Unsere Empfehlungen

Funkenflug - August 1939: Der Sommer, bevor der Krieg begann

Autor: Hauke Friederichs

Verlag: Aufbau

ISBN: 978-3-351-03487-0

Preis: 24,00 €

Buchtipp von: Rainer Francke (September 2019)

Funkenflug - August 1939: Der Sommer, bevor der Krieg begann

Der August 1939 ist der letzte Friedensmonat vor dem Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen: Wer was in dieser dichten Zeit alles tat, wird in dieser Mischung aus Sachbuch und Roman verdeutlicht. Tag für Tag spitzt sich die Weltgeschichte zu, und wie immer zeigt sie sich in der G…

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Der August 1939 ist der letzte Friedensmonat vor dem Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen: Wer was in dieser dichten Zeit alles tat, wird in dieser Mischung aus Sachbuch und Roman verdeutlicht. Tag für Tag spitzt sich die Weltgeschichte zu, und wie immer zeigt sie sich in der Gleichzeitigkeit eigentlich unvereinbarer Dinge.
Journalisten verschiedener Zeitungen erleben vor Ort die deutschen Bestrebungen, die freie Stadt Danzig an das Reich anzuschließen. Die Nazispitze bereitet jeden Tag den Krieg aktiv vor. John F. Kennedy, der spätere amerikanische Präsident, reist durch Europa und spürt überall die wachsende Kriegsgefahr. Thomas Mann versucht vom verregneten Holland aus, seinen jüdischen Schwiegereltern ins Exil zu helfen. Georg Elser arbeitet an seinem Attentat auf Hitler, während Sophie Scholl einen schönen Sommer in Worpswede verbringt. Und Albert Einstein in Amerika kann nichts tun …
Alle diese und viele, viele andere skizzenhafte Beobachtungen verdichten sich zu einer kaleidoskopartigen Betrachtung dieses Sommers, und nahezu atemlos ist der Leser dabei, wie aus all diesen einzelnen Dingen Geschichte entsteht und ihren Lauf nimmt – der Leser wird Zeitzeuge. Hochinformativ und gleichzeitig spannender als mancher Krimi: sehr, sehr lesenswert.

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Alles richtig gemacht

Autor: Gregor Sander

Verlag: Penguin

ISBN: 978-3-328-60667-3

Preis: 20,00 €

Buchtipp von: Stefan Decken (September 2019)

Alles richtig gemacht

Es ist die Zeit vor der Wende, bevor es mit der DDR zu Ende geht. Thomas und Daniel wohnen in Rostock. Kennengelernt haben sie sich in der 7. Klasse, seitdem verbindet sie eine immer enger werdende Freundschaft. Obwohl sie so grundverschieden sind: Daniel ist ein Außenseiter, …

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Es ist die Zeit vor der Wende, bevor es mit der DDR zu Ende geht. Thomas und Daniel wohnen in Rostock. Kennengelernt haben sie sich in der 7. Klasse, seitdem verbindet sie eine immer enger werdende Freundschaft. Obwohl sie so grundverschieden sind: Daniel ist ein Außenseiter, misstrauisch gegenüber den meisten Menschen in seiner Nähe, gerne alleine unterwegs in der Stadt. Thomas ist schon als Schüler und auch später als Erwachsener deutlich angepasster und konventioneller. Ihre Schulzeit endet in dem Jahr des Mauerfalls. Sie lassen sich von der aufregenden neuen Zeit mitreißen, ziehen nach Berlin, eröffnen eine Bar. Ihr Leben scheint eine einzige Party zu sein...
Doch dann ist Daniel verschwunden, ihr Kontakt radikal abgebrochen. Jahre später taucht Daniel wieder auf, als ob nichts gewesen wäre. Zu einem Zeitpunkt, in dem sich Thomas - inzwischen in einer bürgerlichen Existenz verhaftet; er arbeitet als Rechtsanwalt - in einer mittelschweren Lebenskrise befindet. Seine Frau hat ihn gerade verlassen, die beiden Töchter direkt mitgenommen. Was passiert mit dem gemeinsamen Haus in Ostberlin? Wie wirkt sich die Trennung auf sein berufliches Leben in der Kanzlei aus? Und natürlich muss sich Thomas auch diese Frage stellen: Hat Daniel etwas damit zu tun?
"Alles richtig gemacht": Ein wunderbarer Roman über die Zeit vor und nach der Wiedervereinigung Deutschlands und eine helle Feier der Freundschaft. Obwohl... wer von den beiden Protagonisten hat hier überhaupt etwas richtig gemacht?

