Unsere Empfehlungen

Der Verein der Linkshänder

Autor: Hakan Nesser

Verlag: btb

ISBN: 978-3-442-75815-9

Preis: 24,00 €

Buchtipp von: Rainer Francke (Oktober 2019)

Der Verein der Linkshänder

Kommissar van Veeteren ist längst außer Dienst und muss sich mit der Feier seines 75. Geburtstag beschäftigen. Doch mitten in seinen Plänen und Vorbereitungen wird er mit einem alten Fall aus seinem aktiven Dienst konfrontiert. Vor vielen Jahren waren in einer kleinen Pension vie…

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Kommissar van Veeteren ist längst außer Dienst und muss sich mit der Feier seines 75. Geburtstag beschäftigen. Doch mitten in seinen Plänen und Vorbereitungen wird er mit einem alten Fall aus seinem aktiven Dienst konfrontiert. Vor vielen Jahren waren in einer kleinen Pension vier Gäste ermordet worden, allesamt Mitglieder in einem „Verein der Linkshänder“. Als Tatverdächtiger galt für van Veeteren damals das fünfte Mitglied des seltsamen Clubs, das auch passenderweise seitdem verschwunden war. Doch jetzt taucht plötzlich seine Leiche auf, und der Ex-Kommissar muss erkennen, dass der Tote nicht der Mörder von damals sein konnte: schwere Niederlage also. Und deshalb macht sich van Veeteren erneut an den Fall. Unterstützung erhält er dabei von – dem Hakan-Nesser-Freunden bekannten- Inspektor Barbarotti. Und auch andere alte Bekannte tauchen auf …
Windungsreich und über mehrere Zeitebenen hinweg wird der Leser in den Bann des merkwürdigen Vereins gezogen, begegnet Van Veeteren in seiner aktiven Zeit, lernt seine Gelassenheit des Alters kennen – und erlebt die nunmehr endgültige Lösung des Falls mit. Ein wunderbar atmosphärischer Kriminalroman für gemütliche Herbstabende im warmen Sessel!

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Geblendet

Autor: Andreas Pflüger

Verlag: Suhrkamp

ISBN: 978-3-518-42895-5

Preis: 22,00 €

Buchtipp von: Stefan Decken (Oktober 2019)

Geblendet

Jenny Aaron ist Polizistin; sie arbeitet in einer kleinen Sondereinheit des BKA, spezialisiert auf verdeckte Einsätze, Befreiung von Geiseln, Aktionen gegen Mafiaorganisationen weltweit. Jenny Aaron ist blind. Bei einem missglückten Einsatz vor mehreren Jahren in Barcelona wurde s…

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Jenny Aaron ist Polizistin; sie arbeitet in einer kleinen Sondereinheit des BKA, spezialisiert auf verdeckte Einsätze, Befreiung von Geiseln, Aktionen gegen Mafiaorganisationen weltweit. Jenny Aaron ist blind. Bei einem missglückten Einsatz vor mehreren Jahren in Barcelona wurde sie schwerstverletzt, verlor ihr Augenlicht. Nach monatelangen Aufenthalten in Reha-Kliniken kehrte sie zum 'normalen' BKA zurück - als Verhörspezialistin. Nach intensivem Training versteht sie es perfekt, zwischen den Worten zu tasten und das dahinter Verborgene zu spüren. Dann erhält sie das Angebot, wieder in das Spezialkommando einzutreten, dem sie als Sehende so lange angehörte. Sie zögert, denn natürlich weiß sie, dass sie nicht mehr die Frau ist, die sie einmal war.
Als ihre Vergangenheit sie einholt, lässt sie sämtliche Zweifel hinter sich und ist wieder dabei. "Es ist niemals leicht" - so lautet der Kodex der Abteilung. Der gilt für Jenny Aaron jetzt mehr als zuvor...

