Räume für ihre Ankunft vorbereitet. Der Tisch ist gedeckt, im Herd schmort ein Braten, sieben Schlafstellen sind eingerichtet. Ein weiterer Brief taucht auf... Alle sind ratlos. Wer ist der unsichtbare Gastgeber? Einer von ihnen? Jemand, der sich einen perfiden Scherz erlaubt?
Als der erste der Freunde verschwindet, bricht Panik in der Gruppe aus...

Sally Jones - Mord ohne Leiche

Autor: Jakob Wegelius
Verlag: Gerstenberg
ISBN: 978-3-8369-5874-5
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (September 2016)

Schon der erste Eindruck von „Sally Jones- Mord ohne Leiche“ macht neugierig. Die ersten Seiten sind gefüllt mit Bildern. Im Deckel eine bunte Weltkarte, danach liebevolle schwarz-weiße Illustrationen der Charaktere des Buches.
Und im Anschluß folgt dann eine ziemlich schräge Eingangsszene:
Da sitzt ein Gorilla an einer Schreibmaschine und schreibt für uns an der abenteuerlichsten Geschichte, von der man seit langem gehört hat. Der Affe ist im Übrigen eine Dame - die titelgebende Sally Jones. Was sie uns zu erzählen hat füllt mit Recht ein Buch von guten 600 Seiten.

Das Ganze beginnt im Hafenviertel von Lissabon. Sally Jones arbeitet als Maschinistin an Bord der Hudson Queen. Kapitän des kleinen Frachters ist Henry Koskola, ein finnischer Seemann, von Sally nur liebevoll „der Chief“ genannt. Koskola hat ihr vor langer Zeit das Leben gerettet und seit dem sind die beiden ein unzertrennliches Team.
Nun sitzen die beiden also, nach einer Kollision und einer geldverschlingenden Reparatur, im Hafen von Lissabon fest und hoffen auf einen lukrativen Auftrag. Als dieser endlich kommt hat die Gorilladame gleich ein schlechtes Gefühl. Zu Recht, wie sich bald herausstellen wird. Tief im Wald werden die beiden überfallen, die Hudson Queen läuft auf Grund und zu allem Übel wird der Chief kurze Zeit später wegen Mordes verhaftet. Sally Jones muss untertauchen, denn als „Affe des Mörders“ wird sie in der ganzen Stadt gesucht. Verängstigt flüchtet sie sich auf die Dächer der Stadt und versteckt sich.
Zum Glück findet sie schon bald Zuflucht in der kleinen Wohnung der wunderbaren Fadosängerin Ana Molina. Diese und ihr Vermieter, der Akkordeonbauer Signor Fidardo, geben der Flüchtigen ein neues Zuhause und helfen ihr so gut sie können. Denn Sally Jones will beweisen, dass der Chief unschuldig ist.
Und erst jetzt beginnt das eigentlich Abenteuer. Ihr Vorhaben wird Sally Jones raus in die weite Welt, bis nach Indien führen. Auf ihrer Reise wird man sie übers Ohr hauen und einsperren, sie wird unerwartete Freundschaften schließen und es immer wieder schaffen, durch ihre aussergewöhnlichen Fähigkeiten aus ausweglosen Situationen herauszukommen und sich selbst zu behaupten. Bis sie ihr Ziel erreicht hat werden Jahre vergehen. In der Zwischenzeit erfahren wir wie man ein Akkordeon baut, ein Flugzeug repariert und das Vertrauen eines Maharadschas gewinnt.

„Sally Jones - Mord ohne Leiche“ ist voller liebevoller Details, sympathischer Charaktere, unerwarteter Wendungen und zu guter Letzt auch noch toll illustriert. Für mich eines der schönsten Bücher der letzten Jahre.




Die Spuren meiner Mutter

Autor: Jody Picoult
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 978-3-570-10236-7
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (September 2016)

Wenn Sie ein Herz für die dickhäutigen Vierbeiner- sprich Elefanten- haben, dann noch vielleicht den Film 'Ghost- Nachricht von Sam' kennen und auch mögen, sollten Sie „Die Spuren meiner Mutter“ unbedingt lesen. Anfangs war ich noch etwas skeptisch, ob mir das nicht doch etwas zu viel Elefantenphilosophie ist und eine Wahrsagerin mit einer Hauptstimme in diesem Roman nicht etwas zu viel des Guten wird. Doch ich war selbst erstaunt, wie schnell ich mich festgelesen habe und dem Ende entgegen fieberte.

Als Jenna drei Jahre alt war, wurde eine Frau im Elefantenreservat von New Hamphire zu Tode getrampelt. Anderthalb Kilometer von dort entfernt fand man Jennas Mutter Alice bewusstlos auf dem Gelände des Schutzgebietes. Alice erforschte das Verhalten der Elefanten, insbesondere ihr Verhalten bei Trauer. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht, irgendwann kam sie wieder zu Bewusstsein und verschwand. Jenna sah sie bis heute nie wieder und wurde von ihrer Großmutter groß gezogen. Weder ihre Großmutter noch Jennas Vater haben Alice je als vermisst gemeldet. Heute, mit dreizehn Jahren, sucht Jenna ihre Mutter, mit Hilfe der inzwischen unglaubwürdigen Wahrsagerin Serenity und dem ziemlich heruntergekommenen Privatdetektiv Virgil.

Spannend und bewegend geschrieben, wie immer bei Jodi Picoult. Abwechselnd lässt sie alle Hauptbeteiligten zu Wort kommen und schafft damit eine eigene spezielle Atmosphäre, bei der die Elefanten eine wesentliche Rolle spielen.






Bühlerhöhe

Autor: Brigitte Glaser
Verlag: List
ISBN: 978-3-471-35126-0
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (September 2016)

1952 – Deutschland in der Nachkriegszeit. Es herrscht wirtschaftlicher Aufschwung. Im Bundestag wird das Bundesentschädigungsgesetz, demnach Opfer des Holocaust oder nahe Verwandte eine Entschädigungssumme erhalten, verhandelt. Nicht nur Bundeskanzler Konrad Adenauer befürwortet dies, sondern auch die in Palästina lebenden Israeli. Mit Hilfe des Geldes, welches sie durch das Abkommen bekommen würden, könnten sie endlich Israel wieder nach ihren Vorstellungen aufbauen.
Aber nicht jeder steht hinter dem Gesetz, dem Mossad ist zu Ohren gekommen, dass für Adenauers Aufenthalt im Grandhotel „Bühlerhöhe“ Anschläge angekündigt wurden. Diese werden vom deutschen Geheimdienst jedoch nicht ernst genommen.
Rosa Silbermann, in den dreißiger Jahren aus Deutschland nach Palästina emigriert, wird nach Deutschland geschickt um dies zu verhindern. Weil sie als Kind ihre Urlaube im Schwarzwald verbrachte ist Rosa ortskundig und deshalb besonders für diese Arbeit geeignet. Gemeinsam mit dem Agenten Ari soll sie Adenauer im Auge behalten, der für eine Frischzellenkur auf der „Bühlerhöhe“ weilt. Anders als erwartet taucht Ari nicht im Grandhotel auf und Rosa ist auf sich alleine gestellt.
Doch Rosa hat eine Gegenspielerin – Hausdame Sophie Reisacher verfolgt ihre ganz eigenen Interessen und behindert Rosa bei ihrer Arbeit. Als würde im Hotel nicht schon genug Aufregung durch den Besuch des Kanzlers und die angekündigten Anschläge herrschen, geschieht auch noch ein Mord, der Rosas Arbeit zusätzlich erschwert.
Brigitte Glaser mischt gekonnt historische Tatsachen mit Fiktion. Sie erzählt authentisch über das Leben zweier junger Frauen, die fernab ihrer Heimat aufeinander treffen und in der neugeordneten Welt ihr Schicksal in die Hand nehmen. Einfühlsam beschreibt sie die vorherrschende Anspannung in der jungen Republik sowie die schöne Umgebung des Schwarzwaldes. Spannend und unterhaltsam bis zum Schluss - nicht zuletzt auch durch einen informativen Anhang am Ende des Buches!

Rosenkind

Autor: Ingrid Hedström
Verlag: Bloomsbury
ISBN: 978-3-8270-1291-3
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (August 2016)

Astrid Sammil hat sich wie ein verwundetes Tier in ihr vom Großvater geerbtes Haus in einem schwedischen Dorf zurückgezogen. Die junge Karrierefrau hat soeben ihre Ehe beerdigen müssen und kann zudem wahrscheinlich auch ihre beruflichen Ambitionen im Außenministerium vergessen. Dummerweise hängen diese beiden Ereignisse auch noch unschön zusammen …
In ihrer Zwangspause auf dem Land stößt Astrid auf die Spuren eines Jahrzehnte zurückliegenden Kriminalfalls um einen plötzlich verschwundenen Jungen, der nie wieder auftauchte. Seine Familie zerbrach daran, und das ungeklärte Rätsel lastet bis heute auf dem Dorf. Doch plötzlich deuten Spuren in ihrem ererbten Haus darauf, dass ihre Familie mit dem Fall zu tun haben könnte.
Astrid macht sich auf die Suche, und nach und nach kommt sie einem Skandal um medizinische Experimente an Heimkindern im Nachkriegsschweden auf die Spur. Doch die verbrecherischen Aktivitäten fanden damals keineswegs ein Ende. Und je mehr Entdeckungen Astrid in der Vergangenheit macht, desto näher rückt sie den verbrecherischen Experimenten in der Gegenwart – und bringt sich damit selbst in Gefahr.
Ein schwedischer Krimi, wie er sein soll: spannend, interessante und realistische Figuren, aktuelles Thema, gesellschaftskritisch. Tolle Sommer- und Strandlektüre!

Ventoux

Autor: Bert Wagendorp
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-75475-5
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (August 2016)

Die diesjährige Tour de France ist seit zwei Wochen vorbei. Und endlich gab es wieder eine Etappe, die auf den berühmt-berüchtigten Mont Ventoux hinaufführte, jenen von allen Radfahrern ob seiner windigen Kargheit und seiner langen Steigungen gefürchteten Berg in den Voralpen. Doch keine Angst, "Ventoux" ist zwar ein Roman, in dem der Radrennsport durchaus eine Rolle spielt, aber sein eigentliches Thema geht weit darüber hinaus:
Bart ist Journalist in Amsterdam, liebt Radrennen und ist fast fünfzig, als seine Jugendfreunde André, Joost und David unerwartet wieder in seinem Leben auftauchen. Und mit ihnen der Sommer des Jahres 1982. Damals, als alle noch in einer kleinen Stadt im Binnenland wohnten und als sie alle in die schöne Laura verliebt waren. Das war ein Sommer der großen Gefühle - und eines tödlichen Unglücks auf dem Mont Ventoux. Die Freunde waren achtzehn, als sie zu fünft die legendäre Etappe der Tour de France hinauffuhren - und zu viert zurückkehrten. Als auf einen Schlag ihre Träume zerplatzten und ihr Leben eine furchtbare Wendung nahm. Und Laura, die mit ihnen in der Provence war, spurlos verschwand.
Fast dreißig Jahre später, im Sommer 2010, will Laura die vier Männer am Ventoux wiedertreffen. Sie will endlich darüber sprechen, was damals wirklich geschah. Und die Freunde folgen ihrer Einladung: die Rennräder auf dem Autodach und jede Menge Fragen auf dem Rücksitz ...

"Ventoux" ist ein großartiges Buch über die Freundschaft zwischen fünf Männern und die Beziehung dieser Männer zu einer Frau, in die alle irgendwie verliebt sind. Oder waren. In den Niederlanden und in Belgien ein Überraschungserfolg, wird es Zeit, dass dieser erste Roman von Bert Wagendorp auch in Deutschland viele Leser findet. Bert Wagendorp ist Kolumnist für die Zeitung 'De Volkskrant'. Zwischen 1989 und 1994 berichtete er als Sportreporter auch von der Tour de France. Quasi als Recherche für diesen Roman hat er - immerhin 60 Jahre alt - zusammen mit seiner Frau den Ventoux auf dem Rennrad bezwungen. Ich glaube ich weiß diese Leistung zu schätzen. Und den Roman natürlich auch!

Schmale Pfade

Autor: Alice Greenway
Verlag: mareverlag
ISBN: 978-3-86648-232-6
Preis: 22,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (August 2016)

Auf einer kleinen Insel vor Maine, im Haus seiner Kindheit, hofft der ehemalige Ornithologe Jim Kennoway endlich Ruhe zu finden. Vor seiner Familie, seinen ehemaligen Arbeitskollegen, dem Rest der Welt und vor allem vor seiner Vergangenheit. Jim hat in den letzten Jahren zu viele Schicksalsschläge ertragen müssen, als dass er an diese weiterhin erinnert werden möchte. Nun scheint er endlich einen Ort gefunden zu haben, an dem er ganz für sich sein kann. Hier kann er sich ganz seiner Forschungsarbeit über die Schatzinsel widmen, sich täglich kettenrauchend ins Koma saufen und jeden potentiellen Eindringling schleunigst vergraulen.

Doch dann taucht eines Tages am Hafen eine junge Salomonerin auf. Cadillac ist die Tochter eines alten Freundes aus Kriegszeiten und muss nun für eine Weile in Jims Haus unterkommen. Schnell ist es vorbei mit der grade gefundenen Ruhe. Mit ihrer Ankunft wird der alte Mann schlagartig wieder mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Und das versucht Jim mit aller Macht zu verhindern. Doch egal wie unwirsch und grantig er mit Cadillac umgeht, die junge Frau lässt sich nicht verschrecken und schafft es mit ihrer unbeschwerten Art, ganz langsam Zugang in den Alltag ihres unfreiwilligen Gastgebers zu erlangen. Und Jim bleibt nichts anderes übrig, als sich noch einmal seiner Vergangenheit zu stellen.

Die Schönheit Maines und die wilde Natur der Salomonen, wo Jim seinen Kriegsdienst verbrachte, bieten eine eindrucksvolle Kulisse für die Lebensgeschichte eines Mannes, der vieles war - Soldat, Forscher, Ehemann, Vater und schließlich ein alter grimmiger Greis, der mit dem Leben und den Menschen abgeschlossen hat. Nebenbei flicht Alice Greenway ganz leichthändig diverse Randnotizen aus Literatur, Weltgeschichte und Vogelkunde in den Roman mit ein. Und erzählt so auf ganz besondere Weise eine vielseitige und bewegende Geschichte.

Britt-Marie war hier

Autor: Fredrick Backman
Verlag: Fischer Krüger
ISBN: 978-3-8105-2411-9
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (August 2016)

Sie kann ganz schön nervig sein, mal abgesehen von ihrem Putzfimmel, ihrem übertriebenen Ordnungssinn und manchmal auch sehr befremdenden Ansichten. All das ist Britt-Marie, aber sie ist auch ein ganz großartiger Mensch. Das jedoch merken die Bewohner des kleinen Städtchen Borg erst auf den zweiten Blick. Borg ist aber auch nicht gerade die Vorzeigestadt, das Netteste was man von Borg sagen kann, ist das sie sich an einer Durchgangsstraße befindet. Es gibt dort einen Fußballplatz, eine Schule, eine Apotheke und ein Einkaufszentrum, die aber alle nicht mehr bewirtschaftet werden. Genau in diesem Städtchen Borg findet Britt-Marie, sie hat gerade ihren Mann verlassen und muss sich jetzt erst wieder in der Gesellschaft zurechtfinden, eine Arbeitsstelle im Jugendzentrum als Hausmeisterin. Keine leichte Aufgabe für eine Frau wie Britt-Marie, die am liebsten und eigentlich nur mit Faxim putzt und hartnäckige Flecken mit Natron zu Leibe rückt.

Eine unglaublich verrückte und berührende Geschichte, die natürlich in erster Linie von der eigenwilligen Britt-Marie lebt. Mit ihrer von sich selbst unbemerkten direkten Art bringt sie so manchen Bewohner Borgs aus der Fassung. Der Roman hat aber noch mehr zu bieten. Da gibt es noch einen bunt zusammen gewürfelten Haufen Kinder, für die Fußball und ihr Fußballclub mit das Wichtigste im Leben ist. Von ihnen wird Britt-Marie quasi überrumpelt und auch mit dem Ball angeschossen. Mal heiter bis wolkig erzählt Fredrik Backman eine Geschichte über eine ganz ungewöhnlichen Freundschaft, versteckt dazwischen noch eine kleine Liebesgeschichte und entlässt den Leser am Schluss mit dem Gefühl, einen ganz besonderen Roman gelesen zu haben, der ihm sehr viel Spaß und Freude bereitet hat.

Dark Memories - Nichts ist je vergessen

Autor: Wendy Walker
Verlag: Fischer Scherz
ISBN: 978-3-651-02542-4
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (August 2016)

Jenny Kramer ist das erdenklich Schlimmste passiert, das einem jungen Mädchen passieren kann: auf einer Party wurde sie auf brutale Art vergewaltigt. Doch Jenny kann sich ihren Erinnerungen nicht stellen, denn mit Hilfe eines Medikamentes wurden ihr diese genommen, um ihr ein Trauma zu ersparen.
Sie versucht in ihr normales Leben zurück zu finden, was ihr jedoch nicht gelingen will. Die Belastung, nicht zu wissen, was mit ihr geschehen ist, nagt sehr an ihr und schließlich gibt sie sich bei dem Psychiater Alan Forrester in Behandlung. Gemeinsam versuchen die beiden gegen Jennys Vergessen anzukämpfen und dem Vergewaltiger auf die Spur zu kommen. Doch wie es scheint haben alle Beteiligten so ihre Geheimnisse. Jenny selber, ihre Mutter Charlotte und nicht zuletzt ihr Psychiater Alan, denn auch er scheint eigene Interessen zu verfolgen. Trotzdem hilft er Jenny auf seine Art und Weise, denn er weiß, dass nichts jemals wirklich vergessen ist.
Jennys Geschichte wird nicht so erzählt, wie man es von anderen Krimis kennt. Das Buch liest sich wie eine Fallakte und wir erfahren alles aus Sicht ihres Psychiaters. Fesselnd leitet Alan den Leser durch Jennys Fall und durch gezieltes Streuen von Informationen verliert das Buch nie an Spannung.

Eine fast perfekte Familie

Autor: Meg Mitchell Moore
Verlag: Bloomsbury
ISBN: 978-3-8270-1283-8
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Juli 2016)

Die Hawthornes scheinen es geschafft zu haben: Sie leben in San Francisco in einem wunderschönen Haus, die Mutter Nora ist erfolgreiche Immobilienmaklerin, der Vater Gabe Consultant, die älteste Tochter Angela strebt nach Harvard, ihre jüngeren Geschwister laufen einfach mit.
Mit unermüdlichem, fast hyperaktivem Einsatz hält Nora alles zusammen, doch auf einmal bröckelt die Fassade an allen möglichen Stellen. Nora droht ein Riesen-Immobiliendeal zu platzen, Gabe gerät in seiner Firma unter Beschuss, Noras Traum von Harvard droht zu platzen, und auch die Kleinen Cecily und Maya funktionieren auf einmal nicht mehr ohne Probleme …
Wie im Hamsterrad kämpft Nora um ihre Familie, versucht an allen Baustellen zu reparieren. Und immerhin schafft es die Familie, unter dem übergroßen Druck zusammenzuhalten. Es gelingt ihnen, ihr Glück zu behalten – nur völlig anders als eigentlich geplant …
Ein schöner Familienroman, manches von der Alltagshektik werden Familienmenschen wohl wiedererkennen. Und gleichzeitig eine Geschichte, dass Glück nicht planbar ist und oft dort auftaucht, wo man es nicht erwartet

Das Gesetz des Sterbens

Autor: Ian Rankin
Verlag: Manhattan
ISBN: 978-3-442-54772-2
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Juli 2016)

Was haben Donna Leon und Ian Rankin gemeinsam? - Richtig, beide sind sehr erfolgreiche Kriminalschriftsteller, beide sind äußerst produktiv und beide lassen seit Jahren den gleichen Polizisten ermitteln. Commissario Brunetti arbeitet bekanntlich in Venedig, John Rebus' Revier ist Edinburgh. 25 Fälle hat Brunetti inzwischen gelöst, Rebus hat in "Das Gesetz des Sterbens" seinen 20. vor sich. Warum ich beide Autoren in einem Atemzug nenne? Weil sie kontinuierlich an einer Figur festhalten, deren Stärken und Schwächen ich kenne, und weil ich mich deshalb jedesmal auf einen neuen Roman freue. Ich weiß, was ich bei meinem Favoriten Ian Rankin bekomme: bekannte Charaktere, eine intelligent konstruierte Handlung, oftmals die dreckigen Seiten von Edinburgh, und natürlich Spannung.
Was passiert nun in "Das Gesetz des Sterbens"?
Detective Inspector Siobhan Clarke untersucht den Tod eines berühmten Anwalts, der offensichtlich in seiner Wohnung erschlagen wurde. In der Brieftasche des Toten findet sich eine Warnung: "Ich werde dich töten für das, was du getan hast". Dieselbe Botschaft hat auch Edinburghs Unterweltgröße Big Ger Cafferty erhalten, kurz bevor auf ihn geschossen wird. Er bleibt unverletzt, schweigt aber über mögliche Feinde. Clarke ist ratlos. Sie bittet den kürzlich in den Ruhestand versetzten John Rebus um Hilfe. Er ist der einzige, mit dem Cafferty zu sprechen bereit ist. Steckt hinter den Taten ein Verbrecherclan aus Glasgow? Sollen Mafiaclaims neu abgesteckt werden? Oder ist die Spur die richtige, die Rebus in Edinburghs Vergangenheit führt, zu einem Haus, in dem Schreckliches geschehen ist?

Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick

Autor: Joe R. Lansdale
Verlag: Tropen bei Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-50140-7
Preis: 24,95 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Juli 2016)

Joe R. Lansdale, bekannt für seine gleichermaßen realistisch wie spannenden Südstaatengeschichten, erzählt in seinem neuesten Roman die wahre Geschichte des Deadwood Dick. Das Wort „wahr“ ist hier allerdings mit Vorsicht zu genießen, waren doch manche Legenden über berühmt-berüchtigte Westernhelden schneller verbreitet als besagte Abenteurer sie erleben konnten. Ob es Deadwood Dick wirklich gegeben hat ist eher strittig. Doch falls es ihn gab, ist man sich einig, dass es sich dabei um einen afroamerikanischen Cowboy namens Nat Love gehandelt haben muss, der aus einer Sklavenfamilie stammte, trotz Verbot lesen und schreiben lernte, Soldat und Rodeoreiter war und schließlich ein bekannter Revolverheld wurde. In welcher Reihenfolge all das stattfand ist nicht klar. Wie auch immer sein Leben verlaufen sein mag, Joe R. Lansdale hat eine fantastische Geschichte daraus gestrickt und dem einzigartigen Deadwood Dick ein Denkmal gesetzt.

Nachdem er einer weißen, verheirateten Frau eher zufällig auf den Hintern geguckt haben soll, trachtet das halbe Dorf dem jungen Mann namens Willie Jackson nach dem Leben. Man ermordet seinen Vater, plündert den Hof und so bleibt ihm nichts anders übrig als das Dorf fluchtartig zu verlassen. Es ist der Beginn eines großen Abenteuers. Das Schicksal verschlägt Willie zunächst auf die Farm von Tate Loving. Loving ist ein Eigenbrötler, der Gott und der Menschheit abgeschworen hat. Er nimmt den jungen Mann auf und wird ihm alles beibringen, was es fürs Überleben und zur Legendenbildung braucht. Doch auch auf der Farm wird Willie nicht lange bleiben. Er macht sich wieder auf den Weg gen Westen. Seinen Namen hat er, angelehnt an seinen Helfer in der Not, bereits in Nat Love geändert . Sein Weg wird ihn zur Armee führen, gegen Apachen kämpfen lassen und schließlich ins verruchte Deadwood führen. Hier trifft er nicht nur auf berühmte Legenden wie Wild Bill Hickok oder Calamity Jane, sondern auch auf alte Feinde und seine große Liebe.

Remember Mia

Autor: Alexandra Burt
Verlag: DTV
ISBN: 978-3-423-26101-2
Preis: 14,90 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Juli 2016)

Estelle Paradise wacht nach einem Autounfall schwer verletzt im Krankenhaus auf. Neben ihren Verletzungen aufgrund des Unfalls hat sie zusätzlich noch eine Schussverletzung, jedoch keine Erklärung für deren Herkunft. Ihr Gedächtnis lässt sie vollkommen im Stich. Wollte sie sich selbst umbringen oder hat jemand versucht sie zu töten? Nur häppchenweise kehrt ihr Gedächtnis zurück und damit auch die Erinnerung an ihre sieben Monate alte Tochter Mia, die drei Tage vor ihrem Unfall spurlos aus der New Yorker Wohnung verschwunden ist. Allerdings wurden keine Einbruchspuren festgestellt und Estelles Aussagen seitens der Behörden stark angezweifelt.

Langsam erinnert sich die junge Mutter wieder an ihre starken Depressionen und ihre Überforderung mit dem Baby. Mia schreit viel, Estelle ist permanent übermüdet, kann Mia nicht beruhigen und ist mit den Nerven so ziemlich am Ende. Hat sie vielleicht selbst Mia verschwinden lassen? Was ist mit ihrem Mann, warum steht er ihr nicht zur Seite? Zeitweise zweifelt Estelle selbst an ihrem Verstand und begibt sich in ihrer Not auf die Suche nach Antworten.

Die Geschichte wird aus Estelles Sicht erzählt und so befindet sich der Leser stets auf dem aktuellen Gedächtnis-Wissensstand der jungen Mutter. Bis zum Schluss bleibt es ein Rätsel, ob es sich um eine bemitleidenswerte Frau oder um eine durchtriebene Wahnsinnige handelt. Sobald eine etwaige Lösung plausibel erscheint, tauchen wieder neue Aspekte und Erinnerungen auf. So schafft es Alexandra Burt die Spannung bis zum Ende aufrecht zu halten. Damit hat sie nicht nur einen gelungenen Debütroman und fesselnden Psychothriller geschrieben, sondern auch die Nöte junger Mütter aufgegriffen, die unter extremen Wochenbettdepressionen leiden. Darüber hinaus ist sie gekonnt auf das Thema Gedächtnisverlust und dessen Auswirkungen auf die Gefühle der Betroffenen eingegangen, so bleibt die Story auch psychologisch interessant und fesselnd.

Letzter Bus nach Coffeeville

Autor: J. Paul Henderson
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06959-4
Preis: 24,00 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Juli 2016)

Schon seit ihrer Studienzeit sind Doc, Nancy und Bob beste Freunde – auch wenn sie sich nicht regelmäßig sehen. Gemeinsam haben sie sich gegen Rassismus und für Andere stark gemacht. Auch Doc und Nancy haben füreinander gekämpft und zueinander gefunden. Sie sind glücklich. Doch Nancy kann nicht so froh sein, wie sie es gerne wäre. In ihrer Familie ist Alzheimer häufig vertreten und sie hat Angst, dass sie die Krankheit ebenfalls bekommen und immer mehr vergessen wird. Aus diesem Grund nimmt sie Doc das Versprechen ab, ihr am Ende beizustehen, sollte sie die Krankheit jemals bekommen.
Jahre später fordert Nancy bei ihm das Versprechen ein und die drei Freunde, die lange keinen Kontakt hatten, starten einen Roadtrip quer durch die USA. Mit an Bord haben sie Docs Patensohn Jack, sowie Eric, einen Jungen, der per Anhalter reist und seine Cousine sucht. Fünf Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber alle das Gleiche suchen: Liebe und Glück am Ende der Reise.
Paul Henderson erzählt eine wundervolle Geschichte über Freunde, die auch in schweren Zeiten zueinander halten. Über Freunde, die sich gegenseitig beibringen, jeden Augenblick des Lebens zu lieben und zu genießen. Und nicht zuletzt auch über die Liebe.

Die Sommer mit Lulu

Autor: Peter Nichols
Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-98310-4
Preis: 22,95 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Juni 2016)

Lulu führt seit ewiger Zeit ihr kleines Hotel auf Mallorca. Obwohl schon 80 Jahre alt, ist sie charmante, umsichtige Gastgeberin in ihrem Haus, in das ihre Gäste ein ums andere Mal gern kommen und das Lebensgefühl der Leichtigkeit genießen.
Und dann geschieht etwas Unfassbares: Auf einem Spaziergang trifft sie auf Gerald, ihren Ex-Ehemann, mit dem sie in längst vergangener Zeit eine kurze Zeit verheiratet war und dem sie seitdem konsequent aus dem Weg gegangen ist. Sie geraten bei ihrem Wiedersehen in Streit, stürzen die Klippen hinab und ertrinken.
Was für ein Schock für ihre Familien! Lulu und Gerald hatten beide erneut geheiratet und aus diesen Ehen waren je ein Kind hervorgegangen: Luc und Aegina. Diese fassungslosen Erben, die ihre Großeltern liebten, erfahren nun in Rückblenden die Geschichte von Lulu und Gerald auf der kleinen Insel Mallorca. Sie erfahren vom nicht endenden Hass Lulus auf Gerald, der auch auf ihr eigenes Leben ausstrahlt, bis sie schließlich im Jahr 1948 auf den Beginn der Fehde stoßen …
Eine sommerliche Familiengeschichte, schön und tragisch zugleich, durch die Rückblenden spannend erzählt, die zeigt, wie Hass und Missverständnisse ganze Familien zerstören können.

Mein Irland

Autor: Ralf Sotscheck
Verlag: mareverlag
ISBN: 978-3-86648-227-2
Preis: 18,00 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Juni 2016)

Ralf Sotscheck ist langjähriger Korrespondent der 'tageszeitung' für Großbritannien und Irland - und seit drei Jahrzehnten bekennender Wahl-Ire. Einst kam er als reisefreudiger Student auf die Insel, begeisterte sich für irische Landschaft, Musik und Lebensweise. Aus einem Besuch wurden viele. Auf einem Musikfestival lernte er seine zukünftige Frau kennen, Grund genug, seinen Wohnsitz dauerhaft nach Dublin zu verlegen.
Dreißig Jahre später ist ihm die Insel mehr als vertraut. Und so kann er in seinen Reisereportagen von Dingen und Personen erzählen, die weit über die bei uns so gern verbreiteten Klischees hinausgehen. Irland ist eben nicht (nur) die 'grüne Insel', auf der die Bewohner guinnesstrinkend vor verlassenen Steinhäusern stehen oder beim obligatorischen Tee Aran-Pullover herstellen. In Sotschecks neuem Buch "Mein Irland" lernen Sie auch andere, realistischere Facetten kennen. Schräge, liebenswerte Typen wie den 'Matchmaker' in Lisdoonvarna, Irlands einzigem Hochzeitsmarkt. Alte IRA-Veteranen, junge Protestanten während eines Aufmarsches im katholischen Teil Belfasts, die Nachlassverwalterin des Böll-Hauses auf Achill Island... Kuriose Transportmittel wie die Seilbahn ganz im Westen der Insel, die sowohl Touristen als auch Kühe und Federvieh auf die wellenumtoste Nachbarinsel bringt, sind ebenso Thema wie beeindruckende Skizzen von Landschaft und Flora.

"Mein Irland" ist ein Buch für alle, die demnächst die Insel bereisen wollen. Denn es bietet Anregungen und Informationen, die Sie in den klassischen Reiseführern nie finden werden. "Mein Irland" ist aber auch ein Buch für alle, die schon dort waren. Denn so können Sie Erinnerungen auffrischen - oder lesen, was Sie bei Ihrem Besuch verpasst haben (das könnte eine Menge sein!). Und "Mein Irland" ist auch ein Buch für alle, die neugierig auf andere Länder sind und hervorragend geschriebene Reisereportagen zu schätzen wissen.

Was ich euch nicht erzählte

Autor: Celeste Ng
Verlag: DTV
ISBN: 978-3-423-28075-4
Preis: 19,90 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Juni 2016)

Alles beginnt mit dem Verschwinden von Lydia Lee.
Als die älteste Tochter eines Morgens nicht zum Frühstück erscheint, macht sich die ganze Familie Lee Sorgen und Gedanken darüber, was passiert sein könnte. Nichts lässt auf Probleme oder gar einen tragischen Vorfall schließen.
Lydia ist gut in der Schule, freundlich, verlässlich und respektvoll ihren Eltern gegenüber. Sie hat nette Freundinnen, mit denen sie stundenlang telefoniert, will Ärztin werden und arbeitet fleißig dafür. Ihren Eltern, James und Marilyn, hat die Lieblingstochter nie Sorgen bereitet.

James, Wissenschaftler und Dozent, Sohn chinesischer Einwanderer, hat stets hart daran gearbeitet, ein sorgenfreies und normales Leben führen zu können. Und dies will er auch seinen Kindern bieten. Marilyn, einst selbst angehende Ärztin, entschloss sich gegen den Beruf, um ganz für ihren Mann und die drei Kinder da sein zu können. Die Lees sind eine ganz normale amerikanische Familie.
Auch Lydias jüngere Geschwister, die stets im Schatten ihrer großen Schwester standen, wissen nicht, was mit ihr passiert sein könnte. Für Nathan ist Jack, der Nachbarjunge, der Hauptverdächtige. Er hat Lydia zuletzt gesehen und schweigt seit dem.
Doch als das Unglück über die Familie hereinbricht, ist es Hannah, die Jüngste, die Details beobachtet, Ungereimtheiten bemerkt und wie Puzzleteile zusammenführt. Details, die auf feine Risse hinter der schönen Oberfläche hindeuten und allen anderen entgehen.

„Was ich euch nicht erzählte“ ist kein Krimi, in dem es um die Klärung eines Verbrechens geht. Viel mehr ist es die Geschichte einer Familie, in der gezeigt wird, dass das Unausgesprochene manchmal schwerer wiegt als das, was wir sagen.
Celeste Ng (gesprochen „ing“) ist ein großartiges Debüt gelungen, dass mich bis zur letzten Seite nicht losgelassen hat.

Mein Name ist Leon

Autor: Kit de Waal
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-27230-1
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Juni 2016)

Für den dunkelhäutigen, neunjährigen Leon ist es ein ganz besonderer Moment, als sein Halbbruder Jake zur Welt kommt. Jake ist im Gegensatz zu ihm hellhäutig und schon bald ist es Leon, der sich allein um seinen Bruder kümmern muss, ihn wickelt und auch irgendwie Geld für etwas Essen besorgt. Carol, seine Mutter, verlässt ihr Bett nicht mehr. Sie leidet unter schweren Depressionen und vernachlässigt ihre beiden Kinder. Davon erfährt auch das Jugendamt und bringt die Zwei erstmals bei der Pflegemutter Maureen unter. Als dann Jake adoptiert wird und die zwei Brüder getrennt werden, bricht für Leon eine Welt zusammen. Ständig muss Leon an seinen Bruder denken, nichts wünscht er sich sehnlicher, als sich wieder um ihn kümmern zu können und endlich eine glückliche Familie zu haben. Doch nichts geschieht, seiner Mutter geht es nicht besser und Jake darf er nicht besuchen. Zwei Dinge, die er auf keinen Fall akzeptieren kann.

Hört sich zuerst nur nach einer tragischen Familiengeschichte an, doch durch den Mut und die Kraft, die Leon entwickelt, wird aus dieser Geschichte, die im Sommer 1981 in London spielt, fast ein kleine Heldengeschichte. Eine rühriger Roman über die innige und untrennbare Verbindung zweier Brüder.

Die sieben Sinne der Adeliza Golding

Autor: Rebecca Mascull
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3-426-30463-1
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Juni 2016)

England 1900: Adeliza Golding hat es schon als kleines Kind nicht leicht auf der Welt. Zunächst mit grauem Star geboren, verengt sich ihr Sichtfeld immer mehr und als sie im Alter von zwei Jahren hohes Fieber bekommt, verliert sie auch noch ihr Gehör.
So kommt es, dass Adeliza zurückgezogen auf der Farm ihrer Eltern aufwächst, ohne jeglichen Kontakt zu anderen Menschen als ihrem Vater, der Nanny und kurzen Besuchen am Krankenbett der Mutter. Sie wird ungestüm und wild aus der Not heraus, sich nicht verständlich machen zu können.
Doch dann läuft sie bei einem ihrer Streifzüge über die Farm Lottie in die Arme und für Liza eröffnet sich eine neue Welt. Lottie bringt ihr das Fingeralphabet bei, spielt mit ihr und unterrichtet sie in den wichtigsten Fächern.
Und dann gibt es einen Lichtblick für Adeliza: durch eine Augenoperation ist es ihr wieder möglich zu sehen. Sie lernt das Leben in vollen Zügen zu lieben und zu genießen und all das verdankt sie ihrer besten Freundin Lottie.
Die junge Frau glaubt sich niemals genug bei Lottie bedanken zu können, doch dann steckt Lotties Bruder Caleb in Schwierigkeiten und nur Liza und die besondere Gabe, die sie besitzt, können ihm jetzt noch helfen…

Rebecca Mascull erschafft die Geschichte einer besonderen jungen Frau, die nach einer schwierigen Zeit wieder Freude am Leben findet und anderen dabei noch helfen kann. Großartig.

Der Gerechte

Autor: John Grisham
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-27068-8
Preis: 22,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Mai 2016)

Mit dem amerikanischen Justizsystem und seinen Merkwürdigkeiten hat sich John Grisham schon in vielen Romanen auseinander gesetzt. Oft waren klassische Anwälte seine Protagonisten im Kampf um Gerechtigkeit. Einem ganz anderen Anwaltstyp begegnen wir in seinem neuen Buch. Sebastian Rudd ist Einzelkämpfer. Er hat kein festes Büro, sondern arbeitet von einem als Büro eingerichteten, kugelsicheren Van aus. Einziger Helfer, Fahrer, Leibwächter ist „Partner“, der ihm treu ergeben ist, seit Rudd ihn in einem Prozess verteidigt hat.
Ihre Mandanten stammen vom unteren Rand der Gesellschaft, nicht immer ganz unschuldig, aber sie haben es verdient, nicht von einer voreingenommenen Justizmaschine überrollt zu werden. Und auch sich selber kann Rudd mit harten Bandagen vertreten.
Besonders ist an John Grishams Buch neben der ungewöhnlichen Hauptfigur die Erzähltechnik: Es gibt keine klassische Romanhandlung, sondern das Buch schildert in Episoden die Fälle und das Leben von Sebastian Rudd. Und so entstehen eine Menge verschiedener, vielschichtiger, spannender Geschichten, die wie durch ein Kaleidoskop ein buntes Bild entstehen lassen: von einem unabhängigen Anwalt, seinen ungewöhnlichen Mandanten, einem manchmal bornierten Polizei- und Justizapparat, nicht alltäglichen Lösungen …

Was wir getan haben

Autor: Karen Perry
Verlag: Scherz
ISBN: 978-3-651-02468-7
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Mai 2016)

Katie und die Brüder Luke und Nick, drei junge Menschen aus Irland. Sie kennen sich seit ihrer Kindheit, haben sich zwischenzeitlich aus den Augen verloren. Katie und Luke arbeiten in Dublin, Nick lebt in Kenia. Oberflächlich betrachtet geht es ihnen gut, sie haben Jobs, Beziehungen, genießen Anerkennung von Freunden und Kollegen. Und doch ist da eine Begebenheit aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit, die sie seit Jahren verfolgt. Sie wollen, können aber doch nicht vergessen, was damals am Fluss geschehen ist. Als sie Kinder waren und ein eigentlich harmloses Spiel spielten. In dessen Verlauf etwas geschah, das seit jenem Nachmittag ihr Leben überschattet.
Jeder hat auf seine Weise mehr oder weniger erfolgreich versucht, dieses dunkle Geheimnis aus dem Alltagsleben zu verdrängen. Bis Luke eines Tages aus seinem Haus verschwindet. Und seine Frau auf dem Schreibtisch in einem Briefumschlag das Foto findet, das ihn zusammen mit Katie und Nick an jenem Nachmittag am Fluss zeigt. Jemand scheint genau zu wissen, was dort passiert ist. Und macht vor nichts Halt, um späte Rache zu üben...

Den irischen Autoren Karen Gillece und Paul Perry - zusammen schreiben sie unter dem Namen Karen Perry - ist ein grandioser Spannungsroman über die ewigen Themen Schuld und Vergebung gelungen. Packend, intensiv, mal hochspannend, mal poetisch. Die Schauplätze der Handlung wechseln immer wieder zwischen Irland und Afrika, erzählt wird jeweils aus der Perspektive der Hauptpersonen.

Ich habe Karen Perry auf ihrer Lesung während der diesjährigen Litcologne kennengelernt. Dort verkündeten sie erfreulicherweise die baldige Fertigstellung ihres nächsten Romans. Ja, ich brauche Nachschub!

Die Ungehörigkeit des Glücks

Autor: Jenny Downham
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 978-3-570-10292-3
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Mai 2016)

Eine merkwürdige Situation ist das, in der Katie sich plötzlich wiederfindet. Eigentlich hatte sie sich schon damit abgefunden, dass ihr Stammbaum nur aus ihrer stets besorgten Mutter, ihrem Bruder und dem nicht anwesenden Vater besteht.

Doch ohne Vorwarnung sitzt sie nun ihrer Großmutter Mary gegenüber. Die muss nun notgedrungen bei der kleinen Familie unterkommen, denn auf Grund einer fortschreitenden Demenz kann sie sich nicht mehr um sich selbst kümmern.

Ganz zum Unmut von Katies Mutter, die den Kontakt zu Mary schon vor Jahren abgebrochen hatte und ihre Kinder im Glauben ließ, die Großmutter sei gestorben.

Leider ist das aber nicht die einzige Komplikation in Katies Teenagerleben. Nicht nur, dass ihre Mutter Caroline sie ständig kontrolliert und bevormundet und Katie dadurch nahezu keine Freizeit hat. Auch ihr Bruder muss beaufsichtigt werden. Und zu allem Überfluss entdeckt Katie, dass sie Gefühle für ihre beste Freundin Esra entwickelt, die sie doch eigentlich nur für Jungs haben sollte. Als Katie Esra küsst, bricht diese den Kontakt zu ihr ab und hat keine Hemmungen das Geschehene rumzuerzählen. Katie steht bloßgestellt und ganz allein da.

Doch dann entdeckt sie, dass Großmutter Mary und sie sich gar nicht so unähnlich sind. Auch sie musste gegen Konventionen und ständige Bevormundung kämpfen. Und als Mary bruchstückhafte Geschichten aus ihrer Vergangenheit erzählt, ist Katies Spürsinn geweckt. Wie kam es zu dem schlechten Verhältnis zwischen Mary und Tochter Caroline? Ist die Geschichte, die ihre Mutter erzählte, wahr oder gibt es vielleicht noch eine andere Wahrheit, die in der verschütteten Erinnerung von Katies neuer Großmutter schlummert?

Eine wunderschöne Geschichte, die mehr als ein lebensbewegendes Thema behandelt. Für Jugendliche wie für Erwachsene absolut lesenswert.