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Ein anständiger Mensch

Autor: Jan Christophersen

Verlag: Mare

ISBN: 978-3-86648-607-2

Preis: 24,00 €

Buchtipp von: Anne Simon (September 2019)

Ein anständiger Mensch

Steen Friis und seine Frau warten am Hafen auf die Ankunft eines befreundeten Paars, da beschleicht ihn so etwas eine erste dunkle Vorahnung. „Komm, lass uns abhauen. Noch ist Zeit.“ sagt er zu Frauke nur halb im Spaß. So schnell wie der Gedanke gekommen ist, ist er auch schon wied…

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Steen Friis und seine Frau warten am Hafen auf die Ankunft eines befreundeten Paars, da beschleicht ihn so etwas eine erste dunkle Vorahnung. „Komm, lass uns abhauen. Noch ist Zeit.“ sagt er zu Frauke nur halb im Spaß. So schnell wie der Gedanke gekommen ist, ist er auch schon wieder erledigt - die Freunde fahren bereits mit ihrem Boot in den Hafen ein und das gemeinsame Wochenende auf der kleinen dänischen Insel kann beginnen. Steen, als Schriftsteller und bekannter Intellektueller häufig vom Trubel des Alltags und der Medien geplagt, hat sich hier über Jahre in einer kleinen, geerbten Hütte seinen Zufluchtsort fernab von allem eingerichtet. Mitten im Wald und ohne Telefon stört ihn hier so schnell niemand beim Schreiben und Philosophieren. Nur sein Nachbar Jepsen, mit dem er sich radebrechend auf deutsch und dänisch unterhalten kann, schaut hin und wieder vorbei und versorgt ihn mit frisch gefangenem Fisch. Eigentlich der perfekte Ort für ein entspanntes Beisammensein. Doch Steen bleibt aus zunächst unerfindlichen Gründen angespannt und unruhig. Als seine Frau ihn an eine Abmachung aus den Anfangsjahren ihrer Beziehung erinnert, fällt er aus allen Wolken. Dem jeweils anderen größtmögliche Freiheiten zu lassen, das haben sie sich damals versprochen. So etwas ist schnell daher gesagt; doch als es nun, nach so vielen Jahren, an ein konkretes Beispiel geht, ist es mit Steens Gelassenheit dahin. Er, der in seinem beruflichen Alltag ständig zu Fragen der Moral zurate gerufen wird, ist plötzlich selbst ziemlich ratlos. Und muss sich nun aus einem ganz anderen Blickwinkel Fragen stellen, die ihn und sein Selbstverständnis gehörig ins Wanken bringen.

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Der Sprung

Autor: Simone Lappert

Verlag: Diogenes

ISBN: 978-3-257-07074-3

Preis: 22,00 €

Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (September 2019)

Der Sprung

Eine junge Frau steht wütend auf einem Dach, derweil wird die Menschentraube vor dem Haus immer größer. Will die Frau etwa springen? Sie weigert sich auf jeden Fall herunterzukommen und so muss die Polizei das Gebäude abriegeln. Von all dem bekommt Therese in ihrem kleinen Laden um …

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Eine junge Frau steht wütend auf einem Dach, derweil wird die Menschentraube vor dem Haus immer größer. Will die Frau etwa springen?
Sie weigert sich auf jeden Fall herunterzukommen und so muss die Polizei das Gebäude abriegeln. Von all dem bekommt Therese in ihrem kleinen Laden um die Ecke zunächst nichts mit. Für sie ist es der 243igste Tag , an dem ihr Mann Werner morgens nicht aufsteh; erst gegen Mittag kommt er runter in den Laden. Das kleine Geschäft läuft schlecht, seitdem der Discounter am Marktplatz eröffnet hat. Heute hört sie vermehrt Polizei-, Krankenwagen- und Feuerwehrsirenen, was aber bald zur Nebensächlichkeit wird, denn es drängen sich immer häufiger Kunden in ihren Laden. Gegen Mittag hat sich sogar eine Schlange gebildet, viele wollen Erfrischungen, Süßigkeiten und Obst kaufen, das Geschäft boomt. So erlebt Therese am Rande des Geschehens die ersten Stunden von den insgesamt eineinhalb Tagen der jungen Frau auf dem Dach.

Therese ist nicht die einzige Person, die wir im Roman kennen lernen. Weitere neun Personen, die mit der Frau zu tun haben, darunter auch die Schwester, ihr Freund, ein Polizist, Egon mit dem Feldstecher, sind die wahren Protagonisten. Es sind Momentaufnahmen aus ihrem Leben, deren Geschichten sich mehr und mehr verweben. Von Manu, der Frau auf dem Dach, wird nur spärlich berichtet, der Fokus liegt auf ihrem Umfeld.
Ich finde diesen Roman sehr beeindruckend, es sind die vielen kleinen Eindrücke und die unterschiedlichen Charaktere, die großen Nachhall finden, jedem Einzelnen könnte man einen eigenen Roman widmen. Es ist das Gesamtwerk, die Summe der vielen Ereignisse und Begebenheiten, die diesen Roman auszeichnen und zu etwas Besonderem machen.