"Geblendet" ist der dritte und (vorläufig?) letzte Teil der Romane um die taffe, harte, aber auch sehr sensible Ermittlerin. Es ist durchaus von Vorteil, mit dem ersten Thriller "Endgültig" zu starten, dann mit "Niemals" fortzufahren und als Finale "Geblendet" zu lesen. Sie werden nach dem ersten sowieso alle Teile verschlingen wollen! Ich habe lange nicht mehr solch spannende, schockierende, aber auch so sehr berührende Thriller gelesen. Jenny Aaron ist großes Kopfkino und, wie Tobias Gohlis in der 'Zeit' urteilte, "besser als Bond". Insgesamt 1500 Seiten Hochspannung und Action - in einer für uns eher fremden, weil blinden Welt. Sie werden bis zur letzten Seite durch die Geschichte jagen!

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Nordwasser

Autor: Ian MacGuire

Verlag: Goldmann

ISBN: 978-3-442-48868-1

Preis: 11,00 €

Buchtipp von: Anne Simon (Oktober 2019)

Nordwasser

In jedem Bücherjahr gibt es das ein oder andere Buch, das man sich wider besseren Wissens, im vollen Bewusstsein, dass der Stapel der ungelesenen Bücher ohnehin schon höher als man selbst ist, noch gönnt und oben auf den Stapel drauf legt. Weil dieses Buch das eine ist, das man jet…

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In jedem Bücherjahr gibt es das ein oder andere Buch, das man sich wider besseren Wissens, im vollen Bewusstsein, dass der Stapel der ungelesenen Bücher ohnehin schon höher als man selbst ist, noch gönnt und oben auf den Stapel drauf legt. Weil dieses Buch das eine ist, das man jetzt unbedingt noch lesen möchte. Und wenn man Pech hat, kommt man dann doch nicht dazu und das Buch bleibt ungelesen.
So ein Buch war „Nordwasser“. Anfang 2018 im wunderbaren mare Verlag erschienen, steht es nun schon ein gutes Jahr bei mir zu Hause im Regal der ungelesenen Bücher und wartet auf seinen Einsatz. Vor kurzem ist es als Taschenbuch erschienen und ich habe den Anlass genutzt, es endlich zu lesen. Und das hat sich wirklich gelohnt. Was für ein Fest! Die New York Times verglich Ian McGuires Roman mit Joseph Conrad und Cormac McCarthy. Eine kleine Prise Herman Melville dazu und man kommt dem, was einen in „Nordwasser“ erwartet, recht nah.

Wir befinden uns auf der „Volunteer", einem Walfangschiffs, zweite Hälfte des 19ten Jahrhunderts. Patrick Sumner, Arzt und unehrenhaft aus der Armee entlassen, sieht seine einzige Möglichkeit ein neues Leben zu beginnen darin, hier als Schiffsarzt anzuheuern. Doch die Zeichen stehen schlecht. Der Walfang ist ein immer härteres Geschäft geworden. Die wenigen verbliebenen Wale haben sich angeblich weiter Richtung Arktis zurückgezogen. Die Arbeit ist beschwerlich und voller Gefahren. Erst wenige Jahre zuvor war die vollbeladene Parceval im Eis zerquetscht worden und kläglich untergegangen, alle Ladung ging verloren, viele Männer starben. Der Kapitän ebendieses Schiffs, ein gewisser Brownlee, leitet nun auch die Fahrt der Volunteer.
Doch die Männer an Bord haben nichts zu verlieren und so macht man sich auf Richtung Nordwasser.
Das Schiff ist erst wenige Tage auf See, da nimmt Sumner einige besorgniserregende Vorkommnisse wahr. Niemand beachtet ihn und seine Sorge. Als es kurz darauf zu einem augenscheinlichen Verbrechen kommt, ist jedoch die ganze Mannschaft alarmiert. Die Klärung des Verbrechens, wie auch die sonstigen Umstände - die Gefahr während der Jagd im Eis verletzt zu werden oder gar zu erfrieren, sowie die stets präsente Unglückssträhne des Kapitäns, lassen die Nerven bald blank liegen.