Das Traumbuch

Autor: Nina George
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-65385-3
Preis: 16,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Mai 2016)

Der ehemalige Kriegsreporter Henri liegt nach einem tragischen Unfall im Koma. Gerade jetzt, als sein Leben erneut an einem Wendepunkt steht. Er war gerade auf dem Weg zu seinem dreizehnjährigen Sohn Sam, der ihn zu einem Vater- und Sohn-Tag in die Schule einladen hatte, obwohl er ihn früher nie kennenlernen durfte, als Henri auf die Straße taumelte und von einem Wagen erfasst wurde.
Nun bangen Sam und die Ex-Geliebte Eddie um ihn. Abwechselnd erzählen die Zwei aus ihrem Leben, von ihren Gefühlen und Hoffnungen. Auch Henri erzählt aus seiner Vergangenheit, von seinen Träumen die er im Koma erlebt. 45 Tage besuchen Sam und Eddie ihn täglich am Krankenbett, schnell schließen sie Freundschaft, führen Gespräche miteinander und mit Sam.

Nina George sagt selbst von diesem Roman, dass es ihr persönlichster ist. Meiner Meinung nach ist es auf jeden Fall ein sehr außergewöhnliches Buch, ergreifend und dennoch schön. Nina George gibt dem Leser das Gefühl, etwas mehr zu wissen als ihre Protagonisten, ihnen einen Schritt voraus zu sein und Einsicht in ihr Inneres zu haben sowie ihre Ängste zu spüren. Dennoch oder gerade deshalb bangt und hofft man mit ihnen bis zum endgültigen Schluss.

Wer kriegt was - und warum?

Autor: Alvin E. Roth
Verlag: Siedler
ISBN: 978-3-8275-0044-1
Preis: 24,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Mai 2016)

Ohne dass wir es mitbekommen, funktionieren Märkte überall auf der Welt. Wenn man so will, begegnen uns Märkte schon morgens bei unserem alltäglichen Frühstück. Sei es der Kaffee, den wir trinken – der von professionellen Vorkostern getestet wird, um uns eine Güteklasseneinteilung bieten zu können, auf Grund derer wir unseren Kaffee kaufen – oder aber der Weizen, aus dem unser Brot gebacken wird. Täglich haben wir diese Güter vor uns, ohne uns (sehr wahrscheinlich) Gedanken darüber zu machen, wie Kaffee und Brot in den Supermarkt gekommen sind, sodass wir sie kaufen können.
Wie weit zurückreichend solche Vorgänge sind und was wirklich dahinter steckt, erzählt uns der Spieltheoretiker Alvin E. Roth. Auch verdeutlicht Roth wie Märkte reibungslos funktionieren, nämlich nicht etwa durch das allseits bekannte „Jeder gegen jeden“, sondern durch wohldurchdachte Regeln.
Wie wichtig diese sind, zeigt sich auch dadurch, dass es immer wieder, wenn Marktteilnehmer sich nicht an diese Regeln halten, zu Marktverfrühungen kommt. Dabei verfügen Marktteilnehmer nicht über genügend Selbstkontrolle und stellen Angebote vor den vereinbarten Termin, um im Nachhinein anderen Bewerbern gegenüber nicht im Nachteil zu sein. Dadurch werden, laut dem Autor, aus ehemaligen Pionieren vorzeitig losstürmende „Sooner“.
Ein weiterer spannender Punkt, den Roth in seinem Buch erklärt, ist die Herangehensweise bei Nierentransplantationen. Dabei betont er die Besonderheit der Nierentransplantationsketten, wodurch mehr Menschen eine Spenderniere erhalten können, als etwa bei einer normalen Warteliste für Nieren.
Generell ist es spannend zu sehen, wo sich überall Märkte verstecken – denn wenn man darauf achtet, findet man sie überall in unserem Umfeld.

Unterleuten

Autor: Juli Zeh
Verlag: Luchterhand
ISBN: 978-3-630-87487-6
Preis: 24,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (April 2016)

Unterleuten, ein Dorf in Brandenburg. Die Bevölkerung, die größtenteils noch aus DDR-Zeiten hier lebt, ist gespalten: teils hat sie Vorteile aus der Umwandlung der LPG in eine kapitalistische GmbH gehabt, teils fühlen sich die Menschen immer benachteiligt und betrogen, von jedem und dem Leben im Besonderen. In diesen gesellschaftlichen Mikrokosmos ziehen immer mehr Stadtflüchter: der ehemalige Soziologiedozent mit Frau und Kind, der jetzt in Naturschutz macht; die straighte Pferdenärrin, die eine Pferdepension rund um ihr Wunderpferd aufbauen will, begleitet von ihrem Freund, einem Computerspielentwickler. Und dann gibt es noch den Unternehmer, der dort Land gekauft hat, einfach so, weil er es kann.
Plötzlich kommt richtig Dynamik ins Dorfleben: eine Windkraftanlage soll dort gebaut werden und dem Dorf wirtschaftliche Perspektive bieten. Aber nur drei Flurstücke kommen in Frage, und sie können nur zusammenhängend bebaut werden. Sie gehören aber drei Personen mit höchst unterschiedlichen Interessen. Jetzt zeigt sich das Dorf als Spiegelbild unserer Gesellschaft: Koalitionen zur Maximierung der eigenen Möglichkeiten bilden sich und zerfallen, Prinzipien werden über Bord geworfen, alte unterschwellige Konflikte eskalieren unter dem Druck, die Stimmung wird explosiv …
Immer abwechselnd aus der Perspektive der einzelnen Protagonisten geschrieben, entwickelt sich eine verwickelte, hoch spannende Handlung. Die Figuren, gerade weil sie sich in ihrer Widersprüchlichkeit und Unzulänglichkeit immer mehr offenbaren, werden differenzierter und gleichzeitig menschlich, und zunehmend wächst das Unbehagen, dass eine Katastrophe geradezu in der Luft liegt …
Ein tolles Buch, das man, einmal angefangen, nicht mehr weglegen möchte, bestückt mit Protagonisten, über man noch lange nachdenkt!

Weit über das Land

Autor: Peter Stamm
Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-10-002227-1
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (April 2016)

"Thomas stand auf und ging auf dem schmalen Kiesweg am Haus entlang. An der Ecke angelangt, zögerte er einen Augenblick, dann bog er mit einem erstaunten Lächeln, das er mehr wahrnahm als empfand, zum Gartentor ab. Er hob das Tor beim Öffnen etwas an... Er ging die Straße entlang, vorbei an den Häusern der Nachbarn, die ihm mit zunehmender Entfernung immer weniger vertraut waren. Vor ihm wuchs der Schatten, den die letzte Straßenlaterne ihm nachwarf, verging im Licht der nächsten, die hinter ihm einen neuen Schatten warf, der kürzer wurde, ihn überholte und ihm wachsend vorauseilte, eine gespenstische Stafette körperloser Wesen, die ihn begleitete, hinaus aus dem Quartier, über die Umgehungsstraße und in die Gewerbezone, die sich weit in der Ebene vor dem Dorf erstreckte."

Thomas und Astrid sind gerade aus dem Urlaub nach Hause zurückgekehrt. Es ist früher Abend, die Kinder sind kurz vor dem Einschlafen, Thomas sitzt mit einem Glas Wein auf der Bank hinter dem Haus.
Einen Augenblick zögert er, dann steht er auf, verlässt das Grundstück, seine Frau, seine Kinder, geht in die Nacht hinaus. Ohne Verpflegung, ohne Gepäck, nur mit der Kreditkarte in der Hosentasche. Ziellos streift er umher, entfernt sich immer weiter von seinem Zuhause, getrieben von einer unbekannten, starken Kraft. Er ist unterwegs, tagelang, wochenlang, streunt herum, findet Tagelöhnerarbeit, zieht weiter. Planlos.
Seine Frau Astrid fragt sich zunächst, wohin er gegangen ist, dann, wann er wiederkommt. Schließlich, ob er noch lebt.

"Weit über das Land" ist ein beeindruckender Roman über den vielleicht in uns allen schlummernden Wunsch zu fliehen, den Gedanken, unser altes Leben abzulegen, um ein anderer sein zu können. Vielleicht man selbst.

Tod im Sommer

Autor: Benjamin Black
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04653-3
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (April 2016)

Als man den überaus reichen und wohltätigen Zeitungsverleger Richard Jewell mit Schrotflinte in der Hand und ohne Kopf auf den Schultern vorfindet, lässt die Szenerie zunächst auf einen spektakulären Selbstmord schließen. Doch Inspector Hackett und der Pathologe Quirke sind skeptisch. Warum benehmen sich die Witwe des Toten und dessen Schwester so auffällig kühl? Maguire, der Verwalter des Anwesens verhält sich nicht minder sonderbar. Und dann war da noch der Zwist zwischen dem toten Jewell und einem seiner Konkurrenten, der erst vor kurzem für Furore sorgte.

Fest steht, es gibt mehr als eine Person, die nicht traurig über Richard Jewells Tod ist. Doch ein handfester Verdacht bleibt zunächst aus. Das Duo Hackett und Quirke beginnt in den höheren Kreisen zu ermitteln.

Als Quirke bedroht wird, steht für den Mediziner fest, dass man auf der richtigen Fährte ist. Und diese führt geradewegs zu Jewells Prestigeprojekt - dem Waisenhaus St. Christopher.

Der Trick

Autor: Emanuel Bergmann
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06955-6
Preis: 22,00 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (April 2016)

Der zehnjährige Max Cohn ist verzweifelt, da seine Eltern sich scheiden lassen wollen. Doch die Rettung scheint zum Greifen nah, denn als Max über die Umzugskiste seines Vaters stolpert, rutscht eine alte Schallplatte vom großen Zauberer Zabbatini heraus. Auf dieser Schallplatte befindet sich ein Liebeszauber und wenn dieser Spruch funktioniert, würden seine Eltern die Scheidung abblasen. Leider befindet sich ein Kratzer auf der Schallplatte, genau an der Stelle des Liebeszaubers, nun bleibt Max nur noch die Möglichkeit, den Zauberer selbst zu finden.

Ein Dreivierteljahrhundert zuvor hat der fünfzehnjährige Rabbinersohn Mosche Goldenhirsch in Prag ein ganz anderes Problem. Immer öfter wird Mosche hart von seinem Vater gezüchtigt. Als sein Vater dann noch erfährt, dass er zusammen mit dem Schlosser aus dem Wohnhaus im Zirkus war, entbrennt ein heftiger Streit. Mosche packt daraufhin heimlich seine Habseligkeiten, um dem Zirkus und damit dem Halbmondmann mit dessen bezaubernder Assistentin zu folgen.

Schnell ist klar, dass die beiden Protagonisten irgendwie zusammenfinden werden. Doch wann treffen die Personen wohl endlich zusammen und wie? Max Geschichte beginnt 2007 in Los Angeles und die von Mosche 1934 in Prag. Emanuel Bergmann gelingt es mit Bravour eine bewegende, witzige und spannende Geschichte zu erzählen. Mit wachsender Spannung habe ich die Entwicklung der beiden Jungen verfolgt und auch wenn diese nicht immer zu meiner Freude war, so hat mich doch die gesamte Story verzaubert.

Eine Therapie für Aristoteles

Autor: Melanie Sumner
Verlag: DuMont
ISBN: 978-3-8321-9796-4
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (April 2016)

Eigentlich braucht Aris Thibodeau eine Therapie, findet sie. Eine richtige Therapie, wie ihr kleiner Bruder Max. Der muss zur Psychologin, weil er verhaltensauffällig ist. Doch leider reicht das Geld nicht, weswegen Aris`Mutter ihr den Ratgeber „Schreiben Sie einen Roman in 30 Tagen!“ schenkt – als Therapieersatz sozusagen.
Denn Aristoteles muss nicht nur ihr eigenes Leben managen, sondern auch einen neuen Mann für ihre chaotische Mutter Diane finden – einen Vater zu haben wäre nämlich auch ganz gut - und tatkräftig bei der Erziehung von Max mithelfen. Alles nicht so leicht wenn man erst zwölf Jahre alt ist.
Also schreibt Aris einen Roman. Es soll natürlich ein Bestseller werden, damit die Familie endlich keine Geldsorgen mehr hat und sie die gewünschte Therapie bekommt.
Doch das ist gar nicht so einfach, vor allen Dingen bei dem ganzen Chaos: Max möchte unbedingt bei einer Talentshow teilnehmen, stellt jedoch recht schnell fest, dass keines seiner Talente für eine Show zu reichen scheint; Diane hingegen verliert ihren Job und geht daraufhin in die vollen und meldet sich (mal wieder) beim Onlinedating an. Dabei ist der perfekte Mann schon vorhanden, nämlich Nanny-Ersatz Penn. Leider scheint Diane dies, im Gegensatz zu Aris, nicht zu erkennen...da beschließt Aristoteles nachzuhelfen – und schwuppdiewupp steuert die Familie Thibodeau in die nächste kleine bis mittelgroße Katastrophe.
Melanie Sumner beschreibt auf einzigartige Art die Sichtweise der kleinen Aris. Schnell wurde mir klar, dass eine „normale“ Zwölfjährige nicht so denken würde, doch als Geschichtenliebhaber lässt man sich ja gerne in andere Welten entführen...

Vom Ende der Einsamkeit

Autor: Benedict Wells
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06958-7
Preis: 22,00 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (März 2016)

Jules und seine Geschwister Marty und Liz genießen eine unbeschwerte, heitere Kindheit, bis ihnen das Schrecklichste widerfährt, was Kindern wohl passieren kann: Beide Eltern sterben bei einem Autounfall.
Von einem Tag auf den anderen werden sie getrennt. Sie kommen zwar ins gleiche Internat, doch aufgrund der Altersunterschiede in verschiedene Gruppen. So entwickeln die drei jeder für sich einen eigenen Weg, mit Trauer und Schmerz umzugehen und verlieren sich dabei aus den Augen.
Jules hilft in seiner Einsamkeit die Freundschaft zur geheimnisvollen Alva. Doch auch ihre schwierige Beziehung zerbricht schmerzhaft mit dem Ende der Schulzeit.
Erst als Erwachsene treffen sie sich wieder und versuchen gemeinsam, der Vergangenheit zu entfliehen; ebenso, wie die Geschwister untereinander langsam wieder zueinander finden …
Ein noch junger Schriftsteller, der die großen Themen Verlust, Mut und Liebe wunderbar entwickelt; emotional, ohne kitschig zu werden. Absolut empfehlenswert!

Der Pfau

Autor: Isabel Bogdan
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04900-1
Preis: 18,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (März 2016)

Die Investmentabteilung einer Londoner Privatbank hat sich zu einem verlängerten Wochenende in einem Cottage in den schottischen Highlands eingemietet. Teambuilding steht auf dem Programm. Und so reisen die Chefbankerin Liz und ihre vierköpfige Crew mitsamt einer Psychologin und einer Köchin in die ländliche Abgeschiedenheit - teils erwartungsvoll, teils zutiefst gelangweilt. Das trübe Novemberwetter und das Übermaß an ungewohnter Natur sorgen allerdings ebenso wenig für optimale Stimmung wie ihre in die Jahre gekommene Unterkunft. Und dann kommt der unerwartete Wintereinbruch, es schneit ohne Unterlass, die Gruppe sitzt in ihrem Cottage fest.
Doch all das sind nicht die wirklichen Gründe, die dafür sorgen, dass das Wochenende so ganz anders verläuft als geplant. Denn es ist ein offenkundig verrückt gewordener Pfau bzw. dessen aggressives Verhalten gegen alles Blaue, zum Beispiel das blaue Auto der Chefbankerin, der für chaotische Zustände im und um das Cottage herum sorgt, für eine erstaunliche Verkettung von Ereignissen, die schon bald niemand mehr durchschaut...

Isabel Bogdan ist mit ihrem ersten Roman eine herrlich schräge Komödie in bester britischer Manier gelungen. Ich hatte dermaßen viel Spaß während der Lektüre, dass ich Ihnen "Der Pfau" samt Autorin gerne näher vorstellen möchte. Wir hoffen, Isabel Bogdan im Mai live im Bücherwald zu einer Lesung begrüßen zu können.

Was ich sonst noch verpasst habe

Autor: Lucia Berlin
Verlag: Arche
ISBN: 978-3-7160-2742-4
Preis: 22,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (März 2016)

Zu Lebzeiten kaum beachtet, wurden Lucia Berlins Stories erst vor Kurzem, mehr als zehn Jahre nach ihrem Tod, neu herausgegeben und zu einem ungeahnten Erfolg.
In „Was ich sonst noch verpasst habe“ erzählt Berlin aus dem Leben fiktiver Figuren, und doch ist jede der Stories auch autobiographisch zu lesen. Sie erzählt von einer Kindheit in El Paso, die von Ausgrenzung und Vernachlässigung geprägt war. Eine alkoholkranke Mutter, häufige Schulwechsel, eine starke Skoliose und einige andere Probleme lassen sie (oder die Mädchen in ihren Geschichten) schon als Kind vereinsamen. Nur einmal wird sie eine kurzlebige, dennoch echte und wunderbare Freundschaft erleben. Dann folgt eine von politischen Turbulenzen geprägte Jugend in Chile. Lucia führt ein privilegiertes Leben, lernt aber auch den Alltag in den Favelas unter den Allerärmsten kennen..
Die folgenden Jahre lassen Berlin, sowie ihre Charaktere, ein ruheloses Leben führen. Etliche Umzüge, diverse Jobwechsel, Drogenprobleme und immer wechselnde Liebschaften dominieren ihren Alltag. Sich und ihre vier Kinder bringt sie meist allein über die Runden.
Lucia Berlin erzählt von den Entbehrungen des Lebens, doch verpackt sie auch die tristeste Kulisse in stimmungsvolle Sätze. Es gibt so viele Umbrüche in diesen Geschichten, man mag kaum glauben, dass eine einzelne Person sie erlebt hat. Die Sprache ist ehrlich, rau und ungeschönt. Doch zugleich schreibt Berlin auch poetisch und mit so viel Witz, dass immer ihre Freude an der Schönheit des Lebens und ihre nie versiegende Hoffnung durchblitzen.

Post mortem - Tränen aus Blut

Autor: Mark Roderick
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-03142-9
Preis: 12,00 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (März 2016)

Als der Profikiller Avram Kuyper die Nachricht seines Bruders auf seinem Anrufbeantworter abhört: “Komm nach Hause und räche dich an denen, die uns getötet haben”, macht er sich sofort auf den Weg nach München.
Doch den Gutshof seines Bruders findet er friedlich und verlassen vor. Vorerst keine Spur von seinem Bruder und dessen Familie.
Fast zeitgleich wird ein Reporter tot in einem Frankfurter Hotelzimmer aufgefunden. Schnell stellt sich heraus, das es sich bei dem Toten um den Bruder von Avram Kuyper handelt. Die Interpol-Agentin Emilia Ness wird mit dem Fall beauftragt und findet sich bald in einem Sumpf von Morden wieder. Avram Kuyper sowie Emilia Ness gelangen an ein Video mit den Aufzeichnungen bestialischer Folterungen, die der Mörder für zahlende Kunden ins Internet einstellt. Avram will Rache, Emilia den Mörder vor Gericht bringen, beide sind dem Killer auf den Fersen.

Post Mortem - Tränen aus Blut - ist der erste Band des Zweiteilers von Mark Roderick. Aufregend und spannend, ein Profi-Killer und eine Agentin jagen, jeder auf seine ihm gegebene Weise, einem perfiden Mörder hinterher. Aus wechselnder Perspektive steuert der Thriller seinem Höhepunkt entgegen und hält dabei durchweg das Spannungsniveau.

Teil Zwei erscheint voraussichtlich am 27.April 2016 und wie ich gerade auf der Internetseite von Mark Roderick gelesen habe, wird es 2017 auch einen Teil 3 mit Avram Kuper und Emilia Ness geben. Super, ich freue mich drauf!

Cyberpsychologie

Autor: Catarina Katzer
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-26092-3
Preis: 16,90 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (März 2016)

Mittlerweile hat das Internet Einzug in unser alltägliches Leben erhalten. Ob wir morgens nach dem Aufstehen unsere Nachrichten bei Whatsapp checken, in der Bahn die neuesten Mails abrufen oder Freundschaftsanfragen auf Facebook beantworten – ständig sind wir online.
Catarina Katzer, anerkannte Forscherin auf dem Gebiet der Cyberpsychologie, erklärt in ihrem Buch, dass wir nur allzu leicht unsere Umwelt und auch die Zeit vergessen, wenn wir uns im virtuellen Raum befinden. Denn während wir uns im Internet bewegen, setzt das Gefühl für die reale Zeit aus, wir nehmen die verstrichene Zeitspanne kürzer war, als sie tatsächlich ist, so die Autorin.
Eine wichtige Frage ist außerdem, was durch den ständigen Perspektivenwechsel zwischen Real Life und Cyberspace mit unserem Bewusstsein geschieht. Wer hat sich selbst nicht schon einmal dabei erwischt, wie er in Gesprächen mit Freunden und Verwandten immer wieder heimlich auf das Telefon schielt, um ja keine reinkommende Nachricht zu verpassen? Die Sozialpsychologin erklärt, warum das Internet uns vereinnahmt und wir unserer Umgebung immer weniger Aufmerksamkeit schenken, als sie eigentlich verdient hätte.
Das Internet verändert uns. Wir lassen uns immer mehr in die virtuelle Welt hinein ziehen und sie nimmt einen immer größeren Raum in unserem Leben ein. Doch wir sollten vorsichtig sein, dass wir uns nicht zu sehr im Cyberspace verlieren, sondern das Wichtige im Auge behalten: unser Leben außerhalb des Netzes. Nicht das Netz sollte uns als Menschen bestimmen, sondern wir sollten als Mensch das Netz bestimmen.
Catarina Katzer ist eine der führenden Forscherinnen auf dem Gebiet der Cyberpsychologie und zeigt eindrucksvoll die Möglichkeiten, aber auch Gefahren auf, die im Internet auf jeden von uns lauern.
Wer dieses Buch gelesen hat, wird sein Internetverhalten mit anderen Augen sehen.

Die Macht der Geografie

Autor: Tim Marshall
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28068-6
Preis: 22,90 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Februar 2016)

Dass unsere politische Welt in den letzten Jahren, vorsichtig gesagt, unübersichtlich geworden ist, liegt wohl auf der Hand. Die Ukraine-Krise, die derzeitigen Probleme in Europa, aber auch Konflikte in Asien wie der Kampf um Tibet und Myanmar haben bei aller Unterschiedlichkeit eines gemeinsam: sie werden berührt durch geografische Gegebenheiten. Denn diese begründen und limitieren (zusammen natürlich mit anderen, z. B. historischen Faktoren) zugleich das Handeln der politisch Verantwortlichen.
Beispiele: Die geografische Lage der Ukraine und der Krim machen deutlich, warum sie für Russland unverzichtbar sind: als Zugang zu den einzigen eisfreien Häfen. Oder die geografische Lage Chinas erklärt, warum politische Expansion nur über das Meer erfolgen kann und warum China derzeit seine Marine aufrüstet. Die Beschaffenheit der USA und ihre Geschichte zeigen, wie sie Weltmacht werden konnten und warum sie es wohl auch bleiben werden.
Diese und andere weltpolitische Themen werden anhand von Karten profund und verständlich erklärt in dem absolut lesenswerten Buch von Tim Marshall.
Zugleich mit der aktuellen Lage der Welt berührt Marshall auch die Fragen der Zukunft: Welche Veränderungen bringt der Klimawandel? Was ist mit der Eroberung des Weltalls? Ein aktuelles, spannendes Buch, das man, wenn man sich darauf eingelassen hat, kaum noch aus der Hand legen möchte.

Die Geschichte des Regens

Autor: Niall Williams
Verlag: DVA
ISBN: 978-3-421-04687-1
Preis: 22,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Februar 2016)

Die neunzehnjährige Ruth Swain leidet an Leukämie und darf ihr Bett nicht verlassen. So liegt sie in ihrem Zimmer hoch über dem Fluss Shannon, während der irische Regen unablässig auf das Dach prasselt, und liest sich durch die dreitausendneunhundertfünfundachtzig Bücher, die ihr Vater Virgil Swain ihr hinterlassen hat. Das sind zumeist englische und amerikanische Klassiker: Austen, Christie, Stevenson, Dickens... Inspiriert von der Lektüre und ihrer eigenen überbordenden Fantasie lässt sie vor den Augen des Lesers ihre Ahnen aufmarschieren: Urgroßvater Absalom Swain, den Reverend, Großvater Abraham, der beim Stabhochsprung das Fliegen lernte, und schließlich ihre Eltern Virgil und Mary, die sich vornahmen, die unfruchtbarsten vierzehn Morgen Erde, die Westirland zu bieten hat, urbar zu machen.
Die Literatur ist ihr einziges Vergnügen, überhaupt die einzige ihr mögliche Beschäftigung. Freunde hat sie nicht, Kontakt zur Außenwelt erhält sie -mal abgesehen von ihrer Mutter, die ebenfalls im Haus lebt- durch die regelmäßigen Besuche ihrer früheren Lehrerin.

Niall Williams ist ein vielschichtiger, tragischer, oft aber auch witzig-ironischer Familienroman gelungen, voller Pointen, Anekdoten und berührender Gedanken über das Leben und die Literatur.

Nur ein Tag

Autor: Martin Baltscheit
Verlag: Dressler
ISBN: 978-3-7915-2702-4
Preis: 12,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Februar 2016)

Martin Baltscheit ist bekannt für seine schrägen und ganz besonderen Kinderbücher, an denen Erwachsene nicht selten noch mehr Freude haben als die lieben Kleinen.

„Nur ein Tag“ macht am meisten Spaß, wenn man es vorliest. Kein Wunder, basiert es doch auf seinem gleichnamigen Theaterstück.

Ein Wildschwein und ein Fuchs sitzen gemütlich am See, essen Trüffelpuffer und beobachten, wie direkt vor ihrer Nase etwas ganz besonderes aus seinem getrockneten Larvenmantel schlüpft. Eine kleine Eintagsfliege erblickt das Licht der Welt. Das Wildschwein erschrickt und ist gleich ganz betrübt. Schnell will es sich aus dem Staub machen, bevor es das Insekt noch liebgewinnen und womöglich sehr traurig über dessen baldigen Tod werden könnte. Schließlich weiß es, dass Eintagsfliegen nur einen Tag zu leben haben. Doch genau das geschieht natürlich. Bald schon schließen Fuchs und Schwein die kleine Fliege in ihr Herz und bringen es nicht über selbiges, ihr von ihrem bevorstehenden Schicksal zu erzählen. Denn die Eintagsfliege weiß nicht, dass sie eine solche ist und glaubt eine Maifliege zu sein, die noch den ganzen Mai vor sich hätte.

So gaukeln die beiden ihr kurzentschlossen vor, dass es der Fuchs ist, der nur noch einen Tag zu leben hat. Die Fliege daraufhin, beschließt dem Fuchs seinen letzten Tag zu versüßen und ihn glücklich zu machen. Fuchs und Wildschwein spielen das Spielchen mit so gut sie können. Doch schließlich kommt die Fliege den beiden auf die Schliche …

„Nur ein Tag“ erzählt vom Kindsein und Erwachsenwerden. Von Glück, Freundschaft, aber auch Verlust und Traurigsein und eben darüber, dass das alles zum Leben dazu gehört.

Albertos verlorener Geburtstag

Autor: Diana Rosie
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-65393-7
Preis: 16,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Februar 2016)

Es muss ein eigenartiges Gefühl sein nicht zu wissen, wann man tatsächlich Geburtstag hat. Alberto weiß nur in welchem Jahr er ins Waisenhaus kam, aber nicht wie alt er genau war. In den spanischen Bürgerkriegswirren hat Alberto sein Gedächtnis verloren, alle Unterlagen sind abhanden gekommen. Natürlich wurde ein fiktives Datum festgelegt, Alberto hat diesen Tag jedoch nie als seinen Geburtstag angesehen.
Als sein 7-jähriger Enkelsohn Tino davon erfährt, überredet er seinen Großvater zu einer ganz besonderen Reise. Nicht so ganz ohne Hintergedanken, denn Tino glaubt fest daran, wenn sie den Geburtstag seines geliebten Großvaters herausfinden, wird auch Tinos Vater, der mit Verbrennungen im Krankenhaus liegt, wieder ganz gesund werden. Zusammen machen sich Alberto und Tino auf die Suche nach den Menschen, die sich vielleicht noch an Alberto und seine Herkunft erinnern können. Eine Reise, von der sie mehr mitbringen werden als ein Datum: Erinnerungen, die man lieber weiter verdrängen würde und solche, die Alberto unerwartete Freude bereiten.

Eine liebevolle Großvater-Enkel-Beziehung, eine herzliche Geschichte, bei der viele unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen und dem Roman eine warmherzige Würze geben.

Cop Town

Autor: Karin Slaughter
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7645-0551-6
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Februar 2016)

Atlanta 1974 – der Copkiller, genannt Atlanta Shooter, hält sowohl Bevölkerung als auch Polizei in Atem.
Jimmy, der Held der ortsansässigen Polizei, schafft es als Erster dem Shooter lebend zu entkommen.
Doch Maggie kann dem Bericht ihres Bruders nicht recht glauben. Sie hat das Gefühl, dass Jimmy etwas verschweigt und beginnt selber Nachforschungen anzustellen. Gemeinsam mit der neuen Rekrutin der Polizeischule, Kate, folgt sie Spuren durch ganz Atlanta, um den Shooter zur Strecke zu bringen.
Doch Terry, ebenfalls Polizist und noch dazu Maggies und Jimmys Onkel, stellt sich den beiden in den Weg. Er versucht alles, um die Ermittlungen zu verhindern, schließlich haben seiner Meinung nach Frauen nichts im Polizeidienst zu suchen.
Doch die Frauen lassen sich nicht aufhalten – und finden auch schnell einen Hinweis, während ihre männlichen Kollegen mittlerweile zu ganz anderen Methoden greifen, um dem Copkiller auf die Spur zu kommen. Und auch Jimmy scheint unter Ermittlungen etwas anderes zu verstehen.
Doch dann verschwindet Jimmy und hinterlässt nichts weiter als einen Brief. Einen Brief, der einen Haufen Fragen aufwirft. Nur die Frauen scheinen noch an ihn, den eigentlichen Helden der Polizei, zu glauben. Und dann läuft die Uhr plötzlich schneller. Der Copkiller ist wieder auf der Jagd.
Karin Slaughter übertrifft sich in puncto Spannung wieder einmal selber.

Auerhaus

Autor: Bov Bjerg
Verlag: Blumenbar
ISBN: 978-3-351-05023-8
Preis: 18,00 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Januar 2016)

„Our House“ ist ein Song von Madness aus den 80er-Jahren. Und diesen Song hören die Nachbarn beständig von einer Kassette aus dem alten Haus mit der Schüler-WG, und deshalb nennen sie es verdeutscht „Auerhaus“.
Diese WG ist schon speziell: Frieder hat kurz vor dem Abi nicht mehr leben wollen. Aus der Psychiatrie haben ihn die Ärzte nicht in sein Elternhaus entlassen wollen, sondern eine WG mit Gleichaltrigen empfohlen. Und so ziehen Frieder und drei seiner Freunde in das leer stehende Haus seiner Großeltern. Die Freunde, das sind der Erzähler, Herr Höppner, die rebellische Vera und die wohlbehütete Cäcilia. Später erweitert sich das Ganze um den Freak Harry und die pyromanische Pauline, die Harry in der Psychiatrie kennengelernt hat. Und dort leben sie, in großer Verantwortung Frieder gegenüber, sich selbst gegenüber manchmal auch verantwortungslos; auf der Suche nach sich und dem Glück; erwachsen und kindisch zugleich.
Jugendliche in der westdeutschen Provinz in den Achtzigern; Leben in einem Dorf in einer Schüler-WG, das bedeutet schon was. Und die Silvesterparty wird legendär …
Doch das Abi und damit das Leben rückt näher; vor der Musterung kann man sich nicht ewig drücken; kurz, das Leben holt die Freunde ein; schweißt sie erst zusammen und treibt sie dann auseinander …
Ein warmherziger, manchmal witziger, manchmal trauriger Roman, sprachlich trifft er genau den Ton und die Melodie der Achtziger. Und deshalb hat ihn einer, der seine Jugend auch in den Anfangsjahren dieses Jahrzehnts erlebt hat und an „Our House“ auch so seine Erinnerungen hat, nicht mehr aus der Hand gelegt.

Billy

Autor: Einzlkind
Verlag: Insel
ISBN: 978-3-458-17647-3
Preis: 18,95 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Januar 2016)

Billy wächst in Duffmore auf, einer Kleinstadt in Schottland. Seine Eltern sind kurz nach seiner Geburt an einer Überdosis Rauschgift gestorben, so verlebt Billy seine Kindheit und Jugend in der Familie seines Onkels. Von seinen Eltern hat er die Liebe zur Rockmusik geerbt, von seinem Onkel wird er in die Welt der Philosophie eingeführt. Nietzsche wird sein Lieblingsphilosoph. Billy führt scheinbar ein wohlbehütetes Leben, doch da ist die Firma der Familie. Eine Firma, die Auftragsmorde an Mördern erledigt. Mit 22 Jahren tritt Billy in die Firma ein. Zwölf Morde wird er im Lauf der Jahre begehen.
Billy ist 34, als er nach Las Vegas fährt, um ein Mitglied der Firma zu treffen. Gemeinsam wollen sie die Stadt der Spieler erkunden und die nächsten Aufträge besprechen. Doch Billy wird unerwartet von seiner Vergangenheit eingeholt. Ist da jemand hinter ihm her, der es auf ihn abgesehen hat?

"Billy" ist ein Roman. Aber irgendwie auch ein Thriller. Und eine Art philosophisches Lehrstück. Und ein literarisches Roadmovie sowieso... "Billy" passt in keine unserer gewohnten Schubladen. So wenig wie der Autor. Einzlkind. Es gibt keine echten biografischen Daten über ihn. Ist er Deutscher? Engländer? Ist Deutsch seine Herkunftssprache? All das ist eigentlich egal. Denn "Billy" ist einfach ein starkes Stück Literatur.

Der Dieb in der Nacht

Autor: Katharina Hartwell
Verlag: Berlin
ISBN: 978-3-8270-1279-1
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Januar 2016)

Ein entspanntes Sommerwochenende mit der Familie im Ferienhäuschen: Als Felix sich kurz auf den Weg zur Tankstelle macht um Cola zu kaufen, ahnt niemand, dass er nicht zurück kommen wird. Nach einigen Stunden macht sich die Familie auf die Suche, die Polizei wird eingeschaltet. Man bangt und hofft, über Wochen, Monate, Jahre, doch Felix bleibt verschwunden.

Zehn Jahre später: Paul, Felix’ bester Freund, ist beruflich in Prag unterwegs. An seinem letzten Abend trifft er zufällig auf einen jungen Mann, in dem er plötzlich Felix wieder erkennt.

Auch wenn der Mann, der sich selbst „Blixen“ nennt, nahezu keine Ähnlichkeit mit dem Felix von damals hat, ist sich Paul ganz sicher. Trägt Blixen doch das selbe Muttermal wie Felix. Außerdem gibt er vor keinerlei Erinnerung an sein bisheriges Leben zu haben. Paul ist überzeugt.

Doch Blixen wiegelt ab, will zunächst nichts mit der Geschichte zu tun haben. Und trotzdem steht er nur kurze Zeit später vor Pauls Tür in Berlin. Stück für Stück nistet er sich ein in Pauls Wohnung und in seinem Leben. Und auch Felix Schwester Louise erliegt schon bald der Hoffnung, den vermissten Bruder in diesem fremden Mann wiedergefunden zu haben.

Katharina Hartwell hat mit „Der Dieb in der Nacht“ eine fantastische Geschichte geschaffen. Ständig schwebt die Frage im Raum, ob man, auf der Suche nach der Wahrheit, einem fremden Menschen mehr Vertrauen schenken kann, als dem eigenen Verstand. Und, wer bestimmt was wahr ist, genügt es manchmal, fest daran zu glauben?

Die Schatten von Race Point

Autor: Patry Francis
Verlag: mare
ISBN: 978-3-86648-226-5
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Januar 2016)

Die neunjährige Hallie lebt seit dem Tod ihrer Mutter allein mit ihrem Vater, dem allseits beliebten Arzt Nick, am Zipfel von Cape Cod. Schwer erschüttert wird die portugiesische Gemeinde durch den Mord an Gus Mutter, die von ihrem Ehemann im Jähzorn erschlagen wurde. Hallie findet als Einzige Zugang zu dem ebenfalls neunjährigen Gus, der den Totschlag an seiner Mutter hautnah miterlebte und seitdem unter einem Trauma leidet. Täglich liest sie ihm aus “David Copperfield” vor, bis er sich endlich wieder vor die Tür wagt.

Aus ihrer Freundschaft wird auf der Highschool Liebe. Sie planen bereits ihre gemeinsame Zukunft, als ein tragischer Zwischenfall beide auseinander bringt. Die begründete Angst, er könnte genauso jähzornig werden wie sein Vater, treibt Gus in den Priesterstand . Hallie und Gus gehen über Jahre hinweg getrennte Wege, bis das Schicksal sie erneut zusammenführt und seine alten Vergehen wieder ans Tageslicht gezerrt werden. Hallie ist sich jedoch nicht im Klaren darüber, ob sie bereit ist, ihrem früheren Freund zu helfen und ob sie dies überhaupt zu leisten vermag.

Frei von jeglichen Kitsch erzählt Patry Francis die zwar umfangreiche, jedoch nicht langatmig werdende, emotional ergreifende Lebensgeschichte zweier Menschen. Sie selbst lebt mit ihrer Familie auf Cape Code und lässt den Leser in ihrem Roman an der positiven Atmosphäre der Landschaft teilhaben. Die perfekte Wahl für kommende kalte oder regnerische Tage.

Wo Licht ist

Autor: Sarah Moss
Verlag: mare
ISBN: 978-3-86648-233-3
Preis: 22,00 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Januar 2016)

England – 19. Jahrhundert
Ally wächst in einer Welt der Gegensätze auf: ihre Mutter Elizabeth, eine unbeugsame Christin, der politische und religiöse Prinzipien wichtiger sind als eigene Bedürfnisse wie Liebe und Hunger und der Vater, ein warmherziger Künstler, der ihr und ihrer Schwester May seine ganze Liebe entgegenbringt.
So befindet sich Ally ebenso in einem Kampf um die Prinzipien wie ihre Mutter: während Elizabeth sich zu Beginn in ihrer Ehe nicht zurechtfinden kann, aufgrund ihrer Selbstkasteiung, muss Ally um die Liebe ihrer Mutter kämpfen, die ihr ihre Mutter nicht entgegenbringen kann.
Ganz anders geht es Allys Schwester May (bekannt aus Sarah Moss' Schlaflos). Sie interessiert es nicht, was ihre Mutter sagt, sie macht ihr ganz eigenes Ding.
So hat Ally also das Gefühl, es ihrer Mutter nie recht machen zu können und nie gut genug zu sein, um sich die Liebe ihrer Mutter zu verdienen.
Und dann beginnt Ally zur Schule zu gehen, lernt schnell und ehrgeizig, sodass auch ihre Lehrerin ihr Talent bemerkt und ihr ein Stipendium ermöglicht. Ally soll als eine der ersten Frauen Englands Medizin studieren und Ärztin werden.
Doch zunächst wird Ally von ihren Gefühlen übermannt, da sie nicht weiß, ob sie es schaffen wird sich in einem solchen Männerberuf durchzusetzen.
Denn je nachdem wie sie sich schlagen wird, können Frauen aus dem ganzen Land Allys Beispiel folgen und Ärztin werden.
Sarah Moss beschreibt Allys wunderbaren Weg, doch wird sie es schaffen sich aus den Zwängen ihrer Familie zu befreien und ihren eigenen Weg zu gehen?

Ein Sonntagskind

Autor: Jan Koneffke
Verlag: Galiani
ISBN: 978-3-86971-107-2
Preis: 24,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Dezember 2015)

Meine Empfehlung für den Dezember 2015 ist keine leichte Kost. Jan Koneffke erzählt in seinem Roman „Ein Sonntagskind“ die Geschichte von Konrad Kannmacher. Als Siebzehnjähriger geht er 1944 in den Krieg, angstschlotternd, und wandelt sich bis 1945 zum aggressiven, draufgängerischen, von der Nazi-Ideologie zutiefst überzeugten „Helden“, zum Träger des „Eisernen Kreuzes“. So überzeugt ist er, dass er selbst einen Freund wegen eines Fluchtversuchs in der Endphase des Krieges verrät.
Nach dem Krieg, die Niederlage gleicht einem Schock für ihn, wandelt sich Konrad zum linksliberalen Philosophieprofessor. Seine Vergangenheit verschweigt und verdrängt er, und doch holt sie ihn immer wieder ein. So beispielsweise, als er wegen seiner Vergangenheit von der Stasi erpresst wird.
Aber auch für sein privates Leben hat die Verdrängung Folgen: Zwar ist er fast ein Frauenheld, aber letztlich bindungsunfähig. Notorischer Lügner, der er ist, steht er seinem Glück immer wieder selbst im Weg.
Der Roman hat autobiographische Züge. Wie Konnefkes Held im Roman hinterließ sein eigener Vater Briefe aus dem Krieg, die den Sohn – der den Vater doch ganz anders kannte – zutiefst verstörten. Und weil es diese zwei Leben, die doch nicht trennbar sind, in der Kriegsgeneration sicher mannigfaltig gab, ist das Buch für meine Generation, die der in den 50er- und 60er-Jahren Geborenen, überaus erhellend und nachvollziehbar.

Magdalena

Autor: Maarten 't Hart
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05718-9
Preis: 22,00 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Dezember 2015)

Seit fast zwanzig Jahren ist Maarten 't Hart mit seinen autobiografisch gefärbten Romanen erfolgreich. Immer wieder thematisierte er seine Kindheit und Jugend, die er in dem kleinen Städtchen Maassluis bei Rotterdam verbrachte, und skizzierte das von Armut und religiöser Strenge geprägte Familienleben.
Sein Vater arbeitete als Gärtner und Totengräber - die interessanteste Person in Maartens Leben aber war seine Mutter Magdalena. Unnahbar, tief im calvinistischen Glauben verwurzelt, eigensinnig und so eifersüchtig, dass sie ihrem Mann jeden Tag den Kaffee auf den Friedhof brachte, nur um ihn zu kontrollieren.
Nun hat Maarten 't Hart in seiner neuen Familiengeschichte seine Mutter in den Vordergrund gestellt. Und den Wunsch Magdalenas erfüllt, die verlangt hat, "nach meinem Tod kannst du über mich schreiben, was du willst, aber verschone mich, solange ich lebe." Daran hat sich 't Hart gehalten. Jetzt aber, drei Jahre nach ihrem Tod, erzählt er die Geschichte seiner ebenso kuriosen wie unerschütterlichen Mutter - schonungslos und doch überraschend liebevoll.