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King Eddi und der fiese Imperator

Autor: Andy Riley

Verlag: Beltz

ISBN: 978-3-407-78493-3

Preis: 12,95 €

Buchtipp von: Vanessa Bartz (September 2019)

King Eddi und der fiese Imperator

King Eddi ist der König von Eddiland. Und für den König gibt es nur eine wichtiges Gesetz: Schokolade für alle! Jeden Freitag verteilt Eddi Schokolade an sein ganzes Volk. Er hat sogar eine Maschine dafür. Leider kann Eddi noch nicht so richtig mit Geld umgehen und so ist das köni…

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King Eddi ist der König von Eddiland. Und für den König gibt es nur eine wichtiges Gesetz: Schokolade für alle! Jeden Freitag verteilt Eddi Schokolade an sein ganzes Volk. Er hat sogar eine Maschine dafür. Leider kann Eddi noch nicht so richtig mit Geld umgehen und so ist das königliche Sparschwein bald leer. Das Volk wird unruhig. Ein Freitag ohne Schokolade? Der fiese Imperator Nurbison hat auf so eine Situation gewartet. Jetzt kann er die Bauern auf seine Seite ziehen und das Reich Eddiland endlich erobern. King Eddi braucht ganz schnell einen Plan und die Hilfe von seinen treuen Freunden Ministerin Jill und Hofnärrin Megan.

Die Geschichte ist kurz und knackig, witzig und mit herrlichen Bildern untermalt. Das Buch ist super für Jungs und Mädchen ab 7 Jahren geeignet und die optimale Lektüre für Fans von Comic-Romanen.

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Der Sommer mit Pauline

Autor: Ivan Calbérac

Verlag: Blumenbar

ISBN: 978-3-351-03776-5

Preis: 20,00

Buchtipp von: Rainer Francke (August 2019)

Der Sommer mit Pauline

Emile ist zum ersten Mal in seinem jungen Leben richtig verliebt: in Pauline, die eine Klasse unter ihm ist, aber mit der er sich über alle Dinge austauschen kann, die ihm wichtig sind. Gut, ihre Familie scheint recht reich, das unterscheidet sie definitiv. Denn Emiles Familie …

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Emile ist zum ersten Mal in seinem jungen Leben richtig verliebt: in Pauline, die eine Klasse unter ihm ist, aber mit der er sich über alle Dinge austauschen kann, die ihm wichtig sind. Gut, ihre Familie scheint recht reich, das unterscheidet sie definitiv. Denn Emiles Familie ist das wahrlich nicht – ihr Haus ist seit Ewigkeiten wegen einer fehlenden Baugenehmigung im Bau und sie wohnt deshalb im Wohnwagen. Doch das überall fehlende Geld machen Emiles Eltern durch Originalität und Spontaneität wett – aber auch das ist für einen Jugendlichen nicht immer nur schön …
Emiles Stunde des Glücks schlägt, als Pauline ihn zu einem Konzert ihres Orchesters in den Ferien nach Venedig einlädt. Klar, dass er sie dort unbedingt besuchen will! Doch groß ist der Schreck, als seine komplette Familie ihn mitsamt ihrem Wohnwagen begleiten will – peinlicher geht es ja kaum. Doch anders kann er sein Ziel Venedig ja kaum erreichen. Und so beginnt eine schräge Abenteuerreise, in der Emile viele Facetten des Lebens kennenlernt, Glück und Traurigkeit erlebt, und am Ende des Abenteuers hat sich seine Sicht auf die Welt durchaus verändert …
Ein wunderschöner, französisch sommerleichter Roman: ideale Ferienlektüre!