Ian McGuires Roman ist eine beeindruckende Mischung aus Abenteuer, Historie und Kriminalliteratur. „Nordwasser“ ist höchstspannend und sogar kurzweilig. Zugleich realistisch, hart und schlussendlich völlig hoffnungslos. Doch trotz- oder gerade deswegen absolut lesenswert!

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Der Kastanienmann

Autor: Søren Sveistrup

Verlag: Goldmann

ISBN: 978-3-442-31522-2

Preis: 15,00 €

Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Oktober 2019)

Der Kastanienmann

Bisher war Søren Sveistrup mir nur als Drehbuchautor der Serie 'Kommissarin Lund' bekannt, jetzt konnte er mich mit seinem Debütthriller überzeugen. Bei seinem Thriller >Der Kastanienmann< stehen einem schon auf den ersten Seiten die Nackenhaare zu Berge, daher ist er ni…

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Bisher war Søren Sveistrup mir nur als Drehbuchautor der Serie 'Kommissarin Lund' bekannt, jetzt konnte er mich mit seinem Debütthriller überzeugen. Bei seinem Thriller >Der Kastanienmann< stehen einem schon auf den ersten Seiten die Nackenhaare zu Berge, daher ist er nicht für zartbesaitete Leser geeignet. Es beginnt im Jahr 1989, als ein Polizist zum Ørum Hof fährt; wieder einmal sind Tiere ausgerissen. Er findet jedoch einen grauenvollen Tatort vor, sieht im Keller noch Mengen an Kastanienmännchen stehen und wird Sekunden später selbst brutal ermordet.
Hier macht die Story einen Sprung in die Gegenwart. Die Kopenhagener Polizei wird zum Tatort auf einem Spielplatz gerufen, dort liegt eine entstellte Frauenleiche, über ihr hängt eine Kastanienfigur. Kommissarin Naia Thulin und ihr Partner Mark Hess stehen vor einem Rätsel. Auf der Kastanienfigur befindet sich ein Fingerabdruck von der vor einem Jahr verschwundenen Tochter der Politikerin Rosa Hartung.
Absolut spannend geht es weiter. Die Ermittler haben es mit einem brutalen Psychopathen zu tun; weitere Mütter werden ermordet und gegen alle liegen Anzeigen wegen Kindesmissbrauchs vor. Doch wie hängt das alles zusammen? Während Kommissarin Thulin strikt nach Plan arbeitet, ist der in Den Haag in Ungnade gefallende Hess ein Eigenbrödler, der oft Alleingänge unternimmt. Zwei durchaus interessante Ermittler, über die man gerne mehr erfährt. Ach ja, da ist auch noch die Politikerin Rosa Hartung. Was ist eigentlich mit ihrer Tochter und deren Fingerabdruck auf dem Kastanienmännchen? Meine Empfehlung - schnell lesen!

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Der Store

Autor: Rob Hart

Verlag: Heyne

ISBN: 978-3-453-27230-9

Preis: 22,00 €

Buchtipp von: Vanessa Bartz (Oktober 2019)

Der Store

„Der Store“ spielt in der nahen Zukunft: Der Klimawandel hat sich letztendlich durchgesetzt, viele Städte sind leer gefegt und die Leute müssen schauen, wie sie zurecht kommen. Die Kommunikation per Internet ist nicht einwandfrei möglich. Der Online-Handel und Riesenkonzern Cloud …