Rosaleens Fest

Autor: Anne Enright
Verlag: DVA
ISBN: 978-3-421-04700-7
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Dezember 2015)

Es ist Jahre her, dass Rosaleen all ihre Kinder zusammen an einem Tisch sitzen hatte. Meistens gab es Wichtigeres zu tun, als dem Elternhaus in Ardeveen in Irland einen Besuch abzustatten. Das Leben hat die vier in völlig unterschiedliche Winkel der Welt zerstreut.
Dan, der älteste Sohn, wollte auf großer Sinnsuche zunächst Priester werden. Dann ging er nach New York, um hier auf ganz andere Weise zu sich selbst zu finden.
Emmet, der Jüngere, der sich immer ein bisschen weniger geliebt fühlte als Dan, ist in der Entwicklungshilfe tätig und hat schon so viel Leid in so vielen Drittweltländern gesehen, dass er darüber hinaus fast vergisst, nach seinem eigenen Glück zu suchen.
Hanna, das Nesthäkchen, sah ihre Zukunft auf den Theaterbühnen und Kinoleinwänden. Inzwischen ist sie Mutter, verheiratet und entflieht mit immer mehr Alkohol dem Alltagstrott.
Nur die Älteste, Constance, hat es nie in die weite Welt getrieben. Doch auch sie zerbricht fast an den vielen Lasten und Pflichten. Hin und hergerissen zwischen Mann, Kindern und der eigenen, immer älter werdenden Mutter, verliert sie sich selbst.

Jeder versucht auf seine eigene Art, der so perfekten Mutter gerecht zu werden und zugleich vor ihrer einnehmenden Persönlichkeit zu fliehen.

Als Rosaleen beschließt das Haus zu verkaufen trommelt sie die Kinder noch einmal alle zusammen. Sie müssen sich ihrer Mutter, ihrer Familie und ihrem eigenen Leben stellen. Und was folgt ist ein Weihnachtsfest, das keiner von ihnen so schnell vergessen wird.

Sophia, der Tod und ich

Autor: Thees Uhlmann
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04793-6
Preis: 18.99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Dezember 2015)

Wenn es an der Tür klingelt, geht man hin und öffnet oder fragt zumindest nach dem Begehr des Türklinglers.
Nicht so beim Erzähler in dem Roman von Thees Uhlmann. Erstmal klingelt kaum jemand bei ihm und wenn es dann doch mal klingelt, er dann tatsächlich auch die Tür öffnet, hätte er im Leben nicht mit dem Tod gerechnet. Doch gerade der steht vor Tür und den wird er so schnell auch nicht mehr los. Normalerweise hätte der Erzähler jetzt nur noch drei Minuten zu leben. Doch dann klingelt Sophie, die Ex-Freundin des Erzählers, an der Tür und langsam entwickelt sich eine schräge Geschichte.
Sein Tod, seine Mutter und die Ex-Freundin lassen seinen Kopf schwirren und nun wollen bzw. müssen sie auch noch zusammen mit ihm seinen Sohn besuchen, den er seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat.
Viel Aufregung für jemanden mit einem kleinen verkorksten Leben. Jedoch ein großer Spaß für den Leser. Leicht beschwingt und amüsiert verfolgen wir die Story, dürfen die Gespräche mit dem Tod verfolgen und uns daran erfreuen, welch gewiefter Philosoph und manchmal auch neugieriges unwissendes Kind sich in dem Tod versteckt. Eine schöne Lektüre - wer durfte schon mal so ausführlich mit dem Tod plaudern, meckern und über das Leben schwadronieren.

Der Debütroman von Thees Uhlmann für Lebende mit Humor und Phantasie.

Die Frau am See

Autor: Sara Gruen
Verlag: Kindler
ISBN: 978-3-463-40660-2
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Dezember 2015)

Nach einem Streit mit den Schwiegereltern, machen sich Maddie und ihr Mann Ellis, sowie dessen ständiger Begleiter Hank, in den Wirren des Zweiten Weltkrieges auf den Weg nach Schottland.Sie wollen die Existenz des sagenumwobenen Ungeheuers von Loch Ness beweisen. Ellis möchte damit die Ehre seines Vaters wiederherstellen, nachdem dieser Jahre zuvor beschuldigt wurde, gefälschte Fotografien des Ungeheuers veröffentlicht zu haben.
Die beiden Männer halten alles für ein großes Abenteuer und suchen Tag für Tag den See nach dem Ungeheuer ab – mit Hilfe von reichlich Alkohol und unabhängig davon, dass um sie herum Krieg herrscht und täglich fast neue grausame Nachrichten das kleine schottische Dorf erschüttern.
Unterdessen bleibt Maddie alleine in der Pension zurück und ihr wird bewusst, wie verwöhnt sie bisher gelebt hat. Sie beschließt den Mägden bei deren täglicher Arbeit zu helfen, um nicht den ganzen Tag alleine verbringen zu müssen.
Die Suche um „Nessie“ beschäftigt Ellis so sehr, dass er sich kaum noch für seine Frau interessiert. Die hoffnungslose Suche in Kombination mit dem Alkohol verändert ihn. Und dann erfährt Maddie per Zufall etwas, dass sie daran zweifeln lässt, dass ihr Mann sie wirklich liebt.
Doch Maddie ist eine junge Frau, ohne jegliche finanziellen Mittel, die abhängig ist von ihrem Mann und auf einem anderen Kontinent festsitzt und sich trotzdem nicht unterkriegen lässt. Sie geht ihren eigenen Weg, versucht sich von ihrem Mann zu lösen – doch dann passiert etwas Schreckliches und sie gerät in Gefahr.
Sara Gruen vereint Abenteuer, Freundschaft und Liebe – schön und mitreißend geschrieben.

Morgenland

Autor: Stephan Abarbanell
Verlag: Blessing
ISBN: 978-3-89667-517-0
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (November 2015)

Palästina im Jahr 1946, kurz vor der Staatsgründung Israels. Noch ist England Mandatsmacht, aber immer drängender treiben gerade junge Juden als Konsequenz der versuchten Vernichtung des jüdischen Volkes die Gründung eines eigenen Staates voran, unter ihnen Lilya Wasserfall. Sie möchte im Untergrund für ihre Sache kämpfen, doch zu ihrer großen Enttäuschung hat ihr Führungsoffizier einen anderen Plan: Sie soll ausgerechnet in das zerstörte Deutschland, das Land der Judenverfolgung, und dort nach Raphael Lind suchen. Er ist der Bruder eines berühmten jüdisch-palästinensischen Schriftstellers, der in Nazideutschland geblieben war. Die britische Mandatsverwaltung hat erklärt, er sei tot, doch es gibt Hinweise, dass er in Deutschland überlebt hat.
Und so kommt Lilya über London nach München mit der Legende, für eine jüdische Flüchtlingsorganisation zu arbeiten. Und neben ihrem geheimen Auftrag, der Suche nach Raphael Lind, beginnt sie einen zweiten Kampf: den um die aus den Nazilagern geretteten Menschen, die nun erneut in Flüchtlingseinrichtungen untergebracht werden. Täglich arbeitet sie daran, in die Lager Medikamente, Betten, menschenwürdige Behandlung zu bekommen. Und gleichzeitig verfolgt sie die Spur Raphael Linds, und es wird immer klarer, dass auch sie verfolgt wird …
Ein hochinteressanter, gleichzeitig spannender Roman aus der Zeit unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg, einer Periode des Umbruchs, deren politische Fehler in den Nahostkonflikten bis heute nachwirken. Und hochaktuell, denn seit kurzem gibt es neue Flüchtlingslager in unserem Land, und über die Fluchtursachen und Lösungsmöglichkeiten herrscht europaweite Uneinigkeit …

Hunkelers Geheimnis

Autor: Hansjörg Schneider
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06937-2
Preis: 22,00 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (November 2015)

Alt ist er geworden, der inzwischen pensionierte Kommissär der Basler Polizei: Jetzt liegt Peter Hunkeler nach einer Operation im Krankenhaus und wartet auf seine Entlassung. Das Zimmer muss er mit einem alten Bekannten teilen: Stephan Fankhauser, einst ein wilder Achtundsechziger, aber im Laufe der Jahre durch die Institutionen nach oben marschiert bis zum Leiter der Basler Volkssparkasse.
Eines Nachts beobachtet der schlaftrunkene Hunkeler, wie eine Krankenschwester mit einem Rubinring an der Hand dem sich scheinbar wehrenden Zimmernachbarn eine Spritze setzt. Als Hunkeler am nächsten Morgen aufwacht ist Fankhauser tot. Hat Hunkeler das alles geträumt? Ist Fankhauser seinem Krebsleiden erlegen oder eines unnatürlichen Todes gestorben? Und überhaupt - trug die Krankenschwester sonst nicht immer einen Diamantring? Hunkeler ist sich nicht sicher, aber er ist entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen...

"Hunkelers Geheimnis" ist bereits der neunte Fall für den eigenwilligen schweizer Kommissär. Wie seine Vorgänger liefert auch dieser Krimi spannende Unterhaltung. Und verzichtet auf übermäßige Action und die seitenlange Schilderung besonders grausamer Tötungsarten. Dagegen steckt er voll Basler Lokalkolorit. Die Figur des Peter Hunkeler kommt der des "Wachtmeister Studer" von Friedrich Glauser sehr nahe. Ich schätze beide!

Der Totgeglaubte

Autor: Michael Punke
Verlag: Malik
ISBN: 978-3-89029-768-2
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (November 2015)

1823, Missouri: Hugh Glass wird sterben, so viel ist allen klar. Nachdem er von einer wütenden Bärin angegriffen und lebensgefährlich verletzt wurde, scheint sein Schicksal besiegelt. Die bunt zusammengewürfelte Truppe der Rocky Mountain Fur Company ist sich einig und lässt den Schwerverletzten zum Sterben zurück. Schwindende Vorräte sowie drohende Indianerangriffe lassen ihnen kaum eine andere Wahl. Doch Hugh Glass hat nicht vor zu sterben.
Und so macht er sich auf zu überleben, trifft auf wilde Tiere und Indianer und entkommt nicht nur ein mal dem sicheren Tod. Drastische Beschreibungen seiner Verletzungen und all dessen, was ihm unterwegs begegnet, machen "Der Totgeglaubte" zu keiner leichten Kost, ein lohnenswertes Leseerlebnis ist es alle mal.

Nebenbei erfahren wir, wie es ihn als Pelztierjäger in den Mittleren Westen verschlagen hat. Von seinem vorherigen Leben, als Seefahrer, unfreiwilligen Piraten und Abenteurer. In jedem Winkel des Buches steckt auch eine ganze Menge amerikanischer Geschichte, beruht der Roman doch auf einer wahren Begebenheit. Die Geschichte des Hugh Glass gehört zum amerikanischen Kulturgut und diente als Vorlage für diverse Filme und Bücher. Auch ganz aktuell wird "Der Totgeglaubte" verfilmt und wird Anfang nächsten Jahres in die deutschen Kinos kommen. Aber vorher unbedingt das Buch lesen!

Kleine Fluchten

Autor: Urs Augstburger
Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-98023-3
Preis: 21,95 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (November 2015)

In der Stadt am Alpenrand wühlt der Föhn nicht nur den See auf. Auch Rea, Mutter zweier Kinder, kann ihre Gefühle nicht bändigen. Sie ist immer noch verführerisch attraktiv und schlank, ihr Mann schenkt ihr dennoch keine Beachtung mehr.
So lässt sie sich auf eine Internetbekanntschaft ein. Und auch Peer, Reas Ehemann, flüchtet zur gleichen Zeit in seine eigene Onlinewelt und vermischt gefährlich Berufliches mit Abenteuerlust. Ein Fest in den Bergen, das eigentlich ihre Ehe wieder harmonisieren soll, bringt beide in Versuchung, einen Seitensprung zu wagen. Während sich die Wege der beiden Eltern scheinbar immer mehr trennen, geraten ihre zwei Kinder unbeachtet tiefer und tiefer in ernsthafte Schwierigkeiten.

Nach siebzehn Jahren kann eine Ehe schon mal aus dem Ruder laufen oder einfach auch nur eintönig werden. Rea und Peer haben eine Sackgasse erreicht und mit ihren kleinen Fluchten wollen sie ausbrechen, dem Alltag und den Überlastungen entkommen. Urs Augstburger beschreibt in seiner eigenen Art die Schwierigkeiten einer Ehe und Familie, sowie die Gefühlswelt um das Erwachsenwerden, packend und mit viel Nachhall. Ein ganz besonderer Familien- und Beziehungsroman.

Das Licht der letzten Tage

Autor: Emily St. John Mandel
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-06022-6
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (November 2015)

Alles beginnt und endet mit dem Tod des Schauspielers Arthur auf der Bühne eines Theaters. Mit ihm sind alle verknüpft. Die alte Welt, wie man sie kennt – volle Supermarktregale und ein Leben im Überfluss – endet und die neue Welt, in der die Georgische Grippe beinahe die komplette Menschheit dahinrafft, beginnt.
Jeevan, ein Sanitäter, der noch auf der Bühne versucht hat, Arthur das Leben zu retten, erfährt als einer der Ersten von der drohenden Gefahr, versorgt sich mit Vorräten und verbarrikadiert sich zusammen mit seinem Bruder in dessen Wohnung.
Kirsten, vor der Epidemie eine Kinderdarstellerin im gleichen Stück, in dem auch Arthur gespielt hat, reist nun im Jahre 20 mit einer Gruppe, die sich die Symphonie nennt, durch das Land, um den Überlebenden durch Schauspiel etwas Hoffnung in der trostlosen Situation zu bieten.
Clark, Arthurs bester Freund, versucht einen der letzten Flüge zu bekommen – und strandet an einem Flughafen, weitab von allem was er kennt. Und er ist nicht alleine, denn Elizabeth, Arthurs zweite Frau und ihr gemeinsamer Sohn Tyler saßen ebenfalls mit in der Maschine.
Und zwischendurch immer wieder Rückblicke: Arthurs Leben als gefeierter Filmschauspieler, seine Ehefrauen, seine Freunde, sein Ende.
Ein packender Endzeitroman – anders und phantastisch geschrieben.

Mauersegler

Autor: Christoph Poschenrieder
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06934-0
Preis: 22,00 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Oktober 2015)

Ja, ins Altenheim wollen sie nicht, sondern auch im Alter noch selbstbestimmt leben. Und so gründen fünf Freunde, die sich noch aus Schulzeiten kennen, eine Alten-WG. Praktisch, dass einer von ihnen als erfolgreicher (Ex-)Unternehmer über reichlich finanzielle Mittel verfügt, denn so ziehen sie gemeinsam in ein wunderschönes Haus mit Seeblick.
Und auch die Sache mit dem selbstbestimmten Sterben bedenken sie, dafür entwickeln sie extra eine Software namens „Todesengelprogramm“. Und sie engagieren natürlich eine Pflegerin. Die stammt aus Kirgisien und hat durchaus eigene Vorstellungen, was die Belebung des Hauses angeht.
Hört sich unterhaltend an, ist es vielfach auch. Aber eben nicht nur, und deshalb ist es ein so toller Roman geworden. Denn die Ideen der Alten, deren Freundschaft sinnigerweise nicht zuletzt auf eine gemeinsame Leiche im Keller zurückgeht, sind aktuell und berühren essentielle Fragen um unseren Lebensherbst. Und die Frage, wie man sterben will, stellt sich aus verschiedenen Blickwinkeln und nicht einheitlich – halt so wie im wirklichen Leben jeder diese Frage für sich selber beantworten muss.
Schönes Detail: Der Autor zitiert sich selber mit einer Geschichte aus einem vorangegangenem Roman um den „Spiegelkasten“. Absolut empfehlenswert!

Phantasien

Autor: Jason Starr
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-30032-1
Preis: 16,00 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Oktober 2015)

Bedford Hills/New York: In diesem Vorort sind die Wohlhabenden zu Hause. Wer hier ein Haus besitzt, hat einen gutbezahlten Job in Manhattan, fährt teure Geländewagen, ist Mitglied im exklusiven Country Club. Und hat natürlich eine wunderschöne Frau und bildhübsche Kinder.
Die Savage Lane liegt mitten in dieser Oase der Reichen, eine eher kleine, kurvenreiche Straße, üppig begrünt, sieben beeindruckenden Häusern Platz bietend. Hinter den gepflegten Fassaden ist die heile Welt allerdings zu Ende: Mark Berman ist seit zwanzig Jahren mit Deb verheiratet. Jetzt träumt er immer öfter von seiner sexy Nachbarin Karen. Die ist gerade geschieden und auf Männerfang, Mark ist allerdings keine Option für sie. Deb wiederum durchschaut ihren Mann, ist rasend vor Eifersucht. Obwohl doch auch sie ein kleines schmutziges Geheimnis hütet... Dieser nette wortkarge Junge von nebenan...
Dann überschlagen sich die Ereignisse. Aus Gesprächen werden Anschuldigungen. Alle lügen sich an. Irgendwann dreht jemand von ihnen durch. Und jemand stirbt...

Jason Starr ist erneut ein bitterböser Thriller gelungen. Begehren, Betrug, Selbstbetrug - diese Melange garantiert ein oder zwei Leseabende voller Spannung, denn Jason Starr schreibt verdammt gut!

Am Ende einer Welt

Autor: Dennis Lehane
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06944-0
Preis: 24.00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Oktober 2015)

Eigentlich ist es recht unelegant, eine Fortsetzung als Buchtipp auszuwählen. Damit verlangt man vom interessierten Leser, entweder den vorhergegangenen Roman bereits zu kennen bzw vorher zu lesen, oder aber das vorhergegangene Buch einfach weg zu lassen, was in diesem Fall zwar möglich, aber eher nicht zu empfehlen ist, denn damit verpasst man die Hälfte einer fantastischen Geschichte.
Für „Am Ende einer Welt“ möchte ich eine Ausnahme machen, gehört der Roman doch in diesem Jahr zu meinen absoluten Lieblingsbüchern.

Im vorher erschienenen Roman „In der Nacht“ lernen wir Joe Coughlin kennen und begleiten ihn bei seinem Aufstieg vom kleinen Handlanger zum König der Rumschmuggler in Zeiten der Prohibition. Gespickt mit allerlei Details amerikanischer Zeitgeschichte und kleinen philosophischen Ausschweifungen hat Dennis Lehane damit ein überaus facettenreiches Gangsterepos geschaffen.

In „Am Ende einer Welt“ erzählt er nun wie es ist, an der Spitze angekommen zu sein und welche Schattenseiten so viel Macht mit sich führt.
Gemeinsam mit seinem Sohn lebt Joe inzwischen zurückgezogen in einem schönen Anwesen, führt ein fast bürgerliches Leben und glaubt die verbrecherische Vergangenheit zumindest größtenteils hinter sich gelassen zu haben.
Joe ist ein geachteter Mann, spendabel und mitten ins gesellschaftliche und politische Geschehen der Stadt integriert. Doch der schöne Schein trügt. Denn neben den neugeknüpften Beziehungen zum legalen Teil der Stadt hat Joe auch noch immer Verbindungen zur Welt des Verbrechens. Meist nutzt er seinen neugewonnenen Einfluss zu Gunsten des Bartollo-Syndikats, dessen Boss sein ältester Freund ist und als dessen Consigliere Joe tätig ist.
Als Joe eines Tages von Gerüchten seiner geplante Ermordung erfährt, holt ihn sein altes Leben endgültig wieder ein. Weder sein Einfluss noch sein Reichtum können ihm nun helfen und alles, was ihm wichtig ist und so sicher schien, ist nun in Gefahr.

War „In der Nacht“ noch eine recht klassische Gangstergeschichte, ist „Am Ende einer Welt“ nun eher ein Abgesang auf Joes glorifizierte Idee vom „ehrbaren Gangster“ und zugleich existenzielles Drama, das zu Tränen rührt.


Zwölf Mal Juli

Autor: Astrid Rosenfeld
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06935-8
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Oktober 2015)

Jakob hat Juli vor fünf Jahren ohne Erklärung verlassen. Einige Wochen nach seinem Verschwinden erhielt Juli lediglich eine E-Mail, einen Gruß aus Nairobi, kein Wort über das Warum oder Wieso, keine Entschuldigung für sein Verhalten.

Jetzt, so viele Jahre später, wieder nur eine E-Mail, das er am 24.Mai kommt und ob sie da ist. In zwölf Tagen kommt er wieder und Juli gerät in ein Wechselbad der Gefühle. In diesen zwölf Tagen begegnen ihr zwölf Menschen, die alle ungewollt Einfluss auf sie nehmen, die sie beschäftigen und ihr Denken beeinflussen. In diesen Tagen lebt die mit Jakob verbrachte Zeit wieder neu auf und ist schmerzhaft präsent. Juli hat nur zwölf Tage Zeit. Sie muss sich entscheiden, ob sie überhaupt den Mann wiedersehen will, der einst ihr Herz gebrochen hat. Zwölf Tage-zwölf Mal Juli.

Großartig geschrieben, wie alle ihre bisher erschienenen Romane, tiefsinnig, tragisch und mit einem ernüchternden Schlag am Ende. Eine kurzweilige Geschichte und doch so voller Nachklang, dass man Juli am Ende umarmen möchte.

Das Juwel - Die Gabe

Autor: Amy Ewing
Verlag: Fischer FJB
ISBN: 978-3-8414-2104-3
Preis: 16,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Oktober 2015)

„Heute ist mein letzter Tag als Violet Lasting.“
Nachdem Violet mehrere Jahre in Southgate gelebt hat, soll sie bald auf der großen Auktion an eines der adeligen Häuser versteigert werden, um dort der Hausherrin als Surrogat zu dienen. Violet wird von nun an nicht mehr bei ihrem Namen genannt, sondern vorübergehend mit ihrer Losnummer angesprochen, der 197. Diese Losnummer zeichnet sie damit aus, die Auspizien besonders gut zu beherrschen. Das bedeutet, dass sie Dinge und Lebewesen in Bezug auf ihren Wachstum, ihre Form oder ihr Aussehen beeinflussen kann. Dies sind die Eigenschaften, die ein Surrogat aufweisen muss, um als Leihmutter für die Adeligen des Juwels eingesetzt zu werden, da diese selber keine gesunden Kinder mehr bekommen können.
In ihrem neuen Zuhause, bei der Herzogin vom See, wird Violet jedoch schnell klar, dass sie hier kein angenehmes Leben zu erwarten hat. Sie wird wie eine Sklavin gehalten, darf nicht unaufgefordert sprechen und auch sonst ist es ein sehr eingeschränktes Leben.
Schnell durchblickt sie die Intrigen und Gefahren die im Juwel zum alltäglichen Geschäft gehören. Auch die Liebe zu Ash, dem Gefährten der Nichte der Herzogin vom See, scheint sie nicht zu beruhigen und schließlich offenbaren die Adeligen ihr wahres Gesicht und Violets Welt gerät aus den Fugen, als das Leben ihrer Freundin auf dem Spiel steht, welche sie noch aus Southgate kennt.
Für wen entscheidet man sich, wenn einem Gefahr droht? Für den Menschen den man liebt, die beste Freundin oder doch sich selbst?
Amy Ewing hat mit ihrem Jugendbuch ein Debüt kreiert, welches durch neue Ideen gleichermaßen fasziniert und bestürzt. Aber fesselnd ist es allemal!

Null bis unendlich

Autor: Nina Gorelik
Verlag: Rowohlt Berlin
ISBN: 978-3-87134-806-8
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (September 2015)

Die 14-jährige Sanela und der gleichaltrige Nils haben beide ihr Päckchen zu tragen: hochbegabt der Eine, mit einer Fluchtgeschichte aus dem zerfallenden Jugoslawien bepackt die Andere. Und deshalb wohl werden die beiden Außenseiter unzertrennliche Freunde. Ihre Freundschaft geht so weit, dass Nils gemeinsam mit Sanela ausreißt und eine wilde Tour nach Serbien unternimmt, um das Grab ihres Vaters zu suchen.
Doch diese Reise ist auch das vorläufige Ende ihrer gemeinsamen Zeit, denn Sanela wird von ihrer Rest-Familie aus dem Verkehr gezogen. Auch Nils Eltern sind nicht sehr begeistert von der Fahrt …
Sie verlieren sich aus den Augen und leben ihre gegensätzlichen Leben. Nils wird erfolgreicher Wissenschaftsjournalist, Sanela arbeitet am Theater.
Eines Tages erreicht Nils ein Brief von Sanela, die inzwischen den zehnjährigen Sohn Niels-Tito hat. Und sie finden wieder zueinander, werden fast eine kleine Familie.
Doch Sanelas Brief hatte einen triftigen Grund …
Ein wunderbarer Roman über das Anderssein, oder warum es wichtig ist, Zeit zu nutzen. Sehr zu empfehlen!

Totenhaus

Autor: Bernhard Aichner
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-75455-7
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (September 2015)

Der Bestatterin Brünhilde Blum bin ich erstmalig im April letzten Jahres begegnet: Da las ich Bernhard Aichners spannenden Debütroman "Totenfrau" und konnte miterleben, mit welchen überaus makaberen Mitteln Frau Blum den gewaltsamen Tod ihres Mannes rächte. Schließlich ist sie Bestatterin...

Nun ist mehr als ein Jahr vergangen. Blum geht ihrer Arbeit nach, kümmert sich um ihre kleinen Kinder. Es ist ein fast normales Leben, das sie zu führen versucht. Alltagsroutine. Dann werden bei einer Exhumierung auf einem Innsbrucker Friedhof in einem Sarg zwei Köpfe und vier Beine gefunden. Es wird schnell offensichtlich, dass es sich um ein Verbrechen handeln muss, dass in diesem Sarg auch Leichenteile eines vor einem Jahr spurlos verschwundenen Schauspielers liegen.
Und eigentlich kommt nur eine Person als Täterin in Frage: die Bestatterin, die sich damals um die Beerdigung gekümmert und die Toten eingebettet hat. Blum handelt schnell. Sie flieht vor der Polizei und einer sensationslüsternen Presse nach Deutschland und versteckt sich in einem leerstehenden Hotelkomplex im tiefsten Schwarzwald. Ein Ort, den sie besser gemieden hätte...

"Totenfrau" (als Taschenbuch erhältlich) und "Totenhaus" - ganz starke Thriller! Definitiv nicht als Einschlaflektüre geeignet. Im Gegenteil - die Lektüre hält Sie hellwach und lässt Sie keinen Schlaf finden. Also Vorsicht!

Baba Dunjas letzte Liebe

Autor: Alina Bronsky
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04802-5
Preis: 16,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (September 2015)

Baba Dunja ist in ihre Heimat zurückgekehrt. In eine Gegend, die noch immer als Todeszone gilt, wo noch immer der Geigerzähler ausschlägt, zurück nach Tschernobyl. Die Leute haben sie für verrückt erklärt, gilt ein längerer Aufenthalt in der Region doch noch immer als gefährlich, wenn nicht als eigenes Todesurteil. Doch die alte Dunja hat sich nicht aufhalten lassen. Weder von ihrer Familie noch von den wildfremden Besserwissern. Nun ist sie zurück in ihrem Heimatdorf und sie ist nicht allein; ein paar Menschen sind ihrem Beispiel gefolgt. So wohnen sie gemeinsam in Tschernowo, versorgen sich selbst, mit selbst angebautem Gemüse, Wasser aus dem Dorfbrunnen, oder mit Lebensmitteln aus der nächstgelegenen, aber trotzdem viele Kilometer entfernten Stadt.

Die Bewohner haben sich miteinander arrangiert. Der alte Petrow, der jedes Buch liest, das ihm in die Finger kommt, Marja, die die meiste Zeit im Bett zu verbringen scheint oder der fast hundertjährige Sidorow, der im Dorf noch einmal auf Brautschau geht. Und natürlich Baba Dunja, die Briefe ins ferne Deutschland schreibt, wo ihre Tochter mit ihrer Familie lebt.

So könnte es bleiben, aber das tut es natürlich nicht. Eines Tages kommt ein Mann mit einem kleinen Kind ins Dorf und kurz darauf steht die ganze Weltöffentlichkeit vor der Tür.


Alina Bronsky ist mit „Baba Dunjas letzte Liebe“ auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis - zu Recht!

Der leuchtend blaue Faden

Autor: Anne Tyler
Verlag: Kein & Aber
ISBN: 978-3-0369-5712-8
Preis: 22,90 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (September 2015)

Das Familienleben spielt für Red und Abby Whitshank eine ganz entscheidene Rolle. Beide etwas in die Jahre gekommen, machen sie sich Gedanken darüber, wer sich in Zukunft um ihr großes Haus kümmern wird.
Der jüngste Sohn Stem und die älteste Schwester Jeannie arbeiten beide in Reds Baufirma, die älteste Tochter ist Rechtsanwältin und Denny ist das Sorgenkind der Familie, der immer wieder Aufregung in das Familienleben bringt. Keiner zeigt Ambitionen, das Familienhaus tatsächlich mal zu übernehmen, dabei war es doch immer der Mittelpunkt der Familie Whitshank. Hier wurden alle Schlachten geschlagen, hierher konnte Denny immer nach all seinen Irrfahrten zurückkehren.

Leicht und voller Anteilnahme erzählt Anne Tyler aus dem Leben der Whitshanks, einer Familie, die immer wieder für Überraschungen gut ist, mit all ihren Höhen und Tiefen. Angefangen bei der Geschichte, wie sich Red und Abby kennen lernen und zu ihrem Haus kommen, bis zur leuchtend blauen Garnrolle, die Denny am Ende noch das Herz erwärmen wird.

Layers

Autor: Ursula Poznanski
Verlag: Loewe
ISBN: 978-3-7855-8230-5
Preis: 14,95 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (September 2015)

Dorian ist siebzehn Jahre und lebt nach dem Tod seiner Mutter auf der Straße, um seinem gewalttätigen Vater zu entkommen. Klug wie er ist, schafft er es, gut in den Straßen der Stadt zu überleben, bis er eines Tages nach einem Territorialstreit neben der Leiche seines Mitstreiters aufwacht. Für Dorian, dessen Kleider blutüberströmt sind, steht sofort fest, dass er irgendetwas damit zu tun haben muss. Doch er kann sich nicht daran erinnern, dem anderen heimatlosen Jugendlichen etwas angetan zu haben.
Doch dann bekommt Dorian unerwartete Hilfe von einem Fremden. Dieser verspricht, ihn vor der Polizei zu schützen und nimmt ihn mit in eine Villa, in der ihm Unterkunft und Bildung gewährt wird.
Für Dorian scheint es fast zu schön um wahr zu sein. Alles was von ihm als Gegenleistung erwartet wird, ist ein paar Stunden die Woche Flugblätter in der Stadt zu verteilen. Doch als Dorian in der Rangordnung der Jugendlichen in der Villa aufsteigt und nun geheime Pakete für den Besitzer der Villa, Bornheim, ausliefern darf, beginnt er sich zu fragen ob das Ganze wirklich mit rechten Dingen zugeht.
Warum reagieren manche der Empfänger so komisch auf Dorians Ankunft, wenn er ihnen das Paket überreichen möchte? Und warum tragen die Jugendlichen in der Villa verschieden farbige Kleidung, welche sie in Kategorien zu unterteilen scheinen, obwohl keiner den Zweck dahinter erkennt?
Und als Dorian schließlich ein Paket nicht ausliefern kann, wird er selbst zum Gejagten... Denn die Wahrheit ist vielschichtig.

Und wer weiß wie vielschichtig unser Umfeld ist? Sehen wir immer die Wahrheit oder fehlt uns dazu das richtige Gespür? Ursula Poznanski entführt uns in ihrem Jugendbuch in spannende Fiktion bis zum Schluss

Direkter Zugang zum Strand

Autor: Jean-Philippe Blondel
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05699-1
Preis: 16,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (August 2015)

Die französische Atlantikküste im Sommer: Sonne, Salz, Strandleben. Ein bunter Reigen von Franzosen im Urlaub wird in diesem Buch beobachtet: 1972, 1982, 1992 und 2002. Ein kleiner Junge ist dabei, ein junges Mädchen, eine mondäne Männerjägerin, Familien – immer neue Personen tauchen auf und verschwinden – und doch haben sie am Ende alle miteinander zu tun gehabt …
Ein kleiner Sommer-Roman, der leicht daher kommt und der in seinen genauen Beobachtungen doch das ganze Leben in seiner Wechselhaftigkeit und Unberechenbarkeit erfasst, das stete Auf und Ab von Zeiten des Glücks und des Verlustes.
Der Roman erschien in Frankreich schon 2003 und wurde erst jetzt in Deutschland veröffentlicht – Glück für uns, dass er hier doch noch entdeckt wurde.

Die Suche nach Tony Veitch

Autor: William McIlvanney
Verlag: Antje Kunstmann
ISBN: 978-3-95614-022-8
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (August 2015)

Und wieder gilt es, einen neuen schottischen Kriminalschriftsteller zu entdecken: William McIlvanney. Dabei sind seine drei Romane um den Ermittler Jack Laidlaw schon in der Zeit von 1975 bis 1978 erschienen, allerdings nicht in deutscher Sprache. Danken wir dem Antje Kunstmann Verlag für die Entdeckung und Veröffentlichung dieses Autors, der so erfolgreiche Schriftsteller wie Ian Rankin maßgeblich beeinflusst hat. Zudem gilt McIlvanney als Begründer des schottischen Noir Crime.

Jack Laidlaw ist Ermittler bei der Polizei in Glasgow. Als er von Eck Adamson zu dessen Sterbebett gerufen wird ist ihm schnell klar, dass hier etwas nicht stimmt. In den letzten wirren Worten des stadtbekannten Säufers entdeckt Laidlaw einen Hinweis, dass Adamson vergiftet wurde. Wer aber könnte ein interesse daran haben, einen Penner zu ermorden? Auf der Suche nach dem vermeintlichen Mörder kämpft sich Laidlaw mit der ihm eigenen Dickköpfigkeit durch ein Geflecht von Korruption und Gewalt, das Glasgow von ganz oben bis ganz unten durchzieht...

Der erste Teil der Trilogie heißt einfach "Laidlaw", Teil 2 ist der hier vorgestellte Titel "Die Suche nach Tony Veitch", Anfang September wird "Fremde Treue" erscheinen und den Abschluss bilden. Lesen Sie alle! Und starten Sie mit "Laidlaw".
Zum Schluss noch Ian Rankin über McIlvanney: "Ohne McIlvanney wäre ich wohl kein Krimiautor geworden. Da war dieser literarische Schriftsteller, der sich dem urbanen, zeitgenössischen Krimi zugewandt hatte und zeigte, dass das Genre große moralische und soziale Fragen angehen konnte."

Natchez Burning

Autor: Greg Iles
Verlag: Rütten & Loening
ISBN: 978-3-352-00681-4
Preis: 22,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (August 2015)

Penn Cage ist ehemaliger Staatsanwalt und derzeit Bürgermeister der Stadt Natchez, Mississippi. Er ist ein Mensch, der sich stets für das Gute einsetzt und sich den Rechten der Armen und Schwachen verschrieben hat. Diese Überzeugung hat er von seinem Vater Tom Cage, einem Arzt, der von den meisten Bürgern der Stadt, ob schwarz oder weiß, nahezu vergöttert wird. Für Penn war er stets ein glühendes Vorbild.

Um so fassungsloser ist er, als sein Vater plötzlich unter Mordverdacht steht. Er soll Viola Turner, einer farbigen, ehemaligen Krankenschwester eine Spritze verabreicht haben, die sie unter Qualen sterben ließ. Viola war todkrank und erst vor kurzem, nach jahrzehntelanger Abwesenheit, von Chicago nach Natchez zurückgekehrt, doch auf Sterbehilfe lässt ihr qualvoller Tod nicht schließen.

Penn kann nicht glauben, dass sein Vater ein Mörder sein soll, der hüllt sich aber in Schweigen. Penn beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und bekommt schon bald Hilfe in Person von Henry Sexton, einem Journalisten der örtlichen Wochenzeitung. Dieser recherchiert schon seit Jahren an einer explosiven Story, die weit in die sechziger Jahre zurückgeht. Damals sorgten „Die Doppeladler“, eine radikale Splittergruppe des Ku Klux Klans, in Natchez für Angst und Schrecken.

Menschen wurden gequält, ermordet oder verschwanden einfach spurlos. Zu dieser Zeit verschwand auch Jimmy Revel, ein aktives Mitglied der Bürgerrechtsbewegung und Violas Bruder. Bisher konnte nicht bewiesen werden, dass die Doppeladler mit seinem Verschwinden zu tun hatten. Doch Henry Sexton glaubt fest daran und auch, dass sowohl Violas Flucht aus Natchez vor über vierzig Jahren als auch ihr Tod auf die Kappe der Doppeladler gehen.


Greg Iles hat mit seinem gut tausendseitigen Roman einen spannenden Thriller geschaffen, der auf keiner Seite langweilig wird. Gleichzeitig gelingt ihm ein gesellschaftskritisches Sittengemälde der Südstaaten von den Sechzigern bis in die heutige Zeit. Absolut lesenswert.

Wörter auf Papier

Autor: Vince Vawter
Verlag: Königskinder bei Carlsen
ISBN: 978-3-551-56001-8
Preis: 16,90 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (August 2015)

Damit Rat seine Großeltern auf ihrer Farm außerhalb von Memphis in den Schulferien besuchen kann, hat Viktor ihm angeboten, für ihn die Zeitungen auszutragen. Viktor ist der perfekte Zeitungsjunge, er ist der beste Werfer im Baseballteam und die Zeitungen die er wirft landen zielsicher auf jeder Veranda. Nur vor den Freitagen fürchtet er sich regelrecht. An diesen Tagen muss Viktor bei den Abonnenten das Geld kassieren. Kassieren heißt natürlich auch, mit den Kunden zu sprechen, doch Viktor ist ein fürchterlicher Stotterer. Wenn er ein Wort nicht richtig aussprechen kann, davon gibt es sehr viele, versucht er sich mit einem Zischeln heranzuschleichen. Der elfjährige Viktor wird dann lieber Schlange genannt als Schwachkopf. Da Viktor seine Geschichte nicht wirklich erzählen kann, hat er für uns seine erlebnisreichen vier Wochen als Zeitungsjunge aufgeschrieben. Er erzählt von haarsträubenden Begegnungen, aber auch von den wundervollen Menschen, die ihm zur Seite stehen.

Vince Vawter stottert mal schwächer, mal heftiger seit mehr als sechzig Jahren und kann sich so selbst als Stotterexperte bezeichnen. 'Wörter auf Papier' spielt im Jahr 1959, die Geschichte von Viktor ist größtenteils seine Autobiographie.
Wörter in der Luft verwehen, aber Wörter auf Papier bleiben für immer. Gut geschrieben Vince Vawter!

Der Löwensucher

Autor: Kenneth Bonert
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06923-5
Preis: 25,90 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (August 2015)

„Es gibt immer die Klugen und die Dummen, Isaac. Und zu welchen gehörst du, mein Junge?“ „Ich bin ein Kluger, Mame, dein Kluger!“ „Ja, du bist mein kleiner Junge, Isaac!“

Diesen kleinen Dialog führt Isaac Helger immer wieder mit seiner Mutter, nachdem er mit ihr und seiner Schwester aus Litauen weg ist, um gemeinsam mit ihrem Vater in Johannesburg, Südafrika, zu leben, da das Leben für jüdische Bürger in ihrer Heimat immer schwieriger wird. Isaacs Vater betreibt dort eine kleine Werkstatt, jedoch kann er seiner Frau mit seinem Einkommen ihren großen Traum nicht erfüllen: die fünf Geschwister von Litauen nach Johannesburg zu holen, um sie aus den Fängen des nahenden zweiten Weltkrieges zu befreien.
Und während Isaac sich immer neue, manchmal auch nicht ganz legale, Jobs zulegt, hofft Gitelle auf den großen Erfolg ihres Sohnes, damit ihr Herzenswunsch endlich wahr wird.
Doch in Isaacs Leben geben sich Glück und Unglück die Klinke in die Hand. Arbeitet er gerade noch in einer Umzugsfirma und hat die großartige Idee nebenbei den Firmenwagen als Taxi zu nutzen, verliert er im nächsten Moment wegen eben dieser Idee seine Anstellung.
Doch dann tritt Hugo Bleznik in Isaacs Leben und mit ihm scheint ein bisschen Erfolg zu kommen, denn Bleznik nimmt Isaac mit quer durch das Land, um einen gewissen „Lichtzauber“ zu verkaufen. Doch dann beginnt der zweite Weltkrieg und Isaac wird schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Und er muss sich entscheiden: kann er ein Löwensucher sein und sich seinen eigenen Weg erkämpfen oder versucht er es seiner Mutter recht zu machen und steht auf der Stelle?
Alles in allem verfolgt man Isaacs Gewinne und Kämpfe, ein altes Familiengeheimnis und die Frage der großen Schuld über fast ein Vierteljahrhundert und deshalb kann ich schlussfolgernd nur sagen, dass Kenneth Bonert mich mit seinem Roman über das Leben und die Menschen in Südafrika sehr in seinen Bann gezogen hat.

Heart. Beat. Love.

Autor: James Patterson (mit Emily Raymond)
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-76107-9
Preis: 16,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Juli 2015)

Axi hat ihren besten Freund Robinson im Krankenhaus kennen gelernt, genauer auf der Krebsstation. Dort wurden beide behandelt und gelten als geheilt.
Die Beiden sind absolute Gegensätze: Axi ist strebsam, kurz vor dem Schulabschluss, eine behütete Tochter aus gutem Haus; Robinson ist flippig, spontan und hat die Schule geschmissen. Und offiziell sind sie auch gar nicht zusammen …
Und diese brave Axi überredet Robinson zu einer spontanen Tat, einem Trip quer durch die USA. Und Robinson spielt mit, aber zu seinen Bedingungen: geklaute Motorräder und Autos statt Greyhound-Bussen; übernachtet wird unter freiem Himmel oder in billigen Motels; ein bisschen Bonnie und Clyde, aber in der harmlosen Ausgabe.
Doch mitten in diesem Abenteuer holt die Vergangenheit sie ein, und beide müssen sehr schnell sehr erwachsen werden …
Wer John Greens „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ gern gelesen hat, wird dieses Buch mögen, aber auch alle Anderen, die sich im warmen Sommer Emotionen und durchlesene Nächte gönnen können!

Gottes Segen und Rot Front

Autor: Harry Rowohlt
Verlag: Kein & Aber
ISBN: 978-3-0369-5536-0
Preis: 19,90 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Juli 2015)

Ein Buch aus dem Jahr 2009 als aktueller Lesetipp? Nicht ganz auf der Höhe der Zeit, werden Sie sagen.
Aber mir geht es in erster Linie darum, Ihnen den leider im Juni verstorbenen Schriftsteller, Übersetzer und Whiskeytrinker Harry Rowohlt näherzubringen. Und da er den Schwerpunkt seiner Arbeit stets auf die Übertragung der Werke englischer und irischer Autoren ins Deutsche setzte, blieb nicht so viel Zeit für eigene Publikationen.
"Gottes Segen und Rot Front" ist tatsächlich das letzte von ihm erschienene Werk. Der Untertitel verrät die Richtung: "Nicht weggeschmissene Briefe II." Ja, Briefe, aus der Zeit von 2005 bis 2009, geschickt an Lesungsbesucher, Übersetzerkollegen, Buchhändlerinnen, Lindenstraßenfans, an Klaus Wagenbach, Siegfried Lenz, Klaus Wowereit und viele andere. Jeder Brief ist perfekt durchkomponiert oder auch durchimprovisiert, ein wahres Unikat. Und ein einziges kurzweiliges Lesevergnügen.