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Das Dorf der toten Herzen

Autor: Agustín Martínez

Verlag: Fischer

ISBN: 978-3-596-70228-2

Preis: 14,99 €

Buchtipp von: Stefan Decken (August 2019)

Das Dorf der toten Herzen

Portocarrero: ein unscheinbares Dorf in der südspanischen Wüstengegend. Unwirtlich, staubig, nach Norden hin von den felsigen Ausläufern der kargen Bergkette umgeben. Die Küste bei Almeria ist viele Autominuten entfernt. Das Paradies auf Erden - liegt woanders. Doch für Jacobo und …

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Portocarrero: ein unscheinbares Dorf in der südspanischen Wüstengegend. Unwirtlich, staubig, nach Norden hin von den felsigen Ausläufern der kargen Bergkette umgeben. Die Küste bei Almeria ist viele Autominuten entfernt. Das Paradies auf Erden - liegt woanders. Doch für Jacobo und Irene und deren 14-jährige Tochter ist Portocarrero die letzte Zuflucht. Er hat seinen Job in der Großstadt verloren, das Arbeitslosengeld fließt sehr spärlich; hier in der Nähe des Dorfes können sie im Haus verstorbener Verwandter wohnen.
Da geschieht in einer stockdunklen Nacht der Überfall: zwei Männer dringen in ihr karges Haus ein, töten Irene und verletzten Jacobo schwer. Als Jacobo im Krankenhaus aus dem Koma erwacht, fragt er sofort nach seiner Tochter Miriam. Sie hatte die Nacht bei einer Freundin im Dorf verbracht. Aber man lässt sie nicht zu ihm. Im Gegenteil, die Polizei konfrontiert Jacobo mit einem furchtbaren Verdacht: Auf ihrem Handy wurde ein Chatprotokoll gefunden, in dem Miriam die Ermordung ihrer Eltern ankündigt. Kann das sein? Ist sie wirklich die Auftraggeberin? Warum? Jacobo ist außer sich. Seine Tochter wurde in eine Jugendstrafanstalt gebracht - und die spröden und wortkargen Bewohner Portocarreros schweigen und verbergen sich in ihren Häusern, um die der sommerliche Sandwind aus Nordafrika tobt...
Nach "Monteperdido" ist "Das Dorf der toten Herzen" der zweite starke Thriller des Madrilenen Agustín Martínez. Fesselnd, atmosphärisch und sehr beunruhigend.

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Wir von der anderen Seite

Autor: Anika Decker

Verlag: Ullstein

ISBN: 978-3-550-20037-3

Preis: 20,00 €

Buchtipp von: Anne Simon (August 2019)

Wir von der anderen Seite

Als Rahel zu sich kommt, beobachtet sie wie eine Pflegerin eine bettlägerige Person gründlich von Kopf bis Fuß abwäscht. Rahel braucht einen Moment bis sie begreift, dass sie es ist, die da mit dem Waschlappen bearbeitet wird. Noch länger braucht sie um zu rekonstruieren, wie sie …

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Als Rahel zu sich kommt, beobachtet sie wie eine Pflegerin eine bettlägerige Person gründlich von Kopf bis Fuß abwäscht. Rahel braucht einen Moment bis sie begreift, dass sie es ist, die da mit dem Waschlappen bearbeitet wird. Noch länger braucht sie um zu rekonstruieren, wie sie hierher in dieses Krankenhausbett geraten ist. Eigentlich sollte sie doch bloß operiert werden. Aber das war vor drei Wochen und nun ist sie noch immer hier. Ohne Erinnerung und ohne das Wissen, was in der Zwischenzeit mit ihr passiert ist. Ihre Familie und das zuständige Krankenhauspersonal klären sie über ihre Situation auf. Es gab Komplikationen, eine Sepsis, Koma. Und schon bald stellt sich Rahel eine viel wichtigere Frage - wie sie hier wieder raus kommt. Denn die Wochen im Koma sind nicht spurlos an ihr vorbeigegangen. Jedes Gespräch strengt an, sie muss erst wieder lernen einen Löffel zu halten, und die Medikamente sorgen dafür, dass ihr Krankenzimmer anscheinend von putzigen Eichhörnchen bevölkert wird. Als Rahel zum ersten Mal wieder in den Spiegel schaut, erkennt sie sich nicht wieder. Bucklig und abgemagert gibt sie ein elendes Bild ab. Kranksein hatte sie sich anders vorgestellt, irgendwie stilvoller und weniger erbärmlich. Zum Glück weicht ihre Familie kaum noch von ihrer Seite, deren bisher so unerträgliche Spleens sie plötzlich sehr zu schätzen weiß. Es wird ein langer, steiniger Weg zur Genesung und an manchen Tagen rettet Rahel nur ihr Humor und ihr Gespür für Situationskomik, die Hoffnung zu verlieren.
Auch wenn die Krankheitsthematik erst mal recht betrüblich wirkt, so ist „Wir von der anderen Seite“ doch eine kurzweilige und sehr witzige Geschichte. Anika Decker, bisher bekannt für ihre Arbeit als Drehbuchautorin, ist auch in ihrem Romandebut eine wahnsinnig gute Kombination aus Witz und Herz gelungen.

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