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„Der Store“ spielt in der nahen Zukunft: Der Klimawandel hat sich letztendlich durchgesetzt, viele Städte sind leer gefegt und die Leute müssen schauen, wie sie zurecht kommen. Die Kommunikation per Internet ist nicht einwandfrei möglich. Der Online-Handel und Riesenkonzern Cloud gilt hier als Ausnahme. Das Cloud-System scheint einwandfrei zu funktionieren. Den Cloud-Mitarbeitern wird alles nach ihrer Schicht zur Verfügung gestellt: eine Wohnung und genügend Geschäfte, um alle Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen. Das Leben erinnert an ein Leben am Flughafen.
Paxton ist bei Cloud Security-Mann. Vor der Einstellung hat der Riesenkonzern allerdings das Geschäft von Paxton zerstört. Zinnia arbeitet in den Lagerhallen. Beide haben unterschiedliche Ziele, kommen sich aber trotz allem näher, obwohl es Zinnia am Anfang gar nicht ernst meint und nur an Informationen herankommen möchte. Irgendetwas scheint nämlich bei Cloud nicht zu stimmen.
Das Buch ist grandios. Es ist spannend und erschreckend realistisch zugleich. Man liest die Geschichte aus der Perspektive von Paxton, Zinnia und dem Macher und Chef von Cloud: Gibson. Das macht die Story sehr interessant, da man unterschiedliche Sichtweisen und Meinungen kennenlernt und so manches Thema nochmal anders reflektiert. Der Roman ist für mich in diesem Jahr ein persönlicher Bestseller. Absolut empfehlenswert.

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Funkenflug - August 1939: Der Sommer, bevor der Krieg begann

Autor: Hauke Friederichs

Verlag: Aufbau

ISBN: 978-3-351-03487-0

Preis: 24,00 €

Buchtipp von: Rainer Francke (September 2019)

Funkenflug - August 1939: Der Sommer, bevor der Krieg begann

Der August 1939 ist der letzte Friedensmonat vor dem Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen: Wer was in dieser dichten Zeit alles tat, wird in dieser Mischung aus Sachbuch und Roman verdeutlicht. Tag für Tag spitzt sich die Weltgeschichte zu, und wie immer zeigt sie sich in der G…

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Der August 1939 ist der letzte Friedensmonat vor dem Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen: Wer was in dieser dichten Zeit alles tat, wird in dieser Mischung aus Sachbuch und Roman verdeutlicht. Tag für Tag spitzt sich die Weltgeschichte zu, und wie immer zeigt sie sich in der Gleichzeitigkeit eigentlich unvereinbarer Dinge.
Journalisten verschiedener Zeitungen erleben vor Ort die deutschen Bestrebungen, die freie Stadt Danzig an das Reich anzuschließen. Die Nazispitze bereitet jeden Tag den Krieg aktiv vor. John F. Kennedy, der spätere amerikanische Präsident, reist durch Europa und spürt überall die wachsende Kriegsgefahr. Thomas Mann versucht vom verregneten Holland aus, seinen jüdischen Schwiegereltern ins Exil zu helfen. Georg Elser arbeitet an seinem Attentat auf Hitler, während Sophie Scholl einen schönen Sommer in Worpswede verbringt. Und Albert Einstein in Amerika kann nichts tun …
Alle diese und viele, viele andere skizzenhafte Beobachtungen verdichten sich zu einer kaleidoskopartigen Betrachtung dieses Sommers, und nahezu atemlos ist der Leser dabei, wie aus all diesen einzelnen Dingen Geschichte entsteht und ihren Lauf nimmt – der Leser wird Zeitzeuge. Hochinformativ und gleichzeitig spannender als mancher Krimi: sehr, sehr lesenswert.

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Alles richtig gemacht

Autor: Gregor Sander

Verlag: Penguin

ISBN: 978-3-328-60667-3

Preis: 20,00 €

Buchtipp von: Stefan Decken (September 2019)

Alles richtig gemacht

Es ist die Zeit vor der Wende, bevor es mit der DDR zu Ende geht. Thomas und Daniel wohnen in Rostock. Kennengelernt haben sie sich in der 7. Klasse, seitdem verbindet sie eine immer enger werdende Freundschaft. Obwohl sie so grundverschieden sind: Daniel ist ein Außenseiter, …