Wenn Sie das nicht interessiert, lesen Sie "Pu der Bär", Frank McCourt, den fantastischen Krimiautor Ken Bruen, Philip Ardagh, Kurt Vonnegut... Sämtlich übersetzt von Harry Rowohlt. Oder Sie hören die passenden CDs, gesprochen von ... na Sie ahnen es.

Leider habe ich Harry Rowohlt nie 'live' erlebt. Durchaus ein großes Versäumnis.

Sommernovelle

Autor: Christiane Neudecker
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
ISBN: 978-3-630-87459-3
Preis: 16,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Juli 2015)

„Es gibt diese Sommer nur in der Kindheit oder in der Jugend. Oder im Übergang von einem zum anderen. Ich habe nie wieder so etwas erlebt. Dabei war jener Sommer eher ein Frühling. Und er dauerte nur zwei Wochen lang.“

Zwei 15jährige Mädchen fahren über die Pfingstferien an die Nordsee. Es ist der Sommer 1989, Deutschland ist noch zweigeteilt, für die beiden Freundinnen besteht das Land bisher nur aus Norden und Süden, nicht aus Ost und West. Was sie bewegt ist der Umweltschutz und die Katastrophe in Tschernobyl. Darum haben sie sich auf die Reise gemacht und sich für eine Praktikantenstelle in einer Vogelstation gemeldet. Sie wollen handeln, endlich selbst aktiv werden und irgendwie die Welt verändern. Es ist eine Zeit des Umbruchs. Für die Welt und für die beiden Mädchen.

Auf der Nordseeinsel angekommen werden sie von einer bunt gemischten Gruppe aus Studenten, Rentnern und anderen Freiwilligen herzlich willkommen geheißen. Doch einer fehlt, der Professor, der Leiter der Truppe. Niemand erklärt ihnen, wo er ist und wann er wieder da sein wird. Seine Abwesenheit und drohende Rückkehr scheint über der Gruppe wie ein Unwetter zu brodeln.

Schon bald bekommt das idealistische Weltbild der beiden Freundinnen erste Risse. Nicht alles scheint hier so heil und gut zu sein, wie sie es sich erhofft hatten.

Doch die wenigen Tage auf der Nordseeinsel werden die beiden verändern, erstmals werden sie als Erwachsene wahrgenommen, gesiezt. Und das wo sie doch kaum ohne Kuscheltiere anreisen konnten.

Christiane Neudecker schafft es, diese besondere Zeit in ihrer kurzen „Sommernovelle“ zusammenzufassen. Als Leser schließt man die beiden gleich in sein Herz, kann ihre Sorgen und Nöte nachvollziehen, war man doch selbst auch irgendwann mal fünfzehn.

Oma läßt grüßen und sagt, es tut ihr leid

Autor: Fredrick Backman
Verlag: Fischer Krüger
ISBN: 978-3-8105-0481-4
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Juli 2015)

Elsas Oma ist 77 Jahre alt und die Nachbarn halten sie aufgrund ihrer unkonventionellen Ideen und Aktionen für ein bisschen verrückt. Die siebenjährige Elsa dagegen liebt ihre Oma über alles. Oma ist für Elsa der Superheld und laut Oma haben alle Siebenjährigen einen Superhelden verdient. Leider ist Oma auch Elsas einziger Freund und immer wenn Elsa einen harten Schultag hat, ist es Oma die ihr zur Seite steht. Oma erzählt ihr die schönsten Märchen und jeden Abend gibt es eine Geschichte aus dem Land Miamas. Je einsamer Elsa in der richtigen Welt wird, desto phantastischer werden die Abenteuer die Oma ihr erzählt.

Doch Oma hat nicht mehr lange zu leben und nur Elsa kann Omas letzten Wunsch erfüllen. Dafür muss sie wie bei einer Schnitzeljagd ein Paar Briefe finden und sie dem Adressat überbringen. Dabei lernt sie Menschen aus Omas Leben kennen und schätzen. Immer mehr erfährt Elsa aus Omas Leben, auch Dinge die ihre Mutter betreffen und Oma in ein ganz neues Licht rücken.

Fredrik Backman lässt den Leser die Welt durch die Augen einer Siebenjährigen sehen, mit all ihrer Wut, Trauer, Verständnis, Angst, Hoffnung und Eifersucht, die Elsa erlebt.
Eine wundervolle schöne und phantasievolle Geschichte.




Papierfliegerworte

Autor: Dawn O'Porter
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-58321-5
Preis: 16,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Juli 2015)

1994. Flo und Renée könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Flo eher das stille, nette Mädchen ist, welches sich von ihrer so genannten Freundin Sally drangsalieren lässt, ist Renée cool, hat immer verrückte Ideen und ist bei vielen Leuten sehr beliebt.
Doch es gibt eines, was die auf den ersten Blick so unterschiedlichen Mädchen miteinander verbindet: die Einsamkeit.
Sowohl Renée als auch Flo sehnen sich nach einer besten Freundin, die sie beide nicht haben. Denn Menschen, die sich vor allem durch Oberflächlichkeit und Egoismus auszeichnen, sind nicht für einen da, wenn man ihre Hilfe wirklich benötigt.
So kommt es, dass Renée Flo nach einer missglückten Party zur Seite steht und ihr hilft.
Und aus diesem kurzen Moment des Zusammenhalts entwächst eine Freundschaft, die zunächst nur versteckt stattfinden darf. Mit Pommes im Park lernen die beiden Mädchen, dass es sich gut anfühlt, eine beste Freundin zu haben, der man alles anvertrauen kann.
Damit Sally nicht mitbekommt, dass Flo und Renée (die sie nicht sonderlich gut leiden kann) sich treffen, schicken die zwei sich in der Schule kleine Papierflieger-Nachrichten zu, um ihre gemeinsamen Nachmittage zu planen.
Und dann erleidet Flo einen besonders schweren Schicksalsschlag und Renée hält als Einzige zu ihr...

Mir hat an Dawn O'Porters Jugendbuch besonders gut gefallen, dass die Geschichte von Flo und Renée auf ihren eigenen Tagebüchern basiert. Man hat einfach das Gefühl hautnah dabei zu sein.

Zurück auf Start

Autor: Petros Markaris
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06925-9
Preis: 23,90 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Juni 2015)

Oft sind Romane (gerne auch Kriminalromane) neben ihrem Unterhaltungswert auch noch gut geeignet, dem Leser zusätzliche Informationen und Eindrücke zu aktuellen Sachverhalten dieser Welt zu ermöglichen.
Die aktuelle Griechenland-Krise wenigstens in Ansätzen zu verstehen, haben mir die „Trilogie der Krise“-Krimis von Petros Markaris geholfen (Faule Kredite, Zahltag, Abrechnung).
Jetzt hat Markaris einen vierten Band veröffentlicht, der die Trilogie ergänzen soll, indem er sich dem griechischen Drama aus der Sicht der einfachen Leute nähert. Der neue Fall für Kommissar Charitos beginnt damit, dass seine Tochter von Mitgliedern der „Goldenen Morgenröte“ brutal zusammengeschlagen wird, weil dieser Gruppe ihr Engagement für Flüchtlinge missfällt. Doch nicht nur diesen Tätern ist Charitos auf der Spur, ihn beschäftigt auch ein Selbstmord eines jungen, deutschstämmigen Unternehmers. Doch in einem Brief an die deutsche Botschaft übernimmt eine Gruppe „Die Griechen der fünfziger Jahre“ die Verantwortung – war es also doch Mord?
Weitere Tote folgen, und nur mühsam kann der Kommissar den Nebel um die Gruppe der „Griechen der fünfziger Jahre“ lichten und Zusammenhänge herstellen …
Ein wirklich lesenswerter Kriminalroman, melancholisch und doch manchmal auch heiter, und der nachdenkliche Leser wird nicht dümmer, was das aktuelle Griechenland, die Krise und ihre Auswirkungen auf die Menschen angeht

Die wilde Ballade vom lauten Leben

Autor: Joseph O'Connor
Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-10-002296-7
Preis: 22,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Juni 2015)

England in den 80er Jahren: Robbie und Fran kennen sich seit der Schule, jetzt studieren sie zusammen an der Universität in Luton. Zumindest theoretisch, denn eigentlich hängen sie lieber rum und machen Musik. Bald gründen sie mit zwei weiteren Amateurmusikern eine Band, The Ships, und tingeln durch Pubs und Studentenkneipen. Als sie von einer wenig glamourösen Tour durch die Collegebühnen der USA zurückkehren, verändert eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter alles. Plötzlich verkauft sich ihr selbstfinanziertes Low Budget-Album, sie spielen vor großem Publikum, die Kritiker lieben sie.
Doch auf den kometenhaften Aufstieg folgt ein bitterer Fall, der die Band auseinanderreißt und den Gitarristen Robbie zu Boden ringt. Während Fran zur Musiklegende wird, verläuft sich Robbie immer tiefer in den Irrwegen des Lebens. Die Band fällt auseinander.
Und doch planen die 'Ships' viele Jahre später ein finales Comeback, das alte Rechnungen begleichen und Robbie zurück ins Leben helfen soll...

Mitten aus dem Herzen einer Rockband kommt dieser hinreißend komische, tief berührende Roman über Musik, Freundschaft und verpasste Liebe. Eine Reise durch die Popszene der achtziger Jahre, von Irland über London bis New York.

Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess

Autor: Anna Woltz
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-55099-6
Preis: 10,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Juni 2015)

Normalerweise wären Ferien auf Texel für Samuel ein tolles Abenteuer. Gemeinsam mit seinen Eltern und Bruder Jorre ist er zum ersten Mal auf der Insel. Doch als Jorre sich bei einem ersten Strandausflug den Fuß bricht, scheint der Spaß schon fast vorbei zu sein. Beim Arzt stellt man schnell fest, dass Jorre und sein Vater zur Operation aufs Festland müssen. Samuel soll sie begleiten. Das klingt furchtbar langweilig. Doch plötzlich ist da Tess, die Tochter der furchteinflößenden Arzthelferin. Tess ist mutig und ein bisschen seltsam. Sie ist einen ganzen Kopf größer als Samuel und das obwohl sie ein Mädchen ist und nur ein Jahr älter ist als er. Sie überzeugt Samuels Vater davon, dass sein Sohn bei ihr auf der Insel bleiben kann. Und so kommt es dann, dass der Urlaub doch noch ein richtiges Abenteuer wird. Zusammen lernen die beiden Walzer tanzen, freunden sich mit einem alten, einsamen Mann an und helfen ihm dabei seinen Kanarienvogel angemessen zu bestatten. Ein Anlass für Samuel, mal wieder darüber nachzudenken wie es ist, der letzte Dinosaurier auf dem Planeten zu sein. Und dann ist da noch Tess’ Geheimnis, dem Samuel ganz langsam auf die Schliche kommt und das ihn schließlich zu einer eigenen, furchtbar mutigen Entscheidung veranlasst.

Engelskalt

Autor: Samuel Bjork
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-48225-2
Preis: 12,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Juni 2015)

Ein Serienmörder, der Mädchen wie Puppen anzieht und sie dann an Bäumen aufhängt, während sie ihre Schultaschen noch auf dem Rücken tragen. Sie haben ein Schild um den Hals, auf dem steht: Ich reise allein.

Für den Teamleiter der Osloer Spezialeinheit, Holger Munch, ein Rennen gegen die Zeit, denn seine Kollegin Mia Krüger hat ein wichtiges Detail entdeckt, das darauf schließen lässt, dass weitere Morde an kleinen Mädchen im Vorschulalter folgen werden.

Holger Munch, ein sympathischer Kommissar, wirkt zwar oft etwas ausgelaugt, ist aber mit ganzer Seele und Einsatz dabei.
Mia Krüger hat ganz eigene Probleme. Sie hat den Schmerz über den Tod ihrer Schwester nie überwinden können und plante bereits ihr eigenes Ableben zum Todestag ihrer Schwester, als Holger sie zu diesem Fall hinzugezogen hat. Zwei Ermittler, die diesem Krimi ihre Würze geben. Aber auch das immer wieder die Perspektive gewechselt wird und neue Aspekte hinzufließen, macht diesen Krimi spannend. Der Leser wird durch die verschiedenen Handlungsstränge verwirrt und durch immer wieder neu gelegte Spuren in die Irre geführt. Bald wird klar, dass der Krimi kein vorhersehbares Ende nehmen wird.

Engelskalt ist der erste Thriller von Samuel Bjork und lässt auf weitere hoffen.

Die Widerspenstigkeit des Glücks

Autor: Gabrielle Zevin
Verlag: Diana
ISBN: 978-3-453-35862-1
Preis: 12,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Juni 2015)

A.J., ein etwas eigenwilliger Buchhändler, hat es in letzter Zeit nicht leicht gehabt. Zuerst stirbt seine Frau bei einem tragischem Autounfall und dann muss er auch noch von der jungen Verlagsvertreterin Amelia erfahren, dass ihr Vorgänger Harvey, welcher so etwas wie ein Freund für A.J. war, verstorben ist. Dementsprechend verhält sich A.J. gegenüber Amelia auch nicht gerade wie ein Gentleman, woraufhin diese kurzerhand aus dem Laden flieht und so schnell auch nicht wiederkommen möchte.
Doch dann passiert etwas unvorhergesehenes: Während ihm seine Altersvorsorge (eine Originalausgabe von Edgar Allan Poe) gestohlen wird, schenkt das Leben ihm Maya - ein kleines Mädchen von zwei Jahren, welches neues Glück in A.J.`s Leben bringt.
Von ihrer Mutter im Buchladen zurückgelassen, mit der Bitte sich gut um sie zu kümmern, bringt A.J. es schon nach wenigen Stunden nicht über sich, die Kleine an das Jugendamt zu übergeben und entschließt sich kurzerhand, Maya für immer bei sich auf zu nehmen. Und so erhält die Liebe und Wärme wieder Einzug in A.J.`s Leben und auch in seinen Laden. Kinderbücher, welche vorher noch nicht mal über die Schwelle des Ladens gelangen sollten, werden neu eingekauft und natürlich nur solche, die dem Geschmack der überaus klugen Maya zusagen. Da bleibt es natürlich nicht aus, dass auch die Inselbewohner wieder zu Büchern finden und sogar kleine Lesezirkel in den gemütlichen Ecken des Buchladens abhalten.
Und schon beginnt die neue Reise der Vertreter und wie es aussieht scheinen Amelia und A.J. nun doch mehr auf einer Welle zu schwimmen als noch vor einiger Zeit. Und wer weiß denn schon, hinter welchem Bücherregal die neue große Liebe wartet?
Ein kleines Meisterwerk für jeden, der nicht nur gerne liest, sondern sich komplett in der Welt der Bücher verlieren möchte.

Flammenwerfer

Autor: Rachel Kushner
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-498-03419-1
Preis: 22,95 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Mai 2015)

New York in den 70ern: Eine junge Frau erlebt die wilde Kunstszene dieser Jahre in Amerika. Teils staunend beobachtend und distanziert, dann aber auch durchaus selbst involviert erlebt sie die explosive Künstlergesellschaft SoHos zwischen Aktionskunst und Anarchie, Revolutionsphantasien und Alltag. Reno nennen sie die anderen, nach ihrem Geburtsort. Scheinbar ein wenig naiv, liegt doch schon ein ungewöhnliches Leben als Skirennläuferin hinter ihr, und als ihr eigenes Kunstprojekt hat sich die Hobby-Motorradfahrerin den Versuch eines Motorrad-Weltrekords auf den Salzseen gesucht.
Daraus wird nichts, aber durch ihre Beziehung zu Sandro Valera, Konzeptkünstler in der New Yorker Künstlerszene und Spross einer italienischen Reifen- und Motorraddynastie, kommt Reno ins Italien jener Zeit: das der politischen Unruhen, der Aufstände, der Roten Brigaden und ihrer Entführungen.
Sie erlebt bei der Familie Sandro Valeras das ohne jeden Grund hochmütige Großbürgertum Italiens. Doch nachdem Sandro sie hintergeht, verlässt sie diese Welt fast fluchtartig und taucht ein in die Gegenwelt der Aufrührer jener Zeit: die der Studenten, Arbeiter, der Frauen auf dem Weg in die Emanzipation, der Anarchisten.
Und wieder ist da diese Mischung Renos aus Beobachtung und Teilnahme: als sie in den Kämpfen in den Straßen Roms ihre Kamera verliert, geht damit auch ihre Distanz verloren und sie wird Teil der Aktionen.
Ein fulminanter Gesellschaftsroman über die Zeit der 70er in Europa und Amerika, mit dichten Charakteren, die die Zerrissenheit jener Zeit erfahrbar macht. Unbedingt lesenswer

Zwischen zwei Fenstern

Autor: Dianne Touchell
Verlag: Königskinder
ISBN: 978-3-551-56004-9
Preis: 15,90 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Mai 2015)

Creepy liebt das Nachbarmädchen mit dem roten Haar. Immer wieder sieht er in ihr Zimmer hinüber, wo sie sitzt, zeichnet und manchmal liest. Und Maud beobachtet ihn, den Nachbarjungen, der sich beim Lesen unaufhörlich Notizen macht. Sie gehen beide in die selbe Schule, haben gemeinsame Kurse - doch sie reden nie miteinander. In ihren Zimmern scheinen sie sich am sichersten zu fühlen. Sie kommunizieren miteinander, indem sie Botschaften auf großen Zetteln in ihr Fenster hängen...
"Zwischen zwei Fenstern" erzählt die Begegnung zweier radikaler Außenseiter. Creepy ist der Null-Bock-Junge, ohne Freunde, ohne wirklichen Kontakt zu Eltern oder Mitschülern. Wobei es eher Maud ist, die nicht richtig tickt. Creepy merkt schnell, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Sie leidet an Trichotillomanie, dagegen klingt Magersucht geradezu elegant. Maud reißt sich die Haare aus. Alle. Am ganzen Körper. Sie ist definitiv anders als alle anderen Mädchen. Das findet Creepy cool, sogar sexy. Es regt ihn auf und an und lässt ihn nicht los. Mit Spiegelschrift an den Fenstern, kleinen Signalen unterhalten sich die beiden immer öfter. Creepy bekommt mit, wie Maud zu Therapien gezerrt, von ihren Eltern aber doch allein gelassen wird. In seinem eigenen Elternhaus, wo die Mutter schon morgens Rotweingläser leert und der Vater den Hund auf sie hetzt, sieht der Alltag nicht erfreulicher aus.

Dianne Touchell ist eine australische Autorin und "Zwischen zwei Fenstern" ihr erster Roman für Jugendliche. Sie lässt Maud und Creepy abwechselnd aus ihrer Perspektive erzählen, voller Ehrlichkeit, aber bisweilen auch mit einer zynischen Coolness, die dem Thema durchaus angemessen ist. Nur zweimal stehen die beiden einander wirklich gegenüber, nur einmal reden sie miteinander...


Der Himmel über uns

Autor: Favel Parrett
Verlag: Hoffmann & Campe
ISBN: 978-3-455-40518-7
Preis: 20,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Mai 2015)

Dies ist eine Geschichte über den Schiffskoch Bo aus Dänemark. Es ist eine Geschichte über ein Mädchen namens Isla, das auf einer kleinen tasmanischen Insel lebt.
Und es ist Geschichte der „Nella Dan“, einem wunderschönen rot und weiß lackierten Frachtschiff, welches dafür sorgt, dass Bo und Isla aufeinandertreffen.

Eines Tages, im Jahr 1986, wartet die dreizehnjährige Isla, ganz in Gedanken versunken, am Hafen von Hobart auf die Fähre, die sie zur Schule fahren soll. Da erblickt sie die Nella Dan, die grade in den Hafen einläuft. Isla ist sofort begeistert von diesem großen, rotglänzenden Schiff. Und oben auf dem Schiff, an der Reling, steht ein Mann, der ihr winkt. Von da an wünscht sich Isla nichts mehr als selbst einmal auf diesem Schiff zur See zu fahren.

Der winkende Mann auf dem Schiff ist Bo, der schon bald mit Islas Mutter anbändelt und ein guter Freund für Isla und ihren kleinen Bruder wird, die sich beide oft einsam und verloren fühlen. Bo erzählt den beiden von seinem Leben auf dem Schiff, von weit entfernten Orten auf der ganzen Welt und wie es ist, nach Wochen ohne Obst und Gemüse endlich in einen saftigen Apfel zu beißen.


Die Nella Dan hat es wirklich gegeben. Sie fuhr regelmäßig als Versorgungsschiff für verschiedene australische Forschungsstationen von Dänemark in die Antarktis. Halt machte sie dabei auch immer wieder in Tasmanien. Das Schiff galt vielen Besatzungsmitgliedern, anders als andere Frachter, als Zuhause und wurde von der Crew innig geliebt.

Favel Parrett hat diesem besonderen Schiff und den Menschen, die zu ihm gehörten, ein kleines Denkmal gesetzt und erzählt in schnörkelloser Sprache eine Geschichte von Sehnsucht, Einsamkeit und Glück.


Das Mädchen, das rückwärts ging

Autor: Kate Hamer
Verlag: Arche
ISBN: 978-3-7160-2724-0
Preis: 16,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Mai 2015)

Im englischen Norfolk verschwindet die achtjährige Carmel im dichten Nebel bei einem Ausflug mit ihrer Mutter.
Für Beth wird der schlimmste Alptraum wahr, immer wieder geht sie in Gedanken das Geschehen durch.
Immer wieder läuft es von vorne ab, immer wieder mit dem selben Ergebnis: Sie hat Carmel verloren. Es gibt keine Hinweise, keine Zeugen, die Polizei tappt im Dunkeln, auch Beths Suche nach Carmel bleibt erfolglos.

Allein wir als Leser wissen was wirklich geschehen ist. In kurzen Kapiteln wird abwechselnd aus Beths und aus Carmels Sicht die Geschichte erzählt. Beth schwebt zwischen Hoffnung und Verzweiflung, jeder noch so kleine Strohhalm wird ergriffen. Nachts träumt sie von Ihrer Tochter, die in ihren Träumen immer rückwärts geht und für Beth unerreichbar bleibt.

Zum Glück bleibt dem Leser diese Qual erspart, denn zeitgleich erfahren wir, wie es Carmel geht. Im Gegensatz zu Beth wissen wir, dass Carmel lebt und wo sie sich befindet. Trotzdem leidet man während des Lesens, man sieht die Mutter, die von Schuldgefühlen geplagt wird, und Carmel, die aus der Sicht eines Kindes eine unglaubliche Geschichte erzählt. Denn Carmel ist nichts von ihrer perfiden Entführung bekannt. Ihr wurde erzählt, dass ihre Mutter tödlich verunglückt sei und ihr Vater kein Platz hätte um sie bei sich aufzunehmen. Bis zum Schluss bangt und hofft man als Leser, ob sich Mutter und Tochter je wiedersehen werden.

Ein durchweg spannendes Buch.


Bis zum letzten Tropfen

Autor: Mindy McGinnis
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-26897-5
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Mai 2015)

Nach einer Choleraepidemie herrscht im ganzen Land Wassermangel und nur, wer eine eigene Wasserquelle hat, die noch nicht infiziert wurde, kann sorgenlos leben. Lynn und ihre Mutter haben dieses Glück, denn sie leben außerhalb der Stadt auf einer Farm, zu der ein eigener Weiher gehört. Und um diesen kostbaren Schatz zu schützen, verteidigen die beiden Frauen ihn mit ihrem Leben. Oder mit Waffen.
„Lynn war neun, als sie das erste Mal tötete, um den Weiher zu verteidigen.“
Nachdem die beiden von ihrem Posten auf dem Dach aus immer wieder Rauchfahnen in der Ferne entdecken können, befürchten sie einen nahenden Angriff der dort lebenden Menschen.
Obwohl die beiden immer auf der Hut sind, werden sie kurz darauf von einem Rudel wilder Kojoten angegriffen, bei dem Lynns Mutter tödlich verletzt wird.
Von da an ist Lynn auf sich alleine gestellt und muss schnell einsehen, dass sie ihre täglichen Aufgaben aufgrund der Bewachung des Weihers alleine nicht bewältigen kann und somit auf die Hilfe Fremder angewiesen ist.
Mit Stebb, einem Nachbarn, schafft sie daraufhin alle ihre täglichen Aufgaben, jedoch erwartet dieser als Gegenleistung für seine Hilfe, dass Lynn sich die Siedlung am Fluss anschaut, da er dort eine kleine Familie entdeckt hat, von der er vermutet, dass sie ebenfalls Hilfe benötigen.
Also macht sich Lynn auf dem Weg zum Fluss. Mit dem was sie dort findet hat sie nicht gerechnet: ein völlig abgemagerter Junge namens Eli bedrängt sie, seine Nichte Lucy bei sich aufzunehmen, damit wenigstens sie eine Chance auf ein gutes Leben mit genügend Wasser hat.
Und dieses kleine Mädchen öffnet Lynn das Herz, sodass sie merkt, dass man nicht unbedingt auf alles schießen muss, was sich dem Weiher auch nur nähert.
Doch Lynn darf sich nicht ablenken lassen, denn es nähert sich Gefahr in Form der Siedler aus der Ferne...

Miny McGinnis hat eine hervorragende Jugenddystopie geschaffen, die einem veranschaulicht wie sehr man Menschen um sich herum braucht, denn ohne sie scheint das eigene Leben nur halb so schön und vor allem sinnlos zu sein

In einem anderen Leben

Autor: Linus Reichlin
Verlag: Galiani
ISBN: 978-3-86971-104-1
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (April 2015)

Luis wächst als Einzelkind in einer mondänen Schweizer Familie auf. Der Vater ist Zahnarzt, die Familie ist wohlhabend und stellt das auch gern zur Schau. Doch fast über die ganze Kindheitszeit bis in die Jugend von Luis tobt hinter dieser Fassade ein zerstörender Ehekrieg der Eltern, und der Vater spricht immer mehr dem Alkohol zu. Als die Mutter bei einem Unfall stirbt, ist Luis weitgehend auf sich gestellt und bricht die Beziehung zum immer mehr in der Sucht versinkenden Vater ab.
Zwanzig Jahre später, er lebt mittlerweile in Berlin, stößt Luis in einer Galerie auf ein Bild, dass er einst für seine Mutter kopiert, also gefälscht hatte. Und da bricht die Vergangenheit über ihm zusammen. Was Luis geradezu meisterhaft verdrängt hat und was ihn doch geprägt hat, seine familiäre Vergangenheit, kommt ans Tageslicht – und damit die Ursache vieler seiner Probleme, auch in seinen Beziehungen.
Fast versinkt Luis im Sumpf der Erinnerungen, fast ereilt ihn das Schicksal des Vaters. Und doch bleibt am Schluss die Hoffnung, dass die Auseinandersetzung mit seinen Familienbanden ihn zu einem eigenständigen Leben befähigt …
Ein ganz anderer Familienroman, geschrieben in einem ganz besonderen Sprachrhythmus, wie geschaffen für ein paar frühlingshafte Mußestunden.

89/90

Autor: Peter Richter
Verlag: Luchterhand
ISBN: 978-3-630-87462-3
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (April 2015)

"Man kann wirklich nicht sagen, dass wir keinen Spaß gehabt hätten im letzten Sommer des Sozialismus, jedenfalls gilt das für S., für mich und alle, die sich nachts im Freibad trafen."
Dresden 89, der Sommer vor der Wende bis zur Wiedervereinigung: Sie sind der letzte Jahrgang, der noch alles mitmachen darf. Die ständigen Ausweiskontrollen in der Fußgängerzone, die Konzerte im FDJ-Jugendklub oder in der Kirche im Plattenbaugebiet, wo ein Hippie Suppe kocht für die Punks und ihre Pfarrerstöchter. Sie sind die Letzten, die noch 'vormilitärischen Unterricht' haben. Und sie sind die Ersten, die das dort Gelernte dann im Herbst 89 gegen die Staatsmacht anwenden - und gegen sich selbst. Denn die Zeiten ändern sich und für manchen Mitschüler öffnen sich gefährlich neue, rechtsradikale Welten.

Von der Unschuld des letzten Sommers bis zu den Straßenschlachten rund um die deutsche Einheit: Peter Richter beschreibt in seinem autobiografischen Roman das chaotische Ende der DDR aus der Sicht eines damals Sechzehnjährigen - ironisch, authentisch und sprachlich brilliant. "89/90" kommt daher wie eine lange, aber immer bestens unterhaltende, spannende Geschichtsstunde.

Butcher's Crossing

Autor: John Williams
Verlag: DTV
ISBN: 978-3-423-28049-5
Preis: 21,90 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (April 2015)

Nach dem großen Erfolg von „Stoner“ erscheint mit „Butcher’s Crossing" nun eine weitere grandiose Wiederentdeckung von John Williams.

William Andrews, ein junger, gebildeter Mann aus wohlhabenden Verhältnissen, lässt sein gutbürgerliches Leben in Boston hinter sich, um im Westen nach Abenteuern zu suchen und um endlich das „echte“ Leben zu spüren.

Sein erstes Ziel ist der kleine Ort Butcher’s Crossing in Kansas. Hier trifft er schon bald auf den Büffeljäger Miller, den er damit beauftragt eine gemeinsame Jagd vorzubereiten. Wenige Wochen später ziehen die beiden in Begleitung zweier weiterer Männer Richtung Colorado Rockies, wo der erfahrene Miller, in einem verborgenen Tal, eine große Herde vermutet. Es wird eine Reise von der der junge Andrews nicht zu träumen gewagt hätte. Kaum zu ertragende Strapazen stehen der Schönheit und unendlichen Weite der Natur gegenüber und immer wieder müssen er und seine Begleiter dem Tod ins Auge schauen. Williams erzählt eine uramerikanische Geschichte, von ehrlicher Arbeit und Abenteuern, vom Überleben des Stärkeren. Und eine Geschichte, die die USA an einem Wendepunkt darstellt. William Andrews wird dieses Abenteuer zu einem anderen Menschen machen.

Nachruf auf den Mond

Autor: Nathan Filer
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-28124-6
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (April 2015)

Matthews Homes erzählt seine Geschichte und die seines drei Jahre älteren Bruders Simon, der im Alter von 11 Jahren verstorben ist. Doch halt, für Matthew ist Simon gar nicht tot. Matthew erzählt dem Leser was damals wirklich passiert ist und warum er glaubt, an dessen Tod schuldig zu sein.

Heute, 10 Jahre nach Simons Tod, ist Matthew Patient in der Psychiatrie in Bristol. Matthew ist schizophren und wenn er seine Medikamente absetzt, kann er Simons vom Down-Syndrom geprägtes Gesicht im Mond sehen. Gemeinsam haben die Brüder früher in Großvaters Garten mit den Ameisen gespielt. Heute ist sein größter Wunsch, dass sein geliebter älterer Bruder seine Ameisenfarm bekommt. Das Ganze läuft natürlich etwas aus der Bahn, als er die Ameisenfarm in seiner Wohnung errichtet.

Ein Roman mit Hintergrund und Tiefgang. Zwar etwas sprunghaft erzählt, aber so spiegelt sich die Stimmung und Verwirrung, in der sich Matthew befindet, in seiner ganzen Tragweite wider. Der Leser taucht quasi in die Geschichte ein. Der Roman ist authentisch geschildert, anscheinend ein leichtes für Nathan Filer, denn er hat selbst als Krankenpfleger in einer Psychiatrischen Klinik gearbeitet.

Keine ganz leichte Geschichte, aber absolut lesenswert.

Die Falle

Autor: Melanie Raabe
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-75491-5
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (April 2015)

Was muss passiert sein, dass man sich elf Jahre in seinem Haus abschottet?
Diese Frage stellen sich nicht nur die Fans der berühmten Romanautorin Linda Conrads. Seit ungefähr elf Jahren hat die 38-jährige ihre Villa am Starnberger See nicht mehr verlassen, sodass die Medien schon über eine mysteriöse Krankheit spekulieren.
Doch nur Linda selbst weiß, warum sie sich in ihrem Haus versteckt: Denn vor elf Jahren musste sie mit ansehen, wie der Mörder ihrer Schwester Anna floh und seitdem verfolgt und quält er sie in ihren Träumen.
Und deshalb fühlt sie sich nur in ihrem Haus, abgeschottet von der bösen Welt, wirklich sicher. Nicht zuletzt aus dem Grund, weil Annas Mörder auch nach ausführlichen Ermittlungen nicht gefunden werden konnte.
Als Linda dann während einer Nachrichtensendung in dem Auslandsreporter Victor Lenzen den damals geflohenen Mörder ihrer Schwester zu erkennen glaubt, erleidet sie einen Schock. Hatte sie doch aufgrund der ausbleibenden Ergebnisse der Ermittlungen geglaubt, sich dieses Gesicht nur eingebildet zu haben, flimmert es nun sehr real über ihren Fernseher.
So fasst Linda einen Plan. Sie wird Victor Lenzen mit einem Exklusivinterview, wie es sich die Presse seit langem wünscht, in eine Falle locken. Und wenn ihr Plan gelingt, wird die Falle zuschnappen und endlich wird der Mörder ihrer Schwester dort hin kommen, wo er hin gehört: eingesperrt hinter Schloss und Riegel.

Melanie Raabe schreibt ihrer Hauptfigur Linda Conrads nicht nur so manche Eigenschaft zu, die auch sie selbst besitzt, wie zum Beispiel leidenschaftliches interviewen, sondern schafft es außerdem durch die Geschichte der gequälten Autorin, ihren Roman konstant spannend zu gestalten.

Umweg nach Hause

Autor: Jonathan Evison
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04659-5
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (März 2015)

Benjamin Benjamin (er heißt wirklich so) hat das Leben übel mitgespielt. Bei einem Unfall hat er seine beiden Kinder verloren, und dieses furchtbare Schicksal hat weiter dazu geführt, dass seine Ehe zerbrach und seine Frau von ihm die Unterschrift unter die Scheidungspapiere verlangt.
Auch seine finanzielle Situation ist hoffnungslos, und so ist er froh, eine Anstellung als Pfleger bei Trev, einem unheilbar erkrankten jugendlichen Rollstuhlfahrer, zu bekommen.
Schnell wird er für den jungen Zyniker wichtig. Und, getrieben von seinem eigenen Schicksal, versucht er eine Versöhnung zwischen Trev und seinem runaway-Vater zu erreichen. Dazu packt Benjamin Trev in seinen Rollstuhl-Van und beginnt mit ihm eine Reise quer durch die USA von Washington State nach Salt Lake City.
Auf der Fahrt stoßen die Anhalterin Dot und später eine 17-jährige Schwangere kurz vor der Niederkunft zu ihnen. Gemeinsam erfahren diese Außenseiter, dass das Leben zwar hart und bisweilen grausam ist. Als sie aber anfangen, sich jeder für sich seinen Problemen zu stellen, ergibt sich für alle ein wenig neue Hoffnung …
Ein bewegender Roman voller skurriler und liebevoll gezeichneter Figuren, die dem Leser ans Herz wachsen und von denen er sich kaum trennen möchte – einfach wunderbares Lesefutter.

Die Vergeltung

Autor: Jan Brokken
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3- 462- 04725-7
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (März 2015)

Rhoon: ein niederländisches Dorf unmittelbar südlich von Rotterdam. Auch Rhoon ist im 2. Weltkrieg von der Wehrmacht besetzt. Und wie überall in Holland gibt es auch in diesem beschaulichen Dorf Einwohner, die mit den Deutschen sympathisieren bzw. sich mit ihnen arrangieren. Am 10. Oktober 1944 findet ein junger deutscher Soldat den Tod: Er läuft auf dem nachtdunklen Deich in eine herabhängende Hochspannungsleitung. Ein Unfall? Sabotage? Die folgende Vergeltungsmaßnahme jedenfalls ist entsetzlich: Sieben Männer aus dem Dorf werden hingerichtet, ihre Frauen und Kinder vertrieben, ihre Häuser in Brand gesteckt.
Wer verübte diesen Anschlag auf den jungen Soldaten? Und warum? Oder war es doch "nur" ein Unfall? Bis zum heutigen Tag machen sich die Dorfbewohner gegenseitig heftigste Vorwürfe. Jan Brokken, 1949 geboren und in Rhoon aufgewachsen, geht dem Ereignis mit detektivischem Spürsinn auf den Grund. Zusammen mit einem Historiker hat er Interviews mit 185 Zeitzeugen und Hinterbliebenen geführt, in Archiven in Deutschland und den Niederlanden geforscht, tausende Seiten aus Gerichtsakten und Zeugenprotokollen eingesehen. So versucht er eine Rekonstruktion der Ereignisse vom Oktober 1944. Die Suche nach der Wahrheit gerät zur kriminalistischen Recherche. Indem er ganz dicht an die beteiligten Menschen ranzoomt, entsteht ein lebendiges, kraftvolles Bild eines Dorfes in Zeiten des Krieges, das die Vergangenheit auf einmal ganz nahrücken lässt. Doch am Ende seiner Recherchen konstatiert Jan Brokken: "Dennoch gilt: Jede Wahrheit ist lediglich eine Interpretation dessen, was sich in Wirklichkeit zugetragen hat."

"Die Vergeltung" (auf niederländisch "De Vergelding") war für sieben Literaturpreise in den Niederlanden und Belgien nominiert als bestes Sachbuch des Jahres. Das Buch stand wochenlang auf Platz 1 der niederländischen Bestsellerliste.

Das stille Land

Autor: Tom Drury
Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-98022-6
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (März 2015)

Pierre Hunter, ein junger Barkeeper in einem kleinen Ort in Iowa, hatte schon immer mehr Glück als Verstand. Auch an diesem einen Sonntagnachmittag im Februar, als er beim Schlittschuhlaufen auf dem Lake Lens, an einer Stelle mit sehr dünnen Eis, in den See einbricht. Eine gefühlte Ewigkeit versucht er sich dem eiskalten Wasser zu entziehen, bricht immer wieder ein und schafft es nicht aus eigener Kraft heraus. Zu Stolz um nach Hilfe zu rufen ist er kurz davor zu erfrieren, als eine Frau in einem langen orangefarbenen Mantel am Rand des Sees erscheint. Sie zieht ihn aus dem eisigen Wasser und nimmt ihn mit zu sich nach Hause. Eine scheinbar schicksalhafte Begegnung, denn Pierre und Stella, die schöne Retterin, verlieben sich ineinander und verbringen von nun an viel Zeit miteinander. Doch der Leser weiß, dass das Aufeinandertreffen der beiden alles andere als Zufall gewesen ist und diese romantische Affäre wohl einen bestimmten, uns bis dahin noch unbekannten Zweck dienen soll. Viele solcher unheimlichen Dinge geschehen in „Das stille Land“. Nicht immer ist alles mit einfacher Logik zu erklären, so dass die Geschichte des Pierre Hunter manchmal wie eine Traumsequenz wirkt. An anderer Stelle erzählt Tom Drury wiederum so nüchtern von Land und Leuten, dass sein Roman eher wie ein Sittengemälde über den Mittleren Westen der USA wirkt. Pierre wird im Laufe der Geschichte das Schicksal noch oft herausfordern und schließlich wird es für ihn ein Kampf um Leben und Tod.




Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek

Autor: David Whitehouse
Verlag: Tropen
ISBN: 978-3-608-50184-3
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (März 2015)

Bobby Nusku ist der ängstliche Junge von nebenan. Er sammelt Haare, Kleidungsstücke und sonstige Fundstücke seiner verschwundenen Mutter, nebenbei bereitet er alles für ihre Rückkehr vor. Sein Vater ist ein grober Tyrann und dessen Freundin eine Wasserstoffblondine wie sie im Buche steht. Sein bester Freund und Beschützer ist ohne Vorankündigung weggezogen, zurück bleibt ein einsamer Bobby. Bis er Rosa und ihre Mutter Val kennen lernt. Rosa sammelt Namen und Bobbys scheint ihr sehr zu gefallen. Val putzt einmal wöchentlich den Bücherbus, bis die Fördermittel gestrichen werden und der Bücherbus schließen muss.
Zum ersten Mal in ihrem Leben wird Val straffällig, Diebstahl eines Bücherbusses und Entführung eines Kindes. Doch für Bobby ist es eine Befreiung, der Beginn eines großen Abenteuers und einer wunderbaren Freundschaft. Zusammen mit Joe, der ebenfalls auf der Flucht ist, reisen sie mit den vielen Büchern und Geschichten quer durch England.

Eine Reise mit einem Bücherbus stelle ich mir an sich schon faszinierend vor. Die Reise dieser ungewöhnlichen Fahrgemeinschaft krönt nochmal jedes Abenteuer. Eine tragikomische Geschichte über die Suche nach dem Glück, wunderbar herzerwärmend erzählt.





Atlantia

Autor: Ally Condie
Verlag: Fischer FJB
ISBN: 978-3-8414-2169-2
Preis: 16,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (März 2015)

Langes Leben, Gesundheit, Stärke und Glück - Mit diesen Eigenschaften sind die Menschen im Unten gesegnet. Sie leben tief im Meer, in Atlantia, einer Stadt unter Wasser, während ihre Mitmenschen an der Oberfläche leben und sich der Umweltverschmutzung aussetzen, um das Überleben der Menschen Unten zu sichern. Denn auf sich alleine gestellt sind sie verloren.

Auch die Zwillingsschwestern Rio und Bay leben in Atlantia. Während Bay für ihre Stadt lebt und nie weg möchte, wünscht Rio sich nichts sehnlicher als ihr Zuhause zu verlassen, echte Bäume an der Oberfläche zu sehen und frische Luft zu atmen.
Doch Rio kann nicht gehen, denn nach dem Tod ihrer geliebten Mutter musste sie Bay versprechen, sie niemals alleine zu lassen.
Doch am Jahrestag der großen Trennung gerät Rios Leben aus den Fugen: Bay entscheidet sich für ein Leben im Oben – somit wird Rio nie an die Oberfläche kommen. Denn um das Überleben in Atlantia zu sichern, muss immer ein Familienmitglied zurück bleiben.

Während Rio alleine in der Stadt am Meeresgrund zurück bleibt, versucht sie verzweifelt die Entscheidung ihrer Schwester zu verstehen und fasst den Entschluss, aus der Stadt zu fliehen um ihre Schwester zu suchen.
Deshalb nimmt Rio illegal auf dem Schwarzmarkt an Schwimmwettkämpfen teil, um sich etwas Geld für eine Sauerstofflasche zu verdienen. Dabei muss sie nicht nur auf die Hilfe ihrer verhassten Tante Maire vertrauen, sondern findet auch in True, einem Mechaniker, einen Freund. Doch dieser scheint mehr über Rios Geheimnis zu wissen, als ihr lieb ist. Denn Rio ist eine Sirene. Einst wurden sie verehrt, doch heute sind sie nur nich verhasst...
Trotzdem hält True zu Rio und schnell stoßen die beiden auf Gefahren, die nicht nur ihr Leben, sondern das Überleben von ganz Atlantia bedrohen.
Denn was ist, wenn die Menschen Oben nicht länger für die Menschen Unten sorgen wollen?

Ally Condie hat eine neue Art der Jugenddystopie geschaffen, die so detailgetreu beschrieben ist, dass sie einen daran glauben lässt, dass ein Leben unter Wasser wirklich möglich sein könnte.

Die Schuld der anderen

Autor: Gila Lustiger
Verlag: Berlin
ISBN: 978-3-8270-1227-2
Preis: 22,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Februar 2015)

Im Fall eines Mordes an einer Prostituierten wird 30 Jahre nach der Tat ein Verdächtiger verhaftet – neue Möglichkeiten der DNA-Auswertung hatten zu ihm geführt. Eigentlich nur eine 2-Zeilen-Meldung für den Journalisten Marc Rappaport, aber der Fall weckt sein Interesse.
Je tiefer er dem Opfer nachspürt, desto schwieriger wird der Hintergrund der Tat. Und auf einmal ist es ein Wirtschaftsskandal aus den 1980er-Jahren, dem er nachspürt, mit einer großen Anzahl von Krebserkrankungen, die hätten vermieden werden können. Und es wird immer klarer – es gibt eine mächtige Figur im Hintergrund beider Fälle: jemand, der die Fäden damals gezogen hat und heute noch zieht.
Rappaport, selbst Spross einer Industriellenfamilie, kämpft an vielen Fronten – auch mit sich selbst, greift der Fall doch auch immer stärker in seine private Beziehung ein. Und es gelingt ihm schließlich, beide Fälle zu lösen – wenn auch zu einem hohen Preis …
Es ist nicht nur der Kriminalfall und der Wirtschafts-Thriller, die dieses Buch spannend machen, es sind auch die fast beiläufig eingestreuten Analysen des politischen System Frankreichs, seiner Mächtigen, der Rückblick in die Zeit der kontraproduktiven Vergesellschaftung von Schlüsselindustrien unter Mitterand. Und ebenso nebenbei lässt Marc Rappaport, der studierte Philosoph, den Leser an kleinen philosophischen Exkursen teilhaben: Hobbes, Rousseau, Macchiavelli und Andere in kurzen Darstellungen der Grundzüge ihrer Denkschulen – souverän!

True Crime

Autor: Sam Millar
Verlag: Atrium
ISBN: 978-3-85535-513-6
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Februar 2015)

Sam Millar hatte in den letzten Jahren die viel beachteten und mich wirklich überzeugenden Thriller um den Belfaster Privatdetektiv Karl Kane veröffentlicht. Jetzt hat der Atrium Verlag Millars neues Werk herausgegeben: "True Crime" ist wieder enorm spannend - dabei ist es so ganz anders als seine Vorgänger: "True Crime" erzählt Millars Autobiografie. Und die soll so spannend sein, dass sie es mit einem harten Thriller aufnehmen kann? Ein kurzer Blick in Millars Lebenslauf liefert die Antwort:

1955 in Belfast geboren, in einem Viertel, das seit Jahrzehnten Schauplatz von gewaltsamen Auseinandersetzungen ist. Als seine Mutter eines Tages spurlos verschwindet, geht Sam von der Schule ab, arbeitet in einem Schlachthof. Mit sechzehn gerät er in die Kreise der IRA, wird von der Polizei verhaftet und im Schnellverfahren inhaftiert. Mehrere Jahre sitzt er in Long Kesh, dem berüchtigten nordirischen Gefängnis, muss die brutale Misshandlung durch das Wachpersonal und die britischen Soldaten erdulden. Nach seiner Entlassung geht Millar nach New York, arbeitet zunächst illegal in Spielcasinos, eröffnet einen Comicladen - und überfällt ein Gelddepot der Firma Brink's. Bei diesem bis heute nicht restlos aufgeklärten Verbrechen werden über sieben Millionen Dollar erbeutet. Über ein Jahr nach der Tat wird Millar gefasst. Allerdings kann ihm nur der Besitz, nicht aber der Raub des gestohlenen Geldes nachgewiesen werden. Seine Haftstrafe fällt mit fünf Jahren 'bescheiden' aus. Zwei Jahre verbüßte er in New York, den Rest in Belfast...

Sam Millar spielt in seiner Biografie nicht den Helden. Er schildert nüchtern seinen Lebensweg, beschreibt Ereignisse, die ihn zu dem werden ließen, der er geworden ist. Und er schreibt mit Wut im Bauch, wenn er auf seine Zeit in Long Kesh zu sprechen kommt: "Nicht ein einziger Wärter ist je wegen Folter, Vergewaltigung oder Misshandlung nackter, schutzloser Häftlinge angeklagt worden... Bis dieses Unrecht gesühnt worden ist, gibt es keinen persönlichen Frieden für mich. Die Männer, die Spaß an der Folter hatten, kann ich weder vergessen noch ihnen vergeben." (Sam Millar 2014, mehr als dreißig Jahre danach)

Wo ein bisschen Zeit ist...

Autor: Emil Ostrovski
Verlag: Fischer FJB
ISBN: 978-3-8414-2160-9
Preis: 16,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Februar 2015)

Mit 18 Jahren hält sich die Freude über eine Vaterschaft bei den meisten wahrscheinlich eher in Grenzen.
So auch bei Jack, er rät seiner Freundin Jess zur Abtreibung und fliegt damit hochkant aus ihrem Leben.
Bis zum Tag der Entbindung. Ein Anruf von Jess genügt und Jack steht am Krankenbett. Seiner Ex-Freundin geht es gut, doch sein Sohn trennt nur noch eine Unterschrift von seinen Adoptiveltern.

Die Situation gerät außer Kontrolle. Jack entführt seinen eigenen Sohn aus dem Krankenhaus, kauft Hals über Kopf ein Auto und holt seinen besten Freund Tommy zu Hilfe. Er schafft es sogar, Jess ins Auto zu lotsen, und gemeinsam sind die vier zwei Tage lang auf der Flucht vor der Polizei. Jack möchte seinen Sohn Sokrates, wie er ihn inzwischen nennt, seiner dementen Großmutter zeigen und er möchte von ihm Abschied nehmen, bevor er zu den Adoptiveltern kommt.

So eine Reise eignet sich für ein spannendes Abenteuer, ebenso um mit seinem Sohn zu diskutieren und ihm einfach mal die Welt zu erklären. Für Jack ist es die Gelegenheit, über die ganz großen Fragen des Lebens zu sprechen. Es sind imaginäre Gespräche, die er mit seinem Sohn führt, aber sie helfen ihm dabei, zu sich selbst zu finden und mit sich selbst ins Reine zu kommen.

Emil Ostrovski hat mit seinen erst 23 Jahren einen hervorragenden Roman geschrieben.

Aufstieg und Fall großer Mächte

Autor: Tom Rachman
Verlag: DTV
ISBN: 978-3-423-28035-8
Preis: 21,90 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Februar 2015)

Bisher hat Tooly Zylberberg ein äußerst unstetes Leben geführt. Heute hier, morgen da, immer mit der Möglichkeit, jederzeit alles hinter sich lassen und irgendwo ein neues Leben beginnen zu können.

Als Kind wohnte sie einige Zeit unter mysteriösen Umständen mit ihrem Vater in einem Hotel in Bangkok, wobei die beiden stets darauf achten mussten, nicht aufzufallen und jederzeit weiterziehen zu können. Später dann ein Leben als Trickbetrügerin mit einem Haufen schrulliger Typen in New York. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Italien verschlug es sie schließlich in ein kleines Dorf in Wales.

Nun ist sie Anfang dreißig und stolze Besitzerin einer kleinen, feinen, Geld verschlingenden Buchhandlung. Mit ihrem Angestellten (den sie ausschließlich von ihren Ersparnissen bezahlen kann) verbringt sie die Zeit damit, alte Bücher zu lesen und ein bis zwei Touristen am Tag zu unterhalten. Es sieht ganz danach aus, als ob auch dies wieder nur ein zeitlich begrenztes Kapitel im abenteuerlichen Leben Tooly Zylberbergs sein wird. Denn Tooly wartet nur darauf, dass ihr das Geld endgültig ausgeht und sie zwangsläufig ihre Zelte abbrechen muss. Wie immer will sie alles hinter sich lassen und keinen weiteren Gedanken an die Vergangenheit verschwenden.


Doch eines Tages holt sie genau diese Vergangenheit ein. Duncan, ein alter Freund aus New Yorker Zeiten, kontaktiert sie mit der Frage: „Können wir über deinen Vater reden???“ Er berichtet, dass ihr Vater in New York überfallen wurde, es ihm seit dem sehr schlecht gehe und Duncan sich regelmäßig um ihn kümmere. Diese Information bringt Tooly völlig aus dem Konzept. Denn sie weiß, dass ihr Vater nicht in New York ist und dass Duncan ihn eigentlich auch nicht kennen kann. Doch wer ist dann der Mann von dem er spricht? Tooly setzt sich ins nächste Flugzeug und fliegt nach New York, der Vergangenheit entgegen.

Glückliche Menschen küssen auch im Regen

Autor: Agnès Martin-Lugand
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7645-0528-8
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Februar 2015)

Mit einem Schlag ist Dianes Leben zerstört. Ihr Mann Colin und ihre Tochter Clara sind bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommen und für Diane hat das Leben keinen Sinn mehr.
Sie lebt seit einem Jahr zurückgezogen in ihrer Wohnung, möchte nicht mehr arbeiten, geht nicht mehr in ihr geliebtes Literaturcafé, welches sie mit ihrem besten Freund Félix betreibt. Doch Félix gibt Diane nicht auf, kümmert sich um sie und sorgt für einen letzten Rest Ordnung im Leben seiner Freundin.
Kurzentschlossen fasst er den Entschluss mit Diane in Urlaub zu fahren, damit diese wieder mehr an ihrem eigenem Leben teilnimmt. Doch Diane rappelt sich endlich auf und hat andere Pläne – sie möchte auswandern. Nach Irland. Denn dorthin wollte Colin schon immer mit ihr in Urlaub fahren.
Kurz entschlossen verlässt Diane Paris, um in dem kleinen Ort Mulranny, an der Küste Irlands, wieder zu sich selbst und in ihr Leben zu finden.
Und tatsächlich: Diane findet auf ihrer Reise ins Ungewisse nicht nur zu sich selbst zurück, sondern lernt auch einen ganz besonderen Menschen kennen, der ihr zeigt, dass glückliche Menschen auch im Regen küssen können...

Die Kunst zu sterben

Autor: Anna Grue
Verlag: Atrium
ISBN: 978-3-85535-202-9
Preis: 19,90 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Januar 2015)

Der letzte Fall des „kahlköpfigen Detektivs“ Dan Sommerdahl hatte einen ernsten Konflikt zwischen ihm und seinem Polizeifreund Flemming Torp heraufbeschworen.
Doch dann wird die Literaturkritikerin Ingegerd Clausen ermordet im Atelier ihrer Tochter Kamille aufgefunden. Kommissar Torp verdächtigt Kamille, doch es fehlen ihm Beweise, und außerdem ist Kamille schwer reich verheiratet und ihr Mann hat großen Einfluss.
Als Dan Sommerdahl zusammen mit Kamille in die Reality-TV-Show „Mörderjagd“ eingeladen wird, springt Flemming Torp über seinen Schatten und bittet Dan, Kamille vor laufenden Fernsehkameras auf den Zahn zu fühlen.
Doch die Sache bekommt eine eigene Dynamik, und unversehens wird aus einem Fernsehspiel blutiger Ernst …
Dritter Fall um Flemming Torp und Dan Sommerdahl: atmosphärisch, spannend, dänisch gut, genau das richtige für dunkle Januartage!

Geheimer Ort

Autor: Tana French
Verlag: Fischer Scherz
ISBN: 978-3-651-00051-3
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Januar 2015)

St. Kilda ist ein traditionsreiches Mädcheninternat in Dublin. Wer hier seine Schulzeit verbringt, hat reiche Eltern. Die Mädchen lernen überaus wohlbehütet und isoliert, lediglich die älteren Jahrgänge dürfen ihre knapp bemessene freie Zeit außerhalb des Internatskomplexes verbringen. Allerdings hat die scheinbar traute Atmosphäre vor einem Jahr Risse bekommen: Im weitläufigen Park des Internats ist der sechzehnjährige Chris Harper erschlagen aufgefunden worden. Er war Schüler des in der Nähe liegenden Internats für Jungen. Der Mord an Chris konnte nicht aufgeklärt werden, es gab anscheinend weder Zeugen noch ein Motiv für die Tat.
Und jetzt hängt plötzlich ein Foto von Chris am Schwarzen Brett in St. Kilda - darauf der Text: "Ich weiß, wer ihn getötet hat." Der junge Detective Stephen Moran nimmt zusammen mit seiner Kollegin Antoinette Conway erneut die Ermittlungen auf: Nur eines von acht Mädchen aus einer Jahrgangsstufe kann das Foto aufgehängt haben. Acht Mädchen, die sich in zwei Cliquen gegenüberstehen, als unzertrennbare Freundinnen und erbarmungslose Feindinnen. Und die Detectives stoßen schnell an Grenzen. Sie haben unterschätzt, in welch verfängliches Netz sie sich begeben...

Mehr als zwei Jahre musste ich auf den neuen Krimi von Tana French warten. Jetzt endlich ist er da, genau so spannend wie seine Vorgänger. Wieder ist Dublin der Ort der Handlung, allerdings hat Tana French dieses Mal ein anderes als das aus früheren Fällen bekannte Ermittlerteam in den Vordergrund gestellt. Herausgekommen ist jedenfalls ein absoluter Pageturner, der ohne übermäßige Action und Gewaltschilderungen auskommt. Und jetzt muss ich wieder zwei Jahre warten...

Die Sache mit dem Glück

Autor: Matthew Quick
Verlag: Kindler
ISBN: 978-3-463-40084-6
Preis: 18,95 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Januar 2015)

Bartholomew ist 39 Jahre alt als seine Mutter stirbt. Bis dahin hat er sein ganzes Leben an ihrer Seite verbracht. Da der Vater wahrscheinlich vom Ku-Klux-Klan ermordet wurde, mussten die beiden ohne ihn klarkommen. Bisher war das auch kein größeres Problem, aber jetzt, wo die Mutter nicht mehr da ist, ist Bartholomew zum ersten Mal auf sich allein gestellt. Und das klappt leider nur so mittelprächtig. Zwar sind alle sehr nett zu ihm, Bartholomew besucht regelmäßig die Gottesdienste, Father McNamee, der Pfarrer der Gemeinde kümmert sich rührend um ihn und eine junge Psychologiestudentin hilft ihm bei der Trauerbewältigung. Doch Matthew schafft es nicht sein Leben richtig anzupacken, ihm einen neuen Sinn zu geben. Er weiß, dass dazu Mut gehört, den er nicht hat. Wie gerne würde er die junge Bibliothekarin ansprechen oder wenigstens mal mit jemanden in seinem Alter ein Bier trinken gehen.
All seine Gedanken hält er in Briefen fest. Diese richtet er immer an den Schauspieler Richard Gere. Denn den mochte seine Mutter immer besonders gern. So gern, dass sie Bartholomew in ihren letzten Tagen sogar nur mit „Richard“ ansprach und er sich für diesen ausgab. Aber bisher hat der berühmte Buddhist noch nicht auf seine Schreiben reagiert und so ist Bartholomew weiter auf der Suche nach einer Antwort.
Als er eines Tages nach Hause kommt, sitzt Father McNamee vor seiner Haustür. Er erzählt ihm, dass er den Kontakt zu Gott verloren habe und ab sofort bei Bartholomew wohnen wolle, da er der Kirche den Rücken gekehrt habe. Nicht leicht zu verkraften für den tiefgläubigen Bartholomew.
Außerdem lernt er kurz darauf Max in der Trauerbewältigungsgruppe kennen. Dieser flucht zwar ohne Unterlass und behauptet seine Schwester sei von Aliens entführt worden, aber er lädt Bartholomew gleich nach der ersten Sitzung auf ein Bier ein. Und so schleicht sich plötzlich das Leben in Bartholomew Neils kleine Welt.

Steine im Bauch

Autor: Jon Bauer
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04652-6
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Januar 2015)

Abwechselnd erzählt der Ich-Erzähler als Erwachsener und als Kind seine Geschichte. Als Kind stellte er viele dumme Sachen an. Er sperrte die Katze in der Dusche ein oder wollte sie sogar in der Waschmaschine waschen. Auslöser war seine grenzenlose Eifersucht gegenüber den Pflegekindern, die seine Mutter immer wieder aufnahm. Am schlimmsten traf es ihn mit Robert. Robert war mit seinen fast 13 Jahren fünf Jahre älter als er und durfte damit weit aus mehr als er selbst. Robert machte den Pflegeeltern nur Freude und wurde schon bald zum Liebling der Mutter. Zu diesem Zeitpunkt fühlte sich der Sohn endgültig allein gelassen und ungeliebt, es kam zu einem tragischen Unfall mit Robert.

Jahre später kehrt den nun 28-jährige Sohn zu seiner Mutter zurück, der Vater ist inzwischen verstorben und seine Mutter schwer erkrankt. Nie haben Mutter und Sohn über die damaligen Ereignisse gesprochen. Jetzt ist die letzte Gelegenheit dafür und so versucht er seine Mutter damit zu konfrontieren, dass ihr die Pflegekinder, insbesondere Robert, immer wichtiger gewesen sind. Doch für eine Aussprache ist es zu spät und wieder einmal hat er seine Wutausbrüche nicht mehr unter Kontrolle...

Jon Bauer schafft es, dass der Leser mit dem eigentlich unsympathischen Erzähler Mitgefühl empfindet. Spannend und unsentimental zeigt er die Hilflosigkeit des Erzählers auf. Es sind die verletzten Menschen, die Menschen verletzen, heißt es an einer Stelle im Buch. Wie erlittene Verletzungen in der Kindheit immer noch das Leben eines Erwachsenen bestimmen können, erzählt Jon Bauer mit Bravour.

Das fremde Mädchen

Autor: Katherine Webb
Verlag: Diana
ISBN: 978-3-453-29165-2
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Januar 2015)

Bath, 1803:
Ein kleines, halb verhungertes Mädchen erscheint vor der Tür von Lord Faulkes Mündel, Alice, und bekommt dort Obhut angeboten. Die junge Alice gibt dem kleinen Mädchen den Namen Starling und schnell entwickelt sich ein tiefes Vertrauen zwischen den beiden. Gemeinsam mit Lord Faulkes Enkel Jonathan Alleyn erleben sie kleinere Ausflüge und es kristallisiert sich heraus, dass Alice und Jonathan Zuneigung für einander empfinden. Doch plötzlich verschwindet Alice spurlos und nur Starling, die von der Verbindung zwischen Jonathan und ihrer Freundin wusste, hegt die Vermutung, dass der junge Mann etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hat...

1821:
Rachel, frisch verheiratet mit dem Weinhändler Richard, findet eine Anstellung im Hause Jonathan Alleyns um dessen Gesellschafterin zu sein. Doch schon bald stellt sich heraus, dass sie aus einem ganz anderen Grund angestellt wurde, denn nicht nur Jonathan, sondern auch dessen Mutter scheinen in Rachel eine lang vermisste Person zu sehen: die verschwundene Alice Berwick. Nach und nach erfährt Rachel, dass sie und die verschwundene junge Dame sich zum Verwechseln ähneln.
Außerdem bemerkt Rachel eine gewisse Angespanntheit zwischen der Hausangestellten Starling und dem Herrn des Hauses, Jonathan. Rachel deckt nach und nach ein lang gehütetes Geheimnis auf, welches nicht nur ihre eigene Zukunft betrifft, sondern die aller Bewohner des Hauses Alleyns.

Die Frau auf der Treppe

Autor: Bernhard Schlink
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06909-9
Preis: 21,90 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Dezember 2014)

Der Erzähler im Dezember-Buchtipp, ein Anwalt für internationale Unternehmensfusionen, stößt anlässlich einer Dienstreise in Sydney auf das Bild „Die Frau auf der Treppe“. Es ist ihm gut bekannt aus seiner Anfangszeit als Anwalt, als er den Maler in einem Streit mit dem Besitzer des Aktes vertrat. Eine komplizierte Geschichte, in der es vordergründig um das Bild ging, viel eher aber um den Streit zweier Männer um die Frau auf dem Bild. Der Anwalt verliebte sich ebenfalls in diese Frau, Irene, die ihn aber ebenso wie die Streithähne unter Mitnahme des Bildes abschüttelte.
In Sydney beauftragt der Anwalt einen Privatdetektiv damit, die Besitzerin herauszufinden und trifft, vierzig Jahre später, Irene wieder. Sie hat ein bewegtes, er ein eher voraussagbares Leben hinter sich, beide jedoch sind enttäuscht – aus unterschiedlichen Gründen.
Ein streng erzählter, sehr formaler Roman. Kurze Sätze und Kapitel, eine eigene Ästhetik. Vordergründig eine Geschichte um Lieben und Scheitern, stellt sich dahinter - durch die interessante Konstellation von Figuren - die Frage, welche Bilder wir uns von Menschen machen. Von der Frau Irene machen sich drei Männer unterschiedliche Bilder – und doch entspricht sie keiner dieser Projektionen. Sie geht einen eigenen Weg, auf der Flucht vor dieser Fremdbestimmung – und findet zwar einen Ausweg, aber keine wirkliche Selbstbestimmung.

Panic - Wer Angst hat, ist raus!

Autor: Lauren Oliver
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-58329-1
Preis: 17,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Dezember 2014)

Carp ist ein ödes Städtchen irgendwo im Staat New York. Ein Einkaufszentrum inmitten von Schnellstraßen, Fastfoodketten, verwahrloste Wohnwagensiedlungen, ansonsten viel Natur außerhalb des Zentrums, Wald, Baggerseen, ein Fluss. Ein Ort, der die jugendlichen Bewohner einfach nur furchtbar langweilt.
Deshalb hat vor Jahren jemand 'Panic' erfunden. Ein verbotenes Spiel, an dem jeweils nur die Schulabgänger der lokalen Highschool teilnehmen dürfen. Das Spiel startet immer im Sommer nach dem Abschlußball, an kurzfristig mitgeteilten Orten, an denen Prüfungen stattfinden. Wer nicht besteht ist raus, die anderen spielen weiter, bis der Sieger feststeht, an anderen Orten, bei anderen Prüfungen. Oder sagen wir besser Mutproben. Denn bei 'Panic' geht es nun wirklich nicht um Kopfrechnen. Man kann eine Menge Geld gewinnen, man kann aber auch sein Leben verlieren. Der Einsatz ist also verdammt hoch. Die erste Prüfung scheint noch relativ ungefährlich zu sein: Ein Sprung von einem zehn Meter hohen Felsen in den Baggersee...

Lauren Oliver hat einen verdammt spannenden Jugendroman geschrieben. Natürlich geht es um Mut, um Druck, um Angst, aber auch um die Erkenntnis, wer ein richtiger oder ein falscher Freund ist. 'Panic' wird jeden Spieler verändern.

Das Lied der Freiheit

Autor: Ildefonso Falcones
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 978-3-570-10196-4
Preis: 24,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Dezember 2014)

Sevilla 1748: Die junge schwarze Kubanerin Caridad erhält in Spanien ihre Freiheit. Eine Freiheit mit der sie allerdings nichts anzufangen weiß, denn als nun ehemalige Sklavin steht sie mittellos in einem fremden Land, hier will ihr niemand Arbeit noch Unterkunft geben.

Nur durch Zufall findet sie Unterschlupf bei der Zigeunerfamilie Vega und freundet sich mit der noch jungen Sängerin Milagros an. Caridad erfährt zum ersten Mal in ihrem Leben echte Zuneigung. Doch ihre Wege trennen sich, als 1749 die Große Razzia durchgeführt wird. Zigeunerfamilien werden auseinander gerissen, die Männer zur Zwangsarbeit verpflichtet, Frauen und kleine Kinder eingesperrt. Caridad wird wegen ihrer Hautfarbe verschont und auch Milagros kann flüchten, Milagros Mutter gerät allerdings in Gefangenschaft. Niemand kann ihrer Mutter helfen, Bestechungsgelder werden benötigt, aber die noch freien Zigeuner besitzen selbst nur das Nötigste zum Überleben. So führt Milagros' von Schicksalsschlägen gepflasterter Lebensweg sie nach Madrid, dort wird sie bald als Sängerin und Flamencotänzerin gefeiert. Lange hält ihre Glückssträhne allerdings nicht an, schon bald spielt ihr Ehemann ihr übel mit und auch dessen Familie will sie verstoßen.

Auf fast 750 Seiten hält Ildefonso Falcones den Leser mit Caridad, Milagros und deren Familie in Atem. Er lässt den Flamenco wieder aufleben und führt uns durch eine Welt voll Liebe und Hass, Sehnsucht und Hoffnung.
Zusammen lässt er die beiden Frauen das Lied der Freiheit singen.





The Drop - Bargeld

Autor: Dennis Lehane
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06915-0
Preis: 19,90 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Dezember 2014)

Bob ist ein typischer Verlierer. In der Kindheit von seinen Eltern verhätschelt, ist er heute viel zu weich für die harte Welt, in der er lebt. Er wohnt allein im Haus seiner inzwischen verstorbenen Eltern und hat nicht einen einzigen richtigen Freund, der diesen Namen auch verdienen würde. Seit knapp zwanzig Jahren arbeitet er in der Bar seines Cousins Marv. Wobei diese Bar eigentlich nur noch dem Namen nach Marv gehört. Bereits vor Jahren hat er sie an die tschetschenische Mafia verloren. Trotzdem arbeiten die beiden noch immer dort, die Bar trägt auch weiterhin Marvs Namen, aber tatsächlich ist er bestenfalls Bobs Vorgesetzter.
Die Bar fungiert als so genannter „Drop“. Gemeint ist damit ein Ort, eine Bar oder Ähnliches, in dem illegale Gelder z.B. aus Drogengeschäften oder von Wetteinnahmen zwischengelagert werden, um sie an potenziellen Polizeirazzien vorbei bugsieren zu können.

Als sie dort eines Tages überfallen werden und die bewaffneten Gangster alle Bareinnahmen mitnehmen, nimmt die Polizei den Fall auf und die Bar bekommt plötzlich mehr Aufmerksamkeit als allen Beteiligten lieb ist.
Doch auch wenn alles so finster wirkt gibt es zu weilen ein paar kleine Lichtblicke für Bob. Zufällig findet er einen halbtoten Welpen im Müll und nimmt sich seiner an. Durch ihn lernt er die undurchschaubare Nadia kennen, die ihm hilft den Hund zu versorgen. Als er immer mehr Zeit mit den beiden verbringt, bekommt er plötzlich eine Ahnung davon was es bedeuten könnte, glücklich zu sein. Fragt sich nur, wie lang dieses Glück anhalten kann.

Endgame - Die Auserwählten

Autor: James Frey
Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3-7891-3522-4
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Dezember 2014)

Vor langer Zeit kamen lebende Götter, die Annunaki, oder auch Himmelsvolk genannt, auf die Erde und erschufen die Menschen, welche die Erde besiedeln sollten. Doch die Menschen sollten nicht ewig auf der Welt leben, sondern nur so lange, wie sie die Erde zu schätzen wissen und sie nicht als selbstverständlich hin nehmen würden. Sollte dies geschehen, würde Endgame beginnen.

Und Endgame hat begonnen. Zwölf Meteoriten schlagen auf der Erde ein, zum Zeichen für die 12 Auserwählten, dass die Zeit nun gekommen ist. Generationen über Generationen von Spielern wurden für diesen besonderen Moment ausgebildet. Denn wenn Endgame begonnen hat, geht es nur um eins: das nackte Überleben. Und es gibt kein Zurück.
Jeder der zwölf Auserwählten kämpft für das Überleben seines eigenen Geschlechts, denn nur die Angehörigen des Geschlechts, dem der Gewinner entstammt, werden Endgame überleben.

Und so reisen 12 Jugendliche im Alter von 13 bis 19 Jahren um die Welt, um das Rätsel, welches die Annunaki ihnen gestellt haben, zu lösen. Ihnen wurden Hinweise übermittelt, mit deren Hilfe es den Auserwählten möglich sein wird, drei Schlüssel zu finden. Und nur wer diese Hinweise richtig deuten und die Aufgabe erfüllen wird, wird als Gewinner für sich und sein Geschlecht aus Endgame hervorgehen. Aus einem Spiel auf Leben und Tod.

James Frey hat mit seiner Dystopie mehr als nur ein wunderbares Werk geschaffen, denn versteckt in Endgame lauern Hinweise für ein gigantisches Krypto - Rätsel im Netz. Und der Leser, der das Rätsel als erster löst, gewinnt 500.000 Dollar in Gold...

Die Farben der Hoffnung

Autor: Lavanya Sankaran
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06907-5
Preis: 22,90 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (November 2014)

Indien ist eines der sich am schnellsten entwickelnden Länder der Welt, gleichzeitig aber auch eines mit den größten sozialen Unterschieden. Die größten Gegensätze liegen hier dicht beieinander, Aufstieg wie Fall sind jederzeit möglich. Heilige Kühe treffen auf modernste Industrie; Aufklärung auf Korruption – hier ist wirklich alles möglich.
In der Boom-Metropole Bangalore zeigen sich diese verschiedenen Welten besonders deutlich. Hier lebt der erfolgreiche Unternehmer Anand, Besitzer einer aufstrebenden Zulieferfirma für die Automobilindustrie. Er möchte expandieren, Aufträge aus Japan winken, doch er braucht dafür Geld und Land. Beides ist nicht leicht zu haben, und auf einmal sind in einer korruptionsanfälligen Gesellschaft seine familiären Bindungen nicht mehr hilfreich, sondern fatal.
Zu seinem Haushalt gehört Kamala, ein bitterarmes Dienstmädchen. Sie hat andere Sorgen. Ihr talentierter Sohn, auf dem alle Hoffnungen Kamalas für eine bessere Zukunft liegen, droht auf die schiefe Bahn zu geraten. Anand hilft ihm, doch seine launische Frau gefährdet die Aussicht Kamalas auf ein besseres Leben.
Die Schicksale beider Protagonisten sind völlig verschieden, ihre Sorgen ähnlich. Und es ist spannend für den Leser, in diese Welt einzutauchen, den zähen Kampf sowohl Anands wie auch Kamalas mitzuerleben. Und zum Schluss keimt für beide Hoffnung auf …
Ein Roman, der mich fasziniert und noch lange in Gedanken beschäftigt hat; fesselnd, ohne Krimi zu sein; voller Unterschiede und doch auch voller Parallelen zu unserer Gesellschaft:
Lesen!

Schlafende Hunde

Autor: Ian Rankin
Verlag: Manhattan
ISBN: 978-3-442-54723-4
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (November 2014)

Crime-Time in Edinburgh: John Rebus ermittelt wieder. Eine disziplinarische Maßnahme hatte ihn eigentlich in den vorzeitigen Ruhestand befördert, doch es gibt genug zu tun bei der schottischen Polizei. Jetzt ist er erneut an Bord, allerdings zum Detective Sergeant degradiert. Er untersucht gerade einen Autounfall in der Nähe von Edinburgh, als bekannt wird, dass die Staatsanwaltschaft einen dreißig Jahre zurückliegenden Fall neu untersuchen will. Damals war Rebus' Team erfolglos beschuldigt worden, Beweise in einem Mordfall manipuliert zu haben. Ausgerechnet Malcolm Fox, der Rebus nicht über den Weg traut und doch auf seine Hilfe angewiesen ist, wird mit den internen Ermittlungen betraut. Rebus hat viel zu verlieren, und er muss sich entscheiden: zwischen den Freunden bzw. Exkollegen von damals, die langsam nervös werden, und dem Gesetz.

"Schlafende Hunde" ist bereits der 19. (!) Krimi mit John Rebus als Protagonist. Ich kenne sie alle und schätze sie alle, den einen mehr, den anderen weniger. Mir geht es da wie den Lesern von Donna Leons Commissario Brunetti: In schöner Regelmäßigkeit kommt ein neuer Band auf den Markt, und obwohl die wichtigen Figuren und Schauplätze mehr als bekannt sind, freue ich mich trotzdem jedesmal auf Nachschub.
Sie können übrigens jederzeit "quereinsteigen". Die Kenntnis der vorherigen Bände ist nicht erforderlich, um den kauzigen John Rebus bei seiner Arbeit begleiten zu können.

Der Ozean am Ende der Straße

Autor: Neil Gaiman
Verlag: Eichborn
ISBN: 978-3-8479-0579-0
Preis: 18,00 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (November 2014)

Ein Mann kommt nach langer Zeit zurück in seinen Heimatort in Sussex. Anlass ist eine Beerdigung, bei der er auf alte Bekannte und Verwandte trifft. Nach kurzer Zeit verlässt er die Gesellschaft wieder, um alleine durch die Gegend und durch seine Vergangenheit zu streifen. Da sein Elternhaus schon seit Jahren nicht mehr steht weiß er nicht so recht, wohin er soll und fährt mit seinem Auto zunächst planlos durch die Gegend. Er folgt den kurvenreichen Landstraßen, den immer verwinkelteren, schmaler werdenden Wegen. Und als die Straße schließlich vor ihm endet und er das alte Backsteingebäude vor sich erblickt, weiß er, dass er nicht ziellos unterwegs gewesen ist. Es ist die Farm der Familie Hempstock. Neugierig betritt er das Haus und trifft im Inneren auf eine alte Frau, die ihm seltsam bekannt vorkommt.

Und auf einmal sind alle Erinnerungen wieder da. Erinnerungen an seine Familie, an das Haus seiner Eltern, an sein Zimmer mit dem kleinen gelben Waschbecken, an den Geschmack der frischen, warmen Milch, die er auf der Farm zu trinken bekam, an den Ententeich, der ein Ozean war. Und schließlich die Erinnerungen an Lettie Hempstock und das größte und seltsamste Abenteuer seines Lebens.

Was zunächst ganz real im Hier und Jetzt beginnt verwandelt Neil Gaiman in ein poetisches Märchen, in dem ein kleiner Junge über sich hinaus wachsen und gegen dunkle Mächte ankämpfen muss und in dem Freundschaft Leben retten kann. Eine tolle Lektüre für einen dunklen, nassen Herbstabend zu Hause im Warmen - schaurig und schön zu gleich.

Die andere Hälfte der Hoffnung

Autor: Mechtild Borrmann
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3-426-28100-0
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (November 2014)

Seit der Katastrophe von Tschernobyl lebt Walentyna in der verbotenen Zone.
Sie wartet auf die Rückkehr ihrer Tochter. Schon vor Monaten ist ihre Tochter Kateryna mit ihrer Freundin und einem angeblichen Stipendium nach Düsseldorf gereist. Seitdem hat sie von den beiden Mädchen nichts mehr gehört. Voller Hoffnung, ihre Tochter irgendwann wiederzusehen, beginnt sie ihre Lebensgeschichte für Kateryna aufzuschreiben.

In Zyfflin füttert Matthias Lessmann gerade seine Hühner, als eine junge Ukrainerin vor ihren Verfolgern auf seinen Hof flüchtet. Lessmann versteckt die junge Frau und erfährt so von ihrer Flucht und ihrer ungeheuerlichen Geschichte. Ihre Freundin wird in Nimwegen gegen ihren Willen festgehalten und dort zur Prostitution gezwungen. Lessmann möchte gerne helfen, doch wie soll er Katerynas Freundin dort aufspüren?

Leonid Witalijowytsch arbeitet als Ermittler in der neu gegründeten Sondergruppe IV der Kiewer Miliz. Die Abteilungen >Vermisste< und >Organisiertes Verbrechen<, die auch für Menschenhandel zuständig war, werden zusammen geführt, um in Zukunft die Informationen besser nutzen zu können. Doch irgendwie wird ihre Arbeit immer wieder schwerwiegend behindert. Leonid erhofft in Deutschland einen Schritt weiter zu kommen und fährt auf eigene Faust nach Düsseldorf.

Mechtild Borrmann erzählt Zeitgeschichte, gut verpackt in einem spannenden Krimi.


Die Seiten der Welt

Autor: Kai Meyer
Verlag: Fischer FJB
ISBN: 978-3-8414-2165-4
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (November 2014)

In Furia Faerfax' Leben spielt die Bibliomantik, die Magie der Bücher, eine besondere Rolle.
Furia möchte nun auch endlich ihre bibliomantischen Kräfte entfesseln, doch das geht nur, indem sie ihr Seelenbuch findet.
Sie streift durch die unendlichen Weiten der eigenen Familienbibliothek in der Hoffnung, dieses für sie ganz besondere Buch zu finden, doch unerwartete Ereignisse durchkreuzen ihren Plan. Ihr kleiner Bruder Pip wird entführt und sie muss sich zunächst ohne fremde Hilfe auf die Suche nach ihm machen.
Furia beschließt in Libropolis, der Stadt der Bücher, nach Hilfe zu suchen. Sie begegnet der Diebin Cat, die gemeinsam mit ihrem Freund Finnian helfen möchte, Pip zu befreien. Doch bei ihrer Suche stoßen die drei nicht nur auf versteckte Parallelwelten, auch Refugien genannt, und werden Teil einer Rebellion der Exlibri, aus Büchern entsprungene Wesen, sondern schweben auch noch auf der Grenze zwischen Leben und Tod.
In seinem neuen Roman schafft Kai Meyer es wieder einmal, den Leser in eine komplett neue Welt zu entführen. So detailreich verfasst, kann man sich fast vorstellen, an Furias Seite durch Libropolis zu laufen.

Und morgen du

Autor: Stefan Ahnhem
Verlag: List
ISBN: 978-3-471-35105-5
Preis: 16,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Oktober 2014)

Diese Schweden! Scheinbar liegt das Schreiben von Höchstspannungs-Romanen dort in den Genen, sonst wäre nicht schon wieder ein neuer Autor aufgetaucht und hätte einen ganz starken Krimi abgeliefert!
Fabian Risk ist als Kommissar von Stockholm in seine Heimatstadt Helsingborg gewechselt. Kaum angekommen und noch in seinem Urlaub wird er in einen bizarren Fall einbezogen: Ein Serienmörder tötet nach und nach einen nach dem anderen seiner ehemaligen Klassenkameradinnen und -kameraden. Die Methoden des Mörders sind brutal und haben alle mit der Vergangenheit der Opfer zu tun, und immer ist er den Ermittlern mindestens einen Schritt voraus.
Die schwedischen Kriminalisten und auch ihre dänischen Kollegen, in deren Land der Täter ebenfalls wütete, kommen nur langsam weiter. Doch dann rückt auch noch Risks Familie in den Fokus des Mörders und er selbst verschwindet …
Wirklich mal wieder ein Roman, der eine durchlesene Nacht wert ist!

Spiel der Zeit

Autor: Ulla Hahn
Verlag: DVA
ISBN: 978-3-421-04585-0
Preis: 24,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Oktober 2014)

Nach den thematisch eng verwobenen Romanen "Das verborgene Wort" und "Aufbruch" legt Ulla Hahn nun mit "Spiel der Zeit" den dritten Teil der Lebensgeschichte von Hilla Palm vor. Palm, Arbeiterkind vom Dorf, genauer gesagt aus Donndorf am Rhein, ist als Studentin in Köln angekommen. Im turbulenten Jahr 1968 sucht sie hier heimisch zu werden, bezieht ein Zimmer im katholischen Studentinnenwohnheim und erkundet an der Uni die Welt der Sprache. Alles ist anders als in dem kleinbürgerlichen Heimatstädtchen. Eltern und Bruder fehlen ihr, sie muss lernen sich zurecht zu finden. Und doch bringt jeder Tag Neues: das erste selbstverdiente Geld, Freundschaften, das durchaus aufregende Leben im und am Campus, aber auch erste Berührungen mit handfester Politik. Streik gegen die Fahrpreiserhöhungen der KVB, Teilnahme am Ostermarsch, Protest gegen den Krieg in Vietnam... Hilla Palm erwacht zu einer jungen Frau in jener Zeit, als auch die Gesellschaft erwacht. Sie sehnt sich nach Orientierung im Leben und muss doch erkennen: Ich bin meine Vergangenheit. Erst als sie ihrer Liebe begegnet, findet sie Halt und Kraft für einen neuen Blick auf alte Verletzungen.

Ulla Hahn verwebt in ihrem neuen Roman erneut eigene Erfahrungen mit Erfindungen, lässt Hilla Palm erzählen und fällt der "kleinen Schwester" auch mal ins Wort. "Spiel der Zeit" ist ein Buch über die Jahre der Sehnsucht und Leidenschaft. Ein mitreißender Entwicklungsroman und zugleich ein imposantes Epochengemälde der 68er Jahre, eine der radikalen Umbruchphasen in der Geschichte der Bundesrepublik.

Auslöschung

Autor: Jeff Vandermeer
Verlag: Kunstmann
ISBN: 978-3-88897-968-2
Preis: 16,95 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Oktober 2014)

Area X, ein Ort, der nach einem verheerenden Ereignis vor dreißig Jahren von unsichtbaren Grenzen umschlossen ist. Niemand weiß, was mit dieser Gegend passiert ist. Die Natur verändert sich, überwuchert sämtliche menschliche Zivilisation. Schon elf Expeditionsgruppen wurden in den letzten Jahren hinein geschickt um herauszufinden, was dort vor sich geht. Niemand kam je so zurück wie er hinein ging.
Nun begleiten wir die zwölfte Expedition in die mysteriöse Area X, bestehend aus einer Anthropologin, einer Psychologin, einer Vermesserin und einer Biologin. Das ist zunächst auch schon alles, was wir von der Gruppe wissen, Namen gelten als überflüssig, Persönliches lenkt nur ab. Die Gruppe soll sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Das ist vielleicht auch das besondere an Jeff Vandermeers Erzählkunst. Er bezieht sich nur auf das Wesentliche. Wo andere Romane dieser Art zu dicken Wälzern werden, über viele hundert Seiten lang, schafft er es, seine Geschichte auf 230 Seiten zu beschränken und trotzdem eine so detailreiche Welt zu erschaffen, dass sie den Leser voll in ihren Bann zieht. Vandermeer strickt dichte Sätze, voll von Verweisen und Andeutungen, kein Buch, dass man nebenher liest.

Die vier Frauen machen sich also auf, die Gegend zu erkunden. Es werden nicht alle überleben, das erfahren wir schon zu Anfang. Und nur die Biologin wird uns ein wenig näher gebracht, aus ihren Aufzeichnungen wird uns von dieser zwölften Expedition berichtet. Sie berichtet, warum sie sich der Expedition anschloss, aber natürlich auch von all ihren Beobachtungen, dem was in der Area vor sich geht. Und das ist verstörend bis zuletzt. Eine Auflösung gibt es nicht. Vielleicht der einzige Haken an diesem Buch - man wird Teil zwei und drei lesen wollen.