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Es ist die Zeit vor der Wende, bevor es mit der DDR zu Ende geht. Thomas und Daniel wohnen in Rostock. Kennengelernt haben sie sich in der 7. Klasse, seitdem verbindet sie eine immer enger werdende Freundschaft. Obwohl sie so grundverschieden sind: Daniel ist ein Außenseiter, misstrauisch gegenüber den meisten Menschen in seiner Nähe, gerne alleine unterwegs in der Stadt. Thomas ist schon als Schüler und auch später als Erwachsener deutlich angepasster und konventioneller. Ihre Schulzeit endet in dem Jahr des Mauerfalls. Sie lassen sich von der aufregenden neuen Zeit mitreißen, ziehen nach Berlin, eröffnen eine Bar. Ihr Leben scheint eine einzige Party zu sein...
Doch dann ist Daniel verschwunden, ihr Kontakt radikal abgebrochen. Jahre später taucht Daniel wieder auf, als ob nichts gewesen wäre. Zu einem Zeitpunkt, in dem sich Thomas - inzwischen in einer bürgerlichen Existenz verhaftet; er arbeitet als Rechtsanwalt - in einer mittelschweren Lebenskrise befindet. Seine Frau hat ihn gerade verlassen, die beiden Töchter direkt mitgenommen. Was passiert mit dem gemeinsamen Haus in Ostberlin? Wie wirkt sich die Trennung auf sein berufliches Leben in der Kanzlei aus? Und natürlich muss sich Thomas auch diese Frage stellen: Hat Daniel etwas damit zu tun?
"Alles richtig gemacht": Ein wunderbarer Roman über die Zeit vor und nach der Wiedervereinigung Deutschlands und eine helle Feier der Freundschaft. Obwohl... wer von den beiden Protagonisten hat hier überhaupt etwas richtig gemacht?

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Ein anständiger Mensch

Autor: Jan Christophersen

Verlag: Mare

ISBN: 978-3-86648-607-2

Preis: 24,00 €

Buchtipp von: Anne Simon (September 2019)

Ein anständiger Mensch

Steen Friis und seine Frau warten am Hafen auf die Ankunft eines befreundeten Paars, da beschleicht ihn so etwas eine erste dunkle Vorahnung. „Komm, lass uns abhauen. Noch ist Zeit.“ sagt er zu Frauke nur halb im Spaß. So schnell wie der Gedanke gekommen ist, ist er auch schon wied…

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Steen Friis und seine Frau warten am Hafen auf die Ankunft eines befreundeten Paars, da beschleicht ihn so etwas eine erste dunkle Vorahnung. „Komm, lass uns abhauen. Noch ist Zeit.“ sagt er zu Frauke nur halb im Spaß. So schnell wie der Gedanke gekommen ist, ist er auch schon wieder erledigt - die Freunde fahren bereits mit ihrem Boot in den Hafen ein und das gemeinsame Wochenende auf der kleinen dänischen Insel kann beginnen. Steen, als Schriftsteller und bekannter Intellektueller häufig vom Trubel des Alltags und der Medien geplagt, hat sich hier über Jahre in einer kleinen, geerbten Hütte seinen Zufluchtsort fernab von allem eingerichtet. Mitten im Wald und ohne Telefon stört ihn hier so schnell niemand beim Schreiben und Philosophieren. Nur sein Nachbar Jepsen, mit dem er sich radebrechend auf deutsch und dänisch unterhalten kann, schaut hin und wieder vorbei und versorgt ihn mit frisch gefangenem Fisch. Eigentlich der perfekte Ort für ein entspanntes Beisammensein. Doch Steen bleibt aus zunächst unerfindlichen Gründen angespannt und unruhig. Als seine Frau ihn an eine Abmachung aus den Anfangsjahren ihrer Beziehung erinnert, fällt er aus allen Wolken. Dem jeweils anderen größtmögliche Freiheiten zu lassen, das haben sie sich damals versprochen. So etwas ist schnell daher gesagt; doch als es nun, nach so vielen Jahren, an ein konkretes Beispiel geht, ist es mit Steens Gelassenheit dahin. Er, der in seinem beruflichen Alltag ständig zu Fragen der Moral zurate gerufen wird, ist plötzlich selbst ziemlich ratlos. Und muss sich nun aus einem ganz anderen Blickwinkel Fragen stellen, die ihn und sein Selbstverständnis gehörig ins Wanken bringen.

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