Die Geschichte von Blue

Autor: Solomonica de Winter
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-30029-1
Preis: 14,90 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Oktober 2014)

Dies ist die Geschichte von der dreizehnjährigen Blue, die einen Mann töten möchte.
Den Mann, der ihren Vater auf dem Gewissen hat.
Seit Blue ihren Vater verloren hat, ist sie nicht mehr das Mädchen von früher.
Seit diesem Tag spricht die heute dreizehnjährige Blue nicht mehr und von nun an ist das Buch “Der Zauberer von Oz” ihr stetiger Begleiter, es war eines der wenigen Geschenke ihres Vaters. Blue lebt in der Welt dieses Buches und träumt, wie Dorothy im Buch wieder ihr Zuhause zu finden. Ihre Mutter Daisy ist mit der Situation und ihrer eigenen Trauer völlig überfordert. Immer tiefer versinkt sie im Drogenkonsum und ist ihrer Tochter damit keine Hilfe.
Blue liebt es Menschen zu verfolgen, und bei einem ihrer Streifzügen trifft sie auf James, den Mörder ihres Vaters, als er das frühere Restaurant ihres Vater betritt. Mehrmals verfolgt sie James und träumt davon, wie sie ihn erschießen wird. Jetzt braucht Blue nur noch eine Waffe und einen Plan.
Allein der um einige Jahre ältere Charly gewinnt Blues Vertrauen, er liebt die Verfilmung vom “Zauberer von Oz”, und bald schon verliebt sich Blue in Ihn. Fast sieht es so aus, als ob Blue von ihrem Mordplan abweichen und glücklich werden würde, doch dann geschieht das Unfassbare, sie tötet einen Mann und eine Frau!

Mit gerade mal sechzehn Jahren schreibt Solmonica de Winter diesen außergewöhnlich guten und ernsten Roman. Das Buch wird in einem schriftlichen Monolog an ihren Therapeuten erzählt, dabei lässt die Autorin Blue frei über ihre Gefühle reden und macht so daraus eine faszinierende und beeindruckende Geschichte.




Wild Cards - Das Spiel der Spiele

Autor: George R.R. Martin
Verlag: Penhaligon
ISBN: 978-3-7645-3127-0
Preis: 15,00 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (Oktober 2014)

Zunächst glaubt die Menschheit, durch das Ende des Zweiten Weltkrieges seien die Probleme gebannt, doch dann wird auf der Erde ein außerirdischer Virus freigelassen, woraufhin nichts mehr ist wie zuvor. Das so genannte Wild-Card-Virus bricht aus und die Befallenen verändern sich. Entweder werden sie zu Jokern, die grotesk entstellt aussehen, oder zu Assen, die äußerlich kaum oder gar nicht von normalen Menschen zu unterscheiden sind, aber besondere Fähigkeiten oder Vorteile haben.
Jahrzehnte später kommt es zu der Castingshow „American Hero“, bei der Asse sich bewerben können, um ihre besonderen Fähigkeiten zur Schau zu stellen und somit der wahre Held Amerikas zu werden.
Asse mit den unterschiedlichsten Talenten stellen sich der Herausforderung und lernen so nicht nur die Welt des Fernsehens kennen, sondern schließen auch Freundschaften oder stellen sich neuen Rivalen.
Doch es wird schnell klar, dass es für die verschiedenen Teilnehmer bei „American Hero“ auch um andere Dinge geht.
Da gibt es Ana, die Earth Witch, die nur an der Show teilnimmt um ihrem Bruder eine Freude zu machen, oder Jonathan, den Wespenmann und Journalist, der sich eine große Backstage-Story erhofft, um endlich seinen großen Durchbruch zu schaffen.
Doch schon bald stellt sich heraus, dass es auch in Amerika wichtigeres gibt, als sich Tag für Tag eine Fernsehshow anzusehen oder gar darin mitzuspielen, denn woanders auf der Welt sterben Menschen, die die Hilfe von richtigen Menschen dringend nötig hätten.
Und so wendet sich das Blatt. Wieder einmal.

Wild Cards hat als Buch einen ganz besonderen Charakter, nicht zuletzt deshalb, weil die verschiedenen Kapitel von unterschiedlichen Autoren geschrieben wurden, aber alle zusammen ein grandioses Ganzes darstellen.

Die Lügen der Anderen

Autor: Mark Billingham
Verlag: Atrium
ISBN: 978-3-85535-054-4
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (September 2014)

Drei englische Ehepaare lernen sich während eines Urlaubs in Florida kennen und freunden sich an. Sonne, Pool, Alkohol – kurzum, es scheint der perfekte Urlaub zu sein. Kurz vor ihrer Abreise verschwindet aus ihrem Hotel ein Mädchen, das den drei Paaren am Pool aufgefallen war, weil es offensichtlich leicht geistig behindert war. Dieses Mädchen wird später tot aufgefunden.
Zurück in England, beginnen sich die Paare gegenseitig nach Hause einzuladen. Doch die Besuche sind seltsam: statt gemeinsame Erinnerungen zu teilen, fallen ihnen immer mehr ihre Unterschiede auf. Immer deutlicher tritt Misstrauen zwischen die Urlauber, verstärkt noch, als sie von der englischen Polizei zum Verschwinden des Mädchens befragt werden. Ihre Aussagen zu dem Vorfall werden immer widersprüchlicher - hat doch jemand von ihnen mit dem Tod des Mädchens zu tun? Wer lügt, und warum?
Packend, voller überraschender Wendungen – ein ungewöhnlicher Kriminalroman aus England.

Abgründig

Autor: Arno Strobel
Verlag: Loewe
ISBN: 978-3-7855-7864-3
Preis: 9,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (September 2014)

Ein Sommerferiencamp für Kinder und Jugendliche in der Nähe von Garmisch. Bergwandern und erste Übungen an der Kletterwand stehen auf dem Programm. Doch das reicht einigen Jugendlichen nicht. Bereits am zweiten Tag entfernt sich eine zehnköpfige Gruppe heimlich aus dem Lager und unternimmt auf eigenes Risiko eine Bergtour an der Zugspitze. Unter der Führung des angeblich klettererfahrenen Ralf aus München gehen sie los.
Was als nettes Abenteuer unter einkalkulierter Strafe beginnt, soll zwei Tage später in einer Katastrophe enden: Schon wenige Stunden nach dem Aufbruch zwingt ein heftiger Wetterumbruch die Gruppe, in einer verlassenen Hütte Schutz zu suchen. Und das Unwetter hört nicht auf. Sie wissen nicht, wo sie sind, und weil sie ihre Handys zu Beginn ihres Aufenthaltes abgeben mussten haben sie keine Möglichkeit, mit dem Rest der Welt Kontakt aufzunehmen. Es sollte eine Tagestour werden, aber jetzt sitzen sie in der klammen Hütte, der tobende Sturm macht eine baldige Rückkehr unmöglich, und es wird langsam dunkel.
Bei einigen Jugendlichen liegen inzwischen die Nerven blank. Vorwürfe machen die Runde, es kommt zu Handgreiflichkeiten... Am nächsten Morgen ist einer von ihnen verschwunden. Zurück bleibt eine Blutlache und die Frage, ob einer von ihnen ein Mörder ist.

"Abgründig": ein äußerst spannender, facettenreicher Thriller für Jugendliche. Kann auch Erwachsene zu einer durchlesenen Nacht zwingen.

Ein Mann namens Ove

Autor: Fredrik Backman
Verlag: Fischer Krüger
ISBN: 978-3-8105-0480-7
Preis: 18,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (September 2014)

Schon seit Jahren macht Ove jeden Morgen seine Kontrollrunde durch die kleine schwedische Reihenhaussiedlung.
Er notiert Dauerparker auf dem Besucherparkplatz, durchsucht den Glascontainer nach Fremdkörpern und schaut nach dem Rechten.

Doch ohne seine Frau Sonja will der 59jährige Ove nun nicht mehr leben. Sonja verstarb vor einem halben Jahr und ohne sie hat das Leben für Ove keinen Sinn mehr. Die Zeitung ist abbestellt, alle Vorbereitungen soweit getroffen. Er überlegt nur noch, ob der Haken auch mittig sitzen muss. Da hört er ein langes schabendes Geräusch, so als ob jemand sein Reihenhaus schrammen würde und das, obwohl man in dieser Siedlung gar nicht Auto fahren darf. Als der neue Nachbar dann auch noch seinen Briefkasten umnietet, ist es um Oves Fassung geschehen.

Jetzt muss Ove erst einmal die gewohnte Ordnung wieder herstellen.

Ohne es zu ahnen haben die neuen Nachbarn, bestehend aus einem Trottel, eine schwangeren Ausländerin, sowie deren sieben und dreijährigen Töchtern, seinen ersten Selbstmordversuch vereitelt. Denn inzwischen ist es dunkel geworden und Ove würde auf keinen Fall im Dunkeln noch einen Haken anbringen. Und ab jetzt werden die neuen Nachbarn ihn noch so manches Mal, auf Abwegen, von seinem Vorhaben abbringen.

Dies ist die Geschichte eines unglaublichen Mannes. Eines Menschen mit Prinzipien und einem übergroßen Herzen, wenn man es erst einmal erobert hat. Eine Geschichte über Freundschaft und die Geschichte des Helden Ove, denn ein Held ist er auf jeden Fall am Ende dieser rasanten Story.







Bird und ich und der Sommer, in dem ich...

Autor: Crystal Chan
Verlag: Magellan
ISBN: 978-3-7348-4703-5
Preis: 14.95 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (September 2014)

Es war wirklich nicht leicht, nur ein einziges Buch für den Septembertipp auszusuchen. Es gibt derzeit zu viele Bücher, die es verdienen empfohlen zu werden.
Schließlich muss man sich aber entscheiden und die Wahl fiel nun auf „Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“. Und zwar nicht nur weil es ein verdammt gutes Buch ist, was es ohne Zweifel ist, sondern weil es mir bei diesem Buch gar nicht so leicht fiel, die Empfehlung in die richtigen Worte zu fassen.
„Großvater hörte an dem Tag auf zu sprechen, an dem er meinen Bruder John tötete“ - damit beginnt diese Geschichte. Es handelt sich um ein Kinderbuch. Erfahrungsgemäß überlegen die meisten Erwachsenen aber wohl schon nach diesem Satz, dass dies möglicherweise zu harter Tobak für ein Kind sein könnte. Und zunächst wird es nicht heiterer. Aber, ich verspreche, dranbleiben lohnt sich. Ob als Kind oder als erwachsener Leser.

Jewel, die diese Geschichte erzählt, ist zwölf Jahre alt. Der Alltag ihrer Familie wird seit Jahren vom Tod ihres Bruders überschattet.
Der damals Fünfjährige sprang von einer Klippe, wohl in der Annahme er könne fliegen. Am selben Tag wurde Jewel geboren.
Seit diesem Tag spricht ihr Großvater kein einziges Wort mehr. Ihr Vater glaubt an böse Geister und ihre Mutter schweigt die meiste Zeit. Die Eltern sind übervorsichtig im Umgang mit Jewel, lassen sie nie lange aus den Augen. Dabei haben sie keinerlei Gespür für ihre Gefühle und Wünsche, antworten nicht auf die vielen Fragen, die Jewel bewegen. So ist das Mädchen meist allein mit sich und seinen Gedanken.

Trotzdem lässt sich Jewel nicht davon abhalten die Welt zu erkunden. Nachts, wenn ihre Eltern schlafen, geht sie nach draußen, klettert auf ihren Lieblingsbaum, oder nähert sich sogar der Klippe, von der John damals fiel.
Eines Abends ist sie wieder auf dem Weg zu ihrem Baum, als schon jemand anderes in den Ästen sitzt. Jewel kann ihren Augen kaum glauben. Da oben sitzt ein Junge, ungefähr so alt wie sie, auf ihrem Lieblingsast. Der Junge ist für einige Wochen zu Gast bei seinem Onkel und heißt genau wie Jewels verstorbener Bruder „John“. Ab sofort verbringen Jewel und er so viel Zeit wie möglich miteinander. Und John erzählt ihr nicht nur alles über das Universum, über Planeten und Sterne, er zeigt ihr auch, dass man nicht alles so hinnehmen muss wie es ist, nur weil es schon immer so wahr. Kurzum, dieser Sommer wird Jewels Leben komplett verändern.

Ein weiterer Grund dieses Buch zu empfehlen ist übrigens, dass es zum Premierenprogramm des brandneuen Magellan-Verlags gehört, der offensichtlich ganz viel Liebe in die Auswahl und Umsetzung der ersten Titel gesteckt hat. So schön wie dieses Buch aussieht, lohnt sich der Kauf schon fast allein deswegen. Ich freue mich auf mehr davon.

Weit weg und ganz nah

Autor: Jojo Moyes
Verlag: Rowohlt Polaris
ISBN: 978-3-499-26735-9
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Jenny Jacobs (September 2014)

Jess hat es nicht leicht im Leben. Sie ist alleinerziehende Mutter zweier etwas exzentrischer Kinder, sie versucht, ihre Familie durch Putzjobs über Wasser zu halten. Während ihre Tochter Tanzie in ihrem Leben nichts lieber macht als mit Zahlen zu jonglieren und ihr Leben vollkommen der Mathematik widmet, trägt ihr älterer Bruder Nicky Eyeliner, weshalb er in der Kleinstadt überall aneckt.
Auch Ed hat es momentan nicht leicht. Durch einen dummen Fehler seinerseits verliert er seinen Job und steht auf einmal ohne Perspektiven in seinem Leben da.
Wie durch Zufall finden diese vier Menschen zusammen und starten einen Roadtrip, den so schnell keiner vergessen wird.
Und wer weiß? Vielleicht ist Ed doch nicht nur der reiche Ex-Firmenbesitzer, der sich um niemand anderen schert. Und Jess wird erkennen, dass es auch noch andere Sachen in ihrem Leben gibt als ihre Familie...

Die Erbin

Autor: John Grisham
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-26910-1
Preis: 24,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (August 2014)

Seth Hubbard, ein sonderbarer Unternehmer, hat sich erhängt und den Anwalt Jake Brigance mit seiner Testamentsvollstreckung beauftragt. Und die hat es in sich: Nicht nur, dass er seine Kinder enterbt, vielmehr vermacht er sein Vermögen von 24 Millionen Dollar seiner schwarzen Haushälterin Lettie Lang.
Klar, dass es – zumal im amerikanischen Rechtssystem mit seinen Eigenheiten – zum Prozess kommen muss. Anwälte der übergangenen Verwandten fechten das Testament als sittenwidrig an, und tatsächlich sind die Motive Hubbards, seine Haushälterin in solch einem Maße – und ohne ihr Wissen – zu bedenken, rätselhaft.
Herden von Anwälten und Privatdetektiven durchleuchten ihr Leben und versuchen, schwarze Flecken in ihrer Vergangenheit auszumachen. Und tatsächlich scheint der Prozess nach gutem Anfang zu Ungunsten von Lettie zu kippen. Bis Jack Brigance auf den verschollenen Bruder von Seth Hubbard stößt …
Atemlose Spannung, starke Charaktere – gute Grisham-Unterhaltung, die wie immer Einblicke in das manchmal merkwürdig erscheinende amerikanische Rechtssystem gewährt.

Ich finde dich

Autor: Harlan Coben
Verlag: Page & Turner
ISBN: 978-3-442-20435-9
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (August 2014)

Jake Fisher hat sich stets an sein Versprechen gehalten, ganze sechs Jahre lang. Niemals würde er nach ihr suchen oder sie kontaktieren, er sollte sie vergessen. „Versprich mir, dass du uns in Ruhe lässt.“ Darum hatte sie ihn gebeten. Natalie, seine große Liebe, die dann einen anderen heiratete und für immer aus Jakes Leben verschwand.

Als er zufällig auf die Todesanzeige von Natalies Mann stößt, beschließt er die Beerdigung zu besuchen. Doch alles auf der Veranstaltung ist eigenartig. Plötzlich macht das ganze keinen Sinn mehr. Er muss Natalie finden, muss wissen, dass es ihr gut geht.
Aber was tust du, wenn sich die Liebe deines Lebens scheinbar in Luft aufgelöst hat, niemand eurer gemeinsamen Bekannten sich noch an dich erinnert und der Ort eures Kennenlernens nicht mehr existiert?

Jake macht sich auf die Suche nach Natalie. Und auf was er dabei stößt wird sein Leben grundlegend verändern und alles, an das er je geglaubt hat, zunichte machen.

Else blau

Autor: Christiane Gibiec
Verlag: Bergischer Verlag
ISBN: 978-3-943886-26-9
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (August 2014)

Bergisches Land, Ende des 19. Jahrhunderts: An der Wupper fordert der unaufhaltsame Siegeszug der Industrialisierung seinen gnadenlosen Tribut. Armut, Krankheit und Kinderarbeit prägen das Leben im Tal. Durch ihr Elternhaus von dieser Not verschont, wächst in Elberfeld ein Mädchen auf, das später als die bedeutendste Vertreterin der expressionistischen Literatur gelten wird: Else Lasker-Schüler.
Einer behüteten Kindheit folgt der kompromisslose Weg einer unbeugsamen, eigenwilligen Frau und einzigartigen Dichterin, die das literarische Berlin der Jahrhundertwende entscheidend beeinflusst und Gottfried Benn, Franz Marc, Georg Trakl oder George Grosz zu ihren Freunden zählt. Doch als Demütigung und Verfolgung im auflodernden Antisemitismus sie schließlich zur Flucht zwingen, beginnt für die Künstlerin eine Odyssee, die erst Jahre später in Palästina endet.

Fesselnd und ergreifend spannt die Wuppertaler Autorin Christiane Gibiec in diesem biografischen Roman einen Bogen um das schillernde Leben Else Lasker-Schülers, verwebt Genie und Widersprüchlichkeit dieser außergewöhnlichen Lyrikerin, erzählt einfühlsam und berührend von dem unermüdlichen Kampf gegen Konventionen und Diskriminierung und der Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung.
Eine Hommage an eine der größten deutschen Dichterinnen und ein bewegendes Zeitporträt.

Der Fünfzigjährige, der nach Indien fuhr und üb

Autor: Mikael Bergstrand
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-75373-2
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (August 2014)

25 Jahre hat Göran Borg als Werbetexter in Malmö gearbeitet. Er war der älteste Mitarbeiter in der Firma und der einzige, der von Anfang an dabei war, und jetzt schmeißt ihn sein Chef einfach raus. Ein paar Freiheiten hatte er sich schon herausgenommen und seine Leistung hatte auch etwas nachgelassen, eigentlich kommt er mit einem Jahresgehalt als Abfindung noch ganz gut davon. Seiner Frau Mia ist er auch zu bequem geworden und sie hat bereits einen neuen Geliebten. Seine Kinder sind erwachsen und brauchen ihn nicht mehr. Was bleibt ist eine riesige Eispackung, mit der Göran auf dem Sofa sitzt und mit leerem Blick auf den Fernseher starrt.

Gut dass es Freunde gibt, die genau wissen was man jetzt braucht. Noch bevor ihm klar wird, worauf er sich eigentlich einlässt, begleitet er seinen besten Freund, der Gruppenleiter einer Reisegruppe ist, auf eine einwöchige Busreise durch Indien. Nur was Göran noch nicht ahnen kann: Er wird freiwillig seinen Aufenthalt in Indien verlängern. Er kommt bei einem indischen Lebenskünstler und dessen Mutter unter, er verliebt sich in eine verheiratete Inderin und wird sogar als Journalist tätig, um ein Autogramm vom Bollywoodstar Shah Rukh Khan zu ergattern.

Total witzig und ironisch erzählt Mikael Bergstrand von dem 50-Jährigen in seiner Midlifecrisis. Mikael Bergstrand lebte selbst vier Jahre mit seiner Familie in Neu-Dehli, wo er als Korrespondent für skandinavische Zeitungen arbeitete. 2011 kehrte er wieder nach Malmö zurück und veröffentlichte in Schweden das Buch "Der 50-Jährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte". Das Buch wurde in Schweden ein Erfolg - und das kann ich voll und ganz nachvollziehen und wünsche jedem viel Spaß beim Lesen!





Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem...

Autor: Romain Puertolas
Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-10-000395-9
Preis: 16,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Juli 2014)

Der indische Fakir Ayarajmushee Dikku Pradash ist von Indien nach Paris geflogen, um dort bei Ikea ein besonders günstiges Nagelbett zu kaufen. Das Geld für den Flug hat er sich von der Verwandtschaft zusammengeschnorrt und ihm bleiben genau 100 (gefälschte) Euro für Kauf, Unterkunft und Verpflegung.
Die Taxifahrt vom Flughafen zu Ikea bringt er noch gut hinter sich, ohne sein Geld zu verlieren. Dabei macht er sich jedoch den Taxifahrer, das Oberhaupt einer Roma-Familie, zum Feind, denn dieser bemerkt den dreisten Betrug zu spät. Und dieser Feind lässt nicht locker…
Auch sonst geht für den Fakir manches schief. Mangels Übernachtungsmöglichkeit lässt sich Pradash im Ikea-Haus einschließen, doch der Schrank, in dem er sich versteckt, wird nach England transportiert.
Und so beginnt eine abenteuerliche Reise über den europäischen Kontinent bis nach Nordafrika und zurück nach Paris, voller komischer Situationen und immer wieder mit nachdenklichen Momenten. Ja, unserer Welt wird ganz schön der Spiegel vorgehalten.
Und doch lösen sich zum Ende, fast wie in Bollywood, alle Probleme auf geradezu wundersame Weise – und lassen einen gut unterhaltenen, aber auch durchaus bewegten Leser zurück.

Das letzte Polaroid

Autor: Nina Sahm
Verlag: Blumenbar
ISBN: 978-3-351-05008-5
Preis: 17,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Juli 2014)

Sommerzeit am ungarischen Plattensee: Die vierzehnjährige Anna aus München verbringt ihre Ferien dort, zusammen mit ihren Eltern. Schnell lernt sie Kinga aus Budapest kennen. Die ist zwar nur wenige Monate älter, hat aber schon echte Brüste, ist selbsternannte Meisterin im Kirschkernwettspucken und weiß, was zu tun ist, um jungen Männern aufzufallen. Ein Tag und eine Nacht genügen, um die schüchterne Anna und Kinga zusammenzuschweißen.
Nach dem Ferienende bleiben beide per Brief und skype in Kontakt - jahrelang offenbart Kinga ihre Männerbekanntschaften, Anna dagegen tut sich schwer, wie auch immer geartete Beziehungen einzugehen.

Dann kommt der Brief von Kingas Eltern: Nach einem schweren Autounfall liegt Kinga im Koma, und Anna reist nach Budapest. Doch statt an Kingas Krankenbett zu sitzen, beginnt Anna immer tiefer in Kingas altes Leben einzutauchen...

"Das letzte Polaroid" ist der Debütroman der jungen Autorin Nina Sahm. Sie erzählt eine richtig gute Geschichte - über große Freundschaft und die Sehnsucht, jemand anders zu sein, koste es, was es wolle.

Der erste Sohn

Autor: Philipp Meyer
Verlag: Knaus
ISBN: 978-3-8135-0479-8
Preis: 24,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Juli 2014)

Schon in seinem ersten, ebenfalls sehr lesenswerten Roman „Rost“ widmete sich Philipp Meyer dem Abgesang des American Dreams. In „Der erste Sohn“ erzählt er nun vom Werdegang dieses großen Traums und führt uns gekonnt durch fast 200 Jahre amerikanischer Geschichte.
Von der Besiedlung durch die Mexikaner, die dafür Indianern ihr Land nahmen, über die Ankunft der europäischen Siedler, die wiederum sowohl Mexikaner als auch Ureinwohner verdrängten und ermordeten. Bis zur heutigen Zeit, in der man hauptsächlich seinesgleichen das Leben schwer macht. Als Leser merkt man schnell, dass der amerikanische Traum ein blutiger Traum ist.

Zunächst begleiten wir den legendären Colonel Eli McCullough, der 1836 zur Welt kommt und somit titelgebend „Der erste Sohn“ der im selben Jahr frischgegründeten Republik Texas ist, durch sein ereignisreiches, gut hundertjähriges Leben. Als Kind wird er von Indianern entführt, wächst bei ihnen auf, kämpft im Bürgerkrieg für die Südstaatler, wird zum Rinderbaron und schließlich zum mächtigen Öltycoon. Damit begründet er eine Tradition der Familie McCullough - den verbissenen Kampf um Prestige, Macht und Reichtum, der im Laufe der Zeit viele Opfer fordern wird.

Mit Hilfe mehrerer Erzählperspektiven verwebt Meyer geschickt die verschiedene Zeitebenen miteinander. Denn außer Eli kommen unter anderen sein Sohn Peter sowie seine Urenkelin Jeanne zu Wort. Und diese präsentieren uns einen anderen Blick auf die Geschehnisse.
Am Beispiel dieser texanischen Familie erzählt der Roman vom Aufstieg und Fall eines ganzen Landes, von der Zerstörung einer Vision, die Generationen von Menschen prägte.
So ist „Der erste Sohn“ zugleich Western und Familienroman, aber vor allem die Chronik eines Staates und seiner Bewohner.

28 Tage lang

Autor: David Safier
Verlag: Kindler
ISBN: 978-3-463-40640-4
Preis: 16,95 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Juli 2014)

Bei David Safier denkt man an humorvolle Bücher mit schrägen Einfällen. "28 Tage lang" ist anders, mit diesem Buch wollte er Menschen erreichen, die normalerweise nicht so ohne weiteres einen Roman über das Warschauer Ghetto lesen würden. Man wird es, laut Safier, trotz all des Fürchterlichen das geschehen ist, gerne lesen. Und dem war tatsächlich so.

Die sechzehnjährige Mira, die Heldin des Romans, schmuggelt Lebensmittel, damit ihre jüngere Schwester Hannah und ihre Mutter im Warschauer Ghetto überleben können. Ihr Vater war den Demütigungen sowie dem Leid nicht gewachsen und nahm sich schon sehr früh das Leben, ihr Bruder Simon ließ sich von der Judenpolizei anwerben und kehrte der Familie den Rücken. Doch neben all den armen und verzweifelten Menschen im Ghetto gibt es auch einige Reiche, die noch im Überfluss leben und nur an ihr eigenes Wohl denken. Dann gibt es noch den Ghettonarr Rubinstein, vielleicht der raffinierteste von Allen. Er stellt sich vor die Läden und schimpft lautstark über Hitler. So bekommt er von den Ladenbesitzern Leckereien zugesteckt, damit er mit dem Geschrei aufhört und die deutschen Soldaten gar nicht erst auf sie aufmerksam werden. Doch gerade Rubinstein ist es dann, der Mira zum Nachdenken bringt. Was für ein Mensch möchte sie sein? Würde sie töten können? Würde sie ihr eigenes Leben einsetzen für Andere?

Mira muss sich aus der Not heraus zwischen Verstecken und Kämpfen entscheiden und schließt sich dem Widerstand an. 28 Tage lang kämpft sie mit Gleichgesinnten, jungen Menschen, gegen die brutale Übermacht. Gegen deutsche Soldaten und gegen die Judenpolizei, deren Mitglieder verraten sogar ihre eigenen Eltern, um das eigene Leben zu retten. 28 Tage lang, in denen Mira Verrat und Trauer, aber auch Glück und Liebe erlebt.

"28 Tage lang" ist ein fiktiver Roman. Mira wird es wohl niemals gegeben haben, aber alles was in dieser Geschichte passiert, basiert auf wahren realen Begebenheiten, sogar den Ghettonarr Rubinstein hat es wirklich gegeben. Ein großartiger Roman und eine nahegehende Liebesgeschichte.





Verfall und Untergang

Autor: Evelyn Waugh
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06895-5
Preis: 21,90 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Juni 2014)

Im Diogenes Verlag ist bereits letztes Jahr eine hervorragende Neuübersetzung von Evelyn Waughs „Wiedersehen mit Brideshead“ erschienen, die zudem wunderschön ausgestattet ist. Dieses Jahr haben die Macher dieses Verlags-Gesamtkunstwerks einen weiteren Klassiker Waughs neu übersetzen lassen.
Paul Pennyfeather ist ein unauffälliger, ja biederer Theologiestudent am Scone College in Oxford. Er wird, selber völlig unschuldig, in einen Studentenstreich verwickelt und vom College verwiesen. Fast mittellos muss er nach diesem Ereignis sein Dasein als Lehrer an einer der merkwürdigsten Privatschulen, die England je gesehen hat, fristen. Dort lernt er die schillernde, unermesslich reiche Margot Beste-Chetwyndes kennen, Mutter eines seiner Schüler, in die er sich verliebt. Und, fast märchenhaft, erwidert sie die Liebe. Kurz vor der Hochzeit wird der grenzenlos naive Pennyfeather jedoch an Stelle seiner Verlobten verhaftet und muss für ihre zwielichtigen Geschäfte büßen. Aus dem Gefängnis wird er zwar durch den Einfluss von Beste-Chetwyndes – die sich natürlich inzwischen von ihm getrennt hat - in allerhöchste Kreise befreit und landet schließlich wieder als Theologiestudent am Scone College.
Eine bitterböse, dennoch unnachahmlich amüsante Gesellschaftssatire über das England des untergehenden Empires, (nicht nur) für alle Liebhaber des klassischen englischen Gesellschaftsromans.

Die Flutwelle

Autor: Mikael Niemi
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-75401-4
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Juni 2014)

Ein Herbst hoch oben im Norden Schwedens. Es hat wochenlang geregnet. Irgendwann zeigen sich im obersten Staudamm des Lule älv erste kleine Risse. Eigentlich kann sich niemand vorstellen, dass er brechen, den Wassermassen nicht standhalten könnte. Doch dann geschieht genau das - das Wasser zieht in gigantischen Massen talwärts, reißt alles mit sich. Eine flüssige Lawine aus Wasser, Geröll und Holz donnert auf die kleinen Dörfer, Städte und Siedlungen zu...
Inmitten dieses Infernos mehrere Gruppen von Menschen. An unterschiedlichen Orten werden sie von der Flutwelle erfasst. Da ist der von seiner Frau verlassene lebensmüde Hubschrauberpilot, da ist die Künstlerin, die mit ihrer Malgruppe in den Wäldern am Fluss entlangstreift. Die Schwangere, die an einen Schornstein geklammert auf Hilfe hofft. Zwei Ingenieurinnen, die schon lange vor der Gefahr gewarnt haben. Sie alle müssen plötzlich um ihr Überleben kämpfen. Und um die eigene Menschlichkeit.

Wie verhalten sich Menschen im Angesicht einer Katastrophe? Gibt es noch ein Miteinander oder nur das existenzbedrohte Individuum?
Das versucht Mikael Niemi in diesem Roman auszuloten. "Die Flutwelle" ist weder Krimi noch Thriller, aber dennoch eines der spannendsten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe.

Die Wahrheit und andere Lügen

Autor: Sascha Arango
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 978-3-570-10146-9
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Juni 2014)

Mit seiner Frau Martha hat Henry einen echten Glücksgriff getan. Durch einen Zufall findet Henry im Keller einen Koffer, gefüllt mit ihren Manuskripten, und Martha ist damit einverstanden, sie will es sogar, dass die Romane unter dem Pseudonym Frank Ellis erscheinen und Henry sich beim Verleger als Autor vorstellt.
Durch sie gelangt er zu Wohlstand und kommt als Buchautor zu Ruhm und Ansehen. Sie ist es jedoch, die Nachts seine Romane schreibt, die dann unter seinem Pseudonym veröffentlicht werden und ihn im Rampenlicht stehen lassen. Martha will diesen Ruhm auch gar nicht für sich, sie liest ihre Geschichten noch nicht einmal selbst.

Alles hätte so weiterlaufen können, doch dann eröffnet ihm seine Geliebte Betty, dass sie ein Kind von ihm erwartet. Nun müsste er sein bisheriges Leben aufgeben und mit seiner Geliebten und seinem Kind einen Neustart wagen. Stattdessen schiebt Henry mit seinem Wagen Bettys grünen Subaru, der schon wartend am vereinbarten Treffpunkt steht, von den Klippen. Noch einmal sieht er die Silhouette von Betty hinter dem Steuer, dann kippt der Wagen über die Klippen und verschwindet. Dass es nicht Bettys Silhouette war, sondern die seiner Frau Martha, erfährt er leider etwas zu spät.

Spannend erzählt Arango Henrys Geschichte, wie er sich immer weiter in seine Lügen verstrickt und tiefer in seinem selbsterschaffenen Sumpf versinkt.

Binewskis: Verfall einer radioaktiven Familie

Autor: Katherine Dunn
Verlag: Berlin
ISBN: 978-3-8270-1072-8
Preis: 22,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Juni 2014)

In den USA wurde „Geek Love“ schon bald nach dem Erscheinen im Jahr 1989 zum Kultroman, Stars wie Terry Gilliam und Kurt Cobain ließen sich von dieser fantastischen Geschichte inspirieren. Doch erst jetzt, 25 Jahre später, wurden „die Binewskis“ endlich auch ins Deutsche übersetzt.

Erzählt wird die Geschichte einer einzigartigen Zirkusfamilie. Al, der stolze Direktor und die wunderschöne Christal Lyl, seine Frau, einst selbst bewundert und bejubelt von tausenden Zuschauern, leiten den Wanderzirkus Binewski. In den letzten Jahren bereitet ihnen das Geschäft zunehmend Sorgen. Zwar kommen noch immer viele Zuschauer, aber die Attraktionen lassen zu wünschen übrig, der alte Zirkuslöwe ist wenig furchteinflößend und die Artisten fordern mehr Lohn. All das kostet mehr Geld als der Zirkus einnimmt.
Aber das Paar hat einen Plan: Warum nicht selbst für neue Attraktionen sorgen? Solche, die kein eigenes Gehalt fordern und so besonders sind, wie sie noch kein Mensch zuvor gesehen hat. Die beiden beschließen Kinder in die Welt zu setzen und ihre eigene Freakshow zu erschaffen. Um diese so einzigartig wie möglich werden zu lassen, setzt sich Christa Lyl während jeder Schwangerschaft radioaktiven Substanzen aus, schluckt diverse Medikamente und Gift. Und so entsteht langsam aber beständig die einzigartige Familie Binewski.
Deren Aufstieg und Verfall wird uns von Olympia erzählt, der jüngsten Tochter von Al und Lyl. Sie selbst hat es nicht zur Attraktion geschafft. Bucklig und zwergenwüchsig ist sie nicht so beeindruckend wie ihre siamesischen Zwillingsschwestern oder ihr Bruder Arturo, den sie vergöttert und der mit Schwimmflossen statt Armen und Beinen zur Welt kam. Oly arbeitet nur als Showansagerin ihrer erfolgreichen Geschwister. Doch um so weniger Aufmerksamkeit ihr geschenkt wird desto mehr wird sie zur Beobachterin der anderen, spezialisiert sich darauf die Menschen zu durchschauen, ihr Verhalten zu deuten und diese zu manipulieren. Und sie wird für den Leser zur Chronistin dieser einzigartig-abgründigen Geschichte.

Das Krokodil

Autor: Maurizio de Giovanni
Verlag: Kindler
ISBN: 978-3-463-40370-0
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Mai 2014)

Krokodile lauern unter der Wasseroberfläche auf ihre Opfer, mit viel Geduld, und sie sind für ihre Opfer nahezu unsichtbar.
Ähnlich verhält sich der Mörder dreier junger Menschen in Neapel. Aus nächster Nähe tötet er seine arglosen Opfer. Zudem verliert er an den Tatorten Taschentücher mit Tränenflüssigkeit – weint er etwa Krokodilstränen?
Inspektor Lojacono, der von Sizilien nach Neapel wegen eines ungerechtfertigten Verdachts der Zusammenarbeit mit der Mafia strafversetzt wurde, gerät eher ungewollt in die Ermittlungen. Seine Vermutungen, die denen seiner Vorgesetzten völlig konträr sind, imponieren der jungen Staatsanwältin Laura Piras, denn sie muss Ermittlungserfolge vorweisen. Zu groß ist der mediale Druck, die Mordserie zu stoppen.
Schicht für Schicht löst Lojacono den Staub ab von der Geschichte, die hinter den Morden steht. Und langsam werden ihm und der Staatsanwältin die Zusammenhänge klar. Doch wird das reichen, um weitere Tote zu verhindern?
Ein aufwühlender, dichter Kriminalroman, absolut empfehlenswert!

Der Teufel von New York

Autor: Lindsay Faye
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-24993-5
Preis: 15,90 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Mai 2014)

Niemals hätte er sich diesen Beruf freiwillig ausgesucht. Doch als bei einem Großbrand sowohl seine Arbeitsstelle als auch seine Wohnung mit all seinen Ersparnissen dem Feuer zum Opfer fallen, bleibt Timothy Wilde keine andere Wahl. So kommt er dem Vorschlag seines großen Bruders nach und wird 1845 Mitglied der soeben erst frisch gegründeten Polizei New Yorks. Diese hat in den überfüllten Gassen der Stadt genug zu tun. Armut und Krankheit machen die Einwohner New Yorks unzufrieden und zornig. Zornig vor allem auf den niemals abreissenden Strom von irischen Einwanderern, denen man nur zu gern die Schuld für all das in die Schuhe schieben möchte. Schon nach wenigen Wochen ist Timothy so weit, dass er den Job wieder hinschmeissen will. Da läuft ihm ein kleines Mädchen genau in die Arme. Es trägt nur ein blutdurchtränktes Nachthemd und ist völlig verschreckt. Timothy denkt nicht lange nach und nimmt die Kleine mit zu sich nach Hause um zu erfahren, was ihr zugestoßen ist. Bird, so der Name des Mädchens, tischt ihm eine Lüge nach der anderen auf und weicht seinen Fragen aus. Doch ganz sicher ist sie sich bei einer Sache - sie will um alles in der Welt bei Timothy bleiben. So lässt er sie zunächst in seiner Wohnung zur Ruhe kommen.

Doch als am nächsten Tag ein toter Junge und kurze Zeit später 19 weitere Kinderleichen entdeckt werden, ahnt der junge Polizist, dass die kleine Bird mehr verschweigt als er dachte und sie ihm bei seinen Ermittlungen eine große Hilfe sein kann.

Phantasmen

Autor: Kai Meyer
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-58292-8
Preis: 19,90 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Mai 2014)

Kai Meyer hat bereits über 20 Romane für Jugendliche und Erwachsene geschrieben - und ich kenne keinen einzigen davon. Als Vertreter der deutschen Phantastik (oder soll ich das Genre doch lieber Fantasy nennen?) haben mich seine Bücher bisher nie interessiert, weil ich eben nicht auf Elfen-, Drachen- oder Rabengöttergeschichten stehe.
Jetzt habe ich also "Phantasmen" gelesen: Das Leseexemplar flatterte auf meinen Tisch, ich hatte die Worte der Carlsen-Vertreterin noch im Ohr, der neue Kai Meyer sei eher Science Fiction als Mystery, den sollte ich ruhig mal testen. Also gut, kann ich ja mal anfangen... Und: dicke positive Überraschung. Nach 30 Seiten hatte mich der Roman gepackt, er entwickelte sich zu einem echten Pageturner, ließ meine anfängliche Skepsis schnell verschwinden. Ich wollte bloß lesen lesen lesen, die spannende Handlung aufsaugen, bis zum bitteren (?) oder hoffnungsvollen (?) Schluss.

Muss ich mehr sagen?
Ein paar Worte zum Inhalt wären wohl nicht schlecht:
Eines Tages tauchten sie aus dem Nichts auf - die Geister der Toten. Millionen auf der ganzen Welt, und stündlich werden es mehr. Sie stehen da, bewegungslos, leuchtend, ungefährlich.
An der Absturzstelle eines Flugzeugs, mitten in Europas einziger Wüste, warten zwei junge Frauen auf die Geister ihrer verunglückten Eltern. Rain hofft, die Begegnung wird ihrer jüngeren Schwester Emma helfen, Abschied zu nehmen. Auch Tyler, ein schweigsamer Norweger, ist auf seinem Motorrad nach Spanien gekommen, um ein letztes Mal seine große Liebe Flavie zu sehen.
Dann erscheinen die Geister.
Doch diesmal lächeln sie.
Und es ist ein böses Lächeln.

Seien Sie neugierig!


Das unerhörte Leben des Alex Woods

Autor: Gavin Extence
Verlag: Limes
ISBN: 978-3-8090-2633-4
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Mai 2014)

Im Alter von 10 Jahren hat Alex Woods einen außergewöhnlichen Unfall:
Ein Meteorit schlägt durch das Hausdach und trifft Alex am Kopf. Selbst seine Mutter mit ihren hellseherische Fähigkeiten konnte die Vorzeichen nicht deuten und dieses Ereignis vorhersehen. Stundenlang ist ein Team von Chirurgen damit beschäftigt seinen Kopf wieder zusammenzuflicken.

Sieben Jahre später ist Alex mit 113 Gramm Marihuana und der Urne mit der Asche seines besten Freundes auf dem Weg von der Schweiz nach Hause. An der Grenze in Dover wird seine Reise von der Polizei jäh gestoppt.

In den dazwischen liegenden Jahren hat Alex eine unglaubliche Zeit erlebt.
Er hat die vom Unfall hervorgerufenen epileptischen Anfälle in den Griff bekommen und in dem zurückgezogen lebenden Vietnam-Veteranen Mr. Peterson einen wunderbaren Freund gefunden. Er gründet einen Kurt-Vonnegut-Leseclub, denn seiner Meinung nach sollte man das Lesen genauso betrachten wie die Meditation, da das regelmäßiges Lesen dazu führen kann, ein ruhigerer und klügerer Mensch zu werden.

Sieben Jahre, in denen so viel passiert, in denen Alex eine unbeschreibliche aufregende Zeit durchlebt. Eine Zeit voller Emotionen, eine Zeit in der er viel zu schnell Erwachsen wird und in der er unwiderrufliche und weitreichende Entscheidungen treffen muss.

Ein unterhaltsamer und zugleich philosophischer Roman, welcher noch lange im Gedächtnis bleibt.

Totenfrau

Autor: Bernhard Aichner
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-75442-7
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (April 2014)

Brünhilde Blum ist Bestatterin. Sie hat ihren Traummann gefunden, hat mit ihm zwei wundervolle Kinder. Sie fährt gern Motorrad, genießt Job, Haus und den großen Garten drumherum. Ja, sie ist glücklich, sie führt seit einigen Jahren ein richtig gutes, cooles Leben.
Plötzlich gerät dieses Leben durch den Unfalltod ihres Mannes aus den Fugen. Vor ihren Augen wird Mark von einem Geländewagen überfahren. Der Fahrer flieht, ohne sich zu kümmern.
Von einer Sekunde zur anderen besteht Blums Leben nur noch aus Scherben. Mark war ihr Halt, ihr Glück. Und jetzt? Durch Zufall findet sie heraus, dass vielleicht mehr hinter dem Unfall steckt, dass der Unfall möglicherweise gewollt war. Sie stößt auf die Vornamen von fünf Männern. Fünf ihr unbekannte, noch gesichtslose Personen, die in einer wie immer gearteten Beziehung zu Mark standen.
Blum fängt an zu recherchieren. Denn sie will nur eins: Rache. Und Antwort auf die Frage, warum ihr Mann sterben musste. Als sie die Antwort gefunden hat, schlägt sie zu. Erbarmungslos und unkonventionell. Schließlich ist sie Bestatterin.

Der Tod fährt Audi

Autor: Nina Hoyer
Verlag: carl's books
ISBN: 978-3-570-58529-0
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (April 2014)

Am Anfang lief bei Asger noch alles glatt. Doch dann verpatzt er so dermaßen eine Werbekampagne, dass er seinen Job verliert. Kurz darauf setzt ihn auch noch seine Freundin vor die Tür. Ein halbes Jahr später hat Asger 15 Kilo zugenommen, mehrere Vorladungen beim Arbeitsamt verpasst, im Flur stapeln sich die Mahnungen und in der Küche volle Mülltüten. Als Asger so ziemlich am Ende ist, nimmt er einen Job als Pflegehelfer bei Waldemar an.

Waldemar lebt mitten in einem sozialen Brennpunkt Kopenhagens, sitzt im Rollstuhl und hat unzählige und seltene Leiden. Nach anfänglicher beiderseitiger Gewöhnungsphase verstehen sich die Zwei prächtig. Als Waldemar auf die verrückte Idee kommt, einen Heiler in Marokko aufzusuchen, willigt Asger ein, ihn zu begleiten. Mit einem eigentlich schrottreifen VW-Bus machen sie sich auf den Weg auf eine abenteuerliche Reise. Verfolgt von einem Audi-Fahrer und unvergesslichen sowie skurrilen Begegnungen erleben die Freunde eine aufregende Zeit.

Ein tragikomischer Roman über ein tollkühnes Paar auf einer aberwitzigen Reise von Kopenhagen nach Marokko. Ein Lesevergnügen.

Die kurzen und die langen Jahre

Autor: Thommie Bayer
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05481-2
Preis: 17,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (April 2014)

Eine Zeitspanne von 1974 bis heute umfasst der neue Roman von Thommie Bayer, von der ersten Begegnung des 22-jährigen Simon mit der 30-jährigen Sylvie bis zum vielleicht letzten Zusammentreffen an einem gänzlich unerwarteten Ort.
Simon und Sylvie begegnen sich als Verbrechensopfer: Durch einen Doppelmord verloren sie Vater bzw. Ehemann, und schon ab ihrer ersten Begegnung in einer Hütte am Schwarzwälder Feldberg empfinden sie sich als Seelenverwandte. Gut, Simon hätte gerne mehr, aber auch so ist ihre Bindung eng. Und immer wieder berühren ihre Leben sich, driften dann auseinander, doch ihre innere Verbindung bleibt. Sie überlebt - von Briefen getragen - Freundschaften, Ehen, Scheidungen, Verluste, bis sich nach vierzig Jahren der Kreis schließt – wenn auch gänzlich anders als gedacht, und doch an den Ausgangspunkt anknüpfend.
Ein wunderschöner, melancholischer Roman über die Liebe und darum, dass sie sich leider auch verspäten oder zur Unzeit kommen kann …

Die Seltsamen

Autor: Stefan Bachmann
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06888-7
Preis: 16,90 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (April 2014)

Vor vielen Jahren öffnete sich ein Tor, durch das die Feen in die Welt der Menschen gelangten. Sie führten einen erbitterten Krieg gegeneinander. Doch als die Menschen siegten, konnten die entmachteten Feen nicht zurück in ihre eigene Welt verbannt werden. Das Tor hatte sich wieder geschlossen. So wurden die magischen Wesen zunächst versklavt. Die Zeit verging und man gewöhnte sich an den Anblick der jeweils anderen, und von nun an mussten Menschen und Feen notgedrungen miteinander auskommen.
In der kleinen Stadt Bath, nahe London, hatte der Krieg damals begonnen. Hier lebt Bartholemew mit seiner Schwester Hettie und seiner Mutter. Hettie und er sind Mischlingskinder, halb Elf, halb Mensch, solche wie sie nennt man „die Seltsamen“. Verachtet sowohl von Feen als auch von den Menschen führen sie ein Leben im Verborgenen. Kaum jemand weiß von ihrer Existenz.
Und seit man immer wieder von seltsamen Morden an Mischlingskindern hört, scheint die Lage noch gefährlicher als sonst zu sein.
Eines Tages erspäht er durch das Fenster eine elegante Frau, gekleidet in pflaumenfarbenen Samt.
Sie klopft an der Tür der Nachbarn. Dort wohnt ebenfalls ein Mischlingsjunge. Und wider jede Vernunft tritt ausgerechnet dieser Junge hinaus vor die Tür zu der fremden Frau. Bartholemew spürt, dass die Frau nichts Gutes im Schilde führen kann. Und was er als nächstes sieht verschlägt ihm vor Angst den Atem. Da ist noch jemand. Und dieser jemand blickt ihm genau in die Augen.

Abbey Road Murder Song

Autor: William Shaw
Verlag: Suhrkamp Nova
ISBN: 978-3-518-46475-5
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (März 2014)

London, England, 1968: Die jungen Leute sind von der Beatlemania befallen, den Älteren geht das alles viel zu weit. Da wird in der Nähe der legendären Abbey Road Studios die Leiche einer jungen Frau gefunden. Vielleicht ein Beatles-Fan? Den Idolen zu nahe gekommen?
Der biedere Detective Breen muss nicht nur den Mord aufklären, sondern zunächst die Identität der Toten klären. Hilfe bekommt er von der jungen Tozer, einer der ersten weiblichen Polizistinnen in England.
Von den Kollegen misstrauisch beäugt, macht sich das ungleiche Gespann auf, den gewaltsamen Tod aufzuklären, und findet reichlich dunkle Seiten hinter der bunten Fassade des „Swinging London“. Die Ermittlungen führen die beiden auch ins ländliche England, woher die Tote offensichtlich stammte, und auch hier offenbaren sich tiefe Risse in bürgerlichen Fassaden.
Atmosphärisch dicht zeigt der Kriminalroman den Umbruch der späten 60er in England, und besonders die sich verändernde Rolle von jungen Frauen in dieser Zeit. Eindrucksvoll ist Tozers Eindringen in zutiefst männliche Strukturen bei der Polizei und ihr täglicher Kampf um ihren Platz: absolut tough.
Sehr englisch, sehr empfehlenswert.

WARP - Der Quantenzauberer

Autor: Eoin Colfer
Verlag: Loewe
ISBN: 978-3-7855-7909-8
Preis: 16,95 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (März 2014)

Eoin Colfer hat mit seinen Artemis-Fowl-Büchern bewiesen, dass er überaus spannende Jugendbücher schreiben kann. Nach einem Ausflug in die Romanwelt der Erwachsenen ("Hinterher ist man immer tot") startet der irische Autor nun die WARP-Reihe. "Der Quantenzauberer" führt den jugendlichen Leser in ein grandioses Zeitreiseabenteuer:

Was soll es anderes sein als eine Strafversetzung? FBI-Junior-Agentin Chevie Savano wurde nach London geschickt, um im Auftrag von WARP (Witness Anonymous Relocation Programme - ein amerikanisches Zeugenschutzprogramm) eine merkwürdige alte Metallkapsel zu bewachen. Das war vor neun Monaten. Seitdem sitzt sie vor dem Ding und wartet darauf, dass irgendjemand oder etwas da rauskommt, dass einfach irgendwas passiert.
Als ein Wandspiegel mit einem Knall zerplatzt, die Deckenleuchten anfangen zu flackern und draußen eine Straßenlaterne nach der anderen explodiert, ist Chevie sofort klar, dass die Kapsel im Keller aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht ist. Mit vorgehaltener Waffe stürmt sie die Treppe herunter und findet ... einen 14-jährigen Jungen, der aussieht, als wäre er soeben aus einem Buch von Charles Dickens gefallen.
Eine spannende Zeitreise in die Welt Londons um 1900 beginnt - eine Rückkehr ins 21. Jahrhundert ist nicht garantiert...

"Warp" ist dank der überbordenden Phantasie Colfers ein ganz starkes Jugendbuch. Voller Abenteuer, irrsinniger Verfolgungsjagden, Wurmlöchern, aber auch mit einem genauen Blick auf das Leben in London vor einhundert Jahren.
Einfach mal mitreisen!

Der Mann, der vergessen wurde

Autor: Mia Ajvide
Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-93967-5
Preis: 16,95 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (März 2014)

Es beginnt ganz harmlos: Als Jack von der Arbeit nach Hause kommt, hat Aino nicht wie sonst das Abendessen vorbereitet, sondern sitzt vor sich hinträumend im Garten. Als sie ihn bemerkt, schaut sie ihn verdutzt an, ganz so als habe sie ihren Mann überhaupt nicht erwartet. Mit den Gedanken abgeschweift hat sie wohl kurzzeitig alles andere um sich herum vergessen. Nichts Aussergewöhnliches.
Tags darauf, Jack hat sich über einen Kollegen geärgert, der ihn in einer wichtigen Angelegenheit einfach übergangen hat, erhofft er sich am Abend ein wenig Anteilnahme von Aino. Doch wieder ist seine Frau völlig irritiert, als sie ihn sieht. Zunächst erkennt sie ihn nicht einmal. Jack beginnt sich zu sorgen.
Als Jack wenige Tage später, in Gedanken immer wieder bei seiner Frau, an einem kleinen Marktstand eine Flöte kauft, verweigert der Händler ihm sein Wechselgeld und gibt vor, sich weder an ihn noch an den Verkauf zu erinnern. Jack fühlt sich betrogen.
Da tritt eine Frau an Jack heran. Sie behauptet, der Händler sei völlig in Ordnung, das eigentliche Problem liege bei ihm selbst. Irritiert und verärgert entfernt sich Jack von der Szenerie.
Doch er wird die Frau wieder treffen und sie wird recht behalten.
Was wie eine tragische Alzheimergeschichte beginnt, entpuppt sich als ein ganz anderes Gedankenspiel.

funny girl

Autor: Anthony McCarten
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-86240-9
Preis: 21,90 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (März 2014)

Als Tochter kurdischer Eltern ist die 20jährige Azime in London aufgewachsen. Heimlich besucht sie zusammen mit einem Freund einen Comedy-Club und, von ihrem Freund angestachelt, schlüpft Azime in eine Burka und tritt auf. Die Presse ist begeistert, jedoch nicht ihre Eltern, die sie mit Schrecken in der Zeitung entdecken und sie vor die Wahl stellen, sofort diesen Unsinn zu beenden oder auf immer das Haus zu verlassen. Im Internet überschlagen sich Morddrohungen und auf der Straße wird Azime massiv angegriffen. Dabei wollte sie einfach nur mal witzig sein und kann nicht verstehen warum das ein Problem sein soll.
Azime macht weiter, im einem Kellerclub hat sie einen erneuten Auftritt. Das Publikum, hauptsächlich aus Nicht-Muslimen bestehend, ist von der Burkaträgerin begeistert. Dennoch fühlt sich Azime ohne ihre Familie immer unsicherer, sie ist dem Druck nicht mehr gewachsen und Alpträume besuchen sie des Nachts. Reumütig kehrt sie um und fügt sich wieder in ihre Familie ein.

Natürlich ist das aber noch nicht das Ende von Azimes Geschichte, mit einigen überraschenden Wendungen geht es weiter.

Eine schöne unterhaltsame Lektüre zum Nachdenken, aber auch zum Lachen.

Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter ..

Autor: Franziska Wilhelm
Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-93992-7
Preis: 18,95 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Februar 2014)

Milla lebt in einer Kneipe am Sportplatz, zusammen mit ihrer schrulligen Großmutter und ihrer Mutter, einer sphärischen Schönheit, die gerne auch mal Karten legt. Direkt an der Kneipe liegt eine ICE-Strecke, immer wieder von Selbstmördern zur Realisierung ihrer Suizid-Absichten genutzt. Manche von ihnen hält die Mutter allein durch ihre Ausstrahlung von der Ausführung der Tat ab, für sie ritzt sie dann Kerben in den Tisch.
Von dort, aus der Kneipe am Bahndamm, startet auch das Road-Movie, das Milla zusammen mit dem schrägen Kalle und einem alten Bulli nach Bratislava führen soll: auf der Suche nach – ja was eigentlich? Nach Jano, ihrem gleichaltrigen Freund und Onkel, der abgehauen ist?; nach den Wurzeln ihrer Großmutter, die im Osten liegen?; vor allem aber nach sich selbst, dem, was sie eigentlich ist und will.
Ein gelungener Debutroman einer jungen Autorin, voller liebevoll gezeichneter, besonderer Charaktere, voller Witz und Lebenslust. Und auch voller Wärme für die Wurzeln, aus denen ihre Figuren diejenigen wurden, die sie sind. Und für mich als alten Bulli-Freund ist natürlich die tragende Rolle eines VW-Busses niemals zu verachten! Ich freue mich auf die Lesung am 14. Februar.

Mr. Lamb

Autor: Bonnie Nadzam
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-24997-8
Preis: 14.90 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Februar 2014)

David Lamb ist nur kurz in der Stadt, Anlass ist die Beerdigung seines Vaters. Da trifft er auf ein junges Mädchen, Tommie.
Tommie schnorrt ihn um eine Zigarette an. Als er erkennt, dass sie von ein paar älteren Freundinnen schikaniert wird, bekommt er Mitleid und macht ihr einen Vorschlag. Um den anderen Mädchen einen gehörigen Schrecken einzujagen täuschen die beiden ein Kidnapping vor. Und so setzt er Tommie, nachdem er sie scheinbar gewaltsam ins Auto gedrängt hat, zu Hause vor ihrem Elternhaus ab.
Doch die Aktion hat keinerlei Folgen. Niemand reagiert.
Kurz darauf treffen die beiden zufällig wieder aufeinander.
Und diesmal geht Lamb noch weiter. Im Glauben, Tommie werde vernachlässigt und sei mindestens genauso einsam wie er selbst, keimt in ihm der Gedanke heran das Mädchen retten zu müssen. So beschließt er, es mit auf eine Reise zu nehmen. Zwischen Neugier und Angst schwankend lässt sich Tommie auf das Abenteuer ein. Gemeinsam machen sich die beiden auf den Weg in die Rocky Mountains.

Eine absolut fesselnde, aber auch verstörende Geschichte von Grenzüberschreitung und Manipulation. Bonnie Nadzam schafft es, den Leser bis zum Schluss im Ungewissen zu lassen, so dass man das Ende der Reise abwechselnd fürchtet und herbeisehnt. Dieses Buch passt in keine Schublade.

Bullet Boys

Autor: Ally Kennen
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-71535-5
Preis: 12,95 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Februar 2014)

In einem alten Schuppen in Dartmoor, einer Hügellandschaft in der englischen Grafschaft Devon, mitten im militärischen Sperrgebiet, entdecken die achtzehnjährigen Jungs Alex und Levi ein illegales Waffenlager. Alex, der eher ruhige und besonnene Sohn des Wildhüters, möchte am liebsten die ganze Sache wieder vergessen.
Levi dagegen will lieber Geld aus dem Fund herausschlagen, um seiner Mutter ein sorgenfreieres Leben zu ermöglichen.
Die beiden Jungs vereinbaren erst einmal, niemanden von dem Fund zu erzählen. Doch ausgerechnet Max, seinem unberechenbaren neu gewonnenen Freund, erzählt Levi von dem Waffenlager.

Als Max und Levi auf eigene Faust handeln, eskaliert ihre Aktion. Und als Alex ihnen helfen will, verschlimmert sich die Situation nur noch weiter.
Ein Schuss löst sich versehendlich aus Max Gewehr und verletzt einen Soldaten.
Voller Panik flüchten Levi und Max und kurz darauf hat der verantwortliche Hauptfeldwebel bereits seine Soldaten auf sie angesetzt.
Er gibt Alex zu verstehen, dass es besser wäre, wenn er die Beiden vor seinen Soldaten im Moor aufspüren würde.

Was harmlos beginnt, entwickelt sich zu einem äußerst spannenden Thriller. Die Handlungen und Sichtweisen der Jugendlichen tragen dazu erheblich bei und Ally Kennen kann das Niveau bis zum Schluss glaubhaft halten. Ein sehr gutes Jugendbuch, das nicht nur männliche Leser begeistern wird.

Der katholische Bulle

Autor: Adrian McKinty
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-46450-2
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Februar 2014)

Belfast 1981: Die nordirische Metropole befindet sich im Ausnahmezustand. Gewaltaktionen der IRA, den protestantischen Paramilitärs und der britischen Armee lassen die Stadt an den Rand eines Bürgerkrieges taumeln.
Mittendrin Sean Duffy, der wahrscheinlich einzige katholische Bulle in ganz Nordirland. Und weil 'katholisch sein' immer die Nähe zur IRA assoziiert, steht Duffy zwischen allen Stühlen. Jede Seite sieht ihn als Verräter. Auch unter den Kollegen in Carrickfergus, einem tristen Vorort von Belfast, wohin er nach seiner Beförderung gerade erst versetzt wurde, muss sich der junge Polizist sein Ansehen erkämpfen.
Entlang der Frontlinien ermittelt Duffy in zwei Mordfällen, hinter denen ein Serienkiller zu stecken scheint. Eines der Opfer stand in Verbindung zu höchsten IRA-Kreisen. Und dort wird nicht gerade viel geredet, schon gar nicht mit einem Bullen. Denn jeder, der den Mund aufmacht, muss mit dem Schlimmsten rechnen. Und eine zerschossene Kniescheibe -eine der beliebtesten Strafen für Verräter- ist noch lange nicht das Schlimmste...

Die hohe Kunst des Bankraubs

Autor: Christopher Brookmyre
Verlag: Galiani
ISBN: 978-3-86971-077-8
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken (Januar 2014)

In der Glasgower Fußgängerzone, direkt vor der Bankfiliale, sorgen fünf Straßenakrobaten in Clownkostümen für gute Laune unter den Passanten. Langsam nähern sie sich dem Eingang der Bank, dann stehen sie in der Schalterhalle. Einer wirbelt über die Sicherheitsabsperrung, alle halten plötzlich Waffen in den Händen, und ihr Anführer begrüßt die anwesenden Kunden und Angestellten äußerst freundlich: "Herzlich willkommen, meine Damen und Herren, Sie nehmen teil an einem Banküberfall."
Während der Safe-Computer geknackt wird, unterhalten drei Räuber ihr 'Publikum', also ihre Geiseln, mit einer Spontanaufführung von "Warten auf Godot", am Ende gibt es noch ein heiteres Kunstgemälde-Raten für alle.
Die Polizei findet Überfall und Geiselnahme natürlich weniger amüsant. Officer de Xavia ist sogar äußerst mies drauf: Sie wird heute 30, verpasst wegen des Überfalls ein Spiel der Glasgow Rangers und soll jetzt noch im Alleingang die Bank verwanzen. Doch dann trifft sie auf Zal, den Anführer der Bande...

Geniale Dialoge, irrwitzige Situationen, zwei gefährliche Widersacher bzw. zwei gefährliche Liebende - suchen Sie sich aus, auf welcher Seite Sie stehen möchten. Dafür müssen Sie den Roman aber erst mal lesen. Es lohnt sich allemal!

In der Nacht

Autor: Dennis Lehane
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06872-6
Preis: 22,90 €
   
Buchtipp von: Anne Simon (Januar 2014)

„In der Nacht“ - Ein Gangsterepos zur Zeit der Prohibition. Die Geschichte von Joe Coughlin, der sich selbst lieber „gesetzlos“ statt „Gangster“ nennt.
Weniger Krimi, eher ein Entwicklungsroman. Und ausserdem eine tragische Liebesgeschichte - denn hätte er Emma Gould nicht kennengelernt wäre Joe das alles niemals passiert. Er wäre nicht so schnell leichtsinnig geworden, nie wäre er im gefährlichsten Gefängnis in ganz Massachusetts gelandet, nie wäre er nach Florida gegangen und nie wäre er zum größten Rum-Schmuggler des Landes geworden.
Doch so ist es eben gekommen. Und am Ende weiß Joe Coughlin, Sohn eines loyalen Polizisten aus Boston, selbst nicht mehr genau, was der Unterschied zwischen ihm und einem Gangster sein soll. Doch der Leser ahnt, dass Joe immer einer "von den Guten" bleiben wird.

Trotzkis Narr

Autor: Ulrich Ritzel
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-75298-0
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke (Januar 2014)

Tatort Berlin: Innerhalb von 24 Stunden werden ein Polizist und ein Senatsbeamter mit derselben Waffe erschossen. Die Ermittlungen führt eine in der Öffentlichkeit populäre Staatsanwältin, die wegen ihrer strammen Positionen als Kandidatin für das Amt des Regierenden Bürgermeisters aufgebaut werden soll.
Diese Staatsanwältin hat eine junge Journalistin beauftragt, sie zu porträtieren: Material für den Wahlkampf. Und diese junge Journalistin fühlt sich beschattet und beauftragt den ehemaligen Kommissar Hans Berndorf und seine Mitarbeiterin Tamar, ihre Verfolger zu finden.
Und so stößt Berndorf zu deren großen Unbehagen in die Ermittlungen der Polizisten. Und je intensiver Berndorf recherchiert, desto klarer wird, dass es in beiden Fällen, bei den beiden Toten wie bei der Observation, um ein Geflecht aus großen Firmen, der Senatsverwaltung, Korruption und Seilschaften geht. Denn alles in Berlin scheint miteinander verwoben …
Ulrich Ritzels neuer Krimi um Privatdetektiv Berndorf – spannend, verwickelt und politisch wie immer – absolut empfehlenswert!

Malavita

Autor: Tonino Benacquista
Verlag: carl's books
ISBN: 978-3-570-58528-3
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Januar 2014)

In einem kleinen Städtchen in der Normandie lässt sich die Familie Blake nieder. Die Familie wurde im Rahmen eines Zeugenschutzprogrammes umgesiedelt.
Fred Blake, der ehemalige Mafiaboss aus New York, gibt sich hier als Schriftsteller aus, der über die Landung der Alliierten schreibt. In Wahrheit hat er in dem alten Haus eine veraltete Schreibmaschine entdeckt und tippt im Zweifingersystem seine Memoiren. Seine Frau Maggie engagiert sich bei Wohltätigkeitsveranstaltungen, Tochter Bella verdreht Männern den Kopf und Sohn Warren entwickelt sich langsam zum Herrscher über den Schulhof.
Jede andere Familie hätte wahrscheinlich die Umsiedlung als Chance zum Neuanfang gesehen, keine Aufmerksamkeit erregt und sich still verhalten. Doch nicht die Familie Blake. Schon bald treiben sie die FBI-Agenten, die die Familie schützen soll, zur Verzweiflung. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ihre Tarnung auffliegt.

Bereits 2004 erschien “Malavita” in Frankreich und war dort ein großer Erfolg. Im November kam Malavita mit Star-Besetzung in die deutschen Kinos. Robert de Niro spielt den ehemaligen Mafiaboss Fred und Michelle Pfeiffer seine Ehefrau Maggie. Eine Mafiakomödie ganz nach meinem Geschmack und trotz der Star-Besetzung als Buch vielleicht noch einen Tick besser.

Unruhe

Autor: Jesper Stein
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04579-6
Preis: 12,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus

Die Polizei hatte das Jugendzentrum in Kopenhagen gestürmt und das ganze Viertel abgeriegelt. Der Stadtteil Norrebro verwandelte sich regelrecht in eine Kriegszone, brennende Autos und geplünderte Läden bestimmen jetzt das Straßenbild. Axel Steen, Ermittler im Kopenhagener Morddezernat, konnte vom Fenster seiner Wohnung eine Gruppe von Randalierern sehen. Autonome oder Stammgäste des Jugendzentrums, die den Abriss des Jugendzentrums mit aller Kraft verhindern wollten.


Keine dreihundert Meter von Axel Steens Wohnung, nur hundert Meter vom Jugendzentrum entfernt, findet die Polizei auf dem Friedhof die Leiche eines Autonomen. Der Verdacht fällt automatisch auf die Einsatzkräfte der Polizei. Hatten die Einsatzkräfte den Autonomen kaltblütig umgebracht? Eine Kamera, die zum Zeitpunkt des Mordes auf den Tatort gerichtet war, ist mysteriöserweise verschwunden. Steen gerät mit seinen Ermittlungen immer mehr unter Druck. Nachts kann er nicht schlafen, weil er wahnsinnige Angst davor hat, dass sein Herz plötzlich aufhören könnte zu schlagen. Sollte ihn doch einmal der Schlaf überkommen, hat er erotische Träume von seiner Exfrau. Um dem Alltag zu entkommen und etwas Schlaf zu finden raucht er Haschisch. Steen ist nicht gerade das, was man sich unter einem Vertreter von Recht und Ordnung vorstellt und mit seinen unkonventionellen Ermittlungsmethoden macht er sich allseits unbeliebt. Vielleicht ist der Fall auch einfach nur eine Nummer zu groß für ihn.


„Unruhe“ ist der erste Fall für Kommissar Steen. Ein Krimi der von der Charakterfigur Axel Steens lebt. Ich freu mich auf den zweiten Fall.

Die Bestien von Belfast

Autor: Sam Millar
Verlag: Atrium
ISBN: 978-3-85535-510-5
Preis: 16,95 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken

Belfast, Nordirland. Im Stadtpark wird ein Toter gefunden. Und ausgerechnet Karl Kane, der meist beschäftigungslose Privatdetektiv, soll herausfinden, wer der Mann war und warum er sterben musste. Kane ermittelt, doch unmittelbar in seinem Umfeld geht das Morden weiter. Schon bald kann er niemandem mehr trauen, schon gar nicht der ebenfalls an dem Fall arbeitenden Polizei. Wer ist Freund, wer ist Feind? Und dann holt ihn seine eigene Vergangenheit ein, und es wird kalt in Belfast...

Irland - die GRÜNE Insel? In diesem grandiosen Krimi wird das Klischee jedenfalls nicht bedient. Die Handlung ist eher in den städtischen Randbereichen angesiedelt, in die wir uns als Touristen lieber nicht verirren sollten. Da ist es dreckig, gewalttätig, kalt. Und mittendrin Karl Kane, endlich mal wieder ein überzeugend gezeichneter Detektiv.
"Die Biester von Belfast" bildet den Auftakt einer kleinen Reihe um eben jenen Karl Kane. Der zweite Band ist gerade erschienen, weitere folgen.
Sie sollten alle lesen!

Wiedersehen mit Brideshead

Autor: Evelyn Waugh
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06876-4
Preis: 26,90 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke

Ein klassischer englischer Roman, erstmals 1945 und 1960 vom Autor verändert erschienen: Hauptmann Charles Ryder, von der Armee desillusionierter Architekturmaler, wird während des 2. Weltkriegs mit seiner Einheit nach Brideshead verlegt. Das Anwesen erkennt er wieder, war es ihm doch in der Zeit zwischen den Kriegen zur Heimat geworden, Ort seiner Freundschaft zu Sebastian Flyte und später seiner Liebe zu dessen Schwester, Julia. Doch Freundschaft wie Liebe, so zeigt es der genaue Beobachter Ryder, sind zerbrochen an der Unfähigkeit des alten englischen Adels, sich mit der Gesellschaft des 20. Jahrhunderts zu arrangieren und umgekehrt an dem Widerwillen der neuen Zeit, notwendige Traditionen zu bewahren.
Ein toller, sprachlich wie inhaltlich immer noch aktueller und bewegender Roman in einer wunderschönen Ausgabe im Schuber bei Diogenes

Shotgun Lovesongs

Autor: Nickolas Butler
Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-98008-0
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Anne Simon

Ein Rockstar auf der Suche nach Heimat, ein ehemaliger Rodeostar auf dem Weg ins eigene Leben, ein erfolgreicher Banker auf der Suche nach sich selbst und ein Farmerspaar, das all das schon lange gefunden hat. Eine Hand voll Leute aus einer Kleinstadt im Norden der USA. Sie sind beste Freunde, seit sie als Kinder hier gemeinsam aufwuchsen. Doch was sie heute noch verbindet ist hauptsächlich ihre Erinnerung.
Jeden von ihnen stärkt und lenkt noch immer die Sehnsucht nach dieser Freundschaft. Und auch wenn es den ein oder anderen von ihnen schon raus in die weite Welt getrieben hat (oder immerhin bis nach Chicago), landen sie doch immer wieder in ihrer Heimat, diesem winzigen Kaff im Nirgendwo von Wisconsin.
Hochzeiten, Scheidungen, Abenteuer und Lieder von der Liebe, um nichts anderes geht es in diesem Buch. Und jeder der Protagonisten erzählt uns diese Geschichte aus seiner Sicht. Dies ergibt eine (mehr-)stimmige, manchmal sentimentale, aber völlig unkitschige Geschichte über das, was im Leben zählt.

Stoner

Autor: John Williams
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28015-0
Preis: 19,90 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus

1981 wird William Stoner als Sohn armer Farmer in Missouri geboren. Bereits als kleiner Junge übernimmt er viele der anfallenden Arbeiten auf dem elterlichen Hof.
Im Alter von 19 Jahren bekommt er die Chance, Agrarwirtschaft zu studieren und ergreift diese.
Doch im zweiten Jahr auf der Universität meldet sich Stoner, ohne seine Eltern davon in Kenntnis zu setzen, aus den naturwissenschaftlichen Fächern ab und scheidet auch aus dem Studiengang Agrarwirtschaft aus.
Stattdessen belegt er die Einführungskurse in Philosophie und in englischer Literatur. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs promoviert er in Philosophie und unterrichtet bis zu seinem Tod 1956 an der Universität von Missouri.


John Williams erzählt die Geschichte eines sehr genügsamen Mannes. Stoner wird keine Heldentaten vollbringen und trotzdem oder gerade deswegen hallt der Roman noch lange nach. Sein Leben wurde geprägt durch seine harte Kindheit auf der Farm, eine nicht gerade erfüllte Ehe und den Missgunst seiner Mitmenschen.
Williams erzählt von den Mühen und Freuden Stoners, seinen Studenten Literatur nahezubringen. Beinahe bemitleidet man William Stoner, doch da "Stoner" auch ein Roman über die Liebe ist, lässt diese Tatsache erahnen, dass William auch die leidenschaftliche Liebe kennenlernen wird und Freunde an seiner Seite hat, die ihn sein ganzes Leben begleiten.



Auch John Williams Großeltern waren Farmer. Er wurde 1922 in Texas geboren, seinem Lehrer war es zu verdanken, dass er Schriftsteller wurde. Er lobte ihn für einen Aufsatz, es war eines seiner ersten Komplimente, die er im Leben erhielt und Williams hielt es für seine Bestimmung, Schriftsteller zu werden. Sein Roman "Stoner" ist die fiktive Lebensgeschichte William Stoners, er erschien erstmalig 1967 und wurde 2002 wiederentdeckt. Zum Glück!

Die amerikanische Nacht

Autor: Marisha Pessl
Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-10-060804-8
Preis: 22,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon

Fünf Jahre ist es her, seit Scott McGraths Welt in sich zusammen brach. Der Journalist recherchierte damals an einer erschreckenden Enthüllungsstory über den bekannten und geheimnisvollen Regisseur Stanislas Cordova. Ein unbedachter Satz in einer Talkshow und plötzlich wie vom Erdboden verschluckte Zeugen machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Daraufhin verlor er zunächst Job und Ansehen, um kurz darauf von Frau und Kind verlassen zu werden.

Nun holt ihn die alte Geschichte wieder ein. Ashley, Cordovas schöne und talentierte Tochter ist tot. Allem Anschein nach war es Selbstmord, man findet sie im Aufzugschacht einer Lagerhalle.
Doch kann das sein? Was soll sie zu dieser Tat getrieben haben? Steckt nicht mehr dahinter? McGrath wittert seine Chance zur Rehabilitierung. Was, wenn er damals Recht hatte? Er beginnt erneut zu recherchieren. Dabei begegnen ihm zunächst die junge (leider wenig talentierte) Schauspielerin Nora sowie der Herumtreiber Hopper, die sich ihm an die Fersen heften und sich selbst zu seinen Assistenten erklären. Schon bald stoßen die drei auf interessante Informationen. Ashleys Flucht aus der Psychiatrie, schwarze Magie und Menschen, die von verstörenden Aufeinandertreffen mit der jungen Frau berichten, sind nur der Anfang. Scott sieht bestätigt, dass seine Vermutungen damals nicht so an den Haaren herbeigezogen waren, wie er inzwischen fast selbst schon glaubte.
Und um so weiter sie in die Ermittlungen eintauchen, desto mysteriösere Geschichten begegnen ihnen. Bis sie schließlich kaum noch zwischen Traum und Realität unterscheiden können.

Die Wahrheit über den Fall Quebert

Autor: Joel Dicker
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05600-7
Preis: 22,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke

Marcus Goldman ist ein erfolgreicher junger Schriftsteller, doch er hat große Schwierigkeiten, nach dem großen Erfolg seines ersten seinen zweiten Roman fertigzustellen. Da erfährt er, dass sein alter Literaturprofessor und Mentor Harry Quebert als Mordverdächtiger inhaftiert wurde. In seinem Garten wurden die Überreste der seit 33 Jahren vermissten Nola gefunden. Als Harry zugibt, mit der damals noch jugendlichen Schülerin ein Verhältnis gehabt zu haben, ist der Skandal in der prüden amerikanischen Kleinstadt Aurora groß.
Marcus ist von der Unschuld seines einstigen Idols überzeugt, und er macht sich daran, die Tat aufzuklären – gegen den Widerstand vieler Einwohner Auroras, und ein bisschen auch, um Stoff für seinen neuen Roman zu erhalten.
Ein Verwirrspiel beginnt: die unschuldige Nola erscheint auf einmal gar nicht mehr heilig, selbst der Sheriff war ihr verfallen. Und nicht nur dieser hatte ein Motiv, immer mysteriöser wird das Verhalten selbst von Nolas Eltern, aber auch von vielen anderen Personen, die Nola kannte.
Viele Fährten, viele Handlungsstränge, und immer wieder glaubt der Leser, gemeinsam mit Marcus Goldman den Fall gelöst zu haben – bis sich wieder neue Ent- und Verwicklungen ergeben.
Ein toller Roman, spannend, aber auch vielschichtig, die amerikanische Kleinstadt Aurora sezierend und überaus klar in der der Darstellung der Folgen eines Verbrechens für alle Beteiligten auch nach über 33 Jahren: ein Mord hinterlässt immer Spuren. Und am Ende hat Marcus zwar den Stoff für seinen zweiten Roman gewonnen, aber einen Freund verloren.

Magical Mystery

Autor: Sven Regener
Verlag: Galiani
ISBN: 978-3-86971-073-0
Preis: 22,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken

Richtigerweise sollte zunächst mal der nicht ganz unwichtige Untertitel dieses Romans genannt werden: "Die Rückkehr des Karl Schmidt". Dann werden vielleicht bei dem ein oder anderen Leser der 'Frank-Lehmann-Trilogie' Erinnerungen wach. Karl Schmidt? War das nicht dieser Künstler in Berlin? Der unter dem Einfluss von so ziemlich allen Rauschmitteln eigenartige Plastiken schuf? - Exakt! Eben jenen Karl Schmidt hat Sven Regener zur Hauptfigur seines neuen Romans gemacht.
Was passiert:
Karl Schmidt hat nach einem fürchterlichen, drogenbedingten Ausraster im Anschluss an eine Ausstellungseröffnung fünf Jahre in einer drogentherapeutischen Einrichtung in Hamburg gelebt. Als er durch Zufall einen der früheren Berliner Weggefährten trifft, ist das der Anfang einer kuriosen Zusammenarbeit: Die alten Kumpel wollen mit ihrem inzwischen erfolgreichen Plattenlabel 'BummBummRecords' auf einer Tour durch Deutschland den Rave der Neunziger mit dem Hippiegeist der Sechziger verbinden. Dazu brauchen sie einen Begleiter, der den Tourbus fährt, organisiert, der die ravebesessene Gruppe zusammenhält. Kurz: sie brauchen einen, der permanent nüchtern ist, der weg ist von Bier, Hasch und Koks. Karl Schmidt ist mittlererweile positiv therapiert und er hat keine Lust mehr auf Drogen-WG und seinen Hilfshausmeisterjob. Er will wieder was erleben, also sagt er zu.
Und so beginnt eine zweiwöchige Reise durch Deutschland, unternommen von einer Gruppe Techno-Freaks, betreut von einem noch ein wenig psychisch labilen Ex-Künstler, der sein 'neues', unabhängiges Leben noch lernen muss.
P.S. Bei einem Rave-Event in Essen ist ein gewisser Frank Lehmann für das Catering zuständig. Kommt es zu einem Treffen?

Niedergang

Autor: Roman Graf
Verlag: Knaus
ISBN: 978-3-8135-0566-5
Preis: 17,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken

Ein junges Paar auf seiner ersten Wanderung im Hochgebirge. Louise kommt aus Mecklenburg, hat keine Erfahrung, was alpine Bergtouren angeht, ist Trekking im Mittelgebirge gewöhnt. André dagegen stammt aus der Schweiz, klettert und tourt regelmäßig in den Alpen. Jetzt will er seiner Freundin die Schönheiten des Gebirges zeigen. Monatelang hat er die Tour bis ins Detail geplant.
Doch am Morgen ist das Dorf, das zum Ausgangspunkt gewählt wurde, von Nebel verhangen, feiner Regen fällt stetig. Der Aufbruch verzögert sich. Louise wirkt plötzlich eher lustlos, André fühlt sich aufgehalten. Schließlich laufen sie trotzdem los. Allerdings nimmt ihr Mißmut zu. Je zögerlicher Louise wandert, desto ungeduldiger treibt André sie voran. Mit Mühe erreichen sie ihr erstes Wanderziel, eine bewirtschaftete Hütte.
Am nächsten Morgen sorgt eine deutliche Wetterbesserung für neue Motivation. Allerdings ist der weitere Aufstieg anstrengend. Louise will die Tour abbrechen, und tatsächlich verlässt sie ihren Freund vor dem langen finalen Anstieg zum Gipfel und kehrt ins Tal zurück. Verletzt und stolz klettert André alleine weiter. Er hat nur ein Ziel: er will den Gipfel bezwingen.

Der Sommer, als der Regen ausblieb

Autor: Maggie O'Farrell
Verlag: Manhattan
ISBN: 978-3-442-54731-9
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus

1976, die Hitze ist in London mittlerweile unerträglich geworden. Es ist der heißeste Sommer, an den sich die Menschen in England erinnern können. Die Luft steht in Grettas Küche, sie ist mehr als nur erdrückend, jede noch so kleinste Bewegung löst einen Schweißausbruch aus. Trotzdem wird der Backofen erhitzt und Gretta backt ganz wie gewohnt ihr Sodabrot. Auch ihr pensionierter Mann Robert geht seinen Gewohnheiten nach, seit mehr als drei Jahrzehnten geht er um Punkt Viertel vor sieben aus dem Haus. Er will wie immer die Zeitung holen. Doch heute wartet Gretta vergeblich auf seine Rückkehr.

In ihrer Verzweiflung benachrichtigt Gretta die gemeinsamen Kinder. Aoife, Monica und Michael führen bereits ihr eigenes Leben, eilen aber ihrer Mutter zur Hilfe. Was allerdings so einiges an Komplikationen mit sich bringt. Alle drei stecken in ihrer eigenen privaten Krise und das Monica und Aoife seit Jahren zerstritten sind, vereinfacht auch nicht gerade die Suche nach ihrem Vater. Noch ahnen sie nicht, dass Gretta vielleicht eine Erklärung für Roberts Verschwinden haben könnte, aber dann müsste sie so einiges aus der Vergangenheit preisgeben.

Eine wunderschöne Geschichte, leichtfüßig und teilweise witzig erzählt. Ein Porträt einer irischen Familie, geprägt von ihrer Vergangenheit, erzählt vor der Kulisse der legendären Hitzewelle des Jahres 1976 in England. Ein gelungener Roman.

Vor dem Sturm

Autor: Jesmyn Ward
Verlag: A. Kunstmann
ISBN: 978-3-88897-861-6
Preis: 21,95 €
   
Buchtipp von: Anne Simon

Über dem Mississippi-Delta braut sich ein Sturm zusammen. In den Nachrichten bringen sie Unwetterwarnungen und schon seit Tagen geht Eschs Vater ihr und ihren drei Brüdern damit auf den Wecker. Unablässig verrammelt er mit Sperrholz ein Fenster nach dem anderen, bringt Hab und Gut in Sicherheit und hortet spärliche Vorräte.
Den Geschwistern und ihren Freunden fehlt dazu jeglicher Antrieb, denn in den letzten Tagen ist es einfach unerträglich heiß. Und warum sollte der Hurrikan ausgerechnet diesmal ihre kleine, heruntergekommene Farm treffen, wo er doch die letzten Jahren stets vorüberzog.

Die fünfzehnjährige Esch treiben ausserdem noch ganz andere Sorgen um - sie ist schwanger. Und sie weiß nicht, an wen sie sich damit wenden soll. An ihren Bruder Randell, dessen bester Freund wohl Vater des ungeborenen Kindes ist? An Skeetah, dessen ganze Fürsorge seiner Pitbullhündin China und deren Welpen gilt? Oder an den kleinsten Bruder Junior, bei dessen Geburt ihre Mutter damals starb? Nein, Esch beschließt, die immer offensichtlicher werdende Erkenntnis so lange zu verdrängen und für sich zu behalten, bis es nicht mehr zu verbergen ist. Doch so sehr auch jeder mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen hat, und so sehr Esch auch glaubt ganz allein zu sein, so zeigt sich doch, dass die Geschwister einander lieben und unterstützen - und auch einiges mehr mitbekommen, als man annehmen würde.

„Vor dem Sturm“ ist ein fantastischer Roman, dessen Handlung genau so brodelt und am Ende über den Leser hereinbricht wie der titelgebende Sturm über die Protagonisten dieser Geschichte.

Die Springflut

Autor: Cilla & Rolf Börjlind
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-75393-2
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke

In einer sommerlichen Vollmondnacht im Jahr 1987 geschieht im schwedischen Nordkoster ein grausamer Mord. Eine junge, schwangere Frau wird gefesselt und durch die einsetzende Springflut ertränkt. Der Mord kann nie aufgeklärt werden. Den zuständigen Kriminalpolizisten lässt der Fall nicht los, er quittiert schließlich den Dienst.
Mehr als zwanzig Jahre später erhält eine angehende Polizistin, Olivia Rönning, von ihrem Lehrer diesen Fall als „cold case“: als Herausforderung, ihn möglicherweise mit den heutigen Möglichkeiten zu knacken. Doch sie kann den Kriminalpolizisten von damals, Tom Stilton, den sie zu dem Fall befragen möchte, nicht finden. Er scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein.
Gleichzeitig gibt es in Stockholm eine Serie von Morden an Obdachlosen, vermutlich ausgeübt von Rechtsradikalen. Und Tom Stilton erscheint Olivia auf einmal als Bindeglied zwischen zwei zunächst vollkommen unzusammenhängenden Fällen. Olivia macht sich auf die Suche …
Cilla und Rolf Börjlind sind Drehbuchautoren – und das merkt man diesem Buch an. In schnellen Schnitten wechselt der Leser zwischen Zeiten, Orten und Personen, fast atemlos folgt man der jungen Olivia Rönning auf ihrer Ermittlungsodyssee: ein tolles Buch für lange Abende, vielleicht sogar für eine durchgelesene Nacht!

Gott ist kein Zigarettenautomat

Autor: Matthias Gerhards
Verlag: Knaus
ISBN: 978-3-8135-0550-4
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken

Wer sagt denn, dass man über eine unglückliche Kindheit nicht lachen darf?
Thomas Sieben ist vierzehn, geht auf die Hauptschule, die Nachmittage vertrödelt er auf den Feldern, meist allein. Es gibt keinen Vater, dafür eine Mutter, die das Leben nur im Suff erträgt. Zusammen mit ihr und seiner Schwester lebt er in der verfallenen alten Schule, die wie der Rest des ganzen Dorfes schon von den Vermessungstrupps der Rheinbraun AG für den Abbruch vorbereitet wird.
Und dann ist da noch sein Bruder, einige Jahre älter als er und immer in dubiose kleinkriminelle Geschäfte verwickelt. So ein harter Typ will Thomas auch werden. Doch dann treibt der Bruder im Bach an ihm vorbei, tot, und das ganz offensichtlich nicht freiwillig. Thomas erkennt, dass es den lieben Gott nicht gibt.

Matthias Gerhards' Romandebüt über einen Jungen unterhalb der Armutsschwelle und den letzten Sommer eines Dorfs im rheinischen Braunkohlerevier ist ein zugleich witziger und melancholisch-ernster Roman über das Leben, den Tod und das Ende der Kindheit.

Ein kleiner Ausflugstipp: Wenn Sie der Atmosphäre des Romans nachspüren wollen, machen Sie eine Radtour durch die noch teilbewohnten und durch die schon aufgegebenen Dörfer westlich des Garzweiler Loches. Da wird Heimat weggebaggert. Und irgendwo dort lebte Thomas.

Gone Girl

Autor: Gillian Flynn
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-502-10222-9
Preis: 16,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon

Amy und Nick sind das perfekte Paar. Jung, gutaussehend und so glücklich.
Bis zu dem einen Tag, der alles verändert. Als Nick von der Arbeit nach Hause kommt, ist Amy verschwunden und das Wohnzimmer verwüstet.
Alles deutet auf eine Entführung hin. Doch die hinzugerufene Polizei stößt schnell auf erste Ungereimtheiten. Schon bald steht Nick im Visier der Ermittler, sein Alibi bröckelt. Und auch als Leser zweifelt man an der Loyalität des Ehemanns. Denn im Wechsel zum aktuellen Geschehen lässt Gillian Flynn Einträge aus Amys Tagebuch in die Geschichte einfließen. Und so erhalten wir einen Einblick in das scheinbar so harmonische Eheleben der beiden. Und dieser Einblick ist furchteinflößend.

Gillian Flynns geschickte Erzählweise, die eine Sicht aus verschiedenen Blickwinkeln und Zeitebenen ermöglicht, macht diesen Psychothriller wirklich abwechslungsreich.
Und sie schafft es, den Leser mehr als einmal in die Irre zu führen.

Mein Sommer nebenan

Autor: Huntley Fitzpatrick
Verlag: cbj
ISBN: 978-3-570-15572-1
Preis: 16,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus

Als vor dem Nachbarhaus der Umzugswagen und ein verbeultes Auto halten, aus dem zwei Erwachsene und fünf Kinder steigen, steht für Samanthas Mutter fest, dass diese Familie der Fluch jeder guten Wohngegend ist. In den kommenden Jahren bestätigen die Garretts alle negativen Voraussagen und Samantha begnügt sich damit, die Garretts heimlich zu beobachten. Bis zu dem Tag, an dem sie wieder einmal auf ihrem heimlichen Beobachtungsposten sitzt (einem kleinen eingefassten Dachvorsprung) und plötzlich Jase Garrett vor ihr steht. Samantha verliebt sich Hals über Kopf in Jase und wird von dessen Familie überaus herzlich aufgenommen.

Ihre Liebe zu Jase hält Samantha jedoch vor ihrer Mutter geheim, da die Garretts ihr immer noch ein Dorn im Auge sind und sie zudem eine politische Karriere als Senatorin anstrebt.

Doch als Jases Vater bei einem Autounfall schwer verletzt wird, steht Samantha vor einer weitgreifenden Entscheidung.



Mit großem Feingefühl erzählt die Autorin von der ersten großen Liebe, den ersten Erfahrungen zweier Jugendlicher. Eine Geschichte voller Romantik und Träume, in der aber auch die anderen Familienmitglieder nicht zu kurz kommen. Der kleine George Garrett zum Beispiel hält Samantha für Sailor Moon und hat Angst vor schwarzen Löchern und hat mich durch seine liebevolle, offene Art begeistert. Turbulent geht es in den Familien allemal zu und über mangelnden Humor braucht auch niemand klagen. Ein Lesevergnügen für jung und alt.

Das Lachen und der Tod

Autor: Pieter Webeling
Verlag: Blessing
ISBN: 978-3-89667-464-7
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke

Ernst Hoffmann ist ein erfolgreicher Komiker im Amsterdam der Dreißiger- und Vierziger. Als die Nazis die Stadt besetzen, muss er wegen seiner jüdischen Herkunft untertauchen. 1944 fliegt er auf und wird –zusammen mit anderen Verfolgten – in einem Viehwagen nach Auschwitz transportiert.
Auf dem endlosen Transport unter elenden Bedingungen lernt er Helena kennen und verliebt sich in sie. Doch natürlich werden sie in Auschwitz getrennt. Ernst, der einem Arbeitslager mit einem Kapo zugeteilt wird, der sich seine Menschlichkeit bewahrt hat, versucht verzweifelt, den Verbleib Helenas zu erforschen, sie womöglich der Vernichtung zu entziehen.
Doch dazu muss er letztlich einen teuflischen Deal mit dem Lagerkommandanten eingehen: Mit seinen Witzen, die er in der kargen Freizeit der Häftlinge seinen Mitgefangenen vorspielt und sie damit zumindest zeitweise vor der Verzweiflung bewahrt, soll Hoffmann auf den Unterhaltungsabenden der Bewacher den Lagerkommandanten und die Wehrmachtssoldaten unterhalten. Solange sie lachen, lebt Helena …
Ein bewegender, trauriger und zugleich zutiefst menschlicher Roman über das Überleben in der Verzweiflung, die Kraft der Hoffnung, der Liebe und der Standhaftigkeit.

Ghostman

Autor: Roger Hobbs
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-31337-2
Preis: 14.99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken

"Ich lebe allein, ich schlafe allein, ich esse allein, ich traue niemandem."
Er ist der Mann, den man kennen muss, wenn man die Spuren eines Verbrechens verwischen will. Er hat viele Namen, viele Identitäten, aber kein Zuhause. Er zieht von Stadt zu Stadt, oder besser: von Auftrag zu Auftrag. Er lebt anonym, hat keine Freunde, er sucht den Thrill. Er ist der Ghostman.
Jetzt geht es um einen misslungenen Überfall auf ein Casino an der amerikanischen Ostküste. Dabei starb einer der Täter im Kugelhagel, ein anderer konnte entkommen - mit der Beute, die aber für jemand anderen bestimmt war. Der Ghostman wird auf die Spur angesetzt, er soll aufräumen. Immerhin stehen eine Million Dollar auf dem Spiel, die er in 48 Stunden gefunden haben muss, sonst tritt ein Mechanismus in Kraft, der das Geld mittels Farbpatronen wertlos macht...

"Ghostman" ist der Debütroman des jungen amerikanischen Schriftstellers Roger Hobbs. Hobbs ist ein energiegeladener Thriller gelungen. Die Figuren agieren rauh, gewalttätig, skrupellos, bewegen sich (notgedrungen) auf der Schattenseite des american way of life. Ihnen schenkt keiner was, und sie haben auch nichts zu verschenken. Erst recht keine Million Dollar.

Wenn ich dich umarme, hab keine Angst

Autor: Fulvio Ervas
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06851-1
Preis: 16,90 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus

Es ist die wahre Geschichte von Franco Antonello und seinem Sohn Andrea. Andrea ist 1994 in Italien geboren, mit drei Jahren wurde bei ihm Autismus diagnostiziert. Mittlerweile ist Andrea 17 Jahre alt und hat so manche Therapie über sich ergehen lassen. Er wirkt glücklich, lacht, kann aber ansonsten keine Gefühle zeigen und spricht auch nur selten und nicht in ganzen Sätzen. An guten Tagen kommuniziert er anhand eines Computers und schreibt kurze, aber ausdrucksvolle Sätze an seine Eltern, Botschaften aus seiner Welt. Um einen Eindruck von einer Person zu erhalten, legt er die Arme um oder auf deren Bauch. Viele erschrecken sich über diese unerwartete Handlung Andreas, deshalb haben seine Eltern T-Shirts bedrucken lassen mit der Aufschrift “ Wenn ich dich umarme, hab keine Angst“.

Von einer langen Reise haben Lehrer und Bekannte abgeraten, Autisten brauchen ihre gewohnte Umgebung. Selbst die Ärzte rieten davon ab, mit Andrea ins Ausland zu reisen. Trotzdem machen sich Vater und Sohn auf, um quer durch Amerika mit dem Motorrad zu fahren. Von einer Küste zur anderen, von Florida nach Kalifornien und sogar von Mexiko nach Guatemala, weiter in abgelegene Winkel Brasiliens. Natürlich wird Andrea auf dieser Reise nicht geheilt, aber die zwei sind sich näher gekommen und haben eine überaus glückliche Zeit zusammen verlebt.

Wieder zurück in Italien, schildert Franco dem Schriftsteller Fulvio Ervas ihre unglaubliche, abenteuerliche, eindrucksvolle und beneidenswerte Reise. Ervas hat daraus diese lebensfrohe Geschichte geschrieben. Es gibt da keine Zweifel, Vater und Sohn haben diese Reise, die sicherlich auch sehr anstrengend war, beide sehr genossen und etwas unternommen, das man nie vergessen oder bereuen wird. Welches wundervolle, unsichtbare Band die beiden verbindet, kann man teilweise nur erahnen.
Franco und Andrea haben mich sehr beeindruckt.

Die Kunst, Schluss zu machen

Autor: Anna Stothard
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-30019-2
Preis: 14,90 €
   
Buchtipp von: Anne Simon

Eva Elliot liebt Enden. Sie ist fasziniert davon, dass durch ein Ende, ein Schlussmachen, einen Umzug das bisherige Leben für immer verschwindet, sich in Nichts auflöst, so als hätte alles bis dahin Geschehene nie existiert. Und danach scheint ihr die Zukunft wieder wie ein weißes Blatt Papier, das ganz nach Belieben neu gestaltet werden kann.

In Romanen, in Filmen und in Beziehungen, immer ist das Ende das Beste. Und schon bei ihrem ersten Kuss mit Luke malt sich Eva aus, wie sie wohl mit ihm Schluss machen wird.

Luke, der so ganz anders ist als sie. Selbstsicher, kommunikativ, ordentlich (faltet sogar seine Unterhosen). Eva hingegen zieht sich gern zurück, hasst Parties und trägt selten zueinander passende Strümpfe. Ihre einzige Gemeinsamkeit scheint die Leidenschaft für Scrabble zu sein. Trotzdem werden die beiden ein Paar.

Doch als alle Bekannten um sie herum weitreichende Entscheidungen zu treffen beginnen - Häuser kaufen, heiraten, Zehnjahrespläne schmieden, beginnt Eva zu zweifeln. So lang wie mit Luke hat noch keine Beziehung gehalten. Dennoch bleibt Luke ihr immer ein Stück fremd. Und als er auch noch plötzlich (ein Wasserrohrbruch ist schuld) bei ihr einzieht und so ihre ganze Wohnung und ihr Leben für sich einzunehmen scheint, wird Eva klar, dass sie mal wieder Schluss machen muss. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, denn eigentlich liebt Eva Luke. Und dann ist da noch Grace...

Allmen und die Dahlien

Autor: Martin Suter
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06860-3
Preis: 18,90 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke

Johann Friedrich von Allmens aufwändiger Lebensstil lässt seine finanziellen Reserven aus den bisherigen Erfolgen seiner Ermittlungsagentur schmelzen. Da kommt der Auftrag der mysteriösen alten Dame Daniela Gutbauer gerade recht, ihm ihr gestohlenes Lieblingsgemälde wieder zu beschaffen: ein wertvolles Dahlienbild von Henri Fantin-Latour.
Doch warum muss alles so diskret ablaufen? Warum wendet sie sich nicht an die Polizei? Was macht dieses Bild für die alte Frau so wertvoll?
Allmen quartiert sich in das Hotel ein, in dem die Gutbauer lebt, zusammen mit einer skurillen Mischung von Menschen aus ihrer schillernden Vergangenheit . Doch mit Ganoven, die Ganoven betrügen, kennt sich Allmen ja bestens aus …
Amüsant, spannend, mit einem Ende, das den nächsten Allmen-Roman herbeisehnen lässt! Und, wie immer bei Suter, sprachlich ein Vergnügen.

Das Fest der Schlangen

Autor: Stephen Dobyns
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 978-3-570-10154-4
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken

Stephen Dobyns ist mir in sehr guter Erinnerung: Vor mehr als 15 Jahren erschienen seine Thriller "Die Kirche der toten Mädchen" und "Der Junge im Pool" - wahnsinnig spannende Unterhaltung, ich war begeistert. Dann wurde es ruhig um den Autor, zumindest im deutschsprachigen Raum wurde nichts mehr von ihm veröffentlicht. Und nun plötzlich "Das Fest der Schlangen". Dobyns hat viel Kredit bei mir, also war klar: das muss ich lesen!

Brewster ist ein kleines Städtchen im amerikanischen Bundesstaat Rhode Island. Verschlafen, unattraktiv, langweilig. Jeder kennt jeden, man lebt so vor sich hin. Doch seit kurzem regt sich etwas Außergewöhnliches, vielleicht sogar Übernatürliches in Brewster. Während Kojotenrudel durch die Straßen streifen und sich die Nachricht verbreitet, dass aus dem örtlichen Hospital ein Baby gestohlen wurde (und stattdessen eine Schlange in seinem Bettchen lag), beginnen eine Reihe unerklärlicher Gewalttaten die Polizei zu verwirren - und Entsetzen unter den Bewohnern zu verbreiten... Ist die Kleinstadt wirklich so verschlafen? Trügt der Schein? Wohnt das Böse vielleicht doch nebenan?

Mehr brauchen Sie über dieses Buch an dieser Stelle nicht zu wissen. Einfach kaufen und loslesen. Vielleicht noch dieses kleine Zitat als Kaufanreiz. Der Meister der Spannungsliteratur Stephen King urteilt: '"Das Fest der Schlangen" ist der Inbegriff dessen, warum wir Geschichten lesen. Man kann nicht mehr verlangen, als dieses Buch zu bieten hat. Ich bin begeistert.'

Bußestunde

Autor: Arne Dahl
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-04969-6
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke

Neun Fälle hat das A-Team zur Bekämpfung von Schwerkriminalität in Schweden nun schon gelöst, mit dem zehnten Band kommt die Krimi-Reihe von Arne Dahl (leider) zum Abschluss.
Lena Lindberg, jüngstes Mitglied der Gruppe, wird zufällig Zeugin eines Raubüberfalls auf eine Videothek. Eigentlich kein Fall für das A-Team, aber die eher nebenbei gemachten Beobachtungen bringen Lena auf die Spur eines Mordes im Nachbarhaus des Tatortes.
Während dessen wird Paul Hjelm mit dem Verschwinden des schwedischen Geheimdienstchefs konfrontiert. Er ganz allein soll die Hintergründe klären und stirbt dabei eines mysteriösen Todes …
Geschockt von Tod Paul Hjelms ermitteln die verbleibenden Mitglieder des A-Teams langsam, aber sicher die Hintergründe des Todesfalls im Nachbarhaus der überfallenen Videothek. Und müssen das Knäuel entwirren, das aus dem verbrecherischen Vertrieb von gewichtsreduzierenden Medikamenten an Magersüchtige, furchtbaren Auswirkungen von lange zurückliegendem Mobbing, politischen Verwicklungen und aus verbrecherischem Menschenhandel zur Befriedigung merkwürdiger Obsessionen besteht.
Als alle Fäden freigelegt sind, können dann auch Tote wieder lebendig werden …
Ein hoch konzentrierter, spannender Abschlusse der A-Team-Reihe. Schade, dass sie zu Ende ist, aber glücklicherweise gibt es ja schon den Einstieg in eine andere Serie!

Nacht ohne Angst

Autor: Angélique Mundt
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-74626-2
Preis: 9,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon

Eine ganz normale Nacht in der Hamburger Universitätspsychiatrie. Doch dann stößt die Nachtschwester während ihres Rundgangs auf Erschreckendes. In einem der Zimmer hockt eine Patientin völlig verstört auf dem Fußboden vor ihrem Bett, ihre Zimmerpartnerin findet man erhängt im Bad. Die Nachtschwester verständigt die diensthabende Ärztin, doch jeder Rettungsversuch kommt zu spät.
Der Fall scheint klar - Selbstmord. Der erste für die Ärztin Tessa Ravens, doch grundsätzlich in dieser Umgebung nichts ungewöhnliches.
Die Kriminalpolizei wird hinzugerufen, doch auch die kann zunächst nichts Auffälliges feststellen.
Zwar wird kein Abschiedsbrief gefunden, aber nicht jeder Selbstmörder hinterlässt einen. Doch auch das Tagebuch der Toten ist verschwunden, und ihr Schrank war auffällig zerwühlt.
Als die immer noch verstörte Mitbewohnerin angibt, dass sie wach wurde, weil Licht durch die nur angelehnte Zimmertür fiel und ein Schatten sich durch den Raum bewegte, werden sowohl die Ärztin als auch Kriminalhauptkommissar Torben Koster hellhörig und bezweifeln endgültig den Selbstmord.
Koster und sein Kollege „Liebchen“ beginnen nachzuforschen. Doch die Ermittlungen entwickeln sich zu einer Zerreißprobe. Welchen Aussagen kann man trauen? Wer redet im Wahn? Der Kommissar ist auf Tessas Expertenwissen angewiesen.

Angélique Mundt weiß, wovon sie schreibt. Sie studierte Psychologie und arbeitete selbst lange in der Psychiatrie. Bei der Arbeit dort begann sie zu schreiben. „Nacht ohne Angst“ ist ihr erster Roman und der Auftakt zu einer neuen Krimireihe um die Psychotherapeutin Tessa Ravens.

Die Welt auf dem Kopf

Autor: Milena Agus
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28013-6
Preis: 18,90 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus

Der Wille, sich zu verlieben, ist unter den schon etwas älteren Personen dieses Buches sehr groß. Die späte Liebe ist die einzige Liebe die dauert, dann hat man die Chance zu sterben, bevor sie vergeht. Daran glaubt Milena Agus und spiegelt dieses in ihrem Roman wieder. So finden auf Sardinien, in einem schönen Palazzo, der schon etwas ältere Amerikaner Mr. Johnson von oben und die Signora Anna von unten zueinander. Doch das brauchte seine Zeit und ohne die Studentin, die zwischen den Wohnungen von oben und unten wohnt, wäre es vielleicht auch gar nicht so weit gekommen. Alles beginnt damit, dass Mr. Johnson von oben, glücklich mit dem was er ist, an der Tür der Studentin klopft und eine Haushälterin sucht. Daraus ergibt sich, dass Anna von unten, die ihren Unterhalt mit drei Jobs bestreitet, nur zu gerne diese Stelle übernimmt und schon bald viel Zeit in der Wohnung des Mr. Johnson verbringt. Aber wie so oft überrascht das Leben mit ein paar Holpersteinen. Mr. Johnsons Sohn und sein Enkel kehren zurück. Als dann noch die davongelaufene Ehefrau des Mr. Johnson auftaucht, ist das Chaos perfekt. Ein Chaos, das auch nicht an der Studentin spurlos vorbei zieht, da sie sich zwischenzeitlich in den schwulen Johnson junior verguckt hat.



Milena Agus versteht es, den Leser in die Geschichte zu ziehen und zu verzaubern. Ein wunderbar verrückter Roman, mit viel Herzblut und italienischen Temperament.

Das Verschwiegene

Autor: Linn Ullmann
Verlag: Luchterhand
ISBN: 978-3-630-87409-8
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken

"Das Verschwiegene" - schon der Titel des neuen Romans der norwegischen Schriftstellerin Linn Ullmann weist auf mögliche Abgründe hin, die sich in dieser Familiengeschichte auftun werden, auf Nichtgesagtes, das sich negativ auf (alle) Charaktere auswirken wird.
Es beginnt so harmlos: In einer kleinen Stadt an der norwegischen Küste findet an einem kühlen, nebligen Juliabend eine große Feier statt. Jenny Brodal wird 75, und gegen ihren Willen hat ihre Tochter Siri ein Fest organisiert. Während allmählich die geladenen Gäste in der Villa eintreffen, sitzt Jenny in ihrem Zimmer und beginnt nach zwanzigjähriger Abstinenz Wein zu trinken...
Siri wohnt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Oslo, führt dort ein Restaurant, und wie jedes Jahr verbringen sie ihren Sommerurlaub in dem Küstenstädtchen. Siris Mann Jon ist Schriftsteller, leidet an einer herben momentanen 'Schreiballergie', obwohl (oder weil) er endlich sein überfälliges neues Buch abliefern soll. Er hat keine Zeit, um sich um seine kleinen Töchter zu kümmern, deshalb haben er und seine Frau ein Kindermädchen engagiert. Das heißt Mille, ist 19 Jahre alt und hat vor, in diesem Sommer richtig erwachsen zu werden.
Das Fest beginnt, es wird gegessen, getrunken, geplaudert. Das düstere Wetter kann nicht stören. Doch dann ist Mille plötzlich verschwunden, auch am nächsten Morgen bleibt sie unauffindbar. Keiner weiß Bescheid, obwohl jeder aus der Familie eine eigene Beziehung zu Mille hatte, die er vor den anderen verbirgt. Nach und nach rührt ihr Verschwinden auch andere, tiefe Gefühle auf, nie vergessene Verletzungen, nie gelebte Sehnsüchte, Ängste, Unsicherheiten. Allmählich entfaltet sich ein bedrückendes Bild einer Familie, die durch viele erlittene Tragödien unfähig ist, miteinander zu kommunizieren. Und je länger dieser Zustand andauert, umso beklemmender wird das Szenario...

Flamingos im Schnee

Autor: Wendy Wunder
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-31323-5
Preis: 17,99 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus

Cam geht schon seit fünf Jahren zu Dr. Handsome, um jetzt bei ihrem letzten Besuch zu erfahren, dass er nichts mehr gegen ihren Krebs tun könne. Die Wissenschaft reicht in diesem Fall nicht mehr aus, was sie braucht, ist ein Wunder. Wer auf ein Wunder hofft, kann lange warten, so Cams Motto. Darüber denkt Cams Mutter Alice ganz anders. Als sie von der Stadt Promise in Maine hört, in der Wunder geschehen sollen, packt sie ein paar Sachen und schleppt Cam und deren Schwester Perry dorthin. Und tatsächlich, während sich Cam in dem kleinen Ort immer heimischer fühlt, geschehen immer wieder unglaubliche Dinge. Es scheint wirklich ein magischer Ort zu sein, doch erst als sie Asher kennen lernt, der selbst die nüchtern denkenden Cam ins Grübeln bringt, beginnt sie sich zu öffnen und hat den Mut und die Hoffnung, an Wunder zu glauben.



Ein wenig kitschig wird es zwischendurch schon einmal, doch es passt zu der Geschichte und deren kleinen Wundern. Die Autorin hält die Waage, zwischen Rührseligkeit und Hoffnung baut sie immer wieder amüsanten Passagen ein. Ein Roman über Freundschaft und die erste Liebe. Alles zusammen ein wunderschöner und lesenswerter Familienroman, in dem im Vordergrund die charakterliche Entwicklung eines Teenagers steht

Ein Jahr voller Wunder

Autor: Karen Thompson Walker
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-75363-5
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Anne Simon

Eines Tages gerät die Welt aus dem Takt. Die Idee ist so simpel und doch zieht sie einschneidende und fast unvorstellbare Konsequenzen nach sich.
Julia ist elf Jahre alt, als die Erde sich plötzlich immer langsamer dreht. Zunächst sind es wenige Sekunden, dann Minuten und schließlich geht die Sonne nur noch alle zwei Tage auf und unter. Was für die Kinder erst mal wie ein großes Abenteuer, eine willkommene Abwechslung im eintönigen Schulalltag daher kommt, wird schon bald zur Bedrohung für alles Leben auf der Erde. Es entbrennen einschneidende Debatten über Dinge, die bisher ganz selbstverständlich schienen. Was ist ein Tag? Ist es ein Abschnitt von 24 Stunden, oder doch ganz im Einklang mit der Natur die immer länger werdende Zeit von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang?
Es entstehen Parallelkulturen, die in ihren unterschiedlichen Tageseinteilungen nebeneinander leben und sich immer weiter voneinander entfremden.
Die weniger robusten Pflanzen in den so schön gepflegten kalifornischen Vorgärten gehen ein, und der Rasen vermodert.
Dann sterben die Vögel. Sie fallen einfach vom Himmel. Straßen werden gesperrt, weil ganze Schwärme auf der Straße verenden. Niemand weiß genau warum. Das so sensible Gleichgewicht der Natur gerät gefährlich durcheinander.
Und dann gibt es auch noch ganz alltägliche Probleme, mit denen Julia zu kämpfen hat. Ihre beste Freundin wendet sich von ihr ab. Alle außer ihr scheinen langsam erwachsen zu werden, und dann kommt sie einem Geheimnis auf die Spur, von dem sie lieber nie erfahren hätte.

Mörderische Schärennächte

Autor: Viveca Sten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04528-4
Preis: 14,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke

Ein Gutes hatte ja das Novemberwetter im Mai: Gemütliches Lesen in geheizten Räumen, möglichst auf Lesesesseln mit Wolldecke, war deutlich schöner als Radtouren bei Schmuddelwetter. Und so konnte der Bücherstapel der zu lesenden Bücher im Mai einiges an Höhe verlieren.
Ein Roman, der mir gut gefallen hat, ist von einer alten Bekannten, nämlich der schwedischen Krimiautorin Viveca Sten. Es gibt ja die sehr realistischen, oftmals auch düsteren Schwedenkrimis, aber die von Viveca Sten sind anders. In ihnen findet sich viel Atmosphäre, die Personen sind aus den Vorgänger-Romanen bekannt, entwickeln sich aber auf interessante Art und Weise weiter, ja, und spannend sind die Krimis natürlich trotzdem.
In ihrem vierten Roman, der wieder im schwedischen Schärengebiet spielt, geht es um einen jungen Mann, der vordergründig Selbstmord begangen hat. Doch was schon der Mutter des Toten unwahrscheinlich erscheint, wird auch für den ermittelnden Polizisten Thomas Andreasson zunehmend rätselhaft, zumal es weitere Tote gibt. Und wie sich nach und nach herausstellt, hat alles mit einer früheren Militärbasis der schwedischen Küstenjäger auf Korsö zu tun.
Thomas‘ alte Freundin Nora Linde hilft ihm durch ihre Kontakte auf „ihrer“ Schäreninsel Sandhamn, die neben Korsö liegt, weiter, hinter das Geheimnis der Küstenjäger zu kommen, bis es schließlich zu einem echten Showdown auf der verlassenen Militärbasis kommt …
Nicht nur für Schwedenfreunde zu empfehlen!

Das Nebelhaus

Autor: Eric Berg
Verlag: Limes
ISBN: 978-3-8090-2615-0
Preis: 14,99 € €
   
Buchtipp von: Rainer Francke

Jahrelang haben sie sich nicht gesehen, Leonie, Yasmin, Timo und Philipp. In Studentenzeiten hatten sie gemeinsam Öko-Protest gemacht, Schornsteine besetzt und so einiges mehr. Später waren ihre Wege auseinandergegangen, und nun hat sie Timo nach Jahren über facebook wiedergefunden. Für ein Wochenende wollen sie sich bei Philipp in Erinnerung an alte Zeiten treffen- in seinem Haus auf Hiddensee, das der erfolgreiche Architekt inzwischen sein eigen nennt.
Am Ende des Treffens sind drei Menschen tot und einer liegt im Koma.
Zwei Jahre nach der Tat soll die Journalistin Doro Kagel für eine Zeitschrift die damaligen Ereignisse noch einmal aufrollen. Sie recherchiert, nimmt Kontakt zu den Angehörigen der Opfer und zufälligen Zeugen auf. Und je mehr sie entdeckt, desto fragwürdiger erscheinen die Ermittlungsergebnisse der Todesnacht. Immer neue Spuren weisen auf immer wieder andere Szenarien – bis zum wirklich verblüffenden Ende …
Ein psychologisch gut entwickelter Thriller, der den Leser immer tiefer in seinen Bann zieht, voller unerwarteter Wendungen, mit der Atmosphäre einer kleinen Insel vor und während einer Sturmnacht, mit Figuren, deren Lebenslügen Stück für Stück aufgedeckt werden: kurz, Spannung wirklich vom Feinsten.

Mädchengrab

Autor: Ian Rankin
Verlag: Manhattan
ISBN: 978-3-442-54722-7
Preis: 19,99 € €
   
Buchtipp von: Stefan Decken

Er ist wieder da! - Nein, das ist keine Anspielung auf den gleichnamigen, sicher auch buchtippverdächtigen Roman von Timur Vermes. Ich rede von John Rebus, dem ehemaligen Detective Inspector bei der Polizei in Edinburgh. In mehr als 15 Fällen hat Rebus mehr oder weniger erfolgreich ermittelt, jeder Fall ein Buch, und ich habe sie alle gelesen. Eigentlich bin ich von solch monumentalen Reihen nicht begeistert, aber dieser Inspector Rebus mit seinen unorthodoxen Arbeitsmethoden hat es mir angetan.
Im bisher letzten Rebus-Roman "Ein Rest von Schuld" hatte Ian Rankin seinen Held in Rente geschickt. Aha, dachte ich, das war es jetzt. Um dann ca. vier Jahre später (also in diesem Frühjahr) völlig erstaunt auf das Cover von "Mädchengrab" zu blicken. 'Rebus is back' wird da verkündet - also her damit!

Untätig und dann auch noch allein, ohne Familie oder Lebenspartner, zu Hause rumhängen, das ist nichts für Rebus. Also geht er als Mitarbeiter ohne polizeiliche Rechte in der "Cold Case"-Abteilung alten ungelösten Verbrechen nach. Als ihn eine Frau um Hilfe bittet, deren Tochter seit mehreren Jahren spurlos verschwunden ist, sieht es zunächst nach einem hoffnungslosen Fall aus. Bis sich herausstellt, dass im Lauf der Jahre immer wieder junge Mädchen vermisst und nicht gefunden wurden - sie alle stammten aus kleinen Städten entlang der Autobahn nach Inverness. Um weiter zu ermitteln braucht Rebus die Hilfe seiner ehemaligen Kollegin Siobhan Clarke - und gefährdet durch seine unkonventionelle Ermittlungsweise prompt deren Karriere. Und dann bestätigt ein schockierender Fund seine schlimmsten Befürchtungen...

Als wäre er nie weggewesen: Rebus bleibt eine der erfolgreichsten Detektivfiguren der britischen Literatur!

Die wundersame Geschichte von September

Autor: Catherynne M. Valente
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-21632-9
Preis: 17,95 € €
   
Buchtipp von: Anne Simon

„Es war einmal ein Mädchen namens September, das hatte das Leben zu Hause bei ihren Eltern gründlich satt.“
So märchenhaft beginnt die Geschichte von September, einem kleinen, aufbrausenden und mutigen Mädchen, das sich zu Hause ganz fürchterlich langweilt und schon bald das größte Abenteuer seines Lebens bestreiten wird.

Der Grüne Wind hat Mitleid mit September und entführt sie auf einer fliegenden Leopardin ins Feenland. Dort wird Septembers Hilfe benötigt, denn die böse Marquess regiert das Land mit strenger Hand und droht es durch Vorschriften und Verbote zum langweiligsten Ort weit und breit zu machen. So bricht September auf, das Feenland zu befreien.
Auf ihrer aufregenden und oft gefährlichen Reise trifft sie unter anderem auf diverse klassische Märchencharaktere wie Hexen, Feen oder einen Dschinn (welche sich meist aber ganz anders verhalten als September es bisher aus Märchen zu wissen glaubte). Der Lindwurm „A-bis-L“ wird zu ihrem treuen Begleiter auf ihrem abenteuerlichen Weg.
Was die beiden dabei erleben erinnert oft an Klassiker wie „Alice im Wunderland“ oder „Der Zauberer von Oz“. Septembers vorwitzige, unverfälschte Art und das Kokettieren und Brechen mit diversen Märchen-Klischees geben dem Ganzen aber auch eine gewisse Doppelbödigkeit und modernen Charme.
So ist „Die wundersame Geschichte von September...“ ein Buch, das ganz bestimmt Kinder UND Erwachsene erfreuen wird.

Breathe - Gefangen unter Glas

Autor: Sarah Crossan
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-76069-0
Preis: 16,95 € €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus

Auf der Erde wächst nichts mehr, seit dem „Switch“ reicht der Sauerstoffgehalt der Luft nicht mehr zum Atmen. Die Überlebenden leben unter einer Kuppel.Die Organisation „Breathe“ hat es geschafft, künstlich Sauerstoff herzustellen und hat so die Macht über die Menschen in der Kuppel erlangt. Es entstanden zwei Gruppen von Menschen. Die Premium-Bürger, die den besseren Sauerstoffgehalt bekommen und dadurch auch Sport treiben können oder auch einen Ausflug ins Ödland außerhalb der Kuppel mit Sauerstoffgeräten unternehmen können. Dann gibt es noch die zweitklassigen „Seconds“, aus der eine Gruppe von Rebellen entstanden ist, welche die Macht von „Breathe“ bekämpfen und außerhalb, weit entfernt der Kuppel, Bäume pflanzen. Zu diesen Rebellen gehört auch Alina. Atmen ist ein Grundrecht, kein Privileg, daran glaubt Alina und will genau dieses Grundrecht zurückerobern.



Bea und Quinn sind unter der Kuppel aufgewachsen, haben das System von Breathe nie angezweifelt. Bis zu dem Tag als sie bei einem Ausflug in das Ödland auf Alina treffen und ihr bei der Flucht vor den Soldaten helfen. Eigentlich wollte Bea bei diesem Ausflug die Chance nutzen, um Quinn näher zu kommen, doch nachdem sie auf Alina gestoßen sind, wird Bea zur Rebellin und die drei Jugendlichen werden zu Gejagten.



Erzählt wird abwechselnd in der Ich-Perspektive von Alina, Bea und Quinn, was den ganzen Roman noch realistischer erscheinen lässt und die Gefühle der Protagonisten noch deutlicher hervorhebt. Eine spannend geschriebene Zukunftsvision.

Ich gegen Osborne

Autor: Joey Goebel
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06853-5
Preis: 22,90 €
   
Buchtipp von: Anne Simon

Der junge James Weinbach ist zuvorkommend, gebildet, unheimlich gut gekleidet (er trägt täglich Anzug, Krawatte und passende Schuhe) und plagt sich durch sein letztes Highschooljahr. Seine Mitschüler machen ihm das Leben offenbar nicht allzu leicht. Er ist regelrecht angewidert von ihrem unhöflichen Verhalten, ihrer Dummheit und der vulgären Musik, die sie hören. Der einzige Lichtblick ist Chloe, ein Mädchen aus seinem Jahrgang. Chloe ist klug, freundlich und blickt ebenso spöttisch auf die gemeinsamen Mitschüler herab wie er. Sie ist für James das eine Mädchen, er ist ihr hoffnungslos verfallen.

Das Leben ist also nicht besonders erfreulich für James, aber dank Chloe doch irgendwie erträglich.
Bis zu diesem ersten Tag nach dem Springbreak, den großen Ferien.

Nur um diesen einen Tag geht es in "Ich gegen Osborne", und wir begleiten James von morgens bis zum Schulschluss um halb vier. Dieser Tag verändert alles.
Endlich will James Chloe seine Gefühle gestehen und sie um ein Date bitten. Doch dann ist plötzlich alles anders. Chloe benimmt sich eigenartig, sie weicht ihm aus und sie trägt diese komischen, angesagten Turnschuhe. Als James dann auch noch schockierende Gerüchte zu Ohren kommen, fällt er aus allen Wolken. Nun ist er endgültig allein in einer Welt, die nur aus Sex, Alkohol und Dummheit zu bestehen scheint. Er will, dass es aufhört, will sie aufhalten, will seinen Mitschülern den Spaß verderben. Und plötzlich ergibt sich eine Gelegenheit, von der er kaum zu träumen gewagt hat.

Zeit für mich und Zeit für dich

Autor: Fabio Volo
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-30016-1
Preis: 14,90 €
   
Buchtipp von: Sigrid Düsterhus

Jahrelang hat Lorenzo darauf gewartet, dass sein Vater irgendwann einmal >Ich hab dich lieb< zu ihm sagen würde. Doch liebevolle Worte gehören nicht zu seinem Wortschatz, er redet nicht. Er zeigt seine Gefühle durch Taten, indem er Dinge reinigt, repariert, aufräumt oder auch zusammenbaut. Seine Liebe ist praktisch.

Die Beziehung zwischen Lorenzo und seinem Vater gestaltet sich stets schwierig. Obwohl sein Vater ein fleißiger Mensch ist, wächst Lorenzo in Armut auf. Nach dem Schulabgang hilft er zunächst seinem Vater im Restaurant, schafft es dann aber doch, sich von der Familie zu lösen und startet eine Traumkarriere als Werbetexter. Sein Vater ist jedoch von Lorenzo enttäuscht und wendet sich von ihm ab. Lorenzo arbeitet viel, verdient sehr gut und dennoch ist er unglücklich. Denn inzwischen hat sich auch seine Freundin von ihm abgewendet, weil er nicht in der Lage war, ihr seine Gefühle zu zeigen. Lorenzo spürt, dass er seinem Vater immer ähnlicher wird und dass es Zeit wird, über seinen eigenen Schatten zu springen, um die zwei geliebten Menschen zurückzugewinnen.

Eine wahrlich schöne und anrührende Geschichte eines jungen Mannes auf der Suche zu sich selbst und seinen Gefühlen. Zu lieben und sich lieben lassen.

Herzblut

Autor: Volker Klüpfel
Verlag: Droemer / Knaur
ISBN: 978-3-426-19937-4
Preis: 19,99 €
   
Buchtipp von: Rainer Francke

Kluftinger ist krank: Sein stechender Herzschmerz lässt ihn sofort an einen Herzinfarkt denken. Seine Angst davor ist so groß, dass er sogar eine Untersuchung bei seinem Intimfeind Dr. Langhammer in Kauf nimmt. Danach ist nicht mehr klar, ob ein Herzinfarkt schlimmer sein kann als die verordnete Therapie mit fleisch- und cholesterinarmer Kost: Ade, ihr lieben Käsespätzle und Schweinebraten...

Doch eigentlich beschäftigt ihn der kriminalistische Alltag schon genug. Ein Anruf auf seinem Handy während einer Pressekonferenz seines Chefs scheint ihn Zeuge eines Mordes werden zu lassen. Und während er nach der dazu gehörenden Leiche sucht, erschüttern weitere brutale Morde das beschauliche Allgäu. Kluftinger muss alle seine diätgeschwächten Kräfte aufbieten, um die Zusammenhänge herzustellen!

Eine gelungene Fortsetzung der Kluftinger-Reihe, in der es den Autoren gelingt, die Figur des Allgäuer Kommissars zu schärfen: weniger Klamauk ist hier durchaus mehr!

Dunkle Gewässer

Autor: Joe R. Lansdale
Verlag: Tropen bei Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-50131-5
Preis: 19,95 €
   
Buchtipp von: Stefan Decken

Fangen wir mal mit dem einzig (!) Negativen an: Dem deutschen Titel dieses großartigen Romans fehlt ein 's'. Alleiniger Handlungsort ist die Gegend am Sabine River im US-Bundesstaat Texas. Wenn man sich schon sehr vom amerikanischen Originaltitel "Edge of Dark Water" entfernt, hätte ich ja 'Dunkles Gewässer' bevorzugt. Nun ja, man kann nicht alles haben...

Jetzt aber mal zum Inhalt:

May Lynn ist das schönste Mädchen der Gegend. Aus der schlimmsten Familie am ganzen Fluss. Als ihre Leiche aus dem Sabine River gezogen wird, interessiert sich niemand dafür, wer sie ermordet hat - alle sind nur hinter dem Geld her, das ihr Bruder bei einem Banküberfall erbeutet haben soll.
Sue Ellen findet, dass ihre tote Freundin May Lynn etwas Besseres verdient hat. Wenn schon kein Filmstar aus ihr wird, wie sie sich immer erträumte, soll wenigstens ihre Asche in Hollywood verstreut werden. Beim Durchsuchen von May Lynns Habseligkeiten stößt sie mit ihren Freunden Terry und Jinx auf einen Hinweis, der sie zur Beute eines Banküberfalls führt. Zusammen mit Sue Ellens labiler Mutter flüchten die drei Freunde Hals über Kopf mit dem Floß in Richtung Süden. Habgierige Verwandte und der wenig gesetzestreue Constable hängen sich sofort an ihre Fersen. In Panik geraten die Flüchtenden jedoch erst, als sie merken, dass der sagenumwobene Killer Skunk ebenfalls hinter ihnen her ist. Dem wahnsinnigen Fährtenleser ist angeblich noch nie jemand entkommen...

Ich habe diesen Roman verschlungen wie schon lange keinen mehr. Und hab mich am Ende gefragt, was ich da eigentlich gelesen habe: einen Entwicklungsroman (obwohl die erzählte Zeit nur wenige Wochen umfasst), einen Thriller, eine Horrorgeschichte, ein Südstaatenepos? Von allem steckt was drin in 'Dunkle Gewässer'. Dieser Roman ist unvergleichbar. Dieser Roman ist einfach gut. Nichts für zartbesaitete Leser dank einiger heftiger Splatter-Elemente. Lansdale schreibt düster und komisch, böse und spannend, beängstigend und (auch) liebenswert. Der perfekte Noir-Roman: Hier ist er!